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»Ich habe Alzheimer«: Wie die Krankheit sich anfühlt

Mittwoch, 3. Juni 2009 von Bastian Buchtaleck

In dem Buch „Ich habe Alzheimer“ zeichnet die Journalistin und Autorin Stella Braam den Krankheitsverlauf ihres Vaters René minutiös nach. Die gemeinsame Reise von Vater und Tochter beginnt in dem holländischen Ort Tillburg, wo René noch ganz eigenständig lebt. Als die voranschreitende Alzheimer-Erkrankung den Umzug in eine Pflegeanstalt nötig macht, ruft René aufgeregt: „Hierher komme ich nie wieder zurück“. Tatsächlich begleitet Braam ihren Vater durch alle Stationen der Krankheit und webt medizinische Informationen geschickt mit ein.

Entstanden ist ein 185 Seiten langes, anrührendes Buch, bei dem der Leser spürt, wie die Tochter Stella Schritt für Schritt Abschied von ihrem Vater René nimmt. Gleichzeitig zeigt sich, wie quälend langsam der Abschied vom Leben für Alzheimer-Patienten sein kann und mit welcher Kraft der Körper am Leben festhält, während die Erinnerungen Tag für Tag versiegen. Mit jeder Seite wird das Buch dringlicher: es weist ebenso auf Missstände bei der Versorgung und Pflege von dementen Menschen hin, wie auf Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsschwankungen, die im Krankheitsverlauf nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind oder auf die sich wandelnde Alterspyramide.

Das Buch schwankt dabei zwischen einem persönlich-emotionalen Erfahrungsbericht und einem kühl beobachtenden Protokoll. Glücklicherweise bleibt Braam dabei so sachlich es ihr unter den gegebenen Umständen möglich ist. Herausragend ist die ‘Forderliste’ von René, eines seiner letzten Schriftstücke. Mit wackeliger Grammatik und schwerfälligen Worten warnt dieser vor einer kommenden „Demenz-Explosion“ und mahnt, dass auch Alzheimer-Patienten wie Menschen zu behandeln seien. Noch wäre Zeit, Renés Liste ernst zu nehmen. Die Veröffentlichung des Buchs „Ich habe Alzheimer“ ist ein Schritt in diese Richtung. Nun muss es nur noch viele Leser finden.

Braam, Stella: „Ich habe Alzheimer“. Wie die Krankheit sich anfühlt, Beltz, Weinheim 2007, 185 Seiten, ISBN 978-3-407-85763-7, 17,90 €

Bastian Buchtaleck

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