altersbilder

Dienstag, 19. Juli 2011 von helgajuttapetrauwe

www.programm-altersbilder.de
ein link vom bundesministerium für familien, senioren, frauen und jugend, der in schöner weise die problematik – wenn es denn eine ist….! – “alter” in all ihren facetten aufzeigt, mit filmen, fotos uvm. kein ausschließlicher bezug zu alzheimer, aber wir wissen ja alle, wie fliessend die grenzen dahin sind…

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verdrängte wesenszüge…

Mittwoch, 15. Juni 2011 von helgajuttapetrauwe

…ein phänomen bei alzheimer-patienten, das immer wieder benannt bzw. in frage gestellt wird. wie kommt es, dass manche alzheimer-patienten so grimmig, biestig, agressiv werden? ich glaube, das ist eine der am schwersten zu bewältigenden aufgaben für angehörige: zu ertragen, wenn die eltern so gemein werden. und da kann man noch so sehr wissen, dass es ausdruck der krankheit ist – weh tut es dennoch.

nun hatten wir das besondere glück, dass unsere mutter eine “liebe” alzheimer-kranke war, zwar mit allen anderen tücken, wie nächtliches umher-geistern, aufsuchen fremder zimmer und anderem, schlimmerem – aber sie war eben trotzdem dabei immer freundlich…! was sie ja eigentlich auch in ihrem ganzen früheren aktiven leben war. ob sie wohl nie heimliche wut-attacken, mord-gelüste, horror-szenarien im kopf durchgespielt hat?? war ihr schlichtes, gradliniges wesen, ohne arg, ohne hinterlist, voraussetzung für dieses “freundliche” alzheimer-verhalten?

mir wird angst und bange, wenn ich daran denke – befürchtend, evtl. auch einmal an alzheimer zu erkranken – was aus mir mal wird….eine spuckende, beissende, fiese..?

gut, dass wir das nicht wissen.

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das “nimmermeer”

Montag, 6. Juni 2011 von helgajuttapetrauwe

http://is.gd/TIaZfZ

dieser link führt sie zu einer höchst interessanten aufführung in der kulturkirche st.johannis in hamburg altona. es ist:

Eine Theaterpoesie zum Thema Suizid im Alter- “Es ist ein Recht zu leben, keine Pflicht.” Uwe G., 80 Jahre

und gestaltet als eine tanz-und theater-performance im kirchlichen raum – sicher eine herausforderung für alle beteiligten!


frühe signale

Freitag, 27. Mai 2011 von helgajuttapetrauwe

in meinem alter trifft man ja immer mehr menschen, die sich mit dem phänomen demenzerkrankter eltern gezwungen sehen, umzugehen. und oft werde ich dann gefragt:  “habt ihr was gemerkt?” oder: “wann und wie wie fing es an bei deiner mutter?”

jetzt, im nachhinein, kann ich das noch besser einordnen, die anzeichen, die ersten auffälligkeiten – signale.

unsere mutter war eine schlichte, einfache, herzliche  frau, die immer etwas  “rödeln” musste – egal ob putzen, kochen, betten machen, einkaufen oder stricken, stopfen reparieren. das liess zwar nicht nach, aber die dinge wurden “kleiner”: sie kochte und backte nicht mehr gern für viele leute, sie ging nicht mehr so viel ausser haus, fürchtete sich vor neuen herausforderungen, neuen wegen, bank-besuche vermied sie, delegierte. sie war nie ein draufgänger aber jetzt wurde sie ängstlich. sie arbeitete nach wie vor, schuftete, putzte, wischte – aber alles in engen zusammenhängen; so putzte sie unsinniges, aber eben gründlich wie z.b. den uralten ewig benutzten topf zum milch-kochen, der schon lange nicht mehr gebraucht wurde. sie wurde auch unordentlicher. ihre stopfarbeiten waren nicht mehr filigran, wurden grober, “huppeliger”.

wir bemerkten auch, dass sie manches vergass – aber das schien uns normal zu sein, mal den schlüssel, mal das tragbare telefon. sorgen begannen, als wir merkten, dass sie unsicher wurde, ob sie den herd angelassen hatte…unser sohn schrieb schilder: herd aus?

ihre ängstlichkeit wuchs. und das scheint mir ein signal gewesen zu sein.

was wir aber damals nicht wahr haben wollten.

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der alte könig…

Samstag, 21. Mai 2011 von helgajuttapetrauwe

…in seinem exil: ein wunderbares buch, das auf diese seite gehört. der schriftsteller arno geiger beschreibt darin das leben und den umgang mit seinem alzheimer-erkrankten vater und ich konnte so vieles gut nachvollziehen. kein lamentieren; ein liebevolles, verstandnisreiches und humorvolles buch.

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ach, wie lange…

Mittwoch, 18. Mai 2011 von helgajuttapetrauwe

…habe ich nicht auf dieser seite geschaut!

nachdem meine mutter gestorben war, habe ich noch eine zeit hier “gestöbert”, habe gelesen, kommentiert. dann hat mich der “mutter-freie” alltag wieder eingeholt mit arbeitslosigkeit, neuen projekten uvm. auch die tänze im sitzen habe ich im heim meiner mutter dann nach einigen wochen aufgegeben – die erinnerung an die mutter wurde mir immer wieder schmerzlich bewusst.

jetzt traf ich die “truppe”, also einen teil der tagesgruppe meiner mutter, auf dem nahen wochenmarkt und siehe da: grosse freude allerseits….! sie kannten mich teilweise noch, vor allem das personal und mein herz ging auf….ich glaube, ich werde mal wieder öfter hier schauen und schreiben, wenns recht ist….;)

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pipimachen, pipimachen

Montag, 18. Januar 2010 von helgajuttapetrauwe

frau k., eine meiner “lieblings-dementen” im heim meiner mutter hält sich zur zeit mit ihrem rollstuhl nur noch in ihrem zimmer auf, einem sehr gemütlichen eckzimmer, mit tv, sofa, und vielen erinnerungs-gegenständen. sie ist alleinstehend, hat keine verwandten; sie bekommt psychopharmaka, weil es ihr sonst gar nicht gut geht, sie bekommt dann wahnvorstellungen und ist auch für die anderen bewohnerinnen und das personal nur schwer zu ertragen.

jetzt ist sie sehr ruhig…zu ruhig…? es tut mir im herzen weh, sie so zu sehen, sie scheint dadurch einen teil ihrer persönlichkeit zu verlieren: den lebhaften eben. sonst hat sie so gern und witzig gelacht, hat von ihrer leipziger zeit erzählt und mit freude am mensch-ärger-dich-nicht-spiel teilgenommen, auch die tänze-im-sitzen mitgemacht.

als ich freitag nach dem tanzen zu ihr reinschaute, hörte ich sie jammern: pipimachen, pipimachen…!  ihre ganze existenz schien sich in diesem ruf zu manifestieren, zwar nicht laut aber so ausschließlich, so konzentriert, so LEBENSWICHTIG.

sicher, in dem moment war es wichtig: sie kann es nicht allein, sie ist auf hilfe angewiesen – aber mir schien es weder ein vorher noch ein nachher zu geben…nichts weiter als pipimachen, pipimachen. so reduziert auf diese körperliche notwendigkeit.

das macht alzheimer manchmal so erschreckend: diese reduktion – aber schon nächste woche kann es ja sein, dass frau k. wieder lacht…

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heimat “heim”

Dienstag, 12. Januar 2010 von helgajuttapetrauwe

in der zeit, in der meine mutter im altersheim lebte, fing ich an, mit einigen der  – mehr oder weniger dementen – damen einmal in der woche tänze-im-sitzen zu veranstalten, zur freude aller beteiligten und mit viel schwung und (etwas weniger…)sachkenntnis meinerseits. es kam zu kleinen aufführungen, erst zum sommerfest, dann auch zur weihnachtsfeier. personal und leitung des heimes freuten sich, machten mit und bedankten sich herzlich bei mir. für mich war es ein vergnügen und eine gute möglichkeit, mich im heim meiner mutter wohl zu fühlen und es als “unser zuhause” zu betrachten, quasi mit den freundinnen meiner mutter zusammen etwas zu unternehmen.

nun ist meine mutter anfang november gestorben.

ich war zum üben im dezember und auch zur weihnachtsfeier da und als letzte woche der ganze feiertagssrummel vorbei war, meldete ich mich bei der zuständigen schwester und habe jetzt wieder begonnen mit den tänzen-im-sitzen.

ich hatte kein beklommenes gefühl, wie befürchtet, als ich die wohlbekannten räume betrat, den platz meiner mutter ohne sie sah, ihr zimmer wieder belegt. ich spürte eine große vertrautheit mit dem haus, dem personal und vor allem auch mit vielen der bewohnerinnen, die mich freundlich begrüßten, mir zuwinkten, mich anlächelten, ein paar worte mit mir wechselten.

nach dem tanzen dann noch ein kurzer besuch bei einer mir besonders am herzen liegenden dame, die mich anstrahlte; auch sie dement. Sie hatte die letzten wochen in der psychiatrie verbracht, weil keiner mehr mit ihr fertig wurde. ich war heilfroh, dass sie mit mir sprach wie die wochen zuvor, mit mir ihr liebenswertes lachen teilte – und ich weiß: so bald werden die mich nicht los…

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“schnurrbrauen”

Mittwoch, 30. Dezember 2009 von helgajuttapetrauwe

ein etwas ungewöhnliches buch zum thema demenz, wobei “demenz” nicht das hauptthema ist, aber im roman eine wichtige rolle spielt und für mich wieder einmal deutlich macht, dass diese krankheit noch viel stärker ins bewußtsein der menschen im alltag allgemein vorrücken muss, um die betroffenen und deren angehörige besser zu verstehen. ebenso wird deutlich, dass kulturelle und gesellschaftliche hintergünde zwar keine rolle spielen im “demokratischen” zuschlagen von alzheimer/demenz aber wohl im umgang damit…

es geht in diesem roman um sowohl den persönlichen als auch den kulturellen gedächtnisverlust einer kanadierin, deren ursprung in der karibik liegt. ihr sohn, erst vor den verhältnissen geflüchtet, kehrt zurück und versucht, das mosaik ihrer schwindenden erinnerungen zusammenzusetzen.

david chariandry: der karibische dämon, verlag suhrkamp 16,80 €

p.s.: das wort “schnurrbrauen”, im buch ein zarter roter faden, ist für mich so typisch für das sprachverhalten dementer und berührt mich

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abgründe

Montag, 21. Dezember 2009 von helgajuttapetrauwe

die gedanken sind frei…kennt jeder, weiß jeder, was gemeint ist.

aber manchmal fürchte ich mich vor meinen eigenen gedanken…und jetzt, im nachhinein, wird mir noch immer siedendheiß, wenn ich an zwei, drei nachmittage denke, die ich bei meiner mutter verbrachte. ganz seltene, zum glück – die meisten, und das waren viele! waren sehr schön, oft genug habe ich davon berichtet.

wochentage, ausgefüllt mit arbeit, haushalt, dem üblichen halt und dann ab donnerstag ab ins altersheim. manchmal nur ganz kurz, meistens ein bis zwei stunden, zum teil in ruhe, zum teil in innerer hektik. je länger der aufenthalt im heim währte, desto ruhiger konnte ich es anlassen, konnte ich mich im lauf der jahre in den rythmus einfügen.

zurück zu den abgründen: da sass ich dann am bett meiner mutter, sie schlief, ruhig, gleichmäßig. und ich schaute sie an und spürte den gedanken: was wäre, wenn ich jetzt das kopfkissen nehme und ihr auf den kopf lege…wie gesagt – siedendheiß wird mir im nachhinein, vor scham, vor verwunderung über mich selber, vor unverständnis meinen gedanken gegenüber.

natürlich waren diese gedanken weit weg von einer realen umsetzung aber dass sie da waren…erschreckt.

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