Freitag, 27. Mai 2011 von helgajuttapetrauwe
in meinem alter trifft man ja immer mehr menschen, die sich mit dem phänomen demenzerkrankter eltern gezwungen sehen, umzugehen. und oft werde ich dann gefragt: “habt ihr was gemerkt?” oder: “wann und wie wie fing es an bei deiner mutter?”
jetzt, im nachhinein, kann ich das noch besser einordnen, die anzeichen, die ersten auffälligkeiten – signale.
unsere mutter war eine schlichte, einfache, herzliche frau, die immer etwas “rödeln” musste – egal ob putzen, kochen, betten machen, einkaufen oder stricken, stopfen reparieren. das liess zwar nicht nach, aber die dinge wurden “kleiner”: sie kochte und backte nicht mehr gern für viele leute, sie ging nicht mehr so viel ausser haus, fürchtete sich vor neuen herausforderungen, neuen wegen, bank-besuche vermied sie, delegierte. sie war nie ein draufgänger aber jetzt wurde sie ängstlich. sie arbeitete nach wie vor, schuftete, putzte, wischte – aber alles in engen zusammenhängen; so putzte sie unsinniges, aber eben gründlich wie z.b. den uralten ewig benutzten topf zum milch-kochen, der schon lange nicht mehr gebraucht wurde. sie wurde auch unordentlicher. ihre stopfarbeiten waren nicht mehr filigran, wurden grober, “huppeliger”.
wir bemerkten auch, dass sie manches vergass – aber das schien uns normal zu sein, mal den schlüssel, mal das tragbare telefon. sorgen begannen, als wir merkten, dass sie unsicher wurde, ob sie den herd angelassen hatte…unser sohn schrieb schilder: herd aus?
ihre ängstlichkeit wuchs. und das scheint mir ein signal gewesen zu sein.
was wir aber damals nicht wahr haben wollten.
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Stichwörter: nachschau, reflexion