Freitag, 5. November 2010 von DAlzG
Die Eifelzeitung brachte in einem Artikel folgendes Zitat:
„Eine eigene Toilette in jedem Zimmer braucht es hingegen nicht. Schmitt: „Damit können demente Menschen meist nichts mehr anfangen.“ Die nutzten eher einen Aufzug oder suchten sich andere „ruhige Plätzchen“ für ihr Geschäft – Erfahrungswerte aus anderen Heimen. Man merkt, dass Männer aus der Praxis am Werk sind.“
Dazu erreichte uns folgender Leserbrief, den wir hier gerne veröffentlich. Was halten Sie davon?
Als Fachkraft, seit über 10 Jahren betraut mit der psychosozialen Einzel- und Gruppenbetreuung auch demenzkranker Bewohner einer großen Seniorenresidenz, bin ich entsetzt über diese Aussage!
Laut Transparenzbericht wurde die betreffende Seniorenresidenz vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung mit 1,5 bewertet – ein Ergebnis über dem Landesdurchschnitt (2,3). Schaut man sich den Bericht näher an, wird deutlich, dass das Kriterium Nr. 23: „Werden bei Bewohnern mit Inkontinenz geeignete Maßnahmen durchgeführt“ mit 4,6 bewertet ist.
Kriterium Nr. 44: „Werden dem (demenzkranken) Bewohner geeignete Angebote gemacht, z. B. … zur Wahrnehmung)“ mit 5,0.
Hat man daraus nicht gelernt?
Wirbt nicht die Einrichtung in ihrer hauseigenen Präsentation mit individuellem, wertschätzendem Umgang mit Ihren Gästen?
Arbeiten sie nicht nach dem „Pflegekonzept Monika Krohwinkel“, wo der Umgang mit „Ausscheiden“ im AEDL 6 klar geregelt ist?
Sind nicht Betreuungskräfte speziell für dementiell Erkrankte integriert?
Die „Begleitung zur Toilette und die Wahrnehmung der Notdurft“, selbst wenn verbale Verständigung nicht mehr möglich ist, gehört zur Basisqualifikation! Findet nicht „Bezugspflege“ statt?
Kann es dann sein, dass Patienten nicht zum Toilettengang begleitet werden, dass sie in „Aufzügen oder an anderen ruhigen Plätzchen ihr Geschäft verrichten“. Kann es dann sein, dass niemand ihre Bedürfnisse wahrnimmt, die sich z. B. durch motorische Unruhe nach den Mahlzeiten zeigt?
Ist die logische Konsequenz dann nicht eher eine Schulung der Mitarbeiter in Bedürfniswahrnehmung, Orientierungshilfen in den Zimmern, regelmäßiges Toilettentraining statt diese abzuschaffen?
Führt das Fehlen eines WCs (z. B. nachts) nicht dazu, dass Bewohner auf der Suche nach dem „Örtchen“ herumirren und – in der Konsequenz daraus – womöglich zu Beruhigungsmitteln und fixierenden Maßnahmen?
Man fragt sich, wie demzufolge mit Bewohnern verfahren wird, die aufgrund ihrer Demenz „essen vergessen“? Werden die Mahlzeiten auch abgeschafft? Und brauchen Bewohner mit Weglauftendenz überhaupt ein Bett?
Welches Bild wirft der Artikel:
· Auf Menschen mit dem Krankheitsbild „Demenz“?
· Auf die Unterbringung in vollstationären Einrichtungen?
· Auf die Glaubwürdigkeit von (Internet)Präsentationen?
Ich kann Herrn Schmitt nur ein würdevolles, selbstbestimmtes Altern wünschen.
Persönlich möchte ich mich, als Mitarbeiterin einer Seniorenresidenz, von diesem Artikel distanzieren!
Mit freundlichen Grüßen
Monika Paillon
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