Seit 1994 finden am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen. Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird die Zahl auf voraussichtlich 115 Millionen ansteigen, besonders dramatisch in China, Indien und Lateinamerika.
Das Motto des Welt-Alzheimertages 2010 lautet in Deutschland:
“Gemeinschaft leben”
In Deutschland werden jedes Jahr von den regionalen Alzheimer Gesellschaften und Selbsthilfegruppen eine Reihe von regionalen Veranstaltungen veranstaltet. Mit Vorträgen, Tagungen, Gottesdiensten, Benefizkonzerten usw. wird die Öffentlichkeit auf das Thema Alzheimer aufmerksam gemacht.
Es soll auf die Situation der 1,2 Millionen Demenzkranken und ihrer Familien in Deutschland hingewiesen werden. Auch wenn gegenwärtig eine Heilung der Krankheit nicht möglich ist, kann durch medizinische Behandlung, Beratung, soziale Betreuung, fachkundige Pflege und vieles mehr den Kranken und ihren Angehörigen geholfen werden.
Rund um den Welt-Alzheimertag gibt es viele Veranstaltungen in ganz Deutschland. Aktuelle Informationen finden Sie hier.
Mit Humor und Demenz werden oftmals nur unsensible herabwürdigende Witze über Vergesslichkeit und Fehlhandlungen der erkrankten Menschen verbunden. Doch das Lachen und der wertschätzende Humor gehören heute neben der Bewegung und der Musik zu den wichtigsten therapeutischen Mitteln einer guten Betreuung Demenzkranker. Das echte Lächeln und Lachen erzeugt Gefühle der Geborgenheit und stärkt zwischenmenschliche Beziehungen. Zudem mindert Lachen Stress, Depression und Ängste. Ebenso stärkt es das Immunsystem und das Selbstwertgefühl.
Foto: P. Klapps
Wir sind alle von Zeit zu Zeit komisch, zum Vergnügen unserer Umgebung. Im Lachen sind wir alle gleich. Diese Momente der Gemeinsamkeit sind Augenblicke, in denen wir die Freiheit, die Befreiung suchen. Und in jedem Lachen, das wir auslösen, liegt die Hoffnung auf Verstehen und Verstandenwerden. Wenn man trotz aller Belastungen und Enttäuschungen bei der Betreuung auch komische Situationen erkennen und gemeinsam mit (und nicht über) den Betroffenen lachen kann, entlastet es beide Seiten. Sofort finden sich viele weitere Anlässe zum herzlichen Miteinander-Lachen.
Therapeutische Clowns (Klinik-Clowns) sind wichtige Unterstützer der Betroffenen, der Angehörigen und der professionellen Betreuer, sowohl im Krankenhaus als auch in Heimen.
Professor Dr. Hirsch ist Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie an den LVR-Kliniken in Bonn. Er ist ausgebildeter Mediziner und Psychologe und bereits seit 1980 im Bereich der Altersforschung tätig.
Seit wann beschäftigen Sie sich speziell mit dem Thema Humor?
Ich habe schon als Kind bemerkt, mit Recht haben komme ich nicht weiter, auch wenn ich wirklich im Recht bin. Aber wenn ich mit meinem Verhalten gespielt habe und mich mal bewusst kleiner gemacht und damit den anderen überhöht habe, fällt es leichter, unangenehme Situationen nicht mit Macht, sondern mit Humor aufzulösen.
Haben ältere Menschen weniger zu lachen?
Angeblich lachen Kinder 400 mal am Tag, Erwachsene nur 20-30 mal, aber dafür gibt es keine Forschungsergebnisse. Nachgewiesen ist allerdings, dass die Heiterkeit und Gelassenheit im Alter zunimmt. Ich selbst lerne im Kontakt mit älteren Menschen, wie man in kritischen Situationen seinen Humor einsetzen kann.
Ist Humor wirklich angemessen bei so einer ernsthaften Krankheit wie Alzheimer?
Nichts ist so schlimm, wenn man es nicht so schlimm nimmt, wie es ist.
Jede Krankheit ist schlimm, aber man muss auch schauen, welche Ressourcen man hat, und dazu gehört eindeutig Humor. Um das Schlimme muss man nicht sich kümmern, das ist einfach da, aber man sollte lernen, sich auch mit den „anderen“ Seiten zu beschäftigen. Eine davon ist der Humor. Denn dadurch gewinnt man wieder Lebenskraft, die im Alltag weiterhilft.
Die Alzheimer-Krankheit ist für jeden Menschen keine leichte Diagnose. Ob Angehörige dement werden oder ob man selbst betroffen ist, immer steht ein nicht gerade einfacher Weg bevor.
Doch gerade weil der Weg nicht so einfach sein wird, ist es wichtig, auch dafür zu sorgen, die Sonnenseiten des Lebens nicht zu vergessen. Denn nur so kann man immer wieder genug Energie tanken für den Umgang mit dementen Menschen, sei es nun im privaten Umfeld oder im Bereich der Pflege.
Humor ist eine Möglichkeit, mit der schlimmen Krankheit umzugehen und sie vielleicht mit etwas mehr Leichtigkeit annehmen zu können.
Wir würden uns freuen, wenn Sie hier im Blog von Ihren Erfahrungen in Sachen Demenz und Humor berichten würden.
Die Autoren Baer und Schotte leiten als Therapeuten ein Institut für Gerontopsychatrie. In ihrem Buch schildern sie ihre Erfahrungen aus ihrer Arbeit und zeigen Wege auf, wie Angehörige oder Pflegende neue Zugänge finden können zu demenzkranken Menschen. Sie schildern sehr anschaulich, dass Menschen, die an Vergesslichkeit leiden, zwar vieles verstandesmäßig vergessen, aber dass in ihnen immer noch Emotionen und Gefühle vorhanden sind, die angesprochen werden können.
Jeder, der sich mit einem demenzkranken Menschen beschäftigt, kennt die scheinbar unbegründeten und oft unerklärlichen Gefühlsausbrüche oder Reaktionen, die plötzlich zu Tage treten können. Hilflosigkeit oder der Versuch, diese Handlungen zu unterbinden, sind meist die gängigen Umgangsmethoden. Doch wer sich die Zeit nimmt, herauszufinden, welche alten Erlebnisse diese Emotionen hervorgerufen haben, kann einen ganz neuen Zugang zu diesen Menschen finden. Dies geschieht durch das Annehmen und Begleiten der Handlungen, anstatt sie zu beschwichtigen oder zu bekämpfen. Die vielen anschaulichen Fallbeispiele erläutern sehr gut, wie ein bisher vielleicht zuwenig beachteter Zugang zu demenzkranken Menschen möglich ist: nämlich über das Herz.
Einen kleinen Textauszug zu diesem Buch finden Sie auf der Website der Autoren.
Am Welt-Alzheimertag 2009 übernahm die Journalistin und Buchautorin Wibke Bruhns die Schirmherrschaft der DAlzG von der ehemaligen Familienministerin und Bundestagsabgeordneten Renate Schmidt. Sie erregte Aufsehen, als sie 1971 als erste Frau die Hauptnachrichtensendung des ZDF moderierte.
Später arbeitete sie als Journalistin und Auslandskorrespondentin für Fernsehen und Presse. 1989 erhielt sie für eine Reportage den renommierten „Egon-Erwin-Kisch-Preis“. Große Aufmerksamkeit fand ihr 2004 erschienenes Buch „Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie“. Wibke Bruhns lebt in Berlin.
Im Februar 2010 besuchte sie die Geschäftsstelle der DAlzG und wir konnten das folgende Gespräch mit ihr führen:
Frau Bruhns, der Kontakt zu Ihnen kam zustande durch das „Buch der Erinnerungen“, das die DAlzG 2008 herausgegeben hat. Darin haben Prominente aus Medien, Kunst, Sport und Politik Gedanken zum Thema Alzheimer aufgeschrieben. Ihr Beitrag endete mit der Zeile „Erinnerung ist Leben. Ich bin dankbar dafür“.
Wibke Bruhns: Ja, das bin ich wirklich. Es ist für mich eine schreckliche Vorstellung, das Gedächtnis weitgehend zu verlieren. Seit etwa zehn Jahren habe ich mitbekommen, dass mein Bruder, damals Mitte 70, der mit seiner Frau in Niedersachsen lebte, sich veränderte. Er wurde langsamer, sein Gedächtnis verschlechterte sich, manchmal wurde er unwirsch und aggressiv. Sein Hausarzt hat ihn dann zum Neurologen überwiesen, der die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert hat. (Weiterlesen )
Das Heft der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erscheint vierteljährlich. In jedem Heft gibt es ein Schwerpunktthema, das nächste wird sich mit dem Humor beschäftigen:
In vielen alltäglichen Begegnungen mit Demenzkranken, in Gruppen und bei Festen gibt es Anlass zum Lachen, zu Heiterkeit und Fröhlichkeit. Wo man gemeinsam lachen kann, gibt es keinen Platz für Stress und Ärger. Was haben Sie erlebt? Wie können Humor und Heiterkeit im Alltag mehr Raum bekommen?
Bitte schicken Sie uns dazu Manuskripte, gerne mit Fotos, möglichst als Datei; maximal eine dreiviertel Seite in einer 12er Schrift (ca. 350 Worte). Auswahl und Kürzungen behält sich die Redaktion vor.
Das KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe) hat sein umfangreiches Informationsangebot zum Thema Demenz erweitert und die DVD-Box „Demenz-Filmratgeber für Angehörige” in sein Onlineshopangebot aufgenommen. Die DVD-Box beinhaltet den Spielfilm „Eines Tages…”, zwei weitere DVDs mit 12 Themenfilmen (360 Min.) sowie eine CD-ROM mit Materialien. Initiiert und gefördert wurde das Filmprojekt vom Landschaftsverband Rheinland, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und den nordrhein-westfälischen Pflegekassen mit fachlicher Unterstützung u.a. des Kuratoriums Deutsche Altershilfe.
Der Spielfilm „Eines Tages…” mit Horst Janson, Annekathrin Bürger, Heinrich Schafmeister u.v.a. beschreibt in drei miteinander verwobenen Episoden die Entwicklung einer Demenzerkrankung in ihren unterschiedlichen Phasen.
Ziel des Medienangebotes ist es, Angehörigen von Demenzkranken aber auch ehrenamtlich und professionell Betreuenden konkrete Hilfestellung zu bieten. In den 12 Themenfilmen geben Ärzte, Pflegekräfte, Experten und Angehörige ihre Erfahrungen mit dem Thema in zahlreichen Interviews weiter. Dazwischen zeigen Spielfilmszenen typisches Verhalten, bringen Konflikte auf den Punkt und weisen Lösungswege. Die Mischung aus Fiktion und realen Erlebnisberichten ermöglicht vielschichtige Einblicke in den Alltag mit Demenz und gibt wertvolle Hinweise für die häusliche Betreuung. Medizinische und rechtliche Informationen ergänzen die Themenpalette. Die CD-ROM mit Materialien gibt Textinformationen zu den Themenfilmen, enthält Dokumente, Checklisten, wichtige Adressen und Links.
Seit dem Frühjahr 1999 führt die Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V. (AAI) mehrfach jährlich zehntägige Betreute Urlaube durch. Anfangs ging es ausschließlich nach Tarnewitz an die Ostsee. 2002 hat sich die AAI mit dem Gästehaus der Fürst Donnersmarck-Stiftung (FDS) in Bad Bevensen (Lüneburger Heide) ein weiteres Reiseziel erschlossen.
Im Folgenden stellen wir dar, dass diese überaus beliebten betreuten Urlaube nicht nur eine gute Vorbereitung erfordern sondern auch einen guten Kooperationspartner. (Weiterlesen )
Die Alzheimer Gesellschaft bietet die Möglichkeit an, gemeinsam einen betreuten Urlaub in einer behindertengerechten Unterkunft zu machen. Pflegende können zusammen mit den erkrankten Angehörigen dort einen Urlaub verbringen und zwischendurch die Betreuung der Erkrankten Pflegeschülern überlassen, die zu diesem Zweck mitreisen und von der Alzheimer Gesellschaft als Praktikanten beschäftigt werden. Die Praktikanten werden von einer mitgereisten Mitarbeiterin des Vereins angeleitet. Die Betreuung beinhaltet sowohl die stundenweise Beaufsichtigung der Erkrankten als auch unterschiedliche Hilfen bei der Grundpflege. Frau Müller, die mit ihrem erkrankten Ehemann angereist ist, freut sich darüber, dass der Ehemann jeweils nachmittags von Pflegeschülern betreut wird und sie für einige Stunden allein in der Stadt bummeln kann. Nach einem solchen Ausflug muss sie erfahren, dass ihr Mann sich auf die Suche nach ihr gemacht hat und den Pflegeschülern weg gelaufen ist. Eine mehrstündige Suche war bislang erfolglos. Frau Müller fragt, wie dies passieren konnte und wer dafür verantwortlich ist, falls ihrem orientierungslosen und gehbehinderten Ehemann etwas zustoßen sollte. (Weiterlesen )