Nehmen Sie bitte Platz!
Es ist schon toll, was für Hilfsmittel auf Abruf bereit stehen, wenn man nur weiß, dass es sie gibt und wofür sie eingesetzt werden können.
Nehmen wir unseren Toilettenstuhl. Für Menschen mit voller Gehirnleistung eine praktische Erleichterung. Sogar mit herunterklappbaren Armlehnen. Sitz aus weißem Plastik, beinhart, die Aussparung für unseren kleinen Hintern etwas groß. Ein Eimer mit Deckel kann untergeschoben und eingerastet werden. Der Port à Potti auf Rädern überwindet auch mittleren Teppichflor.
Für mich und meine Mutter dient er nur als Transportfahrzeug ins Bad. Denn selbst wenn der Toilettenstuhl nach dem Hochklappen der Klo-Brille genau über die Schüssel gefahren werden kann und „passt“, so sieht das Möbel aus wie ein normaler Stuhl. Und was haben wir alle von Klein auf gelernt? Auf dem Örtchen darf man sich Zeit lassen, ist respektvoll ungestört, kann etwas trinken, essen und die Zeitung lesen. Aber auf einem normalen Stuhl im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer oder auf dem Flur erledigt man kein Geschäft.
Demenzkranke können sich durch Nachdenken nicht korrigieren. Auch wenn ich Mutter den Sachverhalt erkläre, den Stuhl ins WC fahre und sie quasi auf dem Ort sitzt – für sie bleibt es ein normaler unbequemer Stuhl, und da passiert nix.
Ich habe mir schon überlegt, aus dem Baumarkt einen dieser eklig weichen Klo-Brillen aufzukleben, den weißen Plastik farblich abweichend zu streichen. Dann passt die abnehmbare kaschierende Auflage nicht mehr drauf, aber ein Klo neben dem Bett – das geht mal gar nicht.
Eine Hoffnung gibt es noch – da immer mehr Menschen demenzkrank werden, haben vielleicht auch die Designer von Hilfsmitteln Familienangehörige, bei denen Sie Wahrnehmung und Zweck ihrer Erfindungen ausprobieren können, aus der Sicht einer Noch-Minderheit. Vielleicht klappt es dann?





