Umfrage zum Thema Stress

Donnerstag, 31. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

© Doc RaBe - Fotolia.com

Haben Sie schon unsere Umfrage zum aktuellen Thema gesehen?

“Die Betreuung Demenzkranker stellt Pflegende jeden Tag vor neue Herausforderungen. Wie groß ist der Stress dabei für Sie persönlich?”

Sie finden sie auf dieser Website oben rechts!

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Beiträge gesucht: nächstes Fokus-Thema “Demenzkranke im Heim”

Donnerstag, 31. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Die nächste Ausgabe des Alzheimer Info wird im Juni 2011 mit dem Schwerpunkt ” Betreuung und Pflege Demenzkranker im Heim” erscheinen.

Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie gemacht? Was geschieht speziell für das Wohlbefinden Demenzkranker? Was sollte sich ändern?

Bitte schicken Sie uns dazu Manuskripte, gerne mit Fotos, möglichst als Datei. Maximal eine dreiviertel Seite in einer 12 Schrift (ca. 350 Worte).

Redaktionsschluss für die Printausgabe ist der 14. April 2011. Beiträge für das Alzheimerblog sind natürlich auch später noch möglich.

Auswahl und Kürzungen behält sich die Redaktion vor.
Kontakt: redaktion@alzheimerblog.de

PS: Das übernächste Heft wird den Schwerpunkt “Welt-Alzheimer-Tag” und “Miteinander der Generationen” haben. Auch hierzu freuen wir uns über Ihre Beiträge.

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Stress – ein ständiger Begleiter im Alltag pflegender Angehöriger

Mittwoch, 30. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

© Gerhard Seybert - Fotolia.com

Wer die Betreuung und Pflege eines Demenzkranken übernimmt hat meist die Vorstellung, bei körperlichen Beschwerden Unterstützung zu leisten, im Haushalt zu helfen, und für das Essen zu sorgen. Auf die besonderen Anforderungen aufgrund einer Demenzerkrankung sind die Pflegenden in der Regel nicht vorbereitet. Am Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erzählen sie davon: „Am meisten belastet mich, dass mein Mann immer meine Nähe sucht. Kaum dass ich aus der Türe gehe, ruft er schon nach mir.“ Wenn das Gedächtnis nicht mehr funktioniert, Orientierungsstörungen undVeränderungen der Persönlichkeit hinzu kommen, kann der Alltag schnell aus den Fugen geraten.

Eingespielte Tätigkeiten und Abläufe müssen neu organisiert werden. Eine andere Angehörige sagt: „Mein Mann war früher Elektriker. Er konnte alles. Wenn ich ihm heute sage, er soll die Glühbirne wechseln, verzweifelt er daran. Es stimmt mich traurig, mit anzusehen, was aus ihm geworden ist.“ Die Forschung hat herausgefunden, dass pflegende Angehörige von demenziell erkrankten Menschen stärker unter Stress und Depressionen leiden als andere Pflegende.

Was ist Stress?

Zum besseren Verständnis des Belastungserlebens wird vielfach das Stressmodell des Psychologen Richard Lazarus (1981) herangezogen. Dieses Modell geht davon aus, dass Stress die Folge einer wechselseitigen Beziehung zwischen der Person und externen Ereignissen (z.B. in der Pflege) oder zwischen der Person und inneren Anforderungen (z.B. Ziele, Werte, Aufgaben) ist. Stress entsteht dann, wenn die Anforderungen, die z.B. durch die Krankheit entstehen, die Anpassungsfähigkeiten oder Ressourcen einer Person zu stark beanspruchen oder übersteigen. Dabei ist für das Stresserleben nicht alleine die Situation an sich von Bedeutung, sondern auch die Art und Weise wie die Person die Situation verarbeitet und bewertet. Menschen sind unterschiedlich anfällig für stressauslösende Situationen. Was für den einen schon Stress bedeutet, wird von einem anderen (noch) nicht als Stress empfunden. Bei der Betreuung und Pflege von Demenzkranken wird schnell die höchste Stressstufe erreicht.

In Projekten zur Angehörigenberatung an der Universität Leipzig (Wilz, Adler, Gunzelmann 2001) benannten Angehörige folgende Stressoren als besonders belastend:

  • Einschränkung persönlicher Freiräume („Ich habe kein eigenes Leben mehr.“)
  • Verlust von Kommunikationsfähigkeiten („Die Mutter ist kein Ansprechpartner mehr“)
  • Desorientiertheit („Sie möchte immer nach Hause, obwohl sie doch da ist.“)
  • Fehlende Einsichtsfähigkeit („Sie ist keinen Vernunftgründen zugänglich.“)
  • Aggressivität („Wutanfälle, Schlagen, Kneifen.“)
  • Inkontinenz („Er hat mich angekackt.“)

Der Grad der Belastung und damit das Wohlbefinden und die Gesundheit der Angehörigen stehen in engem Zusammenhang mit der Situation in der die Pflege stattfindet, besonders Alter und allgemeiner Gesundheitszustand der Pflegenden, der persönlichen Beziehung zu dem Gepflegten und der privaten und professionellen Unterstützung. Ferner spielen die Bewältigungsstrategien („Coping“) der Pflegenden eine wichtige Rolle.

Wie kann Stress bewältigt werden?

© Fotolyse - Fotolia.com

Wenn es Angehörigen gelingt, die Pflegesituation immer wieder neu zu bewerten und ihr Augenmerk auf das zu richten, was noch möglich ist, hat dies positive Auswirkungen auf die Pflege. Hilfreich dabei ist:

  • Sich zu informieren. Informationen sammeln über die Krankheit, über die Möglichkeiten des besseren Umgangs mit den Erkrankten, über Unterstützungsmöglichkeiten, oder auch spezielle Schulungen für Angehörige von Demenzkranken zu besuchen, etwa die Schulungsreihe für Angehörige von Alzheimer- und anderen Demenzerkranken „Hilfe beim Helfen“, die von den örtlichen Alzheimer-Gesellschaften angeboten wird
  • Sich auszutauschen mit anderen pflegenden Angehörigen, z.B. in Selbsthilfegruppen, um sich gegenseitig zu entlasten und Tipps zu bekommen, die den Alltag erleichtern, um zu erleben, dass man in dieser Situation nicht allein ist
  • Sich Individuell beraten zu lassen. Manchmal entwickelt sich daraus eine andere Sicht auf die Situation, man fühlt sich nicht mehr so hilflos, und es kann gelingen, sich wieder für anderes zu öffnen und mehr auf sich zu achten
  • Sich Unterstützung zu organisieren: im privaten Umfeld (Familie, Freunde, Nachbarn), durch Ehrenamtliche (Helferinnenkreis, Betreuungsgruppen) oder durch ambulante oder stationäre Angebote.

Tipps von Angehörigen für Angehörige zum Stressabbau
In einer Gruppe von Angehörigen wurden folgende Tipps genannt:

  • Rechtzeitig um Hilfe bitten
  • Offen mit der Krankheit umgehen – anderen die „Veränderungen“ erklären
  • Auch anderen etwas zumuten – nicht nur sich selbst
  • Immer wieder mal tief durchatmen
  • Sich selbst etwas Gutes tun (Bummeln gehen, sich mit einer Massage oder beim Friseur verwöhnen lassen)
  • In der Küche das Radio anstellen und dazu tanzen
  • Kleine Dingen bewusst wahrnehmen und sich daran erfreuen (etwa an Blumen, Tieren, Bäumen)
  • Humor: Immer wieder aus vollem Herzen lachen
  • Einen Film anschauen, ein spannendes Buch lesen und so in eine andere Welt eintauchen
  • Körperlich aktiv sein (Spazieren gehen, die Natur erleben, schwimmen gehen, Fahrrad fahren)
  • Nicht mit dem Kranken diskutieren – manchmal hilft es, aus der Situation zu gehen
  • Gewohnte Muster durchbrechen

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten Ruhe und Entspannung zu finden, die z.T. in Kursen vermittelt werden. Etwa die Methode der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training, Yoga. Auch homöopathische Mittel können unterstützend wirken. Bei Belastungen durch Stress, Ängste oder Depression kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein, die ärztlich verordnet werden kann.

Jeder sollte das wählen, was ihm individuell entspricht und wozu er einen Zugang findet.
Helga Schneider-Schelte, Berlin

Literatur:

  1. Lazarus, R. S. Streß und Streßbewältigung – Ein Paradigma. In: Filipp, S.-H. (Hrsg.). (1981). Kritische Lebensereignisse. München: Urban und Schwarzenberg, S. 198-232.
  2. Wilz, G.; Adler, C., Gunzelmann, Th. (2001) Gruppenarbeit mit Angehörigen von Demenzkranken. Ein therapeutischer Leitfaden. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

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Im Fokus: Umgang mit Stress

Mittwoch, 30. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Die aktuelle Ausgabe des Alzheimer Info widmet sich dem Schwerpunkt „Umgang  mit Stress bei der Betreuung und Pflege Demenzkranker“ . Die Pflege eines demenzkranken Patienten und ganz besonders die Pflege eines Angehörigen wird oft zu einem sehr grossen Stressfaktor. Und doch gibt es auch Mittel und Wege, mit diesem Stress umzugehen und ihn mehr oder weniger zu reduzieren. Wichtig dabei ist zu erkennen, was einen belastet und dann herauszufinden, was daran geändert werden kann. Das kann eine Änderung im Tun sein oder im Denken.

Stress ist ja eine Erscheinung, die heutzutage fast jeden belastet. Doch was ist Stress eigentlich genau? Wikipedia sagt dazu folgendes:

Stress (engl. für „Druck, Anspannung“; lat. stringere: „anspannen“) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.

Eine gewisse Herausforderung ist durchaus gesund. Sie befähigt einen, sich zu weiter zu entwickeln und vielleicht auch einmal über sich herauszuwachsen. Doch wenn die Belastung gar nicht mehr aufhört oder grösser ist als das, was noch zu bewältigen ist, wird Stress wirklich zur Belastung. Vor allem dann, wenn die notwendigen Erholungs- und Regenerationspausen nicht mehr möglich sind.

Je grösser also die Belastung ist, um so wichtiger ist es, für die eigene Entlastung zu sorgen. Jede noch so kleine Pause oder Entspannung kann wieder Kraft und Energie geben.

Wir beschäftigen uns auch hier in diesem Blog in den nächsten Wochen mit den Fragen:

Was empfindet jemand als Stress und wie entsteht Stress eigentlich?
Wie beeinflusst Stress die Betreuung und Pflege? Was kann man tun, um die Situation zu entspannen?
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Schreiben Sie uns bitte. Wer noch keinen Schreibzugang hat, wendet sich bitte an unsere Redaktion redaktion@alzheimerblog.de. Wir freuen uns immer wieder über neue Mit-Schreiber/innen!


Mit den Kräften haushalten Teil II

Mittwoch, 30. März 2011 von Heidi

„Naa, Frau B, heute noch müde?“ fragt der Fahrer und fasst Mutter sanft an die Schulter. Als Antwort lächle ich bloß. Nein, sie ist nicht noch, sondern schon wieder müde. Ein Außenstehender weiß nichts von der Schwerstarbeit, die Mutter aufs Höchste fordert im Druck, die jeweilige Anforderung zu meistern.

Bis der Fahrer kommt, hat sie einen Marathon geschafft: eine Mindestmenge an Trinken noch im Bett, beim Aufstehen etwas Gymnastik, ein Lied singen fürs Stimmband- und Selbst-Gehörtraining, mühsam ins Bad geschlurft werden, Morgentoilette über sich ergehen lassen, frühstücken, sich anziehen lassen für die Betreuungsgruppe.

Nicht nur jede Bewegung, auch Gefühle erleben kostet Kraft. Je nach Intensität und Bedeutung für den Moment bringen Freude, Wut, Enttäuschung, Trauer und Angst den gesamten Körper und Geist zum Einsatz. Seit zwei Wochen hat Mutter Schluckbeschwerden, der Tee kommt in die „falsche Kehle“, sie hustet, röchelt, hat Angst zu ersticken. Ich auch. Nach der ersten Tasse sinken die Augen auf Halbmast. Nun stellt sich die Frage, im Bett lassen oder Windeln wechseln? Der Weg ins Bad ist anstrengend. Hinzu kommt ihre Angst, hinzufallen, es nicht zu schaffen.

Gesunde können ihre Kräfte meistens einschätzen. Wir sind uns klar darüber, wo „nichts“ mehr geht. Mutter kann das nicht. Sie gibt immer 100%. Es ist meine Aufgabe sie zu fördern, aber nicht überfordern. Unterstützen, dabei nicht unterfordern mit der Bevormundung „du weißt doch, das strengt dich zu sehr an“. Anregen und das Selbstwertgefühl aufbauen, anstatt in Watte zu packen. Trainieren, was noch erhalten ist, anpassen, was nicht mehr geht.

Ich weiß mittlerweile, Freude und Lachen sind zwar auch anstrengend, aber sie sind Kraftquellen. Ebenso, etwas Schönes sehen, riechen, leises Erzählen oder die Hand halten und gemeinsam die Stille genießen, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt. (Weiterlesen…)

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Fundstück: Interview mit Elisbeth Stechl über die Alzheimer-Krankheit

Freitag, 25. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Frau Elisabeth Stechl ist Teil der Forschungsgruppe Geriatrie der Charite in Berlin. Als Neuropsychologin (GNP) arbeitet sie im stationären Bereich und der Gedächtnisambulanz. Auch sie hat persönliche Erfahrungen mit Demenz, ihre Mutter ist an Alzheimer erkrankt. In einem Interview berichtet sie von ihrer Arbeit und von ihren ganz eigenen Erfahrungen mit dieser Krankheit:

“Wenn man weiß, die eigene Mutter hat Demenz, wartet man ständig auf das nächste Defizit. Das Kochen funktionierte nicht mehr so gut. Plötzlich schmeckte das Gulasch ganz anders, als wir es seit 30 Jahren kannten. Dann stand mein Vater in der Küche. Er hat den ganzen Haushalt übernommen, obwohl er ja vorher nichts machen musste. Er war aber auch überfürsorglich und hat ihr viele Dinge abgenommen, die noch eine Zeit lang funktioniert hätten. In der Angehörigenberatung sage ich, dass die Patienten aktiv bleiben sollen. Ich musste einsehen, dass man damit in der eigenen Familie nicht weit kommt.”

Das gesamte Interview mit Elisabeth Stechl finden Sie auf www.tagesspiegel.de

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Kinderbücher zum Thema Alzheimer

Donnerstag, 24. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Wir haben hier im Blog ja bereits das ein oder andere Kinderbuch zum Thema Demenz vorgestellt. Die Webseite der Zeitschrift “Eltern Familiy” hat eine kleine Sammlung weiterer Bücher zum Thema erstellt. Sie finden die Auswahl auf www.eltern.de

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Der perfekte Plan

Samstag, 19. März 2011 von Redaktion Alzheimerblog

„Der perfekte Plan“ ist ein spannender Roman, in dessen Mittelpunkt Elisabeth Meyer steht, Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei Dänemarks, die sich mitten im Wahlkampf zur Staatsministerin befindet, als sie die Diagnose „Alzheimer“ erfährt. Sie schafft es mit viel Disziplin und kleinen Tricks die zunehmenden Aussetzer so zu vertuschen, dass nicht einmal ihr Mann und ihre engsten Mitarbeiterinnen etwas von ihrer Krankheit ahnen, die auch schon ihre Mutter und andere Familienmitglieder betroffen hat.

Das Buch erzählt in mehreren Handlungssträngen von einem Plan rechtsextremistischer Fanatiker, zwar nicht Elisabeth Meyer sondern ihre politische Sprecherin Charlotte Damgaard und damit die von ihr ausersehene Nachfolgerin zu erschießen. Alles läuft auf einen spannenden Höhepunkt hinaus, der auch höchst dramatisch endet – allerdings nicht wie gedacht. Um die Spannung nicht vorweg zu nehmen, sei nur soviel gesagt: Es handelt sich um eine Art Happy-End mit Todesfolge. Als Leserin eines Buches, das einen wirklich bis zur letzten Minute fesselt, war ich mit dem Schluss sehr zufrieden. Als „Alzheimer-Aktivistin“ haben mir die letzten Sätze des Buches allerdings nicht gefallen: In unserer Gesellschaft scheine es immer noch besser, die Diagnose Alzheimer als Geheimnis mit ins Grab zu nehmen, als sich offen dazu zu bekennen. Wir sollten eigentlich alles dran setzen, dass „Alzheimer“ kein Makel ist, der einem ansonsten erfolgreichen Leben die Ehre nehmen könnte, wie es der Schluss des Buches bilanziert.

Sabine Jansen, Berlin

Hanne-Vibeke Holst: Der Perfekte Plan, Diana Verlag 2010, 672 Seiten, 21,95 € ISBN: 978-3453290723

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Eine Freundschaft, die das Leben prägt!

Donnerstag, 17. März 2011 von Marita Gerwin

Eine anrührende Geschichte über die innige Feundschaft zwischen der 5-jährigen Laura und ihrer 86-jährigen, demenzerkrankten Uroma Hedwig.

“Sagen Sie mal, junge Dame, wer sind Sie eigentlich? Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor? Haben wir uns schon einmal gesehen?“ fragte Uroma Hedwig ihre Enkelin Laura. Zuerst stutzte Laura ein wenig irritiert. Uroma Hedwig machte sicher einen Scherz mit ihr. Oder wusste sie es wirklich nicht? Laura zweifelte einen Moment lang. Doch dann lächelte sie ihre Uroma verschmitzt an, blinzelte ihr ein Auge zu, streichelte dabei zärtlich ihre Hand und hüfte auf ihren Schoß, so wie sie es immer getan hat. „Ich bin Deine kleine Laura und Du bist meine Lieblings-Uroma Hedwig!“

„Das ist ja schön!“ strahlte die 86-jährige Dame erleichtert. Laura hatte das Gefühl, als wenn Uroma Hedwig ein Stein vom Herzen gefallen wäre. Laura ist gerade 6 Jahre alt geworden. Sie weiß inzwischen, was in Uromas Kopf los ist. Die Mama hat ihr erzählt, dass Uroma Hedwig´s Gehirn nicht mehr so gut funktioniert. Erst war die Uroma nur ein bisschen vergesslich. Dann hat sie Laura dreimal am Vormittag das Gleiche erzählt und gefragt „Sag mal, hab ich das sonst auch immer so gemacht?“ Manchmal flüsterte sie Laura heimlich zu: „Weißt Du noch, wie ich heiße?“

Was war nur passiert im Kopf von Uroma Hedwig? „Ist es nebelig in ihrem Kopf?“, fragt Laura interessiert nach. Ihre Mama lächelt „Ja, so kann man es vielleicht erklären. Doch es gibt immer wieder kurze Momente, da ist alles klar in ihrem Kopf. Es gibt tief im Gehirn ein Zentrum, in dem ihre Gefühle und Erinnerungen schlummern und darauf warten, von uns geweckt zu werden. Besondere Erlebnisse ihres Lebens, schöne und auch weniger schöne, hat sie dort abgespeichert. Manche gehen leider für immer verloren, doch ihr Herz wird nicht dement, da bin ich mir ganz sicher“ erklärt ihr die Mama. „Das Herz wird nicht dement? Was bedeutet denn das Wort dement?“ will Laura wissen. „Kann sich Uroma Hedwig, deshalb auch nichts Neues mehr merken? Wann wird sie denn wieder gesund?“ (Weiterlesen…)

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Familienleben 2.0

Montag, 14. März 2011 von Marita Gerwin

von Marita Gerwin und Martin Polenz

In Annas Familienleben begann ein neues Kapitel durch einen Anruf ihrer 84-jährigen Mutter Ida. “Das Einkaufen, die Bankgeschäfte – der ganze Alltag ist für mich so schwierig geworden. Ich fühle mich so alt. Ich vergesse immer mehr. Mein Arzt sagt: ‚Das ist halt das Alter, da kann man nichts machen’. Was soll ich nur tun? Ich schaff das alles nicht mehr allein. Ich finde mich nicht mehr zurecht in meiner eigenen Wohnung. Ich habe beschlossen, jetzt doch in ein Seniorenheim umzuziehen. Oder was meinst du, Anna?“ Sie war untröstlich. Vor nichts hatte Mutter Ida so viel Angst, wie vor einer Abhängigkeit und Unselbständigkeit. Und nun das!  „Ach Mama, so schlimm wird es doch nun auch nicht sein. Weißt du was? Schlaf erst einmal eine Nacht drüber und morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus“, munterte Anna ihre Mutter auf, obwohl sie gleichzeitig ein mulmiges Gefühl beschlich. Anna fühlte sich zerrissen zwischen den verschiedenen Erwartungen an sie.
In dieser Nacht konnte Anna nicht schlafen. (Weiterlesen…)

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