Gespräch mit Wibke Bruns, Schirmherrin der Alzheimer Gesellschaft
Am Welt-Alzheimertag 2009 übernahm die Journalistin und Buchautorin Wibke Bruhns die Schirmherrschaft der DAlzG von der ehemaligen Familienministerin und Bundestagsabgeordneten Renate Schmidt. Sie erregte Aufsehen, als sie 1971 als erste Frau die Hauptnachrichtensendung des ZDF moderierte.
Später arbeitete sie als Journalistin und Auslandskorrespondentin für Fernsehen und Presse. 1989 erhielt sie für eine Reportage den renommierten „Egon-Erwin-Kisch-Preis“. Große Aufmerksamkeit fand ihr 2004 erschienenes Buch „Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie“. Wibke Bruhns lebt in Berlin.
Im Februar 2010 besuchte sie die Geschäftsstelle der DAlzG und wir konnten das folgende Gespräch mit ihr führen:
Frau Bruhns, der Kontakt zu Ihnen kam zustande durch das „Buch der Erinnerungen“, das die DAlzG 2008 herausgegeben hat. Darin haben Prominente aus Medien, Kunst, Sport und Politik Gedanken zum Thema Alzheimer aufgeschrieben. Ihr Beitrag endete mit der Zeile „Erinnerung ist Leben. Ich bin dankbar dafür“.
Wibke Bruhns: Ja, das bin ich wirklich. Es ist für mich eine schreckliche Vorstellung, das Gedächtnis weitgehend zu verlieren. Seit etwa zehn Jahren habe ich mitbekommen, dass mein Bruder, damals Mitte 70, der mit seiner Frau in Niedersachsen lebte, sich veränderte. Er wurde langsamer, sein Gedächtnis verschlechterte sich, manchmal wurde er unwirsch und aggressiv. Sein Hausarzt hat ihn dann zum Neurologen überwiesen, der die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert hat.
Wer hat die Betreuung übernommen?
Wibke Bruhns: Das hat ganz wesentlich meine Schwägerin getan, die von einem ambulanten Pflegedienst unterstützt wurde. Ich habe mir große Sorgen um sie gemacht, die nur wenig jünger ist als mein Bruder. Es war eine sehr schwere Zeit für sie. Ich habe bewundert, wie geduldig und liebevoll sie sich bis zum Schluss gekümmert hat.
Mehrfach musste er wegen körperlicher Erkrankungen ins Krankenhaus. Das war ganz katastrophal, weil er sich dort überhaupt nicht zurechtfand. Er schrie das Personal an, das offenbar auf einen Demenzkranken gar nicht eingestellt war. Er irrte über die Korridore und einmal, nach einem Sturz hat man ihn hilflos in einer abgelegenen Ecke gefunden.
Leider ist dies kein Einzelfall, weshalb die DAlzG ja auch ein Forschungsprojekt fördert, das sich damit beschäftigt, wie Demenzkranke in Allgemeinkrankenhäusern besser versorgt werden können.
Wibke Bruhns: Sehr schön war allerdings, dass die „Goldene Hochzeit“ meines Bruders und seiner Frau in der Kapelle eines Krankenhauses gefeiert werden konnte. Ich weiß nicht, ob er verstanden hat, worum es genau ging, aber die feierliche Atmosphäre hat ihm sichtlich gefallen. 2008 ist mein Bruder nach einer kurzen Zeit im Pflegeheim verstorben. Für meine Schwägerin ist das Leben jetzt leichter, doch es gibt auch eine große Leerstelle.
War diese persönliche Erfahrung ausschlaggebend dafür, die Schirmherrschaft zu übernehmen?
Wibke Bruhns: Natürlich weiß ich, dass wir in einer alternden Gesellschaft leben, dass die Zahl der Demenzkranken steigen wird und dass für sie noch viel getan werden muss. Das Schicksal meines Bruders und seiner Frau haben mir jetzt den Anstoß gegeben, mich öffentlich für Demenzkranke und ihre Angehörigen einzusetzen. Deshalb habe ich die Schirmherrschaft der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sehr gern übernommen.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und danken Ihnen für das Gespräch!
(Die Fragen stellte Hans-Jürgen Freter)





