Der FKK-Anhänger

Montag, 22. März 2010 von Martina Rühl

Herr F. schien überzeugter FKK-Anhänger zu sein. Seine Leidenschaft zeigte sich darin, dass er sich, sobald er sein Zimmer betrat, sämtlicher Kleidungsstücke entledigte und diese im ganzen Raum verteilte. Bevor er zu den gemeinsamen Mahlzeiten erscheinen konnte, mußte man die Socken aus dem Koffer fischen, die Unterhose mit Hilfe seines Handstocks unter dem Bett vorziehen, das Hemd aus dem Badezimmer holen, die Hose im Schrank, unter der Bettdecke oder hinter dem Sessel suchen. Bis alle Kleidungsstücke gefunden und Herr F. von der Notwendigkeit, sich anzukleiden, überzeugt war, vergingen schon mal zwanzig Minuten.

Eines Nachmittags weigerte er sich, zum Kaffee trinken in den Speiseraum zu kommen.

Als alle anderen Bewohner schon gemütlich am Kaffeetisch saßen, wurde ich auf den Flur gerufen. Was ich dort sah, ließ mich den Atem anhalten:

Herr F. stand in leicht gebückter Haltung, auf seinen Handstock gestützt da, die Füße nach außen abgewinkelt und hatte sich schwarze Schuhe und Socken angezogen. Mein Blick schweifte von den Socken nach oben und ich sah so lange nichts als nackte Männerhaut, bis meine Augen bei Krawatte und Jackett angekommen waren.

Ich staunte nicht schlecht, mußte mir das Lachen verkneifen und sagte: ”Hallo Herr F., schön, dass Sie doch noch zu uns kommen, aber sooo bringen Sie mir ja die ganze Damenwelt durcheinander! Wie soll ich die denn jemals wieder beruhigen?”

Beleidigt drehte er sich um, schlurfte wieder Richtung Zimmer und brummelte: “Wenn Sie mich so nicht haben wollen, dann geh ich eben wieder!”

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