Kleine Begegnungen mit anderen Angehörigen

Montag, 31. Januar 2011 von Dagmar

Eine Tochter ca 50 Jahre begleitete ihre Mutter zum Arzt. Als ich bemerkte, dass die Tochter vergeblich ihre Mutter versuchte zu überzeugen, dass sie in der Anmeldung kein Rezept erhält und ihre nächsten Termine in der Küche hängen (Mutter wohnt noch allein), sagte ich als die Situation sich zuspitzte: Hier ist das Rezept und nahm einen Zettel. Die Mutter war zufrieden und die Tochter verwirrt. Ich sagte ihr” streiten sie nicht, sie versteht es nicht. Beruhigen sie ihre Mutter, dass alles vorhanden ist.” Einen Hinweis gab ich ihr noch: “Rechtzeitig die Mutter zu sich zu nehmen oder andere Maßnahmen einzuleiten, damit sie sich noch eingewöhnen kann. Außerdem schaffen Sie es nicht mehr zwei Haushalte zu führen und ständig bei ihrer Mutter zu sein.”
Sie schaute mich dankbar an und ich wünschte ihr viel Kraft und sie solle sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Ein anderer Fall: ein gut gekleideter älterer Herr wurde von seinem Sohn begleitet. Der Sohn fühlte sich nicht “wohl in seiner Haut”. Für mich entstand der Eindruck, dass es ihm peinlich war. Der Vater war unsicher, er brauchte seinen Sohn, ihm vertraute er. Der Sohn gab ihm halt. Dem Vater war bewußt, dass er vieles nicht mehr richtig einordnen konnte. Ich mußte an meine Mutter denken, die sich ebenfalls vertrauenvoll an mich klammerte, als wir erstmals wegen ihrer Demenz den Arzt aufsuchten.
Dem Sohn sagte ich: es ist sehr gut dass Sie sich um Ihren Vater kümmern. Es gibt ihm den nötigen Halt. Seien Sie für ihn da. Nutzen Sie alles um ihrem Vater zu helfen.”

6 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: ,


Reise ins Vergessen. ZDF am 1. Februar

Freitag, 28. Januar 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Reise ins Vergessen (1/2)

Leben mit Alzheimer

Es geht um Freundschaft, Liebe und Verantwortungsgefühl – und das auch in schweren Zeiten. Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind dement, sie haben die Krankheit des Vergessens, und die Zahl der Erkrankten steigt. Die Betroffenen und ihre Angehörigen leisten oft Übermenschliches, um mit der Krankheit so gut es geht fertig zu werden, um sich so viel Lebensfreude wie möglich zu erhalten. Dabei müssen sie mit Pflegestufen, Krankenkassenabrechnungen und vielleicht mit der Suche nach Heimplätzen kämpfen, während doch schon die Krankheit ihre ganze Kraft braucht.

Zu sehen im ZDF um 20.15h, am  1. Februar 2011 . Mehr Infos hier.

Der zweite Teil wird am Dienstag, 08. Februar, 20:15 Uhr, ausgestrahlt.

4 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter:


Bedürfnis und Bedarf

Dienstag, 18. Januar 2011 von Heidi

Während der Weihnachtsfeiertage und zum Jahresübergang waren unsere Betreuungsgruppen geschlossen. Um die Versorgung meiner Mutter zu gewährleisten nahm ich Urlaub. Zweieinhalb Wochen 24 Stunden Einsatz, wird schon gehen. Ich hatte einen Plan aufgestellt von Soll, Ist, Möchte. Keine von uns beiden sollte zu kurz kommen. Urlaubsgenuss mit geregeltem Tagesablauf.

Die ersten beiden Tage lief alles nach Plan. Ich war morgens, abends, nachts wie üblich im Einsatz. Tagsüber kam mir die Aufgabe des Alleinunterhalters zu. Wohlgemerkt, Mutter spricht nicht mehr. Alleine Aufrichten, Stehen, oder etwa eine Buchseite umblättern, kann sie nicht. Gut, dass wir eine Vogelfutterstelle vor dem Fenster haben. Nach dem Frühstück Mutter aufs Sofa gesetzt, genießt sie den Anblick, döst, schaut interessiert zu. Ich hätte eigentlich meinen Erledigungen nachgehen können. Aber es gab einen Unterschied zwischen dem Bedürfnis und Bedarf.

Unsere Grundbedürfnisse waren identisch: essen, trinken, WC, Aktion, Schlafen. Der Bedarf ein ganz anderer. Mutter braucht drei regelmäßige Mahlzeiten, ich nicht. Sie soll eine bestimmte Menge trinken, ich nur wenn ich Durst habe. Sie müsste alle zwei, drei Stunden aufs WC oder zum Windeln kontrollieren, ich gehe wenn ich muss. Sie ist an ein aktives Betreuungsprogramm außer Haus gewöhnt, mit Spazierengehen, Transport. Ich lese lieber, möchte den Keller aufräumen und das Haus bei dieser Kälte nicht verlassen. Schlafen, Ausruhen? Na ja, nachts bin ich diejenige zum Umlagern, sie schläft dabei weiter. Nachholen am Tag? Während Mutter nach einer Viertelstunde Siesta den Kopf hob und mich erwartungsvoll anschaute, wäre ich lieber noch ein, zwei Stunden auf dem Sofa geblieben. Nie wurde mir so deutlich, dass eine Mahlzeit mittlerweile locker eine Stunde dauert, wenn ich Mutter alleine mit dem Löffel hantieren lasse und nach der Hälfte der Mahlzeit jeden Bissen anleite. Das Trinken einer Tasse Wasser: eine halbe Stunde, wir halten beide die Tasse.

(Weiterlesen…)

7 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: ,


„Die Puppe als Partner“

Dienstag, 18. Januar 2011 von DAlzG

Behandelt man alte Menschen wie Kinder, wenn man ihnen „Handpuppen als Partner“ anbietet? Ganz und gar nicht! Wenn man die Senioren zum Spielen einlädt, bietet man ihnen die einmalige Möglichkeit, ihre eigene Lebensenge aufzubrechen und über sich hinauszugehen. Die Puppe auf der eigenen Hand ist gleichsam die Einladung, ein anderer zu werden, sich zu vergessen und sich in und mit der Puppe neu zu erfinden.
Spielt dagegen ein Betreuer für die alten Menschen, dann begegnet den Zuschauern kein Erwachsener, der in seiner Komplexität fast schon wieder beängstigend sein kann, sondern das freundliche oder gruselige Gesicht einer ganz einfachen typischen Figur, die klar und schlicht agiert und dabei ganz elementare Gefühle weckt und Reaktionen bei den Senioren hervorlockt.

Mit diesen und anderen Themen beschäftigt sich seit Jahren das Institut für Puppenspielkunst. In den schönen Räumen des Seminarhauses „Szenario“ in Heidelberg bringt die Sozialpädagogin und professionelle Puppenspielerin Ellen Heese unterschiedlichen Multiplikatoren den Umgang mit Puppen bei.

Vor einigen Jahren wurde das Seminar „Die Puppe als Partner“ für Altenpflegerinnen, die mit Alzheimer-Patienten arbeiten, weiter entwickelt. Ziel des Seminars ist das Erlernen eines Mediums, eines „Handwerkszeuges“, das das Zusammenleben mit Demenzkranken lebendiger und anregender macht. In der Kommunikation mit den Betroffenen bauen sie Vertrauen auf, wecken Gefühle und Erinnerungen und bringen Fröhlichkeit ins Leben. Sie fördern die Konzentration, können beruhigend wirken und regen die Fähigkeit zum Spielen und Erzählen an. Nicht nur auf die Patienten wirkt die Methode therapeutisch. Der Einsatz des Puppenspiels hat auch eine deutlich positive Wirkung auf die betreuenden Verwandten bzw. Altenpflegerinnen. Puppen bieten die Möglichkeit, momentane Gefühle zum Ausdruck zu bringen und dienen damit dem Abbau von Stress. Sie können offener und direkter sein als die Betreuer selbst und wirken als Katalysator in schwierigen Situationen.

Das Seminar „Die Puppe als Partner“ wird mehrmals im Jahr im Seminarhaus Szenario in Heidelberg angeboten. Es ist auch möglich, das Angebot für eine Altenpflegeeinrichtung oder Selbsthilfegruppe mobil zu buchen.

Ellen Heese, Leimen
Weitere Informationen im Internet unter: www.szenario-heidelberg.de oder unter Tel: 06224-702512.

4 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , ,


Radio-Beitrag zum Thema Demenz am 17.1.11, 20:30 Uhr auf NDR Info

Donnerstag, 13. Januar 2011 von Susanna S.

“Ich habe die Kraft, für mich zu sprechen – das neue Selbstbewusstsein der Menschen mit Demenz”

Am Montag, den 17.1.2011, läuft um 20:30 Uhr in der Reihe “Das Forum” auf NDR Info ein sicherlich spannender Beitrag von Burkhard Plemper zum Thema Menschen mit Demenz in der frühen Phase.
Für alle, die sich die Sendung dann nicht anhören können, wird der Beitrag anschließend in der Mediathek zu finden sein unter www.ndrinfo.de.

2 Personen gefällt dieser Artikel.


ZEIT ONLINE-Artikel: Der langsame Abschied

Dienstag, 11. Januar 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Zeit online hat einen schönen und berührenden Bericht über eine Frau und ihren demenzkranken Mann geschrieben.

“An schlechten Tagen, wenn er morgens seine Arme von oben bis unten mit Zahnpasta beschmiert, den Notruf gewählt oder in seiner Verzweiflung bei ihr für eine schlaflose Nacht gesorgt hat, würde sie am liebsten weinen. »Aber ich weine nicht«, sagt Irmgard Karg. »Weil ich dann Angst habe, nicht mehr aufhören zu können.”

Weiter geht es hier bei ZEIT ONLINE

5 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter:


In Verbindung bleiben bis zuletzt

Montag, 10. Januar 2011 von DAlzG

Alles wirkliche Leben ist Begegnung.
Der Mensch wird am „Du“ zum „Ich“
M. Buber

Bei fortgeschrittener Erkrankung können Demenzkranke ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht mehr verständlich machen. Zudem können sie über die Sprache nicht mehr Anteil nehmen an dem, was um sie herum geschieht. Sie leben in ihrer eigenen Welt und bleiben doch Teil der Welt, die sie umgibt. Auch wenn die Fähigkeit zum Austausch von Erfahrungen, Erinnerungen, Informationen nicht mehr gegeben ist, so sind Menschen mit Demenz oft sehr empfindsam für das, was in ihnen und um sie herum vorgeht. Am „Du“, in der Begegnung erfahren sie Wertschätzung oder Missachtung, drücken sie sich selber aus oder werden nicht gehört. Selbst im weit fortgeschrittenen Stadium der Demenz wird sich z. B. Frau Adam verkrampfen und schreien, wenn sie unsanft angefasst und ohne Vorwarnung gelagert wird – denn sie war ihr Leben lang schreckhaft. Die Augen von Herrn Vogel aber werden leuchten, wenn sein Enkel kommt, ihm eine Kastanie in die Hand drückt und ihn streichelt. Gestik, Mimik und Laute sind zum Hauptkommunikationsmittel geworden. Dies erfordert von den Begleitern Zeit hinzuschauen und aufmerksam die Zeichen wahrzunehmen und nach deren Bedeutung zu forschen.

Worauf ist bei der Begleitung in der letzten Lebensphase besonders zu achten?
Demenzkranke im letzten Stadium sind Außenreizen oft schutzlos ausgeliefert und können Stimmengewirr oder laute Geräusche nicht mehr zuordnen. Dies kann Angst und Unsicherheit auslösen. Eine ruhige, sanfte Stimme hingegen gibt Sicherheit.
Daher achten Sie auf eine (möglichst) stressarme, aber stimulierende Umgebung.

Je mehr das rationale Denken nachlässt, desto bedeutungsvoller wird die Wahrnehmung über die Sinne. Die Angebote sollten individuell angepasst sein, denn die Vorlieben für Düfte, Musik, Berührung, Farben sind unterschiedlich. Bieten Sie Anregungen über

  • das Sehen: z.B. ein Tuch oder ein buntes Mobile, das sich langsam über dem Bett bewegt, ins Freie schauen können oder nicht geblendet werden von zu viel Helligkeit
  • das Hören: z.B. durch Musik, sanfte Stimmen, Angesprochen werden, bekannte Geräusche
  • das Schmecken: z.B. durch unterschiedliche Geschmacksvarianten und Konsistenzen der Nahrungsmittel
  • das Riechen: z.B. durch wohlriechende Öle, frischer Kaffeeduft, der Geruch von Kuchen im Ofen, frische, kühle Luft, Weihrauch, Fliederduft
  • den Tastsinn und Körperempfindung: z.B. durch sanfte Berührung, das Bewusstmachen der Körpergrenzen durch Abreibungen und sanften Druck, warme Kissen, durch unterschiedliche Gegenstände zum Anfassen

Wenn Menschen die Sprache verlieren, werden auch wir häufig stumm in ihrer Gegenwart. Wir sind in Gefahr, über sie hinweg zu reden, als wären sie nicht da oder wir vermeiden den Kontakt. Damit lassen wir sie allein. Jedoch: Menschen mit Demenz in der letzten Lebensphase brauchen uns, brauchen, dass wir sie ansprechen, brauchen unsere Gegenwart. Manchmal ist es wichtiger, einen Moment da zu bleiben – ohne etwas zu tun, selbst zur Ruhe zu kommen. Da uns dies nicht leicht fällt, sollten wir es uns jeden Tag einmal vornehmen.

Helga Schneider-Schelte, Berlin

9 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , ,


Extreme Pflegefälle in der Altenpflege – Ein unlösbares Problem?

Montag, 3. Januar 2011 von Anna Audorf

Ein weiteres ereignisreiches Jahr liegt hinter uns! Ende 2008 fand die Überleitung von Schwiegermutti (Alzheimer Demenz) in die vollstationäre Langzeitpflege des St. Johanneshauses in Berlin statt. Als Angehörige sind wir hochzufrieden! Unsere Erwartungen wurden bis heute übererfüllt. Das Haus-Programm, die Pflege und die Atmosphäre sind richtig gut.
Im Jahre 2009 zerbrach mein Schwiegerpapa an der Situation. Er kam mit den Themen Demenz und Krankheiten nicht klar. Nach vielen gesundheitlichen Zusammenbrüchen fand gemeinsam mit dem Krankenhaus ebenfalls eine Überleitung in die vollstationäre Pflege des St. Johanneshauses statt.
In unserer heutigen Gesellschaft wird sehr viel über das Pflegesystem in Deutschland „gemeckert“! Sehr zu Unrecht! Ob arm oder reich – in Deutschland erhält jeder eine Chance auf Unterstützung.
(Weiterlesen…)

6 Personen gefällt dieser Artikel.


Die Sprache verstehen

Montag, 3. Januar 2011 von Martina Rühl

Ich arbeite seit fünf Jahren in einem Wohnbereich für demenzkranke Menschen und bin immer noch davon fasziniert, was für Wörter ihnen einfallen und wie geschickt sie gewisse Dinge umschreiben können.

Wir müssen nur lernen, zwischen den Zeilen zu lesen!

Frau Schäfer saß im Rollstuhl und konnte wegen massiver Gleichgewichtsstörungen nur in Begleitung laufen. Da sie selbst nicht mehr in der Lage war, die Gefahr eines Sturzes einzuschätzen, wurde sie zu ihrem eigenen Schutz mit einem Bauchgurt im Rollstuhl fixiert.

Das empfand sie verständlicherweise oft als störend.

Eines Nachmittags hatte sie schon eine Weile vergeblich versucht, den Gurt zu öffnen und suchte nun Hilfe bei ihren Mitbewohnern.

Sie rief im Kommandoton: „Wer macht denn hier die Kohlen los? Wer leitet denn hier die Kompanie? Durchschneiden! Sofort! Haben Sie schon die Bremse los?“

Wenn man weiß, was Frau Schäfer beabsichtigte, klangen ihre Befehle durchaus logisch, oder?

Frau Pretorius fuhr, als sie nicht mehr selbständig laufen konnte, unermüdlich mit dem Rollstuhl über die Flure des Wohnbereichs. Als sie mich aus einem Zimmer kommen sah, winkte sie mich zu sich heran.

Sie fragte: „Wissen Sie eigentlich, wie ich mich morgens fühle?“ (Weiterlesen…)

7 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: ,



Unsere Seite bei Facebook