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Die Party

Freitag, 12. März 2010 von Dagmar

Zum 60. Geburtstag gab meine Schwester eine Gartenparty. Gemeinsam mit Mutti nahm ich an der Party teil. Sie liebte Geselligkeiten, die harmonisch, nicht zu laut und ohne Streit verliefen. Ihre Füsse bewegte sie bei Walzermelodien im Takt. Es bereitete ihr ein großes Vergnügen. Sie hörte gern Musik, das wußte ich, aber tanzen? Nein. Gut bei drei Kindern und einen Mann der dafür kein Verständnis aufbrachte, hatte sie dafür keine Zeit und nahm sich auch dafür keine Zeit.

Wie immer nahm ich meinen Platz neben Mutti ein, um ihr jederzeit behilflich zu sein. Plötzlich fragte sie mich: “Wo ist Daggi?” Ich antwortete ihr: “Sie kommt gleich wieder.” Mutti war mit dieser Antwort zufrieden. Nach einiger Zeit sagte ich zu Mutti: “Margot, ich bin wieder da.” Sie lächelte mich glücklich an. Im Laufe des Tages fragte sie mich wieder: ” Wo ist meine Mutti?”. Ich antwortete ihr wieder: “Sie kommt gleich wieder”. Meinen Platz hatte ich nicht verlassen und ich sagte zu ihr: “Margot, ich bin wieder da”. Zufrieden lächelte sie mich an.

Ein Gast fragte mich; warum ich meine Mutter verscheißere. Meine Antwort lautete: ich verscheißere sie nicht. Sie würde sich unverstanden fühlen, sobald ich versuchen würde, ihr zu sagen, dass ich die vermißte Person bin. Die Wahrheit kann ihre Verlustangst nicht beseitigen. Wir beide, Mutti und ich, ersparen uns durch mein Verhalten Streß. Streß können wir beide nicht gebrauchen.

Dagmar

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Zufall oder Wunder

Donnerstag, 11. März 2010 von Martina Rühl

Ein Sonntag im Oktober, Ende der Sommerzeit. Ich hatte Frühdienst und sollte um halb sechs meinen Dienst beginnen. Meine Kolleginnen hatten in der Nacht daran gedacht, die Uhr eine Stunde zurück zu stellen, ich nicht. Ahnungslos machte ich mich also gegen fünf Uhr auf den Weg, hörte dabei Musik im Autoradio und hatte schon über die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als der Radiosprecher sagte: Es ist 4 Uhr und 10 Minuten.

So fängt es wahrscheinlich an, mit der Demenz, dachte ich. Jetzt geht es bei dir auch los und das mit 46 Jahren.

Umkehren lohnte sich nicht, also beschloss ich, schon einmal Kaffee zu kochen und ein paar Vorbereitungen zu treffen. Insgeheim ärgerte es mich aber doch, eine Stunde kostbaren Schlaf einfach verschenkt zu haben.

Ich machte mich gerade in der Stationsküche zu schaffen (um 4Uhr 20), als ich eine bekannte schrille Stimme nacheinander sämtliche Namen meiner Kolleginnen rufen hörte. Aha, Frau M. war auch schon wach. Ich ging zu ihr und fragte nach dem Grund für ihr lautes Rufen. Erleichtert kreischte sie los:”Ein Wunder, ein Wunder ist geschehen, dass du mich hier gefunden hast! Mein ganzes Bett ist nass und ich muss hier drin liegen! Wie hast du mich denn bloß gefunden?”

“Ich habe das Rufen gehört und bin dann hier ins Zimmer gekommen.”

Ich beruhigte sie erst einmal, half ihr aus dem Bett, wusch sie und zog sie an. Um fünf Uhr saß Frau M. glücklich am Tisch und bekam von mir Frühstück. Ich setzte mich mit einer Tasse Kaffee zu ihr und erzählte, dass ich nur so früh hier war, weil ich vergessen hatte, in der Nacht die Uhr umzustellen. Sie schaute mich einen Moment nachdenklich an und kreischte dann wieder los: ”Ach herrje, das hat der Herrgott gemacht, der hat dich hier hin geschickt, um mich zu retten! Ist das nicht wirklich ein Wunder?”

Nun, so konnte man es auch sehen. Gibt es einen schöneren Grund, eine Stunde zu früh aufzustehen?

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Geduld und Güte

Donnerstag, 11. März 2010 von Martina Rühl

Frau M. mußte morgens laut ärztlicher Anordnung zwei Tabletten einnehmen. Die kleine, runde nahm sie nach dem Frühstück, die längliche teilte sie in zwei Teile, packte sie wieder in das Medikamententöpfchen, schob dieses möglichst weit in Richtung Tischmitte oder sie versteckte die Tablette unter dem Tischset.

Als ich an einem Vormittag den Tisch abgeräumt hatte und in der Küche die Butterdose öffnete, hatte sie die zwei Tablettenteile in den etwas vertieften Rand der Butterdose gelegt und feinsäuberlich den Deckel darüber gestülpt.

Ich ging zu ihr, gab ihr die Tablette und sagte: “Hier ist deine Morgentablette, jetzt ist es schon bald MIttag und du hast sie immer noch nicht eingenommen.”

Sofort begann sie zu schimpfen: “Das ist doch wohl egal, wann ich die nehme, die habe ich schon immer am späten Vormittag genommen und daran wird sich wohl auch nichts ändern lassen. Die kann ich später immer noch nehmen und außerdem, was regst du dich eigentlich so auf?”

Ich antwortete, während ich die Tische abwischte: “Der Doktor hat sie dir für morgens verschrieben und nicht für mittags oder abends, er wird sich schon was dabei gedacht haben!”

Frau M. schrie mit immer schriller werdender Stimme:”Ich nehme die Tablette, wann ich will und wenn du nicht gleich aufhörst damit, dann rufe ich noch lauter!”

“Wen willst du denn rufen?”

“Den lieben Herrgott werde ich rufen!”

“Au Backe, was sagst du ihm denn, was er mit mir machen soll?”

“Ich kann ihm ja wohl schlecht vorschreiben, was er mit dir machen soll. Das wird er schon alleine wissen!”

Ich sagte nichts mehr und wischte weiter die Tische ab. Nach einer Schweigeminute schaute Frau M. mich an und sagte ganz ruhig: “Bloß gut, dass ich die Geduld und Güte meiner Mutter geerbt habe!”

Da konnte ich ihr nur lachend zustimmen. Bloß gut!

Am nächsten Morgen saß ich mit am Tisch und versuchte vergeblich, einer Bewohnerin das Essen anzureichen, die Mund und Augen zukniff und sich in ihre Welt zurückgezogen hatte. Frau M. beobachtete das Ganze und sagte total genervt: “Mein Gott, warum macht die denn nicht den Mund auf? Das ist ja fürchterlich. Was soll denn das Theater?”

Ich antwortete:” Aber Hilde, ich denke, du hast die Geduld und Güte deiner Mutter geerbt?”

“Ja sicher hab ich das, aber so was hätte meine Mutter nicht geduldet, da hätte selbst sie kurzen Prozess gemacht!”

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Der Bruch

Dienstag, 9. März 2010 von Dagmar

Sie stürzte. Gesehen hatte ich es nicht. Sie kam aus dem Garten und hielt sich die linke Hand. “Tut die Hand weh?”, fragte ich. “Ja” gab sie mir zur Antwort. “Wie ist es passiert?”, wollte ich wissen. “Mit einmal tat die Hand weh”, sagte sie. Ich bat sie sich in den Sessel zu setzten, damit ich mir die Hand anschauen kann. Vorsichtig tastete ich ihre Hand und den Unterarm ab. “Mir wird schlecht, ich kann meine Hand nicht bewegen”: meinte sie. Ihr Handgelenk schwoll langsam an, ihre Schmerzen nahmen sichtlich zu. Ich holte ihr einen Kühlakku, den ich in ein Handtuch wickelte. Außerdem gab ich ihr etwas zu trinken. Dann wollte sie nicht mehr sitzen bleiben, so dass ich einen Strumpf über die Hand zog, damit der Kühlakku das Handgelenk kühlen kann. Prima, dachte ich. Heute ist Samstag Nachmittag, da kann ich mit ihr zur Unfallaufnahme in`s Krankenhaus fahren. (Weiterlesen…)

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Das Langzeit EKG

Dienstag, 9. März 2010 von Dagmar

Der Bruch verheilte schnell, nachdem der Fixateur sie daran hinderte, diesen abzubauen. Die mehrfach neu angelegten Gipsverbände hatte sie mit Erfindergeist demontiert. Der Hausarzt wollte nun ausschließen, das der Sturtz von Mutti, auf andere gesundheitliche Probleme, wie z.B. auf Gleichgewichtsstörungen, zurückzuführen seien. Sie bekam eine Überweisung zum Internisten und für das EKG erhielt sie kurzfristig einen Termin. Mit Mutti bin ich zum Arzt gefahren und ihr wurde das Langzeit- EKG angelegt. Dieses sollte ich am nächsten Tag um 8.00 h wieder in der Praxis abgeben. Der Tag verlief wie jeder andere Tag mit Mutti. Sie rannte umher. Das EKG beachtete sie nicht. Es störte nicht. Abends brachte ich sie in`s Bett. Sie schlief schnell ein. In der Nacht war sie auch ruhig. Mein Schlaf wurde durch irgend etwas gestört und ich schaute nach Mutti.

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Roman aus Sicht einer Betroffenen: Mein Leben ohne Gestern

Montag, 8. März 2010 von Alzheimer-Telefon

Alice ist eine Frau in den besten Jahren und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ihre Kinder habe die Schule hinter sich, sie selbst ist eine anerkannte Professorin für kognitive Psychologie an der renommierten Harvard-Universität. Doch plötzlich beginnt sie Dinge zu verlegen, Termine zu vergessen, verirrt sich beim Joggen in der Nähe ihres Hauses. Nach Monaten der Arztbesuche und Diagnostik erfährt sie schließlich, dass sie an einer frühen Form der Alzheimer-Krankheit leidet. Lisa Genova beschreibt in ihrem Roman Alice’ Weg von den Anfängen der Krankheit über die Schwierigkeit für sie und für ihre Familie, die Diagnose zu akzeptieren, den schrittweisen Rückzug aus dem Arbeitsleben bis in eine Zeit, in der die Namen und die Beziehungen zu den Menschen um sie herum immer undeutlicher werden. Die Autorin zeigt aber nicht nur den Verlust, den die Krankheit mit sich bringt, sondern auch die nach wie vor vorhandenen Kompetenzen, den Willen trotz Alzheimer so lange wie möglich selbstständig und von anderen unabhängig zu bleiben und auch für sich selbst zu sprechen.

Lisa Genova hat für diesen Roman sorgfältig recherchiert, mit Ärzten und Wissenschaftlern aber auch mit vielen Betroffenen selbst gesprochen. Es ist ihr gelungen, ein sehr bewegendes, glaubwürdiges und trotz der traurigen Thematik auch hoffnungsvolles Buch zu schreiben.

Auf jeden Fall lesenswert!

Susanna Saxl, Berlin


Die Auszeichnung

Donnerstag, 4. März 2010 von Dagmar

Mutti konnte nicht mehr allein zu Hause bleiben. Nach einer Tagespflege für Mutti suchte ich. In der Selbsthilfegruppe fragte ich nach den Erfahrungen der anderen Mitglieder. Eine gute Tagespflege hatte ich dadurch schnell gefunden. Jetzt mußte ich nur noch Mutti überzeugen dort hinzugenen. Sie wollte zu Hause bleiben und meinte: Ich kann doch kochen und sauber machen, dann brauchst du es nicht zu tun.” Nach kurzer Überlegung sagte ich:” das Geld, was ich verdiene reicht nicht aus. Du mußt auch Geld verdienen. Eine schöne Arbeit habe ich für dich in der Tagespflege gefunden. Dann reicht das Geld für uns”, sagte ich. Sie antwortete: “Aber als Leiter, ich war immer Leiter.” Gewiß, antwortete ich und meinte zu ihr:” du siehst dir erst einige Tage den Ablauf an und dann kannst du als Leiter arbeiten. Mutti war damit einverstanden und als sie noch mitbekam, dass sie täglich zur “Arbeit” mit dem Auto abgeholt und Nachmittags wieder nach Hause gebracht wird, war sie zufrieden.

Als sie früh geduscht werden sollte, gab es Gezeter von ihr. Nachdem ihr gesagt wurde, dass das eine Forderung vom Gesundheitsamt sei, funktionierte das tägliche Duschen ohne Probleme. Der Spaziergang empörte sie und sagte: ” das geht doch nicht in der Arbeitszeit spazieren zu gehen, dass durfte nie einer, ich muß arbeiten”. Ihr wurde gesagt, dass der Spaziergang dazu beiträgt, dass danach höhere Leistungen zu erwarten sind. Sie schüttelte den Kopf über die neuartigen Methoden und fügte sich.
Sie forderte einen Arbeitsvertrag, den ihr das Personal gern gab. Auch wollte sie wissen, wann sie das Geld bekommt. Mit der Überweisung war sie zufrieden. In der Tagespflege kam monatlich der Friseur und die Fußpflege. Mutti hatte ich dafür angemeldet. Sie weigerte sich die Fußpflege anzunehmen. Das geht entschieden zu weit während der Arbeit die Füße zu pflegen meinte sie. Eine Pflegekraft sagte zu ihr:” Die Fußpflege ist eine Auszeichnung für gute Arbeit und sie erhalten diese  Auszeichnung”. “Wenn das eine Auszeichnung ist, dann nehme ich natürlich an; sagte Mutti.

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Das Ende

Montag, 1. März 2010 von Dagmar

Am Bett meiner Mutti sitze ich und muß weinen. Ich will nicht weinen. Ruhe möchte ich ausstrahlen. Zuversicht geben. Es gelingt mir nicht. Die Tränen rollen über meine Wangen. Ihre Hände halte ich. Sprechen kann ich nicht, meine Stimme versagt mir. Auf den Sensenmann warte ich. Möge sie erlöst werden von ihren Schmerzen. Ein ganz schwaches Lächeln, kaum zu erkennen, huscht über ihr Gesicht. Froh bin ich, dass sie zu Hause ihre Augen für immer schließen kann. Ihr röcheln, ihren Kampf mit anzusehen tut unendlich weh. Einen friedlichen Tod habe ich ihr gewünscht. Gewiss das Morphium dämpft alles. Das Unvermeidliche tut weh, ist schmerzhaft. Kaum auszuhalten.

Drei Wochen mit Höhen und Tiefen liegen hinter uns. Am Todestag von ihrem Mann unserem Vater nahm ich schon einmal Abschied. Abschied von ihr. Die Nacht saß ich auch an ihrem Bett. Gegen Morgen mußte ich mich hinlegen. Ich war gefasst, gefasst auf das Ende. Sie sagte mir Etwas und lächelte. Das Gefühl gab ich ihr, sie zu verstehen. Selten konnte sie einzelne Worte hervorbringen. In dieser Nacht setzte ihr Atem oft aus. Ich wartete, wie lange weiß ich nicht, meinen Atem hielt ich an und lauschte. Mit leiser Stimme rief ich ihren Namen “Margot”. Sie holte tief Luft und atmete weiter. Habe ich sie mit meiner Stimme zurückgeholt? Ich weiß es nicht. Vielleicht hätte ich sie nicht ansprechen sollen, dann wäre ihr das qualvolle Ende erspart geblieben.

Ich weiß es nicht. Eine Antwort will ich nicht. Sie konnte zum Schluß keine Nahrung zu sich nehmen. Verzweifelt war ich. Für sie habe ich alles menschenmögliche getan. Ihr ging es gut, gut trotz ihrer Krankheit. Sie ist unsere Mutter. Ein erfülltes Leben mit 90 Jahren liegt hinter ihr. Wir hätten uns die letzten gemeinsamen 10 Jahre voll genießen können, aber ihr Alzheimer prägte unser beider Leben. Es tut weh Abschied zu nehmen.

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Beinahe eine Büttenrede

Dienstag, 16. Februar 2010 von Heidi

Je länger ich meine Mutter betreue, je mehr Zuwendung und Pflege sie braucht, desto kritischer sehe ich meine Umwelt und mich selbst. Und komme ins Kopfschütteln über unsere sogenannte zivilisierte Industrienation, auf die wir so stolz sind.

Mutter und ich haben am Wochenende eine Freundin besucht. Nach dem Mittagessen gingen wir zur Toilette. Windelwechsel war angesagt. Für mich seit langem ein völlig normaler Vorgang. Für meine Freundin nicht. „Toll, dass du das kannst. Dass du sowas auf dich nimmst. Ich könnte das nicht, ihr den Hintern abputzen und sowas“.

Ich war noch dabei, mich und Mutter wortreich erklärend zu verteidigen, die Sache ins Normale zu reden, als der Säugling schrie.

Meine Freundin eilte ins Kinderzimmer, holte das Baby und es war Windelwechsel angesagt. Ich musste (igitt) dabei zusehen und sie erzählte mir beiläufig, dass ihr Mann sich weigere auch mal Hand anzulegen. Er ekle sich so.

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Wo bleibt die Würde eines demenzkranken Menschen

Dienstag, 2. Februar 2010 von Brigitte

Es begann im Jahr 2006, da fiel uns auf, daß Mutti Sachen anstellte, wie das nasse Handtuch in einen Cosmetikeimer zu stecken,  ihre Brille nicht mehr zu finden. Was man ihr sagte kurze Zeit später vergessen hat, sie es immer wieder neu fragte, bis man selber am Durchdrehen war. Das sie einen anrief und immer wieder die gleichen Fragen stellten, die man ihr immer wieder beantwortet bis man nicht mehr ans Telefon gehen wollte. Dafür schäme ich mich heute. Das sie ihr Geld suchte und man es ihr weggenommen hat. Das sie ihre Brille suchte sie später in Papier eingewickelt  in irgend einer Schublade. Leider lagen unsere Nerven blank und wir reagierten falsch und hatten keine Geduld. Wir wollten mit Mutti zum Arzt, aber sie verweigerte es. Sie wurde immer aggressiver und ging zum Teil auf uns los. Heute denke ich sie hatte Angst, weil wir sie nicht verstanden und sie immer berichtigten. Mein Vater stellte Antrag auf Pflegestufe, der medizinische Dienst lehnte dies zwei Mal ab. Wir wußten uns nicht mehr zu helfen.

Damals ahnten wir das sie an Alzheimer oder Demenz leidet. Ich erkundigte mich bei einer Beratungsstelle. Man sagte mir ,man müsse sich an das Amtsgericht wenden und den Fall schildern. Das wollte ich dann auch nicht, so tat es mein Vater. Vom Amtsgericht und anderen Stellen kamen Leute vorbei, die sich meine Mutter anschauten, mein Vater legte sich zu diesem Zeitpunkt ins Krankenhaus und überließ mir den Part. Sie war sauer auf mich, daß ich so etwas mit der eigenen Mutter mache . Ich war hilflos, am Ende entschied der Amtsrichter, daß meine Mutter eine Berufsbetreuerin zugewiesen bekommt das war im Mai 2007. Mein Vater nahm sich dann eine Putzfrau und meine Mutter sah rot, denn sie sah die Geliebte meines Vaters darin und griff diese Frau immer an.  Als dies die Betreuerin mitbekam entschloss sie sich, daß meine Mutter ins Krankenhaus nach Friedberg gebracht werden sollte. Sie bestellte einen Krankenwagen und die Polizei und erklärte meiner Mutter, daß sie nun freiwillig mitgehen kann oder sie die Hilfe der Polizei nutzen muß. (Weiterlesen…)


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