„Die Puppe als Partner“

Dienstag, 18. Januar 2011 von DAlzG

Behandelt man alte Menschen wie Kinder, wenn man ihnen „Handpuppen als Partner“ anbietet? Ganz und gar nicht! Wenn man die Senioren zum Spielen einlädt, bietet man ihnen die einmalige Möglichkeit, ihre eigene Lebensenge aufzubrechen und über sich hinauszugehen. Die Puppe auf der eigenen Hand ist gleichsam die Einladung, ein anderer zu werden, sich zu vergessen und sich in und mit der Puppe neu zu erfinden.
Spielt dagegen ein Betreuer für die alten Menschen, dann begegnet den Zuschauern kein Erwachsener, der in seiner Komplexität fast schon wieder beängstigend sein kann, sondern das freundliche oder gruselige Gesicht einer ganz einfachen typischen Figur, die klar und schlicht agiert und dabei ganz elementare Gefühle weckt und Reaktionen bei den Senioren hervorlockt.

Mit diesen und anderen Themen beschäftigt sich seit Jahren das Institut für Puppenspielkunst. In den schönen Räumen des Seminarhauses „Szenario“ in Heidelberg bringt die Sozialpädagogin und professionelle Puppenspielerin Ellen Heese unterschiedlichen Multiplikatoren den Umgang mit Puppen bei.

Vor einigen Jahren wurde das Seminar „Die Puppe als Partner“ für Altenpflegerinnen, die mit Alzheimer-Patienten arbeiten, weiter entwickelt. Ziel des Seminars ist das Erlernen eines Mediums, eines „Handwerkszeuges“, das das Zusammenleben mit Demenzkranken lebendiger und anregender macht. In der Kommunikation mit den Betroffenen bauen sie Vertrauen auf, wecken Gefühle und Erinnerungen und bringen Fröhlichkeit ins Leben. Sie fördern die Konzentration, können beruhigend wirken und regen die Fähigkeit zum Spielen und Erzählen an. Nicht nur auf die Patienten wirkt die Methode therapeutisch. Der Einsatz des Puppenspiels hat auch eine deutlich positive Wirkung auf die betreuenden Verwandten bzw. Altenpflegerinnen. Puppen bieten die Möglichkeit, momentane Gefühle zum Ausdruck zu bringen und dienen damit dem Abbau von Stress. Sie können offener und direkter sein als die Betreuer selbst und wirken als Katalysator in schwierigen Situationen.

Das Seminar „Die Puppe als Partner“ wird mehrmals im Jahr im Seminarhaus Szenario in Heidelberg angeboten. Es ist auch möglich, das Angebot für eine Altenpflegeeinrichtung oder Selbsthilfegruppe mobil zu buchen.

Ellen Heese, Leimen
Weitere Informationen im Internet unter: www.szenario-heidelberg.de oder unter Tel: 06224-702512.

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In Verbindung bleiben bis zuletzt

Montag, 10. Januar 2011 von DAlzG

Alles wirkliche Leben ist Begegnung.
Der Mensch wird am „Du“ zum „Ich“
M. Buber

Bei fortgeschrittener Erkrankung können Demenzkranke ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht mehr verständlich machen. Zudem können sie über die Sprache nicht mehr Anteil nehmen an dem, was um sie herum geschieht. Sie leben in ihrer eigenen Welt und bleiben doch Teil der Welt, die sie umgibt. Auch wenn die Fähigkeit zum Austausch von Erfahrungen, Erinnerungen, Informationen nicht mehr gegeben ist, so sind Menschen mit Demenz oft sehr empfindsam für das, was in ihnen und um sie herum vorgeht. Am „Du“, in der Begegnung erfahren sie Wertschätzung oder Missachtung, drücken sie sich selber aus oder werden nicht gehört. Selbst im weit fortgeschrittenen Stadium der Demenz wird sich z. B. Frau Adam verkrampfen und schreien, wenn sie unsanft angefasst und ohne Vorwarnung gelagert wird – denn sie war ihr Leben lang schreckhaft. Die Augen von Herrn Vogel aber werden leuchten, wenn sein Enkel kommt, ihm eine Kastanie in die Hand drückt und ihn streichelt. Gestik, Mimik und Laute sind zum Hauptkommunikationsmittel geworden. Dies erfordert von den Begleitern Zeit hinzuschauen und aufmerksam die Zeichen wahrzunehmen und nach deren Bedeutung zu forschen.

Worauf ist bei der Begleitung in der letzten Lebensphase besonders zu achten?
Demenzkranke im letzten Stadium sind Außenreizen oft schutzlos ausgeliefert und können Stimmengewirr oder laute Geräusche nicht mehr zuordnen. Dies kann Angst und Unsicherheit auslösen. Eine ruhige, sanfte Stimme hingegen gibt Sicherheit.
Daher achten Sie auf eine (möglichst) stressarme, aber stimulierende Umgebung.

Je mehr das rationale Denken nachlässt, desto bedeutungsvoller wird die Wahrnehmung über die Sinne. Die Angebote sollten individuell angepasst sein, denn die Vorlieben für Düfte, Musik, Berührung, Farben sind unterschiedlich. Bieten Sie Anregungen über

  • das Sehen: z.B. ein Tuch oder ein buntes Mobile, das sich langsam über dem Bett bewegt, ins Freie schauen können oder nicht geblendet werden von zu viel Helligkeit
  • das Hören: z.B. durch Musik, sanfte Stimmen, Angesprochen werden, bekannte Geräusche
  • das Schmecken: z.B. durch unterschiedliche Geschmacksvarianten und Konsistenzen der Nahrungsmittel
  • das Riechen: z.B. durch wohlriechende Öle, frischer Kaffeeduft, der Geruch von Kuchen im Ofen, frische, kühle Luft, Weihrauch, Fliederduft
  • den Tastsinn und Körperempfindung: z.B. durch sanfte Berührung, das Bewusstmachen der Körpergrenzen durch Abreibungen und sanften Druck, warme Kissen, durch unterschiedliche Gegenstände zum Anfassen

Wenn Menschen die Sprache verlieren, werden auch wir häufig stumm in ihrer Gegenwart. Wir sind in Gefahr, über sie hinweg zu reden, als wären sie nicht da oder wir vermeiden den Kontakt. Damit lassen wir sie allein. Jedoch: Menschen mit Demenz in der letzten Lebensphase brauchen uns, brauchen, dass wir sie ansprechen, brauchen unsere Gegenwart. Manchmal ist es wichtiger, einen Moment da zu bleiben – ohne etwas zu tun, selbst zur Ruhe zu kommen. Da uns dies nicht leicht fällt, sollten wir es uns jeden Tag einmal vornehmen.

Helga Schneider-Schelte, Berlin

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Artikel VNR: Tipps für die Kommunikation

Dienstag, 28. Dezember 2010 von DAlzG

Der VNR (Verlag für die deutsche Wirtschaft) beschäftigt sich auch intensiv mit dem Thema Demenz. Auch zum Thema Kommunikation, das hier in diesem Blog gerade das Fokusthema darstellt, wurde auf der Website ein Artikel veröffentlicht.

Das Ziel bei der Kommunikation mit Alzheimerkranken
Ich habe oft beobachtet, wie eine Person, die an Alzheimer leidet, gleich nach dem Essen schon wieder Hunger hat. Du machst sie darauf aufmerksam, dass sie gerade eben gegessen hat und dass sie keinen Hunger haben kann. Doch das nützt nichts. Im offenen Atelier unserer kunsttherapeutischen Seniorenheime ist dies etwa so vorgekommen: Eine Bewohnerin erzählt mir, dass sie in ihr Zimmer muss, da sie sonst bestohlen wird.”

Weiter geht es auf der Website des VNR.


Nonverbale Kommunikation in der späteren Krankheitsphase

Donnerstag, 16. Dezember 2010 von DAlzG

Menschen mit Demenz verlieren zunehmend die Fähigkeit, verbal, über die Sprache, zu kommunizieren. Wie steht es aber mit der Körpersprache? Verändert sich die nonverbale Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen?
Grundsätzlich ist es so, dass die körpersprachlichen Fähigkeiten bei den allermeisten Formen der Demenz länger erhalten bleiben als die verbalen. Es kommt allerdings zu einem immer größer werdenden Ungleichgewicht zwischen ihrer Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit: Bis weit in die Krankheit hinein können sie einen großen Teil unserer nonverbalen Signale richtig entschlüsseln. Wesentlich schneller verlieren sie jedoch die Fähigkeit, nonverbale Signale so zu produzieren, dass wir sie auch verstehen können.

Was sie wahrnehmen können
Menschen mit Demenz sind zumeist in der Lage, mimische Signale richtig zu deuten: Sie interpretieren ein Lächeln als Anzeichen von Freude und Stirnrunzeln sowie zusammengepresste Lippen als Hinweise für Ärger. Am Klang unserer Stimme, an unserer Körperhaltung sowie an unserer Geschwindigkeit erkennen sie, ob wir entspannt oder gestresst, gut gelaunt oder verärgert sind. Sie erkennen eine angebotene Hand oder ein Winken als Grußgesten. Daran, wie wir sie berühren und wie nahe wir ihnen kommen, lesen sie ab, ob wir sie mögen oder nicht.
Menschen mit Demenz merken es, wenn wir versuchen, etwas vor ihnen zu verbergen. Vor allem aber sind sie durch körpersprachliche Signale anderer Menschen, also beispielsweise durch deren gute Laune, Wut oder Unruhe ansteckbar: In dem Bemühen, zu verstehen, warum ein anderer Mensch ruft oder klopft, imitieren sie dieses Verhalten; und wenn man sie anstrahlt, verfliegen im Nu die Wut oder die Traurigkeit, die sie gerade eben noch empfunden und ausgedrückt haben. (Weiterlesen…)

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Wenn du’s nicht sagen kannst, dann sing’s

Donnerstag, 9. Dezember 2010 von DAlzG

Musik ist Kommunikation

Frau Hansen (Name geändert)  sitzt die meiste Zeit des Tages unbeachtet in einer Ecke des Stationsflures, wo sie mit der Zeit eine Eigenart entwickelte, die seither kennzeichnend für ihr Verhalten ist: Sie klopft sich fortwährend mit beiden Händen auf Oberschenkel, Brust und Stirn. Gleichzeitig hat sie das Sprechen fast gänzlich eingestellt, schimpft nur noch, wenn ihr jemand zu nahe tritt und macht im Übrigen einen unbeteiligten Eindruck.
Um besser zu verstehen wie sie sich befindet, setzte ich mich einige Wochen lang immer mal wieder in einem Abstand neben sie auf die Bank. Ich greife ihr Verhalten auf und steige in den Rhythmus ihrer sich immer wiederholenden Klopfmuster ein: Beine, Brust, Stirn. Als ich merke, dass sie mich interessiert von der Seite ansieht, variiere ich das Muster, indem ich die Hände über Kreuz auf meine Schenkel schlage. Sie ahmt diese Veränderung nach und mit der Zeit wird das Klopfen spielerischer. Als sie irgendwann beginnt zu lächeln und schließlich lachend auf meine anstatt auf ihre Schenkel schlägt, ist der Bann gebrochen. Von nun an finden wir schnell in ein humorvolles und kreatives Klopfspiel, wann immer ich mich neben sie setze.

Wo Sprache ihre Grenzen hat oder nicht mehr vorhanden ist, finden Menschen in der Musik Möglichkeiten des Ausdrucks. Sie singen, pfeifen, summen und lautieren. Sie klatschen in die Hände, schwingen die Arme wie ein Dirigent oder beklopfen wie Frau Hansen ihren Körper. Je stärker ausgeprägt eine Demenz, desto mehr verlegen sich Menschen auf nichtsprachliche Formen der Kommunikation.

Menschen ohne Demenz macht das oft verlegen oder hilflos. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit meiner Frau noch anfangen soll, seitdem sie nicht mehr spricht“, sagt ein Mann, der immer seltener zu Besuch ins Pflegeheim kommt. Eine andere Angehörige indes sagt: „Seitdem mein Mann das Sprechen eingestellt hat, verständigen wir uns in unserem Singsang. Ich spüre dann, wie er sich fühlt, kann ihn erreichen, und er kann sich mir mitteilen. Mit unserem Singsang konnten wir schon manche Situation entschärfen.“ (Weiterlesen…)

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Gruß zum Nikolaus

Montag, 6. Dezember 2010 von DAlzG

Liebe Leser und Leserinnen des Alzheimer Blogs, wir wünschen
Ihnen prall gefüllte Stiefel und schöne Überraschungen und
Geschenke!

Bildquelle: Pixelio

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Guter Kontakt ist möglich

Mittwoch, 1. Dezember 2010 von DAlzG

Kommunikation mit Menschen mit Demenz

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen und Kommunikation ist die Brücke zum anderen Menschen. Wir suchen Kontakt zu Anderen und ermöglichen einander so Beteiligung, Anteilnahme, Austausch, Identifikation, Gemeinschaft und Beziehung. Dazu brauchen wir nicht notwendigerweise Worte. Kontakt können wir auch mit einer einladenden Geste, mit einem Augenaufschlag, einem freundlichen Lächeln und trommelnd herstellen. Und doch ist der Kontakt mit Sprache etwas Besonderes. Wir besprechen unsere Pläne und Träume miteinander, wir teilen unsere Erinnerungen und Erfahrungen, unsere Gefühle und Befürchtungen.
Von klein auf treten wir über die Sprache mit anderen Menschen in Beziehung. Sie bildet eine oft unreflektierte und doch viele Handlungen begleitende Brücke in die Gemeinschaft. Die meisten unserer Enttäuschungen und Konflikte haben ihre Ursache in Missverständnissen, und somit häufig in der sprachlichen Kommunikation.

Noch wissen wir viel zu wenig, wie demente Menschen fühlen, auf welche Weise sie ihre Umwelt wahrnehmen und wie sie das Miteinander mit einem anderen Menschen erleben. Es ist mit Sicherheit falsch anzunehmen, dass ein Mensch mit Demenz grundsätzlich nichts versteht. Mit dem Fortschritt der Erkrankung verändert sich allerdings die Sprachwahrnehmung. Der Wortschatz schwindet und ebenso die Fähigkeit die passenden Begriffe zu finden. Ganz sicher bleibt jedoch das Bedürfnis erhalten, in Beziehung zu treten und Teil der Gemeinschaft zu sein.
In der Begegnung mit einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist, gelingt uns der Kontakt am leichtesten, wenn wir die ersten Momente richtig nutzen. Damit er weiß, dass er gemeint ist, spreche ich ihn oder sie mit dem Namen an. Das tue ich immer, egal wie oft am Tag ich den Kontakt aufnehmen will. Ich schaue die angesprochene Person an und vergewissere mich so, dass sie sich gemeint fühlt. Ich warte auf die Erwiderung meines Blicks. Dann atme ich ein: Auf diese Weise gebe ich ihr genug Zeit, sich einzufinden. Das Atmen vor dem Sprechen macht meine Stimme warm und volltönend. Es stärkt meine Konzentration auf das Gegenüber und bewirkt eine Entschleunigung.  Beides ist im Kontakt zu einem Menschen mit Demenz von unschätzbarem Wert.
Die drei A für den Auftakt sind also: Ansprechen mit dem Namen – Ansehen – Atmen. (Weiterlesen…)

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Fokus-Thema: Kommunikation

Mittwoch, 24. November 2010 von DAlzG

Häufig entstehen im Alltag auch Missverständnisse zwischen Menschen, die nicht demenzkrank sind. Das was der eine sagt, versteht der andere vielleicht ganz anders, als es gemeint war. Wir haben zwar zwei Ohren, doch wirklich ganz genau zuzuhören und zu verstehen, worum es dem Gegenüber geht, ist eine der schwersten Aufgaben in der Kommunikation. Umso schwieriger wird es, wenn uns die Geduld zu Ende geht. Wenn wir überlastet sind, müde oder erschöpft. Dann werden wir emotional und die Worte sprudeln nur so hervor. Das sorgt meist eher nur dafür, dass das Missverständnis sich zu einem Streit entwickelt, der noch schwerer zu lösen ist.

Doch auch nichts sagen hilft nicht weiter. Wie der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick schon sagte: Man kann nicht nicht-kommunizieren. Egal, wie wir uns verhalten, was wir sagen, wir drücken damit etwas aus. Und wenn es die Aussage ist: Das interessiert mich nicht.

Doch wenn es unter „gesunden“ Menschen schon so schwierig ist, wie kann dann Kommunikation mit demenzkranken Menschen gelingen? Mit Menschen, die nicht mehr wissen, wer sie sind? Oderwo sie sich gerade befinden oder mit wem sie sprechen? Wie soll man diesen Menschen klarmachen, dass sie zu Hause sind und sich nicht fürchten müssen?

Und das vielleicht nicht nur einmal am Tag, sondern immer wieder?

Wie finde ich heraus, was der demenzkranke Mensch sagen will, wenn er Worte verwendet, die ich noch nie gehört habe? Oder wenn sich mir kein logischer Zusammenhang zwischen den Worten und der Situation erschließt?

Auch wenn wir schon als kleine Kinder das Sprechen gelernt haben, so haben wir doch nur selten gelernt, wie man richtig miteinander kommuniziert. In unserem Fokusthema möchten wir uns damit beschäftigen, welche Wege Sie begehen, um demenzkranke Menschen besser zu verstehen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche „Tricks“ helfen Ihnen in schwierigen Situationen?

Schreiben Sie uns an redaktion@alzheimerblog.de. Wir veröffentlichen gerne Ihren Text hier in unserem Blog.

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Demenzkranke im Chor?

Mittwoch, 17. November 2010 von DAlzG

Die Stadt Arnsberg wurde kürzlich als „seniorenfreundlichste Stadt“ ausgezeichnet, weil sie vielfältige Aktionen für Senioren und Seniorinnen anbietet bzw. unterstützt. Eines ihrer ungewöhnlichen Projekte ist ein Gospelchor, geleitet von Ute Balkenohl, bei dem ausdrücklich auch demenzkranke Menschen willkommen sind.

Frau Ute Balkenohl arbeitet als Sozialpädagogin im Jugendbegegnungs-zentrum Arnsberg und absolviert derzeit eine Weiterbildung zur Musikgeragogin, die von dem „Projekt Demenz Arnsberg“ finanziert wird.

DAlzG: Frau Balkenohl, worum geht es in der Weiterbildung zur Musikgeragogin?
Ute Balkenohl: In dieser einjährigen Weiterbildung, die in Wochenendblöcken an der FH Münster stattfindet, geht es darum, wie man älteren Menschen Musik  bzw. eigenes Musizieren nahe bringen kann, damit sie weiterhin Musik erleben können. Es ist eine Mischung aus Musikpädagogik und Geragogik. Bezogen auf das Singen kann man sagen: Viele ältere Menschen haben stimmliche Beeinträchtigungen. Die Stimme wird oft leiser, die Töne werden nicht mehr so genau getroffen, der Tonumfang wird geringer oder es liegt generell eine Sprachbeeinträchtigung vor. Als Musikgeragogin weiß ich von diesen Veränderungen und kann so meine Angebote planen, dass Musik zur Freude wird – und nicht zum Erleben von Schwächen.

DAlzG: Und wie kamen Sie nun auf die Idee, einen Gospelchor für Senioren und Seniorinnen anzubieten?
Ute Balkenohl: Ich leite privat einen Gospelchor, was mir sehr viel Spaß bereitet. Im Rahmen meiner Fortbildung ist es vorgesehen, ein Projekt durchzuführen. Da lag es für mich natürlich nah, speziell für ältere und demenzkranke Menschen einen Chor anzubieten.
(Weiterlesen…)

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Offener Leserbrief

Freitag, 5. November 2010 von DAlzG

Die Eifelzeitung brachte in einem Artikel folgendes Zitat:

„Eine eigene Toilette in jedem Zimmer braucht es hingegen nicht. Schmitt: „Damit können demente Menschen meist nichts mehr anfangen.“ Die nutzten eher einen Aufzug oder suchten sich andere „ruhige Plätzchen“ für ihr Geschäft – Erfahrungswerte aus anderen Heimen. Man merkt, dass Männer aus der Praxis am Werk sind.“

Dazu erreichte uns folgender Leserbrief, den wir hier gerne veröffentlich. Was halten Sie davon?

Als Fachkraft, seit über 10 Jahren betraut mit der psychosozialen Einzel- und Gruppenbetreuung auch demenzkranker Bewohner einer großen Seniorenresidenz, bin ich entsetzt über diese Aussage!

Laut Transparenzbericht wurde die betreffende Seniorenresidenz vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung mit 1,5 bewertet – ein Ergebnis über dem Landesdurchschnitt (2,3). Schaut man sich den Bericht näher an, wird deutlich, dass das Kriterium Nr. 23: „Werden bei Bewohnern mit Inkontinenz geeignete Maßnahmen durchgeführt“ mit 4,6 bewertet ist.
Kriterium Nr. 44: „Werden dem (demenzkranken) Bewohner geeignete Angebote gemacht, z. B. … zur Wahrnehmung)“ mit 5,0.

Hat man daraus nicht gelernt?
Wirbt nicht die Einrichtung in ihrer hauseigenen Präsentation mit individuellem, wertschätzendem Umgang mit Ihren Gästen?
Arbeiten sie nicht nach dem „Pflegekonzept Monika Krohwinkel“, wo der Umgang mit „Ausscheiden“  im AEDL 6 klar geregelt ist?
Sind nicht Betreuungskräfte speziell für dementiell Erkrankte integriert?
Die „Begleitung zur Toilette und die Wahrnehmung der Notdurft“, selbst wenn verbale Verständigung nicht mehr möglich ist, gehört zur Basisqualifikation! Findet nicht „Bezugspflege“ statt?

Kann es dann sein, dass Patienten nicht zum Toilettengang begleitet werden, dass sie in „Aufzügen oder an anderen ruhigen Plätzchen ihr Geschäft verrichten“. Kann es dann sein, dass niemand ihre Bedürfnisse wahrnimmt, die sich z. B. durch motorische Unruhe nach den Mahlzeiten zeigt?

Ist die logische Konsequenz dann nicht eher eine Schulung der Mitarbeiter in Bedürfniswahrnehmung, Orientierungshilfen in den Zimmern, regelmäßiges Toilettentraining statt diese abzuschaffen?

Führt das Fehlen eines WCs (z. B. nachts) nicht dazu, dass Bewohner auf der Suche nach dem „Örtchen“ herumirren und – in der Konsequenz daraus – womöglich zu Beruhigungsmitteln und fixierenden Maßnahmen?

Man fragt sich, wie demzufolge mit Bewohnern verfahren wird, die aufgrund ihrer Demenz „essen vergessen“? Werden die Mahlzeiten auch abgeschafft? Und brauchen Bewohner mit Weglauftendenz überhaupt ein Bett?

Welches Bild wirft der Artikel:

·         Auf Menschen mit dem Krankheitsbild „Demenz“?
·         Auf die Unterbringung in vollstationären Einrichtungen?
·         Auf die Glaubwürdigkeit von (Internet)Präsentationen?

Ich kann Herrn Schmitt nur ein würdevolles, selbstbestimmtes Altern wünschen.

Persönlich möchte ich mich, als Mitarbeiterin einer Seniorenresidenz, von diesem Artikel distanzieren!
Mit freundlichen Grüßen
Monika Paillon

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