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	<title>Alzheimer BLOG &#187; Heidi</title>
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	<description>Eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft</description>
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		<title>Die Krankensalbung</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 10:57:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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		<description><![CDATA[Schnell noch ein Nachtrag zum Ausklang des Monats November, der im christlichen Bereich dem Gedenken der Heimgegangenen gewidmet ist: Seit der letzten ärztlichen Diagnose, dass Mutter einen Abschiedsprozess eingeleitet hat, versuche auch ich mich, auf das große Finale vorzubereiten. Natürlich alles in der Theorie – die so genannte finale Phase kann ja Jahre dauern. Wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schnell noch ein Nachtrag zum Ausklang des Monats November, der im christlichen Bereich dem Gedenken der Heimgegangenen gewidmet ist: Seit der letzten ärztlichen Diagnose, dass Mutter einen Abschiedsprozess eingeleitet hat, versuche auch ich mich, auf das große Finale vorzubereiten. Natürlich alles in der Theorie – die so genannte finale Phase kann ja Jahre dauern. Wenn es dann wirklich geschieht, werde ich sehr wahrscheinlich ganz anders reagieren als vorgenommen.</p>
<p>Eine Sache war uns jedoch immer wichtig: Sterbende erhalten die Letzte Ölung. Wie erkenne ich aber, wenn es soweit ist? Habe ich in diesem Moment die Nerven, unseren Gemeindepriester anzurufen? Was wäre, wenn sie geht, ohne diese Letzte Ölung? Sünden beichten könnte Mutter sowieso nicht mehr – höchstens mit dem Kopf nicken, falls sie gerade versteht, wer mit ihr worüber spricht. Ansonsten bleibt sie stumm, lächelt bei Zustimmung. Oder eben nicht.<span id="more-2927"></span></p>
<p>Ein Gespräch mit dem Pfarrer zeigt: die Letzte Ölung ist auch gemeint als Sakrament der Krankensalbung, möglichst noch bei klarem Bewusstsein.</p>
<p>Wir haben sie durchgeführt, zuhause in unserem Wohnzimmer. Eine beeindruckende Zeremonie. Sie soll den Kranken stärken in seinem letzten Kampf. Ich selbst bin nicht übermäßig gläubig – und doch, für mich als pflegende Tochter war der priesterliche Beistand eine Beruhigung, hat auch mir neue Kraft gegeben. Ich weiß nun, in diesem Punkt habe ich einen von Mutters letzten Wünschen erfüllt. Und wenn es dann wirklich soweit ist, gibt es keine Gewissensbisse, dass es vielleicht nicht dazu gekommen wäre, dass ich versagt hätte.</p>
<p>Übrigens, die Krankensalbung kann wiederholt werden, wenn eine neue bedrohliche Situation auftritt.</p>
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		<title>Wir waren dann mal weg</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 13:46:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[begleitete Reisen für Demenzkranke]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt in der Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Stresssituationen]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>

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		<description><![CDATA[… und sind zurück aus einer Woche Urlaub mit der Betreuungsgruppe in einem guten Hotel. In bester 24-Stunden-Begleitung aufgehoben bei denselben Betreuern, die aus den Tagesgruppen kommen und auf die meisten Gewohnheiten und Bedürfnisse eingestellt sind. Ich war wieder mit dabei, in Vorfreude auf Eigenzeit und Loslassendürfen. Bei der Abfahrt gab es die einzige dramatische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>… und sind zurück aus einer Woche Urlaub mit der Betreuungsgruppe in einem guten Hotel. In bester 24-Stunden-Begleitung aufgehoben bei denselben Betreuern, die aus den Tagesgruppen kommen und auf die meisten Gewohnheiten und Bedürfnisse eingestellt sind. Ich war wieder mit dabei, in Vorfreude auf Eigenzeit und Loslassendürfen.</p>
<p>Bei der Abfahrt gab es die einzige dramatische Situation: Als die meisten Beteiligten bereits im Bus saßen, Rollstühle festgezurrt, erwartungsvolle Gesichter, machte sich Unruhe breit. Einzelne Betreuer und die Gruppenleiterin verließen den Bus. Dann wurde der die Reise begleitende Arzt gerufen. Nein, kein Unfall. Aber einem der Teilnehmer war das Gewusel im Tagesraum während der Wartezeit zu viel geworden. Die Nervosität hatte auf ihn übergegriffen. Der Demenzkranke war verunsichert, weil er die Situation nicht einschätzen konnte und nur noch Gefahr sah. Er begann, aggressiv um sich zu schlagen. Zuerst zur Abwehr, dann als Angreifer nach allen, die sich nähern wollten.</p>
<p>Zuletzt kamen alle doch heraus zum Buseingang. Wäre nicht die aufgeregte Ehefrau in seinem Blickfeld gewesen, lamentierend auf ihn einredend, nach ihm greifen wollend, unfähig, sich zurückzuziehen, hätte der Mann sich beruhigen können. So aber ging es nicht.<br />
Jetzt war man bei der Entscheidung angelangt, einem Menschen in seiner Angst mit Besserwisser-Hau-Ruck zu seinem Glück verhelfen zu wollen. Meine Hochachtung gilt unserem Arzt, der dieses für unangemessen hielt im Hinblick auf eine ganze Woche in fremder Umgebung bei Anwesenheit einer extrem verunsicherten Ehefrau. Bemerkenswert war auch die verständnisvolle Art der Betreuer, mit dem Herrn umzugehen und Ruhe auszustrahlen.</p>
<p>Man beschloss, nicht mitzufahren. Ein späteres Nachkommen wurde offen gehalten. Eigentlich war von vornherein abzusehen, dass dieses nicht stattfinden würde. Wer von den Mitreisenden die Situation mitbekommen hat, erging sich leise in Kommentaren wie, die Ehefrau im Blickfeld des Kranken einsteigen lassen, die Abfahrt um eine Stunde verschieben, damit sich die Wogen glätten, einen Krankenwagen rufen, eine Beruhigungsspritze geben, usw. Ich fragte mich, wäre das Ehepaar zuerst eingestiegen anstatt im Haus bis zuletzt zu warten, wäre der Mann dann auch ausgerastet?</p>
<p>Schließlich sind wir dann doch losgefahren. Etwas angespannt noch im Bemühen, die Fahrtzeit den Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Nach der Ankunft im Hotel machten wir den ersten gemeinsamen Spaziergang durch den Park. Alle Aufregung war vergessen.</p>
<p>Die anfängliche Umstellung auf Ort und Zeiten ging reibungslos vonstatten. Innerhalb von zwei Tagen hatten alle sich auf den neuen Tagesrhythmus und die ungewohnte Matratze eingestellt. Das Wetter bescherte fast täglich Sonnenschein, das Hotelbuffet glänzte mit Genüssen, die sich gerne auf die Hüften legen und Mutter’s strahlender Blick und Appetit bestätigten die gute Entscheidung, mitgefahren zu sein.</p>
<p>Es ist eine große Erleichterung, dass es diese begleiteten Reisegruppen zu erschwinglichen Preisen gibt &#8211; wir haben uns für das nächste Jahr schon angemeldet.</p>
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		<title>Gesehen werden und sehen</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2011 14:25:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps für den Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Spiegel ist eine Glasscheibe, die ihr Gegenüber stumm wiedergibt. Erst der Hineinblickende denkt sich die Geschichte dazu aus, passend zur vorgefassten Meinung. Bereit, Kritik zu üben. Es ist ein Unterschied, ob wir nur das Gesicht erblicken oder den ganzen Oberkörper im Umfeld. Tiere sind da neutral. Einem vorgehaltenen Spiegel messen sie nur Aufmerksamkeit zu, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Spiegel ist eine Glasscheibe, die ihr Gegenüber stumm wiedergibt. Erst der Hineinblickende denkt sich die Geschichte dazu aus, passend zur vorgefassten Meinung. Bereit, Kritik zu üben. Es ist ein Unterschied, ob wir nur das Gesicht erblicken oder den ganzen Oberkörper im Umfeld. Tiere sind da neutral. Einem vorgehaltenen Spiegel messen sie nur Aufmerksamkeit zu, wenn sich darin etwas bewegt.</p>
<p>Wenn nun das, was wir im Abbild zu erblicken hoffen, nicht sofort unserer Erwartung entspricht, sind wir alle, Gesunde wie Kranke, verunsichert, erschrocken, wehren wir enttäuscht oder wütend ab. Wir wollen sogar über das Spiegelbild die Kontrolle behalten! Hätte die Königin im Märchen nicht einfach zufrieden sein können, in ihrem Umfeld die Schönste zu sein? Nein! Das Spiegelbild sollte exakt unserer Überzeugung entsprechen. Tagaus, tagein.</p>
<p>Morgens, nach dem Frisieren und dem Anlegen einer Kette, reiche ich Mutter den Handspiegel. Lobe sie für ihr fabelhaft gutes Aussehen. Sie schaut hinein. Im Gegensatz zu anderen Demenzkranken ist Mutter niemals aggressiv. Der Blick ist manchmal kritisch, als frage sie, wer ist diese Frau hier? Was will sie? Ganz langsam fasst sie sich an die Kette und nickt.<span id="more-2501"></span></p>
<p>Im Aufzug zur Betreuungsgruppe ist die halbe Wand mit einem Spiegel verkleidet. Wir beide schauen uns daraus entgegen. Mutter im Rollstuhl sitzend, ich den Arm um ihre Schulter gelegt, abwechselnd sie direkt neben mir oder ihr Spiegelgesicht anschauend. Manchmal treffen sich unsere Augen darin. Faszinierend.</p>
<p>Deshalb kam mir die Idee: wie wäre es, wenn wir einen großen Spiegel in der Wohnung hätten, der Mutter’s Neugierde mehrmals am Tag anregt? Das musste ich unbedingt ausprobieren. Entgegen meiner Gewohnheit, das Umfeld der Kranken nicht zu verändern, haben wir vorgestern im Baumarkt aus vielen Modellen gemeinsam eines ausgesucht und neben der Flurgarderobe montiert.</p>
<p>Mutter kann lange davor sitzen und beobachten. Lächelnd, aufmerksam, manchmal ernsthaft nachdenklich. Wir sind nicht ganz sicher, wen oder was sie darin sieht, ob sie sich selbst erkennt. Aber allein der Ortswechsel aus dem Wohnzimmer heraus in den Flur, wo wir uns normalerweise nur Momente aufhalten, bringt Abwechslung für uns beide in der Alltagsroutine. Wir haben ein neues Spielzeug entdeckt.</p>
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		<title>Gedanken-Hygiene</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/08/03/gedanken-hygiene/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 18:12:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrung im Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser Neurologe sagt, Mutter sei in der finalen Phase angekommen. Wenn die Medikamentenschachtel leer ist, bleibt es dabei. Ein weiterer Abschnitt hat also begonnen. Wie lange noch? Trotz der unsäglichen Trauer im Loslassen-Müssen denke ich unsere gemeinsame verbleibende Zeit so nutzen, dass die spätere Erinnerung gut sein kann. Dazwischen steht der Alltag und die Gedanken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unser Neurologe sagt, Mutter sei in der finalen Phase angekommen. Wenn die Medikamentenschachtel leer ist, bleibt es dabei. Ein weiterer Abschnitt hat also begonnen. Wie lange noch? Trotz der unsäglichen Trauer im Loslassen-Müssen denke ich unsere gemeinsame verbleibende Zeit so nutzen, dass die spätere Erinnerung gut sein kann.</p>
<p>Dazwischen steht der Alltag und die Gedanken kommen ununterbrochen, ganz ungebeten. Jedenfalls bei mir. Sie formen sich zu kurzen, innerlich gesprochenen Sätzen als Meinung, als Gefühl in Worte gefasst. Meine Gedanken sind aufdringlich. Sie sind beharrlich und verwirren. Ich brauche aber Klarheit. Die Diagnose des Neurologen verschafft  „Klarheit“ – und schon sind sie wieder da, die nagenden Gedanken. Eine Freundin brachte es auf den Punkt: „du denkst zu viel schädlichen Ballast! Es muss nicht sein, dass du dir zusätzlich zur Versorgung deiner Mutter, im Job, zwei Haushalten, den Papierkram und den kleinen und großen Sorgen deiner Freunde und Nachbarn selbst eine Megadosis Stress zu verordnest.“</p>
<p>Stimmt. Abschalten geht zwar nicht – aber Umdenken. Erkennen, welche überflüssigen Gedanken bewusst umformuliert oder ganz ausgemistet werden können. Ein mentales Aufräumen  a) brauche ich es ?  b) ist es sentimental, aber wichtig?   c) ist es nützlich?<span id="more-2483"></span></p>
<p>Aufschlüsseln bringt Klarheit. Mit der Freiheit zu entscheiden, ob ich diesen Gedanken so zulassen will, lautet das Urteil tatsächlich immer öfter „nein, weg mit dir, ich brauche dich nicht“ &#8211; „nein, raus mit dir!“ (Mit entschiedener lauter Stimme, wenn ich allein im Raum bin.) Das macht Mut. Denn nur wenn ich selbst stark und ausgeglichen bin, kann ich stark in der Wegbegleitung meiner Mutter sein.</p>
<p>Noch ist diese Ausmusterung sehr mühevoll. Ich muss mich regelrecht dazu überwinden. Trotzdem beginnt langsam eine Gewohnheit daraus zu werden. Vergleichbar mit einer neuen Haushaltsroutine. Immer öfter hinterfrage ich nun: ist das jetzt Gedanken-Müll? Dann Deckel auf und rein in die Tonne. Weg damit! Kopf hoch, tief Luft holen. Im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert aufatmen. Es klappt immer besser. Mein neues Ziel ist: dieses bewusste Denken zu trainieren und mindestens einmal täglich zur Gewohnheit zu machen.</p>
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		<title>Der stand-by Modus</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/07/20/2460/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Jul 2011 09:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps für den Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab einem gewissen Stadium sitzen unsere Angehörigen fast nur noch in ihrem Lehnstuhl oder auf dem Sofa und dösen vor sich hin. Wir lassen sie in Ruhe in der Annahme, dass sie ein Nickerchen halten und nicht mitbekommen, was um sie herum geschieht. Nicht so bei meiner Mutter. Bei ihr gibt es eine weitere Funktion: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ab einem gewissen Stadium sitzen unsere Angehörigen fast nur noch in ihrem Lehnstuhl oder auf dem Sofa und dösen vor sich hin. Wir lassen sie in Ruhe in der Annahme, dass sie ein Nickerchen halten und nicht mitbekommen, was um sie herum geschieht.</p>
<p>Nicht so bei meiner Mutter. Bei ihr gibt es eine weitere Funktion: sie schaltet auf stand-by. Sie kennen doch diese Funktion am Fernseher, wo der rote Knopf nur darauf wartet, aktiviert zu werden. Oder am PC, wo der Bildschirm vorübergehend dunkel wird, bis jemand auf eine beliebige Taste drückt.</p>
<p>Genau so sieht dieser stand-by-Zustand bei meiner Mutter aus: Sie hat den Kopf leicht gesenkt, die Augen geschlossen, den Körper entspannt. Scheint gar nicht zu bemerken, ob die Fliege an ihr vorbeihuscht oder ob ich vor ihr stehe. Doch sobald ich mich neben sie setze und sie anspreche, beginnen die Mundwinkel zu zucken. Wenn ich dann ihre Hand nehme, gehen die Augen zeitlupenlangsam auf. Sie schaut mit leerem Blick in meine Richtung. Nach einem Moment tritt Erkennen auf, es breitet sich ein strahlendes Lächeln aus. Wenn wir jetzt miteinander Gymnastikübungen machen oder singen, ich sie aufnehme, um mit ihr ein wenig im Zimmer herumzugehen, dann ist sie voll dabei. So, als ob man einen Schalter umgelegt hätte. Sofort nach dem Hinsetzen schließt sie erschöpft die Augen und schläft ein. Das ist die echte Nickerchenpause für maximal zehn Minuten. Danach schaltet sie um auf stand-by.  Die Körperhaltung verändert sich nur geringfügig. Kopf weiterhin gesenkt, Augen geschlossen, Körperhaltung jedoch weniger schlaff. So, als ob sie nur darauf wartet, angesprochen zu werden.<span id="more-2460"></span></p>
<p>Ein kaum wahrnehmbares Lächeln spielt sich auch um die Mundwinkel wenn ich mich nicht direkt mit ihr beschäftige sondern nur in der Ecke sitze und bügle, dabei vor mich hinsumme oder leise singe oder staubsauge. Ich weiß, ich spüre, sie bekommt es unterschwellig mit. Sie verfolgt auch, wenn Besucher und ich uns miteinander unterhalten.</p>
<p>Deswegen passe ich auf, welches Programm wir ihr präsentieren, WAS wir über sie reden, welche Themen wir mit wem diskutieren, welche Geräusche wir machen, welches Fernsehprogramm läuft. Denn wir wissen nicht, wie sie diese Information verarbeitet, was in ihr vorgeht, welche Gefühle oder Erinnerungen wir vielleicht gerade fragmentartig auslösen. Sicher ist nur, in diesem stand-by Modus bekommt meine Mutter ALLES mit! Negatives wie Positives. Sie registriert und verarbeitet, ohne aktiv daran teilzunehmen.</p>
<p>Probieren Sie es doch mal aus, bei Ihren Angehörigen, ob es da vielleicht ähnlich ist?</p>
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		<title>Mit den Kräften haushalten  Teil II</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/03/30/mit-den-kraften-haushalten-teil-ii/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 07:44:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>

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		<description><![CDATA[„Naa, Frau B, heute noch müde?“ fragt der Fahrer und fasst Mutter sanft an die Schulter. Als Antwort lächle ich bloß. Nein, sie ist nicht noch, sondern schon wieder müde. Ein Außenstehender weiß nichts von der Schwerstarbeit, die Mutter aufs Höchste fordert im Druck, die jeweilige Anforderung zu meistern. Bis der Fahrer kommt, hat sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Naa, Frau B, heute noch müde?“ fragt der Fahrer und fasst Mutter sanft an die Schulter. Als Antwort lächle ich bloß. Nein, sie ist nicht noch, sondern schon wieder müde. Ein Außenstehender weiß nichts von der Schwerstarbeit, die Mutter aufs Höchste fordert im Druck, die jeweilige Anforderung zu meistern.</p>
<p>Bis der Fahrer kommt, hat sie einen Marathon geschafft: eine Mindestmenge an Trinken noch im Bett, beim Aufstehen etwas Gymnastik, ein Lied singen fürs Stimmband- und Selbst-Gehörtraining, mühsam ins Bad geschlurft werden, Morgentoilette über sich ergehen lassen, frühstücken, sich anziehen lassen für die Betreuungsgruppe.</p>
<p>Nicht nur jede Bewegung, auch Gefühle erleben kostet Kraft. Je nach Intensität und Bedeutung für den Moment bringen Freude, Wut, Enttäuschung, Trauer und Angst den gesamten Körper und Geist zum Einsatz. Seit zwei Wochen hat Mutter Schluckbeschwerden, der Tee kommt in die „falsche Kehle“, sie hustet, röchelt, hat Angst zu ersticken. Ich auch. Nach der ersten Tasse sinken die Augen auf Halbmast. Nun stellt sich die Frage, im Bett lassen oder Windeln wechseln? Der Weg ins Bad ist anstrengend. Hinzu kommt ihre Angst, hinzufallen, es nicht zu schaffen.</p>
<p>Gesunde können ihre Kräfte meistens einschätzen. Wir sind uns klar darüber, wo „nichts“ mehr geht. Mutter kann das nicht. Sie gibt immer 100%.  Es ist meine Aufgabe sie zu fördern, aber nicht überfordern. Unterstützen, dabei nicht unterfordern mit der Bevormundung „du weißt doch, das strengt dich zu sehr an“. Anregen und das Selbstwertgefühl aufbauen, anstatt in Watte zu packen. Trainieren, was noch erhalten ist, anpassen, was nicht mehr geht.</p>
<p>Ich weiß mittlerweile, Freude und Lachen sind zwar auch anstrengend, aber sie sind Kraftquellen. Ebenso, etwas Schönes sehen, riechen, leises Erzählen oder die Hand halten und gemeinsam die Stille genießen, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt.<span id="more-2109"></span></p>
<p>Beim nächtlichen Umlagern wacht Mutter selten auf. Immer öfter ist spätestens ab fünf Uhr mit ihren großen, erwartungsvollen Augen zu rechnen. Ich überlege mir: jetzt trinken sichert die Mindestmenge, dauert aber mindestens eine halbe Stunde, die uns dann auf der Schlafseite fehlt. Sie hat Hunger. Will beim Füttern selber zugreifen und weiß mit dem Löffel nicht mehr umzugehen. Ich stütze ihre Hand, führe sie zum Mund. Kurz vor den Zähnen angelangt, klappen die Lippen zu. Mutter schaut mich fragend an. Ich ermuntere, den Mund zu öffnen. Das Kauen strengt an, und Zögern beim Hinunterschlucken. Um Sieben legt sie eine Schlafpause ein, unterbrochen vom Fertigmachen und Umsetzen in den Rollstuhl für die Betreuungsgruppe. Sie kann ihren plötzlichen Leistungsabfall nicht steuern. Da heißt es eben, Entspannung zulassen, auch dann, wenn sie gerade unangebracht erscheint.<br />
Und der Fahrer fragt wieder mal verwundert „Naa, Frau B., heute noch müde?“</p>
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		<title>Karneval im Kopf</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 15:38:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltags-Routinen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausnahmesituationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die fünfte Jahreszeit gibt uns Freiräume von denen wir den Rest des Jahres über nur träumen können. Im närrischen Kostüm halten wir Anderen den Spiegel vor und alle lachen darüber. Herzhaft, keiner ist beleidigt, egal wie er angegriffen wird. Denn im Fasching heben sich Gesetze auf, öffnen ein Fenster um legal stundenweise in eine andere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die fünfte Jahreszeit gibt uns Freiräume von denen wir den Rest des Jahres über nur träumen können. Im närrischen Kostüm halten wir Anderen den Spiegel vor und alle lachen darüber. Herzhaft, keiner ist beleidigt, egal wie er angegriffen wird. Denn im Fasching heben sich Gesetze auf, öffnen ein Fenster um legal stundenweise in eine andere Persönlichkeit zu schlüpfen. Je verrückter und ausgelassener, verfremdeter, umso mehr Beifall erhalten wir.</p>
<p>Ein Demenzkranker ist 364 Tage lang authentisch und verhält sich, seinen augenblicklichen Gefühlen entsprechend, für den pflegenden Angehörigen nicht immer wünschenswert. Rennt Mutter im Winter im Nachthemd durch den Garten, ist Vater im vollen Kriegselement, plappert Opa Unsinn oder schimpft Oma uns alle Diebe, gibt es keinen Beifall. Würde ich im normalen Arbeitstag im Nachthemd ins Büro gehen, wäre mein Chef kaum damit einverstanden.</p>
<p>Das andere Ich herauslassen ist im Karneval schon fast Pflicht, im Alltag für den Demenzkranken out. Dabei drängt ihn die Krankheit unablässig in seine eigenen verschiedenen Persönlichkeiten. In das was er gerade ist. Erinnerungen machen ihn von einem Augenblick zum anderen, vom Erwachsenen zum Kind, zum Soldaten oder zur fürsorglichen Mutter und zur pflichtbewussten Ehefrau eines längst verstorbenen Gatten. Wir Angehörigen sprechen ihn dann aus einem Zeitfenster an, das gerade nicht seine eigene Wirklichkeit ist.<span id="more-1939"></span></p>
<p>Passend zur Narrenkappe nehmen wir das Spiegelbild. Abhängig vom Krankheitsstadium kann es sehr wohl wichtig für den Kranken sein, ob man den schicken Kostümrock für die Betreuungsgruppe anhat, das Hemd, weil man zur Arbeit muss, oder einen saloppen, betreuungsbequemen Trainingsanzug. Solange der Angehörige sich noch selbst im Spiegel erkennt, soll er Freude an seinem Anblick haben und nicht, wie Mutter das öfter tut, die Stirne zweifelnd runzeln, wenn ich ihr etwas für sie Ungewöhnliches angezogen habe. Ich schaue doch selbst auch kritisch auf mein Spiegelbild und ziehe mich notfalls um.</p>
<p>Werden die ewig dauergewellten Haare aus praktischen Gründen zum modischen Kurzhaar getrimmt, könnte das schon zu einem Nichterkennen verleiten, weil man in sich drin ein anderes Selbstbild gewöhnt ist. Ein Demenzkranker kann sich durch Nachdenken oder unnachvollziehbare Erklärungen nicht korrigieren. Die vernünftigste Erklärung zur Trainingshose ist nutzlos, wenn es nicht der richtige Zeitpunkt ist. Dabei gibt es so viele komische Situationen über die wir zusammen mit anderen Familien-mitgliedern und dem Kranken selbst lachen könnten, statt ein Drama daraus zu machen.</p>
<p>Am Samstag ist Karnevalsitzung in der Betreuungsgruppe. Mutter und ich werden zwei identische Dirndl tragen (über dem Pullover und der Hose). Dann sehe ich in ihren Augen, zusammen mit den richtigen Schunkelliedern, sie weiß, dass es sich um Fasching handelt und sie wegen ihres guten Aussehens bewundert wird. Gell, du hast mich gelle gern … gell, du lässt mich (auch im Alltag) net im Stich? Helau!</p>
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		<title>Mit den Kräften haushalten</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/02/20/mit-den-kraften-haushalten/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Feb 2011 16:36:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsstress]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinbarkeit Beruf und Pflege]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Jahren sagt man mir, einer der wichtigsten Grundsätze in der Betreuung demenzkranker Angehöriger sei das Haushalten mit den eigenen Kräften. Ich danke Dagmar für ihren Kommentar zu einem meiner letzten Beiträge, dass sie daran erinnert hat. Es stimmt. Sehr oft stelle ich in letzter Zeit fest, wie meine vermeintlich unendlichen Kräfte langsam aber sicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren sagt man mir, einer der wichtigsten Grundsätze in der Betreuung demenzkranker Angehöriger sei das Haushalten mit den eigenen Kräften. Ich danke Dagmar für ihren Kommentar zu einem meiner letzten Beiträge, dass sie daran erinnert hat. Es stimmt. Sehr oft stelle ich in letzter Zeit fest, wie meine vermeintlich unendlichen Kräfte langsam aber sicher schwinden. Anzeichen dafür sind immer öfter auftretende Mutlosigkeit  gegen Windmühlen anzukämpfen, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und die Frage nach dem Sinn. Es fällt mir täglich schwerer, den Interessenskonflikt zwischen Beruf und Pflege zu überbrücken.</p>
<p>Während Mutter nach dem Frühstück ein kleines Nickerchen einlegt, wäre es mir wichtig vor Arbeitsantritt einige Haushaltsaufgaben zu erledigen. Waschmaschine, Vorkochen, Putzen, usw., vom Papierkram ganz zu schweigen. Dazu muss man fit sein. Bis vor einigen Wochen ging das auch. Aber auf einmal kann ich mich nicht ad hoc aufraffen, eine Sache zügig abzuarbeiten. Ich benötige eine ungewohnt lange Anlaufzeit. Ganz besonders für die Bewältigung von Papierkram fehlt die Konzentration. Sogar einfach nur den Staubsauger holen um loszulegen, ist schon zu viel. Nach dem Abendessen, wenn Mutter versorgt ist und zum Abschluss für das Trinken einer halben Tasse Wasser eine geschlagene Stunde benötigt, weil der Schluckreflex nicht mehr so richtig wirkt, schaffe ich es gerade noch so, sie zu Bett zu bringen und falle dann selbst erschöpft zwischen die Laken. Alle Vorhaben, was ich an diesem Tag erledigen wollte, werden klein durch den übermäßigen Wunsch nach nur noch Hinlegen und Augen schließen. In zwei Stunden muss ich Mutter Umlagern, um einen Dekubitus zu vermeiden.</p>
<p>Natürlich könnten wir die eine oder andere Hilfe von auswärts hereinholen, aber bitteschön, das kostet zusätzliches Geld, das bereits für die Finanzierung von Betreuungsgruppen und Fahrten dorthin gebraucht wird.</p>
<p>Wenn ich mich dann endlich zusammenreisse und die Aufgabe erledigt ist, fühle ich mich stolz  erleichtert und eigentlich war es doch gar nicht so schlimm, warum habe ich das nicht schon längst erledigt. Jeden Tag ein bisschen, oder wenigstens am Wochenende, dann würde nichts liegen bleiben. Dann kommt das Wochenende und die Sonne scheint. Da werde ich diese schöne Gelegenheit bestimmt nicht mit profanem Abarbeiten einer Checkliste vertun, sondern lieber meine Mutter draußen im Rollstuhl spazieren fahren. Solange keine wichtigen Termine verschwitzt werden oder besonderer Besuch ins Haus kommt, wo mir eine unaufgeräumte Wohnung peinlich wäre, ist Alles eigentlich immer öfter egal. Durch diesen gemeinsamen Spaziergang draußen in der Sonne tanken wir beide, Mutter und ich, unsere Batterien auf, schöpfe ich mehr neue Kraft als in einer Stunde Schlaf.  Das bisschen Aufräumen und den Papierkram kann ich doch auch nach der Rückkehr erledigen. Oder?</p>
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		<title>Bedürfnis und Bedarf</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 14:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Stressbewältigung]]></category>

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		<description><![CDATA[Während der Weihnachtsfeiertage und zum Jahresübergang waren unsere Betreuungsgruppen geschlossen. Um die Versorgung meiner Mutter zu gewährleisten nahm ich Urlaub. Zweieinhalb Wochen 24 Stunden Einsatz, wird schon gehen. Ich hatte einen Plan aufgestellt von Soll, Ist, Möchte. Keine von uns beiden sollte zu kurz kommen. Urlaubsgenuss mit geregeltem Tagesablauf. Die ersten beiden Tage lief alles nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während der Weihnachtsfeiertage und zum Jahresübergang waren unsere Betreuungsgruppen geschlossen. Um die Versorgung meiner Mutter zu gewährleisten nahm ich Urlaub. Zweieinhalb Wochen 24 Stunden Einsatz, wird schon gehen. Ich hatte einen Plan aufgestellt von Soll, Ist, Möchte. Keine von uns beiden sollte zu kurz kommen. Urlaubsgenuss mit geregeltem Tagesablauf.</p>
<p>Die ersten beiden Tage lief alles nach Plan. Ich war morgens, abends, nachts wie üblich im Einsatz. Tagsüber kam mir die Aufgabe des Alleinunterhalters zu. Wohlgemerkt, Mutter spricht nicht mehr. Alleine Aufrichten, Stehen, oder etwa eine Buchseite umblättern, kann sie nicht. Gut, dass wir eine Vogelfutterstelle vor dem Fenster haben. Nach dem Frühstück Mutter aufs Sofa gesetzt, genießt sie den Anblick, döst, schaut interessiert zu. Ich hätte eigentlich meinen Erledigungen nachgehen können. Aber es gab einen Unterschied zwischen dem Bedürfnis und Bedarf.</p>
<p>Unsere Grundbedürfnisse waren identisch: essen, trinken, WC, Aktion, Schlafen. Der Bedarf ein ganz anderer. Mutter braucht drei regelmäßige Mahlzeiten, ich nicht. Sie soll eine bestimmte Menge trinken, ich nur wenn ich Durst habe. Sie müsste alle zwei, drei Stunden aufs WC oder zum Windeln kontrollieren, ich gehe wenn ich muss. Sie ist an ein aktives Betreuungsprogramm außer Haus gewöhnt, mit Spazierengehen, Transport. Ich lese lieber, möchte den Keller aufräumen und das Haus bei dieser Kälte nicht verlassen. Schlafen, Ausruhen? Na ja, nachts bin ich diejenige zum Umlagern, sie schläft dabei weiter. Nachholen am Tag? Während Mutter nach einer Viertelstunde Siesta den Kopf hob und mich erwartungsvoll anschaute, wäre ich lieber noch ein, zwei Stunden auf dem Sofa geblieben. Nie wurde mir so deutlich, dass eine Mahlzeit mittlerweile locker eine Stunde dauert, wenn ich Mutter alleine mit dem Löffel hantieren lasse und nach der Hälfte der Mahlzeit jeden Bissen anleite. Das Trinken einer Tasse Wasser: eine halbe Stunde, wir halten beide die Tasse.</p>
<p><span id="more-1880"></span>Beinahe wäre der Urlaub in absoluten Stress ausgeartet. Bitte, lass mich noch schnell &#8230; ich bin gleich bei dir &#8230; ich komme gleich wieder &#8230; wir wollen doch noch &#8230; Mir rannte die Zeit davon, und es gab Tage, da war mir alles zu viel. Ungeduld, Selbstkritik stellten sich ein.</p>
<p>Zum Glück hatten sich zwei liebe Helferinnen angeboten auszuhelfen. Vor Weihnachten hatte dankend ich abgelehnt. Aber der Zeitbedarf  zur Erfüllung unserer Bedürfnisse hat mich überfordert. Nach Weihnachten griff ich zum Telefon und buchte Besuchertermine, und verschaffte Mutter auch die für sie die so wichtige soziale Anbindung. Es wurde gelacht, gesungen, geschwatzt. Im Grunde das was ich auch tat. Aber sie sah ein anderes Gesicht vor sich, Besuch eben, und ich konnte wirklich ausruhen. In der zweiten Woche war Mutters Bedarf an Schlaf wohl auch etwas gewachsen. Und so erfüllten wir unser Bedürfnis nach Erholung mit dem Luxus, nach dem Morgenkaffee noch mal zwei Stunden im Bett liegen zu bleiben. Damit wurde uns beiden gerecht,  Lerche arrangiert sich mit Morgenmuffel: mit dieser Lösung hatten wir beide einen sagenhaft erholsamen Urlaub.</p>
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		<title>Alte Werte = ungeahnte Schätze</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 06:03:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte von Fachleuten]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Geburtstage]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine kleine Plastikpuppe mit blondem Wuschelkopf, großen blauen Augen und einem etwas zerdrückten, spitzenumsäumten rosa Seidenkleid – das war mein Weihnachtsgeschenk im letzten Jahr für Mutter. Schön in Geschenkpapier verpackt, mit Schleife, so wie es sich gehört. Das Ergebnis war eine Überraschung für mich selbst: sie war total überwältigt! Eigentlich war es ein Verlegenheitsgeschenk, denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Eine kleine Plastikpuppe mit blondem Wuschelkopf, großen blauen Augen und einem etwas zerdrückten, spitzenumsäumten rosa Seidenkleid – das war mein Weihnachtsgeschenk im letzten Jahr für Mutter. Schön in Geschenkpapier verpackt, mit Schleife, so wie es sich gehört. Das Ergebnis war eine Überraschung für mich selbst: sie war total überwältigt!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Eigentlich war es ein Verlegenheitsgeschenk, denn was schenkt man einer Frau, die nur noch mit dem Gesichtsausdruck kommuniziert? Deren Leben ich komplett bestimme. Den üblichen Wollschal? Likör? Irgendetwas Neues? Mit Betonung auf „Neues“ ? Weiß sie was das Wort „Geschenk“ heißt und welche Erwartungen der Schenkende damit verknüpft?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="small;"><span style="Times New Roman;">Da fiel mir die Puppe ein. Mutter hatte sie mir vor Jahren geschenkt – und sie hat ihr selbst wesentlich mehr gefallen als mir. </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Wenn ich so an meine Kindheit denke, damals hat sie mit mir zusammen ständig Puppenkleider genäht, gestrickt, bestickt. Wir hatten viel Spaß dabei. Und so kam mir diese Puppe in den Sinn, die ich mich nicht wegzuwerfen getraut habe, die nur ins Sichtfeld kam, wenn Mutter ihren Besuch angekündigt hat. Aber genau dieses Ding wurde zum absoluten Renner am Weihnachtsabend! Genau genommen wurde sie zu MEINEM schönsten Geschenk, als ich Mutter so strahlend und glücklich sah! </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Ob sie die rosa Blondheit so schön fand oder einfach eine glückliche Erinnerung ausgelöst wurde, werden wir nie erfahren. Sie hat den ganzen Abend die Puppe in den Händen gehalten, gestreichelt, das Kleid zurechtgezupft, das Haar glatt gestrichen, verträumt gelächelt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="small;"><span style="Times New Roman;">Etwas Schöneres kann man sich nicht vorstellen. Aber nachfühlen: Erinnern Sie sich an dieses AHA-Erlebnis, als Sie beim Entrümpeln auf dem Speicher oder im Keller diese Kiste mit dem alten Krempel entdeckten? Was haben Sie da gefühlt?<span style="yes;"> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Mein Rat: Wir allein wissen, was dem/der Angehörigen wichtig war und gefallen hat. Wir allein haben diesen Schatz gratis in der Hand! Schenken wir dem lieben Angehörigen eine schöne Erinnerung! Frohe Weihnachten!</span></p>
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