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	<title>Alzheimer BLOG &#187; Wilfried Georgi</title>
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	<description>Eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft</description>
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		<title>Alzheimer-Logik</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 08:45:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wilfried Georgi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Demenz verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[Zahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Tage fand ich beim Aufräumen einen Merkzettel, den meine Frau zu Beginn ihrer Krankheit noch in ihrer akkuraten Schrift notiert hatte. Waltraud wusste wohl schon nicht mehr wie man die 2 schreibt und musste sich anders behelfen. Sie schrieb: Fra 8.11.62. Friedchen 11.11. Waltraud 11.11. Wilfried 15.11. Die richtigen Geburtstage sehen so aus: Fra [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;"><a href="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2010/01/waltraud_geburtstage_notizen_wann.tif"></a>Dieser Tage fand ich beim Aufräumen einen Merkzettel, den meine Frau zu Beginn ihrer Krankheit noch in ihrer akkuraten Schrift notiert hatte.<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Waltraud wusste wohl schon nicht mehr wie man die 2 schreibt und musste sich anders behelfen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Sie schrieb:<a href="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2010/01/waltraud_geburtstage_notizen_wann.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1101" title="waltraud_geburtstage_notizen_wann" src="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2010/01/waltraud_geburtstage_notizen_wann.jpg" alt="" width="250" height="254" /></a><br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Fra 8.11.62.<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Friedchen 11.11.<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Waltraud 11.11.<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Wilfried 15.11.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Die richtigen Geburtstage sehen so aus:<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Fra 8.2.61<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Friedchen 11.2.<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Waltraud 11.2.<br />
</span></span><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Wilfried 15.2.</span></span>
</p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Zweimal die Eins geschrieben war in ihrer Welt eine Zwei!</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: Arial; font-size: x-small;"><span style="font-family: Arial; font-size: 10pt;">Es hat mich tief berührt!</span></span></p>
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		<title>Wie überzeuge ich den Betroffenen vom erforderlichen Facharztbesuch?</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jan 2009 17:04:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wilfried Georgi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[arztbesuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich im Spätherbst 1999 die Defizite in Gedächtnis und logischem Denken meiner Frau endlich als krankhaft einstufen konnte stand die Frage: &#8220;Wie bekomme ich sie zum Neurologen&#8221;. &#8211; Es wird bei jedem Betroffenen anders ein, aber meist muss man erfinderisch sein und einen Trick anwenden. Nach einer Magen-Total-OP muss monatlich ein Depot an Vitamin B12 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich im Spätherbst 1999 die Defizite in Gedächtnis und logischem Denken meiner Frau endlich als krankhaft einstufen konnte stand die Frage: &#8220;Wie bekomme ich sie zum Neurologen&#8221;. &#8211; Es wird bei jedem Betroffenen anders ein, aber meist muss man erfinderisch sein und einen Trick anwenden.</p>
<p>Nach einer Magen-Total-OP muss monatlich ein Depot an Vitamin B12 intra muskulaer gegeben werden um das ZNS vor dem Verfall zu bewahren.</p>
<p><em><strong>&#8220;Ich kann doch noch alles selbst, ich bin doch nicht verrückt.&#8221;</strong></em></p>
<p>Auf meinen Vorschlag verkaufte die Hausärztin das meiner Frau unter dem Hinweis, dass nach 12 Jahren endlich mal geprüft werden müsse, ob die DOSIS dieser Gabe richtig sei. &#8211; &#8220;Das kann natürlich nur ein Neurologe&#8221; &#8211; und schon war meine Frau zu diesem Besuch bereit. 5 Fragen, die sie alle falsch beantwortete ergaben erst mal die Diagnose <strong>Demenz</strong>. Nach weiteren 12 Monaten konnte diese durch einen stationären Klinikaufenthalt in <strong>Morbus Alzheimer</strong> präzisiert werden und eine spezielle medikamentöse Dauerbehandlung schloss sich segensreich an.</p>
<p>Bei fast jedem Betroffenen ist ein Argument zu erfinden was von ihm auch akzeptiert wird. Das ist eigentlich schön am Begleiten, sehen wir es positiv: Immer neue Voraussetzungen und Ideen, die uns selbst geistig beweglich und frisch halten, uns Begleiter selbst vor Demenz bewahren oder den Verlauf dehnen.</p>
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		<title>Dämmerlicht</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2008/11/19/dammerlicht/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Nov 2008 14:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wilfried Georgi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Innensicht Betroffener]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesablauf]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo Wilfried, wie telefonisch versprochen, schicke ich Dir im Anhang einige von mir geschriebene Zeilen zum Thema Demenz. Entstanden sind sie, während ich meinen Vater beobachtet habe, wenn er geistesabwesend vor sich hinsinnt. Dabei mache ich mir oft Gedanken, was so in seinem Kopf vor sich geht. Manchmal stelle ich mir das so wie unten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Wilfried,</p>
<p>wie telefonisch versprochen, schicke ich Dir im Anhang einige von mir geschriebene Zeilen zum Thema Demenz. Entstanden sind sie, während ich meinen Vater beobachtet habe, wenn er geistesabwesend vor sich hinsinnt. Dabei mache ich mir oft Gedanken, was so in seinem Kopf vor sich geht.<br />
Manchmal stelle ich mir das so wie unten geschildert vor.</p>
<p>Viele Grüße auch von meinem Mann,<br />
die Neumänner</p>
<p>Dämmerlicht</p>
<p>Ich sitze im Dämmerlicht. Die Beine hochgelegt, den Rücken bequem –warm –gemütlich in die Kissen gelehnt. Langsam wird es um mich herum dunkel.<br />
Jemand kommt – fasst sanft meine Hand: „Gut so? Alles klar?“ „Alles klar?“ – Ich nicke. Danach eine andere Hand, klein, klebrig. Als ich später an meinen Fingern lecke, schmecken sie nach Schokolade. „Alles klar, Opa?“ Alles klar? – Nichts ist klar! Wer war das eben? Was tue ich hier? Wo bin ich?</p>
<p>Ich! – Wer bin ich; und wozu bin ich noch da, wenn ich das alles nicht mehr weiß? Alles klar. Ich bin ich! Wo, warum, wann – egal. Jetzt ist alles gut! Ich bin ich; hier und heute.</p>
<p>Wer bin ich, wo bin ich, welcher Tag ist heute? Früher war alles gut; alles klar. Ich war jung, verheiratet, hatte Kinder, Freunde, Kollegen; war angesehen, geschätzt, wurde überall gebraucht, zu Hause und im Betrieb. Selbst die Jungen kamen und fragten um Rat … .<br />
<span id="more-434"></span><br />
Ich glaube, ich habe wieder verpasst, rechtzeitig zur Toilette zu gehen. Ständig verlangen sie von mir, ein Windelhöschen zu tragen. Eigentlich brauche ich so was doch gar nicht. Nur eben jetzt war es mal gut. Aber sonst? Manchmal, ganz früh am Morgen, wenn sie noch schlafen (jemand schläft), schaffe ich es, mich unbemerkt ins Bad zu schleichen. Ich lasse Wasser und gehe wieder ins Bett – ohne Windel. Ein herrliches Gefühl. Später, wenn sie mich wecken, sind sie böse auf mich. „Muß das sein? Die ganze Spur geht vom Bett durch den Flur bis ins Bad. Und das Bett ist auch wieder durchgeweicht! Glaubst Du eigentlich, wir haben sonst nichts zu tun?“</p>
<p>Weißt Du eigentlich, wie viele Windeln ich Dir gewechselt habe?!, möchte ich ihr entgegen schreien. Doch ich habe ihren Namen vergessen. Und ich schäme mich. Ich schäme mich, weil ich ihren Namen vergessen habe; und weil man das ab 3 Jahren nicht mehr macht: und weil mir mein Schwiegersohn gleich die Genitalien und den Po waschen wird – und weil ich eigentlich auch schon nicht mehr weiß, warum ich mich jetzt schon wieder schämen muß.</p>
<p>Blödsinn – diese ganze Schämerei! Es gibt Frühstück. Toast, Honig, Käse – und diese runden Dinger vom Huhn, die so gut schmecken; auch mit Schale. Aber seitdem ich eines im Ganzen verputzt habe, passen sie auf. Kein Vergnügen gönnen sie mir: kein Leben ohne Windel,  keine runden Dinger mit Schale. Auch beim Sonntagsbraten werden die Knochen entfernt. Dabei habe ich Rippchen immer so gern abgeknabbert. Und so oft habe ich meine Zähne doch noch gar nicht vergessen rein zu tun.</p>
<p>Moment – habe ich sie jetzt drin? Meine Zunge fährt suchend unter die Lippen. Ja! Da sind sie. – Ach so, der Junge hat sie mir heute früh aus der Schachtel gegeben. Der Junge- überhaupt; ich habe mir immer einen Jungen gewünscht. Aber dann war es doch nur ein Mädchen, und dann ist die Frau operiert worden, und dann war es aus mit Kindern und dem Jungen auch.</p>
<p>Wo kommt denn jetzt mit einem Mal der Junge her? Er ist gut zu mir. Besonders er. Aber er ist auch viel fort. „Auf Arbeit“, sagen sie.<br />
Auf Arbeit war ich auch – fast ein ganzes Leben lang. Erst in der Grube – „Unter Tage“ nannte man das. Da war ich fast noch ein Kind, gerade 14 Jahre und dürr wie eine Spindel. Das war hart. Es fehlte überall. Vor allem an der Technik. Arbeitsschutz, Gesundheit – wen hat das damals interessiert. Nach zwei Jahrzehnten war der Rücken kaputt, die Beine offen. Damals habe ich mich auch geschämt: Untauglich für die Grube.</p>
<p>Warum soll ich mich jetzt schon wieder schämen? Ach so, das Messer und die Gabel – man nimmt nicht die Finger. Warum eigentlich nicht? Ist doch viel praktischer. Geht schneller, der Bauch ist satt und kaum Abwasch. Ich glaube, ich kann ihnen nichts richtig machen.  Einerseits beklagen sie sich über die viele Wäsche von mir; andererseits werden sie böse, wenn ich ihnen den Abwasch ersparen will. „Das macht doch die Spülmaschine“, sagt sie.</p>
<p>Wenn ich doch nur wüßte, wer sie ist, daß sie so eine dicke Lippe riskieren kann, wo ich mich doch mit dem Jungen heute Morgen so gut verstanden habe. Ich müßte einfach mal mit der Faust auf den Tisch hauen. – Zack! So! „ Schluß mit der Meckerei! Schließlich bin ich Dein Vater!“</p>
<p>Ihr Vater? Ja, jetzt weiß ich – sie ist meine Tochter.<br />
Also! Ich krümme die Finger. Es knackt in den Gelenken. Was haben diese Hände früher nicht alles getan: Kartoffeln aus der Erde gewühlt, den Garten umgegraben, … , aber auch ihre Wangen gestreichelt, wenn sie sich weh getan hatte oder traurig war.</p>
<p>Verwundert betrachte ich die geballte Faust. Der Ehering ist tief im Fleisch eingewachsen. Wenn ich nur wüßte, was ich vorhatte? Unsicher stecke ich die kämpferische Hand erst mal in die Hosentasche. So, jetzt ist sie weg. – Mein Kamm auch, stelle ich entsetzt fest. Mein Kamm! Den brauche ich doch! Der ist doch immer in der Tasche! Was soll ich nur ohne ihn machen?! Hektik macht sich in mir breit. Mühselig stemme ich mich hoch und tapse unsicher in die Küche. Die Beine wollen in letzter Zeit nicht mehr so schnell wie ich.</p>
<p>Die Tochter steht an der Spüle und schält Kartoffeln. Ein fragender Blick: „Was suchst Du? Wieder den Kamm?“ Sie trocknet die Hände ab, geht ins Wohnzimmer. Ich schlurfe hinterher. Mit wissendem Blick greift sie in die Sofaritze und zieht einen schwarzen Kamm heraus. „Das ist nicht meiner; meiner ist braun.“ Ein genervtes Lächeln huscht über ihr Gesicht: „Der letzte war braun. Den hast Du auch verbummelt.“ Auch verbummelt? Unfug! Ich habe noch nie etwas verlegt. Wahrscheinlich bringt sie mein Zeug weg. Aber ich bin ja alt – mir kann man ja alles in die Schuhe schieben.</p>
<p>Unzufrieden nehme ich den fremden Kamm und stecke ihn ein. Müde lasse ich mich wieder in die Ecke plumpsen. So eine Aufregung wegen einem Kamm! Sie schickt sich an, wieder in der Küche zu verschwinden. Doch bevor sie geht, streicht sie mir sanft mit der Hand über den Kopf: „Es ist wirklich Deiner.“ Da fühle ich mich plötzlich wieder verstanden, und alles ist gut.</p>
<p>Zufrieden döse ich vor mich hin, bis kleine Füße hastig die Treppe herunterpoltern. Mit Schwung fliegt die Stubentür auf. Wieder fasst die kleine klebrige Hand nach meiner alten, faltigen. Dieses Mal riecht sie nach Honig und Plätzchen. „Opa, wollen wir Memory spielen?“ Ein kleines Gesicht mit Zöpfen und frecher Stupsnase taucht vor mir auf. Ich schaue überrascht in dieses Kindergesicht und dann auf unsere beiden Hände: „Klar, spielen wir. Und dieses Mal gewinne ich!“ Ein vergnügtes Lachen gluckst auf: „Das werden wir noch sehen!“ Dann läuft sie nach dem Spiel suchen; und ich sitze wieder im Dämmerlicht.</p>
<p>Doch dann scheint hinter den Gardinen für einen Augenblick die Wintersonne ins Zimmer. Um mich herum wird es warm und hell, und ich bin dankbar für dieses Licht.</p>
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		<title>Darf ich für dich denken?</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2008/10/30/darf-ich-fur-dich-denken/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 13:24:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wilfried Georgi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Erlebnisse von Betroffenen]]></category>
		<category><![CDATA[Ich weiß nicht wer ich bin]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Küche arbeitend höre ich meine Waltraud im Wohnzimmer herzzerreißend weinen und schluchzen. Ich lasse die Arbeit ruhen, gehe zu ihr und frage: &#8220;Was hast du mein Schatz?&#8221;. Nach ein paar Atemzügen mit weinerlicher Stimme: &#8220;Ich weiß nicht wer ich bin &#8211; wer bist du? &#8211; wo sind wir hier? -  nach einer größeren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Küche arbeitend höre ich meine Waltraud im Wohnzimmer herzzerreißend weinen und schluchzen. Ich lasse die Arbeit ruhen, gehe zu ihr und frage: &#8220;Was hast du mein Schatz?&#8221;. Nach ein paar Atemzügen mit weinerlicher Stimme: &#8220;Ich weiß nicht wer ich bin &#8211; wer bist du? &#8211; wo sind wir hier? -  nach einer größeren Pause, in der ich ratlos daneben stehe die schrecklich Feststellung: &#8220;Ich kann gar nicht mehr richtig denken!&#8221;. -</p>
<p>Da kniee ich vor ihr, meinen Kopf in ihrem Schoß und weine bitterlich &#8211; solch schreckliche Feststellung!</p>
<p>&#8220;Du kannst nicht den Schwächling machen&#8221; schießt es mir durch den Kopf und schon sitze ich neben ihr, halte sie ganz fest, ziehe sie noch enger, ganz eng an mich und frage sie: &#8220;Kannst nicht mehr richtig denken?&#8221; &#8211; &#8220;Nein&#8221; kommt es mit weinerlicher Stimme von ihr zurück.</p>
<p>Da muss eine Hilfe her! &#8211; Ich: &#8220;Darf ICH dann für dich denken?&#8221; &#8211; &#8220;Ach bist du ein guter Mann, du bist der beste Mann der Welt!&#8221; kommt ihre Antwort mit großer Freude, unterstrichen wieder mit Tränen.</p>
<p>&#8220;Das stimmt, aber du brauchst einen guten Mann, du bist nämlich die beste Frau der Welt&#8221; &#8211; und schon liegen wir uns in den Armen und besiegeln diese schreckliche und doch wunderbare Zweisamkeit mit unendlich vielen Küssen und weinen vor Glück um die Wette.</p>
<p>Noch heute bin ich tief betroffen und lasse den Tränen feien Lauf. Welch wunderbare Erkenntnis! Ein guter Mann und die beste Frau der Welt! Ich <strong>musste</strong> nun nicht nur, ich <strong>konnte</strong> auch für sie denken, mich in sie hineinversetzen, ihre Gefühle selbst spüren &#8211; wir waren nach 48 Jahren völlig EINS geworden. Nach weiteren 4,5 Jahren, 2,5 Jahre nach der Goldenen Hochzeit, bei deren Fotos nur der geschulte Blick eine Alzheimerdemenz erkennt, durfte sie nach nur 2 Stunden Bettlägerigkeit im häuslichen Frieden ans andere Ufer wandern.</p>
<p><strong>&#8220;Herr wie sind doch deine Werke so groß!&#8221;</strong> war mein erstes Dankgebet -ER hatte uns vor den gefürchteten schwierigsten Phasen dieser Scheißkrankheit bewahrt, von einer 7,5 Jahre langen Abschiedsreise erlöst, uns beide.</p>
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		<title>Wir fahren immer noch Tandem!</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2008/09/10/wir-fahren-immer-noch-tandem/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Sep 2008 10:56:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wilfried Georgi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrrad]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei meiner Frau Waltraud (Jahrgang 1929) wurde im Februar 2000 eine Demenz diagnostiziert. Um mehr für unsere Gesundheit zu tun, kauften wir uns neue Fahrräder. Bei der ersten Fahrt lag meine Waltraud schon nach 100 Metern unter dem Fahrrad und stieg dann nie wieder auf. Wie sollte sie auch &#8211; ohne Rücktrittbremse und mit 21 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Bei meiner Frau Waltraud (Jahrgang 1929) wurde im Februar 2000 eine Demenz diagnostiziert. Um mehr für unsere Gesundheit zu tun, kauften wir uns neue Fahrräder. Bei der ersten Fahrt lag meine Waltraud schon nach 100 Metern unter dem Fahrrad und stieg dann nie wieder auf. Wie sollte sie auch &#8211; ohne Rücktrittbremse und mit 21 Gängen!</p>
<p>Da musste eine andere Lösung her. Sie kam schon im Mai 2000 durch einen Zufall. Auf einer Urlaubsreise las ich während eines Spaziergangs das Schild: „Tandemverleih&#8221;. Das müsste doch gehen -schoss es mir durch den Kopf. Waltraud war mit einem Versuch einverstanden. Aufsteigen und losfahren: das ging dank guter Gangschaltung ganz wunderbar, trotz ordentlicher Steigung, und es machte Waltraud große Freude.<span id="more-5"></span></p>
<p>Wieder zu Hause schafften wir uns gleich ein eigenes Tandem an. Nun wird jeder Einkauf bei fast jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit damit erledigt. Für diesen Zweck ist hinten auf dem Rad ein großer Gepäckkorb montiert.</p>
<p>Gerne fahren wir auch gemeinsam mit anderen. Kleinere Touren über 20 km mit 200 Höhenmetern auf wenig befahrenen Verbindungsstraßen machen richtig Freude. Jedes Jahr am 1. Mai veranstaltet unser Fahrradhändler die „Fahrt in den Mai&#8221;, die von jedem gemeistert werden kann. Natürlich tragen wir, wenn es über die Stadtgrenzen hinaus geht, Helm und auffällige Kleidung, denn wir möchten weder zum Hindernis noch zu Opfern werden.</p>
<p>Ganz große Ereignisse waren die Einweihung des Autobahn-Rennsteigtunnels im Juli 2003 sowie 2003 und 2005 die größten Radsternfahrten der Welt, die „Thüringer Burgenfahrt&#8221; von Erfurt nach Freudenthal mit je zwei Mal 23 km. Wir waren mitten im Pulk der rund 5.000 Pedalritter, schwammen mit dem Strom und brachten es auf einen Schnitt von 23 Stundenkilometer.</p>
<p>Heute kann Waltraud die Türschilder „Wohnzimmer&#8221;, „Küche&#8221; usw. schon lange nicht mehr lesen. Bei allen Handgriffen braucht sie meine Hilfe und ist inzwischen harninkontinent. Ich muss viel Geduld haben. Aber wir fahren immer noch Tandem. Das ist eine große Freude für uns und viele Mitbürger unseres 4.000-Seelen-Städtchens.</p>
<p style="text-align: right;">Wilfried Georgi, Greuße</p>
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