Buchtipp: Kochen für Menschen mit Demenz

Donnerstag, 30. Juli 2009 von Alzheimer-Telefon

Kochbücher gibt es in zahllosen Massen. Doch einen internationalen Preis gewinnen nur die wenigsten. Das Buch “Kochen für Menschen mit Demenz” hat es geschafft. Im Wettbewerb „Gourmand World Cookbook Awards“ wurde das Buch im Juli 2009 zum Besten in der Kategorie “Ernährung und Gesundheit” gewählt. Die Jury würdigte damit die innovative Leistung des Autorenteams.

In dem Buch werden nicht nur Rezepte vorgestellt, sondern auch das Verhalten demenzkranker Menschen, speziell im Bereich Essen und Trinken, erläutert. So können sich Angehörige und Pflegekräfte schneller auf die Patienten und deren Bedürfnisse einstellen.

Auf der Website www.genuss-im-alter.de gibt es mehr Informationen zum Buch, unter anderem auch Vorschaubilder aus dem Kochbuch.

Books on Demand, 96 Seiten, 19,90 EUR

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[DEMENZ] für Dummies

Freitag, 24. Juli 2009 von Heidi

In meinem persönlichen Wörterbuch steht [DEMENZ] : Krankheit, die Löcher in den Kopf frisst.

Seit fünf Jahren suche ich nach einer „volkstümlichen“ Definition für das, was da geschieht. Was Mutter so sehr verändert und weshalb die Wissenschaft machtlos ist.

Googeln und Fachtexte vermitteln eine Menge Information, aber auch Angst und Verwirrung.

Mittlerweile gibt es außer Alzheimer mehrere „morbus …“ Dazu primäre und sekundäre Demenzen. Ständig tauchen neue Begriffe auf, die professionell darlegen, weshalb Mutter immer dümmer, zeitweise idiotisch handelt, und manchmal geniegleich glasklar bei der Sache ist.

Von Fachwörtern wie Atrophie, Plaquen, CT und MRT fühle ich allein gelassen. „Man sieht doch ganz deutlich die Defizite“ sind die Kommentare zu den Röntgenbildern, mit einem flüchtigen Deuten auf irgendeine für mich nicht wirklich sichtbare Stelle. Stirnrunzeln, weil ich hinterfrage. Das frustriert, macht mich wütend.

Wo in Mutters Wesen genau ist was jetzt warum anders? Die ersten CT-Aufnahmen sind für mich noch immer, dank des Fachsimpelns des Arztes, undeutbar. Wenn ich sie aber mit der neuesten Bildversion vergleiche, dann sehe ich jetzt große, dunkle Stellen. Links weniger. Nach meiner Schablone dort, wo die „Gefühle“ sitzen, da passt es noch. Drum also lächelt Mutter immer so zufrieden?

Dunkle Stellen sind Löcher im Gehirn. Das ist meine persönliche Erklärung für Laien wie mich und unsere Nachbarkinder. Löcher, gefüllt mit Flüssigkeit, die ein Zusammenfallen verhindert. Dieses Bild verstehe ich.

Wo nix ist, wird Mutter nicht handeln. Ich kann uns beiden ausführliche Handlungs-Erklärungen ersparen. Kein ewiges „…weil“ mehr. Denn dort, wo sich diese graue Masse im Kopf immer weiter auflöst, wird Mutters „Selbst“ zusehends weniger.

Die Krankheit, die Löcher in den Kopf frisst: so lässt sich das Wort DEMENZ für diejenigen übersetzen, die, wie ich vor Jahren, mit einem „jetzt machen Sie mal das Beste für Ihre Mutter und sich draus“ konfrontiert werden.

Fachwörter sind gut und schön. Die brauche ich so nötig, wie ein Loch im Kopf. Ich wünsche mir ganz einfache Definitionen, damit wir pflegende Angehörige verstehen und einfühlsamer handeln können.

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Im Fokus: Begutachtungen durch den MDK

Freitag, 17. Juli 2009 von Alzheimer Gesellschaft e.V.

Sie haben mit Ihrer Teilnahme an der letzten Umfrage entschieden: Das neue Fokus-Thema ist die MDK-Begutachtung. Wir freuen uns auf weitere Beträge von Ihnen zu diesem oder auch anderen Themen.
Die Redaktion

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) wird immer dann eingeschaltet, wenn jemand einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellt. Aufgabe des MDK ist die Erstellung eines Gutachtens über den Umfang des Pflegebedarfs, den der Antragsteller hat und eine Empfehlung an die Pflegekasse, welche Pflegestufe dementsprechend gewährt werden sollte.

Als Gutachter werden Ärzte und Pflegefachkräfte eingesetzt, die speziell für ihre Aufgabe geschult sind.
Es gibt umfangreiche Begutachtungsrichtlinien, nach denen die Gutachter den Pflegebedarf ermitteln sollen.
Allerdings sind die Erfahrungen, die Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit den Gutachtern machen, äußerst unterschiedlich. In manchen Fällen läuft alles reibungslos und der Gutachter gibt sogar noch einen guten Tipp für ein Hilfsmittel oder den Hinweis auf eine Selbsthilfegruppe.

Andere Angehörige berichten aber z.B. dass der Gutachter statt der üblichen 60 Minuten die Begutachtung in 20 Minuten durchgezogen und dabei ständig nur in den mitgebrachten Laptop geschaut und kaum ein Wort gesagt hat. – Das Ergebnis ist dann in aller Regel eine Ablehnung des Antrags.

Auch die Prüfung der Beweglichkeit des Pflegebedürftigen gehört zur Begutachtung, um einzuschätzen, ob jemand sich noch die Haare kämmen oder die Hose richtig hochziehen kann. Der Einwurf der pflegenden Angehörigen, dass dies körperlich zwar noch möglich ist, ein Demenzkranker aber vergessen hat, wie man diese Tätigkeiten durchführt, wird leider häufig „überhört“.

Oder die Zeit, die notwendig ist um einen Demenzkranken beim Essen anzuleiten und immer wieder ans Weiteressen zu erinnern, wird nicht berücksichtigt mit der Begründung: „Sie können doch in dieser Zeit selbst auch essen.“

Um diesen Situationen vorzubeugen, sollte man schon einige Wochen, bevor der Gutachter kommt, beginnen, ein ausführliches Pflegetagebuch zu führen. Dort müssen vor allem die Tätigkeiten aufgeführt sein, die im Zusammenhang mit Körperpflege, An- und Ausziehen, Toilettengängen und der Einnahme der Mahlzeiten und Getränke stehen. Haushaltsarbeit, Wäschewaschen und Kochen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Wichtig zu wissen ist, dass nicht nur die Zeiten vom MDK berücksichtigt werden müssen, die notwendig sind, wenn man eine bestimmte Tätigkeiten wie zum Beispiel das Zähne putzen vollständig übernimmt, sondern auch die Zeiten, die für Anleitung und Beaufsichtigung, ja sogar für die Motivation, erforderlich sind. Ausführliche Informationen dazu enthält zum Beispiel der „Leitfaden zur Pflegeversicherung“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die zweite Begutachtung, nachdem wir wegen Ablehnung der Pflegestufe bei meiner Großmutter in den Widerspruch gegangen sind, sehr positiv verlaufen ist. Allerdings hatten wir im Widerspruch auch ausdrücklich um einen gerontopsychiatrisch qualifizierten Gutachter gebeten…

Susanna Saxl
Alzheimer-Telefon

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Ein Gedicht von Anke Kopietz über Alzheimer

Freitag, 17. Juli 2009 von Alzheimer Gesellschaft e.V.

Alzheimer

In Erinnerung an meine Mutter

Leider, vor gar nicht langer Zeit,
verlor dich dein Gedächtnis.
Nichts blieb uns mehr, von deiner Zeit.
Erinnerung, ist dein Vermächtnis.

Dein Lachen, wurde Lächeln, zaghaft.
Nur Angst, stand fragend im Gesicht.
Und Abwehr, wurde deiner habhaft,
Vertrauen? Nein, konntest du nicht.

Wem auch? Fremd waren wir dir alle.
Mann, Kinder, Umfeld und auch Haus
So grenztest du, in diesem Falle,
uns ganz, aus deinem Leben aus.

Wir wurden krank, voll Kummer, Sorgen.
Wollten verbinden, helfen, da sein.
Dachten an heute, nicht an Morgen.
Dachten, das kann doch gar nicht wahr sein

Machten dir, uns, auf alle Fälle,
sah`n nicht, wie uns die Zeit verrann,
den Rest des Lebens schon zur Hölle,
als schleichend Sterben, schon begann.

Wir suchten Dich in deiner Hülle.
Haderten mit dem Schicksal nur.
Fanden nicht deines Lebens Fülle.
Zerschlagen deine Lebensuhr.

Oh, hätten wir doch alle nur,
viel besser deine Zeit genutzt.
Gezeigt dir, unsre Liebe pur.

Nun, sind die Flügel uns gestutzt.

© Anke Kopietz 15. Juli 2009

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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