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	<title>Alzheimer BLOG &#187; Alltag</title>
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	<description>Eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft</description>
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		<title>Mit den Kräften haushalten  Teil II</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/03/30/mit-den-kraften-haushalten-teil-ii/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 07:44:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>

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		<description><![CDATA[„Naa, Frau B, heute noch müde?“ fragt der Fahrer und fasst Mutter sanft an die Schulter. Als Antwort lächle ich bloß. Nein, sie ist nicht noch, sondern schon wieder müde. Ein Außenstehender weiß nichts von der Schwerstarbeit, die Mutter aufs Höchste fordert im Druck, die jeweilige Anforderung zu meistern. Bis der Fahrer kommt, hat sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Naa, Frau B, heute noch müde?“ fragt der Fahrer und fasst Mutter sanft an die Schulter. Als Antwort lächle ich bloß. Nein, sie ist nicht noch, sondern schon wieder müde. Ein Außenstehender weiß nichts von der Schwerstarbeit, die Mutter aufs Höchste fordert im Druck, die jeweilige Anforderung zu meistern.</p>
<p>Bis der Fahrer kommt, hat sie einen Marathon geschafft: eine Mindestmenge an Trinken noch im Bett, beim Aufstehen etwas Gymnastik, ein Lied singen fürs Stimmband- und Selbst-Gehörtraining, mühsam ins Bad geschlurft werden, Morgentoilette über sich ergehen lassen, frühstücken, sich anziehen lassen für die Betreuungsgruppe.</p>
<p>Nicht nur jede Bewegung, auch Gefühle erleben kostet Kraft. Je nach Intensität und Bedeutung für den Moment bringen Freude, Wut, Enttäuschung, Trauer und Angst den gesamten Körper und Geist zum Einsatz. Seit zwei Wochen hat Mutter Schluckbeschwerden, der Tee kommt in die „falsche Kehle“, sie hustet, röchelt, hat Angst zu ersticken. Ich auch. Nach der ersten Tasse sinken die Augen auf Halbmast. Nun stellt sich die Frage, im Bett lassen oder Windeln wechseln? Der Weg ins Bad ist anstrengend. Hinzu kommt ihre Angst, hinzufallen, es nicht zu schaffen.</p>
<p>Gesunde können ihre Kräfte meistens einschätzen. Wir sind uns klar darüber, wo „nichts“ mehr geht. Mutter kann das nicht. Sie gibt immer 100%.  Es ist meine Aufgabe sie zu fördern, aber nicht überfordern. Unterstützen, dabei nicht unterfordern mit der Bevormundung „du weißt doch, das strengt dich zu sehr an“. Anregen und das Selbstwertgefühl aufbauen, anstatt in Watte zu packen. Trainieren, was noch erhalten ist, anpassen, was nicht mehr geht.</p>
<p>Ich weiß mittlerweile, Freude und Lachen sind zwar auch anstrengend, aber sie sind Kraftquellen. Ebenso, etwas Schönes sehen, riechen, leises Erzählen oder die Hand halten und gemeinsam die Stille genießen, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt.<span id="more-2109"></span></p>
<p>Beim nächtlichen Umlagern wacht Mutter selten auf. Immer öfter ist spätestens ab fünf Uhr mit ihren großen, erwartungsvollen Augen zu rechnen. Ich überlege mir: jetzt trinken sichert die Mindestmenge, dauert aber mindestens eine halbe Stunde, die uns dann auf der Schlafseite fehlt. Sie hat Hunger. Will beim Füttern selber zugreifen und weiß mit dem Löffel nicht mehr umzugehen. Ich stütze ihre Hand, führe sie zum Mund. Kurz vor den Zähnen angelangt, klappen die Lippen zu. Mutter schaut mich fragend an. Ich ermuntere, den Mund zu öffnen. Das Kauen strengt an, und Zögern beim Hinunterschlucken. Um Sieben legt sie eine Schlafpause ein, unterbrochen vom Fertigmachen und Umsetzen in den Rollstuhl für die Betreuungsgruppe. Sie kann ihren plötzlichen Leistungsabfall nicht steuern. Da heißt es eben, Entspannung zulassen, auch dann, wenn sie gerade unangebracht erscheint.<br />
Und der Fahrer fragt wieder mal verwundert „Naa, Frau B., heute noch müde?“</p>
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		<title>Familienleben 2.0</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/03/14/familienleben-2-0/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 07:17:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marita Gerwin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte von Fachleuten]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>

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		<description><![CDATA[von Marita Gerwin und Martin Polenz In Annas Familienleben begann ein neues Kapitel durch einen Anruf ihrer 84-jährigen Mutter Ida. “Das Einkaufen, die Bankgeschäfte &#8211; der ganze Alltag ist für mich so schwierig geworden. Ich fühle mich so alt. Ich vergesse immer mehr. Mein Arzt sagt: ‚Das ist halt das Alter, da kann man nichts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Marita Gerwin und Martin Polenz</p>
<p><a href="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2011/03/RBS-für-Seite-12-zu-Zielen-Handbuch.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2054" style="margin-left: 10px; margin-right: 10px;" title="RBS -  für Seite 12 - zu Zielen -Handbuch" src="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2011/03/RBS-für-Seite-12-zu-Zielen-Handbuch.jpg" alt="" width="255" height="170" /></a>In Annas Familienleben begann ein neues Kapitel durch einen Anruf ihrer 84-jährigen Mutter Ida. “Das Einkaufen, die Bankgeschäfte &#8211; der ganze Alltag ist für mich so schwierig geworden. Ich fühle mich so alt. Ich vergesse immer mehr. Mein Arzt sagt: ‚Das ist halt das Alter, da kann man nichts machen’. Was soll ich nur tun? Ich schaff das alles nicht mehr allein. Ich finde mich nicht mehr zurecht in meiner eigenen Wohnung. Ich habe beschlossen, jetzt doch in ein Seniorenheim umzuziehen. Oder was meinst du, Anna?“ Sie war untröstlich. Vor nichts hatte Mutter Ida so viel Angst, wie vor einer Abhängigkeit und Unselbständigkeit. Und nun das!  „Ach Mama, so schlimm wird es doch nun auch nicht sein. Weißt du was? Schlaf erst einmal eine Nacht drüber und morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus“, munterte Anna ihre Mutter auf, obwohl sie gleichzeitig ein mulmiges Gefühl beschlich. Anna fühlte sich zerrissen zwischen den verschiedenen Erwartungen an sie.<br />
In dieser Nacht konnte Anna nicht schlafen.<span id="more-2052"></span><br />
„Wir haben in den letzten Jahren alles getan, um Mama ein schönes Leben Zuhause zu ermöglichen. … In den vergangenen vier Jahren hat das auch gut funktioniert. Obwohl wir 100 Kilometer entfernt leben, wird sie täglich von Freunden und Helfern besucht, sogar der Nachbarshund kommt zu Besuch. Die Haustechnik ermöglicht ihr ein weitgehend sicheres und selbstbestimmtes Wohnen. Und ich telefoniere jeden Tag zwei- oder dreimal mit ihr, besuche sie an jedem zweiten Wochenende. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, wenn es Mama wirklich schlechter gehen sollte, wenn sie dement wird.… Ich bin an der Grenze …“</p>
<p>Sie hatten schon häufiger über einen möglichen Umzug in ein Senioren-Wohnheim gesprochen. „Ich will Dir und Deiner Familie nicht zur Last fallen, Anna. Ich möchte nicht zu Dir ziehen. Ich will meine Selbstständigkeit soweit es geht bewahren und damit die Kontrolle über mein eigenes Leben!“ betonte sie dabei immer wieder.<br />
“Von Euch wie ein Baby im Pflegefall gefüttert und gewickelt zu werden, dass ist für mich schwer vorstellbar. Das wünsche ich mir eigentlich nicht“. „Ach Mama, wenn der Ernstfall eintritt, dann finden wir einen Weg.  Wir haben bisher alles irgendwie geregelt. Das schaffen wir schon. Und eins ist sicher: egal was die Zukunft bringt, Du bist und bleibst meine Mutter. Wir kümmern uns! Mach Dir keine Sorgen!“, tröstete Anna sie. Obwohl ihr diese neue Verantwortungsrolle nun doch recht fremd erscheint.</p>
<p>Anna schaltete das Licht an. Drei Uhr nachts. Die Gedanken ließen sich davon nicht vertreiben. Nun war er also da, der Ernstfall.</p>
<p>„Mir ist klar, dass ich mit dieser Aufgabe nicht alleine bin. Mein Mann Sven war mir in der Vergangenheit eine große Hilfe und hat mich und Mama sehr unterstützt. Er wird auch jetzt da sein. Wir müssen trotzdem dafür Sorge tragen, dass wir uns auch umeinander kümmern. Und um unsere Tochter Lena und unseren Enkel Matthis. Wir müssen das alles irgendwie unter einen Hut kriegen.“</p>
<p>Am nächsten Morgen wählte Anna wie immer die Nummer ihrer Mutter.</p>
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		<title>Bedürfnis und Bedarf</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2011/01/18/bedurfnis-und-bedarf/</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 14:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Stressbewältigung]]></category>

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		<description><![CDATA[Während der Weihnachtsfeiertage und zum Jahresübergang waren unsere Betreuungsgruppen geschlossen. Um die Versorgung meiner Mutter zu gewährleisten nahm ich Urlaub. Zweieinhalb Wochen 24 Stunden Einsatz, wird schon gehen. Ich hatte einen Plan aufgestellt von Soll, Ist, Möchte. Keine von uns beiden sollte zu kurz kommen. Urlaubsgenuss mit geregeltem Tagesablauf. Die ersten beiden Tage lief alles nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während der Weihnachtsfeiertage und zum Jahresübergang waren unsere Betreuungsgruppen geschlossen. Um die Versorgung meiner Mutter zu gewährleisten nahm ich Urlaub. Zweieinhalb Wochen 24 Stunden Einsatz, wird schon gehen. Ich hatte einen Plan aufgestellt von Soll, Ist, Möchte. Keine von uns beiden sollte zu kurz kommen. Urlaubsgenuss mit geregeltem Tagesablauf.</p>
<p>Die ersten beiden Tage lief alles nach Plan. Ich war morgens, abends, nachts wie üblich im Einsatz. Tagsüber kam mir die Aufgabe des Alleinunterhalters zu. Wohlgemerkt, Mutter spricht nicht mehr. Alleine Aufrichten, Stehen, oder etwa eine Buchseite umblättern, kann sie nicht. Gut, dass wir eine Vogelfutterstelle vor dem Fenster haben. Nach dem Frühstück Mutter aufs Sofa gesetzt, genießt sie den Anblick, döst, schaut interessiert zu. Ich hätte eigentlich meinen Erledigungen nachgehen können. Aber es gab einen Unterschied zwischen dem Bedürfnis und Bedarf.</p>
<p>Unsere Grundbedürfnisse waren identisch: essen, trinken, WC, Aktion, Schlafen. Der Bedarf ein ganz anderer. Mutter braucht drei regelmäßige Mahlzeiten, ich nicht. Sie soll eine bestimmte Menge trinken, ich nur wenn ich Durst habe. Sie müsste alle zwei, drei Stunden aufs WC oder zum Windeln kontrollieren, ich gehe wenn ich muss. Sie ist an ein aktives Betreuungsprogramm außer Haus gewöhnt, mit Spazierengehen, Transport. Ich lese lieber, möchte den Keller aufräumen und das Haus bei dieser Kälte nicht verlassen. Schlafen, Ausruhen? Na ja, nachts bin ich diejenige zum Umlagern, sie schläft dabei weiter. Nachholen am Tag? Während Mutter nach einer Viertelstunde Siesta den Kopf hob und mich erwartungsvoll anschaute, wäre ich lieber noch ein, zwei Stunden auf dem Sofa geblieben. Nie wurde mir so deutlich, dass eine Mahlzeit mittlerweile locker eine Stunde dauert, wenn ich Mutter alleine mit dem Löffel hantieren lasse und nach der Hälfte der Mahlzeit jeden Bissen anleite. Das Trinken einer Tasse Wasser: eine halbe Stunde, wir halten beide die Tasse.</p>
<p><span id="more-1880"></span>Beinahe wäre der Urlaub in absoluten Stress ausgeartet. Bitte, lass mich noch schnell &#8230; ich bin gleich bei dir &#8230; ich komme gleich wieder &#8230; wir wollen doch noch &#8230; Mir rannte die Zeit davon, und es gab Tage, da war mir alles zu viel. Ungeduld, Selbstkritik stellten sich ein.</p>
<p>Zum Glück hatten sich zwei liebe Helferinnen angeboten auszuhelfen. Vor Weihnachten hatte dankend ich abgelehnt. Aber der Zeitbedarf  zur Erfüllung unserer Bedürfnisse hat mich überfordert. Nach Weihnachten griff ich zum Telefon und buchte Besuchertermine, und verschaffte Mutter auch die für sie die so wichtige soziale Anbindung. Es wurde gelacht, gesungen, geschwatzt. Im Grunde das was ich auch tat. Aber sie sah ein anderes Gesicht vor sich, Besuch eben, und ich konnte wirklich ausruhen. In der zweiten Woche war Mutters Bedarf an Schlaf wohl auch etwas gewachsen. Und so erfüllten wir unser Bedürfnis nach Erholung mit dem Luxus, nach dem Morgenkaffee noch mal zwei Stunden im Bett liegen zu bleiben. Damit wurde uns beiden gerecht,  Lerche arrangiert sich mit Morgenmuffel: mit dieser Lösung hatten wir beide einen sagenhaft erholsamen Urlaub.</p>
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		<title>Schau doch  mal her!</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Nov 2010 11:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Der gute, alte Anschauungsunterricht mit Vormachen, Kapieren, Nachmachen, Weitergeben hat ausgedient. Heute spielt sich der Umgang mit unseren Mitmenschen im korrekten Gebrauch von Spiegelneuronen ab. Die Bedienungsanleitung liefert die Neurodidaktik, die neue Studienwelten im Lehramt, in den Kindergärten und für die Rehabilitation bei Schlaganfall-patienten (Videotherapie) eröffnet und auch das Neuromarketing beflügelt. Schon seit den 1920-er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der gute, alte Anschauungsunterricht mit Vormachen, Kapieren, Nachmachen, Weitergeben hat ausgedient. Heute spielt sich der Umgang mit unseren Mitmenschen im korrekten Gebrauch von Spiegelneuronen ab. Die Bedienungsanleitung liefert die Neurodidaktik, die neue Studienwelten im Lehramt, in den Kindergärten und für die Rehabilitation bei Schlaganfall-patienten (Videotherapie) eröffnet und auch das Neuromarketing  beflügelt.</p>
<p>Schon seit den 1920-er Jahren forschen Wissenschaftler nach Funktion und Lageplan einer Abguckstelle im Gehirn. Das Nicht-Funktionieren hatte bereits einen Namen: Apraxie. 1966 endlich wurde das Nachahmen- und Mitfühlen-Können (u. A.) lokalisiert und mit einem Begriff versehen: Spiegelneuronen. Diese kleinen Kerle sind jetzt offiziell dafür zuständig, dass unser Gegenüber etwas Vorgemachtes imitiert (z. B. gähnt) oder bereits den Ansatz einer Bewegung erkennt (z.B. beim Essen den Arm zum Mund führen helfen). Damit kann ein Reflex ausgelöst werden und entweder ein wirkliches Erkennen der Handlung stattfinden (ein Gedankenblitz sozusagen) oder ganz einfach durch automatisches Nachahmen das vorgegebene Ziel erreicht werden.</p>
<p>Ein Demenzkranker kann sich nicht durch bewusstes Nachdenken korrigieren. Spiegelneuronen, so heißt es, können ein Leben lang aktiviert werden. Das Dumme daran ist nur, sie funktionieren genau wie andere Gedankengänge und basieren auf der Übertragung von Nervenimpulsen. Genau diese sind bei Demenzkranken unterbrochen. Weil es aber bereits einige Medikamente gibt, die diese Verbindung der Nervenimpulse bis zu einem gewissen Punkt wieder aufnehmen bzw. eine Weile erhalten können, dürfen wir vielleicht in naher Zukunft hoffen, auf die Spiegelneuronen Einfluss zu nehmen.</p>
<p>Bis dahin behelfen wir uns mit Vormachen und gehen, im wahrsten Sinne des Wortes, mit gutem Beispiel voran. Denn das Vormachen/Nachmachen ist bei den meisten Lebenswesen eine der ältesten Kommunikationsformen. Die Schwierigkeit bei uns betreuenden Angehörigen, aber auch für die Demenzpatienten selber ist, dass wir in der Regel Niemanden zum Abgucken haben, wenn wir nicht gemeinsam an Betreuungsgruppen teilnehmen. Hier stören Angehörige zwar eigentlich, vergleichbar mit Eltern die sich in eine Schulklasse setzen, aber nur so können wir auch andere Demenzkranke und den Umgang mit ihnen beobachten, um von diesen auf das Verhalten unserer eigenen Lieben zu schließen.</p>
<p>Hierbei sind die betreuenden Pflegekräfte unsere größte Unterstützung. Im Laufe der Jahre sehen sie sich wiederholende Abläufe und können sich dem jeweiligen Patienten in seiner augenblicklichen Ausdrucksform erfahrungsgemäß leichter anpassen. Ihre Spiegelneuronen haben es ja gelernt und ihre Ratschläge und Hinweise sind für uns und unsere Angehörigen wegweisend.</p>
<p>Ob wir uns teilweise in unseren Kranken hineinversetzen können um ihn wirklich zu verstehen, ist ein weiter Weg, zu dem uns aber sein Lebenslauf, seine Gewohnheiten und er selbst uns helfen können. Wie es innendrin wirklich aussieht, was genau im Augenblick abläuft, werde ich als betreuende Tochter meiner Mutter wohl nie nachvollziehen können. Als Ersatz versuche ich es mit Liebe und viel Geduld. Vielleicht wissen wir eines Tages auch, wo diese im Gehirn angesiedelt sind und wie sie wissenschaftlich heißen.</p>
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		<title>Sag du doch auch mal was</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2010/09/23/sag-du-doch-auch-mal-was-2/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 12:49:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Einbeziehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps und Tricks]]></category>

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		<description><![CDATA[Mutter verlor das laute Sprechen nach und nach. Seit drei Jahren kann sie nur noch wiederholen oder singen. Wenn ich sie zum „reden“ bringen möchte, singen wir. Wie bei Stotterern, klingen dann die Worte laut und deutlich. Wer nicht Bescheid weiß, nimmt unser gesungenes „Auf Wiedersehn“ für ernst. Ach, Deine Mutter spricht ja doch??! Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mutter verlor das laute Sprechen nach und nach. Seit drei Jahren kann sie nur noch wiederholen oder singen. Wenn ich sie zum „reden“ bringen möchte, singen wir. Wie bei Stotterern, klingen dann die Worte laut und deutlich. Wer nicht Bescheid weiß, nimmt unser gesungenes „Auf Wiedersehn“ für ernst. Ach, Deine Mutter spricht ja doch??!<br />
Ich habe oft das klare Gefühl, sie bemüht sich laut zu formulieren und bin überzeugt, die innere Sprache funktioniert. Nur das Übersetzen in Laute ist blockiert. Wenn sie logisch denken könnte, würde sie vielleicht handeln: ich kann nicht reden, also singe ich, was ich mitteilen will, egal auf welche Melodie“ .</p>
<p>Da ich meistens rätseln muss was in ihr vorgeht, fühle ich mich hilflos. Oft ungeduldig, manchmal richtig wütend.<br />
Mein Wunsch nach Gemeinsamkeit, nach Verstandensein oder Gehörtsein wird untergraben. Ich kann nicht zu Mutter sagen „hör doch mal zu“ oder „weißt Du, was ich meine?“ Oder „zum Kuckuck, jetzt mach doch mal &#8230;!“ Wenn Ich so neben ihr sitze, könnte ich auch ein Haustier auf dem Schoß haben. Es streicheln, ab und zu zu ihm sprechen. Mit seiner Reaktion wäre ich auf einer Welle – wir verstehen uns.<br />
Wieso ist es aber so schwer, neben meiner Mutter zu sitzen, ihre Hand zu halten, zu formulieren was ich glaube, was sie sagen würde wenn sie es könnte? Weil ich selbst nach Jahren als Alleinunterhalter immer noch die Erwartung nicht aufgeben kann, sie soll „antworten“. Dabei tut sie es eben auf ihre Weise. Sie hat ihren eigenen Verständigungscode, den es zu knacken gilt. Mit einem Blick, einem Lächeln der Zustimmung, mit einer Kopfbewegung. Nicken heißt „ja“, lächeln bedeutet entweder „nein“ oder „ich hab’ Dich nicht verstanden“. Die Hand zum Mund führen, den Finger in den Mund stecken, sagt „ich habe Durst“. Es heißt ja nicht umsonst, mit Händen und Füßen reden.</p>
<p>Um nicht selber mit Mutter zu verstummen führe ich lieber laute Selbstgespräche und beziehe sie so in meine Gedanken mit ein.  Damit wir„dieselbe“ Sprache sprechen. Die Grundlagen dazu habe ich in diversen Kursen für den Umgang pflegender Angehöriger gelernt. Drei davon vermittelt durch die Alzheimer Gesellschaft – kostenlos. Es gibt viele Angebote und man muss deutlich unterscheiden von denen, die echte Hilfe anbieten und denen die, sorry, einfach nur Geld verdienen wollen, ohne einen Demenzkranken jemals erlebt zu haben. Bei der Alzheimer Gesellschaft fühle ich mich gut aufgehoben.</p>
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		</item>
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		<title>Rückenschule</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2010/06/17/ruckenschule/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 08:44:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Pfingsten kann meine Mutter den rechten Fuß nicht belasten, knickt sofort ein. Damit sind wir zur Fortbewegung vollständig auf den Rollstuhl angewiesen. Ich möchte trotzdem, dass sie diesen so wenig wie möglich nutzt und weiterhin auf dem Lieblingsplatz auf dem Sofa und in der Küche auf dem normalen Stuhl sitzt. Das heisst, ich hebe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Seit Pfingsten kann meine Mutter den rechten Fuß nicht belasten, knickt sofort ein. Damit sind wir zur Fortbewegung vollständig auf den Rollstuhl angewiesen.</p>
<p class="MsoNormal">Ich möchte trotzdem, dass sie diesen so wenig wie möglich nutzt und weiterhin auf dem Lieblingsplatz auf dem Sofa und in der Küche auf dem normalen Stuhl sitzt.</p>
<p class="MsoNormal">Das heisst, ich hebe sie nun mehrmals hoch zum Umsetzen. Toilettengänge sind nur  mit einem Ausflug in den ersten Stock möglich, wir haben auf aufnahmefähigere Windeln umgestellt, denn den Sinn des Toilettenstuhls erkennt Mutter noch nicht.</p>
<p class="MsoNormal">In den ersten Tagen habe ich Arbeitskollegen und Bekannten von der Neuerung berichtet, wenn sie fragten, wie es Mutter geht. Unweigerlich kam der Kommentar „da musst du aber auf deinen Rücken aufpassen, am besten du holst dir einen Pflegdienst“.</p>
<p class="MsoNormal">Damit wäre ich zeitlich und örtlich gebunden, abgesehen vom wechselnden Personal dieses Pflegedienstes, das für Mutter nur zu noch mehr Verwirrung führen würde zusätzlich zum Aufstehen/Umsetzen/Windelwechsel-Stress,<span> </span>wonach sie jetzt schon erschöpft ist.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es gibt so viele Berufe in denen schwer gehoben und getragen wird – und bitte schön: hat der Pflegedienst keinen „Rücken“ den er/sie schonen sollte? Herr S und Frau W heben tagtäglich viele Patienten hin und her, gehen in Badezimmern ein und aus – und ich soll nicht in der Lage sein, das mit einem einzigen Menschen, meiner Mutter, zu können? Immerhin ist das nächtliche Umlagern doch auch seit fast zwei Jahren kein Thema mehr.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Inzwischen kenne ich schon einige Tricks und Techniken, es geht ganz gut. Auch ins Auto kann ich Mutter setzen – unsere Freiheit ist uns wiedergegeben.</p>
<p class="MsoNormal">Und ich widerspreche jetzt ganz frech, wenn der gutgemeinte Rat, auf meinen Rücken zu achten ertönt.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p><!--EndFragment--></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Liebe deinen Nachbarn?</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2010/03/23/liebe-deinen-nachbarn/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 14:28:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Achtung und Respekt]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Nachbarn]]></category>

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		<description><![CDATA[  Die jahrelange Betreuung meiner Mutter hat mich verändert. Ich höre und schaue genauer hin, wenn ein alter Mensch in der Nähe ist. Deshalb verunsichert mich das Verhalten einer unserer Nachbarinnen. All die Jahre hat sie sich bemüht, jedermann zu ignorieren.   Seit Januar ist Frau S. auf einmal auf mich fixiert. An einem eisglatten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="10pt;"><span style="Arial;">Die jahrelange Betreuung meiner Mutter hat mich verändert. Ich höre und schaue genauer hin, wenn ein alter Mensch in der Nähe ist. Deshalb verunsichert mich das Verhalten einer unserer Nachbarinnen. All die Jahre hat sie sich bemüht, jedermann zu ignorieren. </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="10pt;"><span style="Arial;">Seit Januar ist Frau S. auf einmal auf mich fixiert. An einem eisglatten Wintertag hatte ich sie auf dem Weg zur U-Bahn gesehen und angeboten, zur Haltestelle zu fahren. Unerwarteter Weise stieg sie ein und war sehr dankbar nicht laufen zu müssen. Seither spricht sie mich bei jedem zufälligen Treffen auf der Straße an und ich merke, sie sucht das Gespräch. Eigentlich hält sie einen Monolog. Warum sind so viele alte Menschen so grundeinsam? Ich höre zu. Was sie erzählt, läßt mich aufhorchen, denn es hat denselben Unterton wie damals, als Mutter’s Demenz begann. </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="10pt;"><span style="Arial;">Beim letzten Treffen vor der Haustüre schilderte Frau S. ihr unglückliches Leben. Und es kommt ihr merkwürdig vor, seit neuestem Gegenstände zu verlegen. Trotz Suchen sind sie unauffindbar, um später an einem völlig anderen Ort aufzutauchen. Besonders unangenehm sei es ihr gewesen, nach einem Arztbesuch ihren eigenen Mantel in der Garderobe nicht erkannt zu haben. Sie hatte vergessen, dass sie einen neuen Mantel angezogen hatte. Die Sprechstundenhilfe hatte sie dann überzeugt, mit einem braunen eingetroffen zu sein und es war der einzige, der dort hing, nicht der gewohnte blaue.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="10pt;"><span style="Arial;">So wie die Dinge im Augenblick stehen, kann ich nichts weiter tun als zu versuchen, die Nachbarn zu sensibilisieren. Ohne mich aufzudrängen. Das ist schwer, denn Frau S. ist unbeliebt, man möchte nichts mit ihr zu tun haben. Ihr Sohn besucht sie sporadisch, niemand kennt seine Adresse. Und ich pflege meine Mutter, ich habe eigentlich überhaupt keine Zeit, einen zweiten „Fall“ zu betreuen. Es täte mir unendlich leid, wenn mein Verdacht zutreffen sollte. Eine entsetzliche Zukunft für unsere Nachbarin, die allein lebt und komplett auf ihr Zuhause fixiert ist. </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="10pt;"><span style="Arial;">Daher bin ich sehr gespannt auf das neue Projekt der Alzheimer Gesellschaft „Allein lebende Demenzkranke – Schulung in der Kommune“. Gerade Menschen wie Frau S. brauchen den Erhalt ihrer Selbständigkeit, ihrer Freiheit und unser aller gütiges Verständnis.</span></span></p>
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		<title>Beinahe eine Büttenrede</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 15:42:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Je länger ich meine Mutter betreue, je mehr Zuwendung und Pflege sie braucht, desto kritischer sehe ich meine Umwelt und mich selbst. Und komme ins Kopfschütteln über unsere sogenannte zivilisierte Industrienation, auf die wir so stolz sind. Mutter und ich haben am Wochenende eine Freundin besucht. Nach dem Mittagessen gingen wir zur Toilette. Windelwechsel war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Je länger ich meine Mutter betreue, je mehr Zuwendung und Pflege sie braucht, desto kritischer sehe ich meine Umwelt und mich selbst. Und komme ins Kopfschütteln über unsere sogenannte zivilisierte Industrienation, auf die wir so stolz sind.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Mutter und ich haben am Wochenende eine Freundin besucht. Nach dem Mittagessen gingen wir zur Toilette. Windelwechsel war angesagt. Für mich seit langem ein völlig normaler Vorgang. Für meine Freundin nicht. „Toll, dass du das kannst. Dass du sowas auf dich nimmst. Ich könnte das nicht, ihr den Hintern abputzen und sowas“. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Ich war noch dabei, mich und Mutter wortreich erklärend zu verteidigen, die Sache ins Normale zu reden, als der Säugling schrie.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Meine Freundin eilte ins Kinderzimmer, holte das Baby und es war Windelwechsel angesagt. Ich musste (igitt) dabei zusehen und sie erzählte mir beiläufig, dass ihr Mann sich weigere auch mal Hand anzulegen. Er ekle sich so. </span><span id="more-1124"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Später, nach einem Tässchen Kaffee schlug Michael, ihr Mann, einen kleinen Spaziergang vor. Der Hund müsse mal raus. Also Alles rein in Mützen, Schals und Mäntel, Baby in den Kinderwagen, langsam rüber in den Park. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Während wir uns angeregt unterhielten, hob der Hund sein Bein hier und dort. Und wir alle warteten geduldig. Dann kam der Moment zum Vollzug des eigentlichen Ausflugs: der Hund erledigte sein Geschäft. Michael griff in seine Manteltasche, zog ein blaues Plastiktütchen heraus, pustete hinein um es zu entfalten und stülpte es über die rechte Hand. Dann bückte er sich, nahm die frische Hinterlassenschaft in die Tüte auf und verschloss sie mit der linken Hand.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">IGITT, sagte ich, das könnte ich nicht. Wieso fragte Michael ganz erstaunt. Du kannst das Zeug doch nicht im Park so einfach rumliegen lassen. Da gibt es ganz klare Vorschriften! An den Parkeingängen gibt es ja auch spezielle Abfallkörbe und Behälter mit frischen Tüten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Ja. aber Windelwechseln bei deinem Baby kannst Du nicht? IGITT, meinte er, das stinkt doch! Sowas überlasse ich meiner Frau!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Wieder zurück vom Spaziergang bin ich wieder mit Mutter aufs Klo. Als ich mit meiner Plastiktüte in der Hand herauskam, meinte Michael<span style="yes;"> </span>„IGITT, das könnte ich nicht“.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Also ehrlich, wohin bewegt sich eine Gesellschaft, in der Hundeabfalltüten einem höheren ethischen Stellenwert zugemessen werden und der menschliche Toilettengang lieber einem ambulanten Pflegedienst „zugemutet“ wird?</span></p>
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		<title>Man ist so alt, wie man sich fühlt</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2009/08/13/man-ist-so-alt-wie-man-sich-fuhlt/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 19:46:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Kinder, die sind kleine Erwachsene. Ab einem bestimmten Alter glaubte auch ich, alles zu wissen. Meine Eltern hatten mir garnichts zu sagen. Jeder über 20 war alt. Während die Erwachsenen irgendwo zwischen undefinierbar alt und undefinierbar uralt angesiedelt wurden, konnte ich mit kleinen Kindern noch weniger anfangen. Jahresringe wie 18, 21, 75 sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Es gibt Kinder, die sind kleine Erwachsene. Ab einem bestimmten Alter glaubte auch ich, alles zu wissen. Meine Eltern hatten mir garnichts zu sagen. Jeder über 20 war alt. Während die Erwachsenen irgendwo zwischen undefinierbar alt und undefinierbar uralt angesiedelt wurden, konnte ich mit kleinen Kindern noch weniger anfangen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Jahresringe wie 18, 21, 75 sind magische Zahlen, werden belohnt und gefeiert. Ab 21 kann nicht mehr mit dem Alter geprahlt werden – Frauen sollte man schon garnicht danach fragen – aber über 85 wird wieder oft das „ein Halb“ genannt. Bei 97 wundert man sich, „noch da“ zu sein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Als Kind hörte ich „du bist doch schon groß, du kannst das“ oder „wenn Du groß bist, dann darfst du“ – dem alten Menschen sagen wir „du bist doch &#8230;, du kannst das nicht mehr“. Wir sollen von klein auf uns „dem Alter entsprechend“ benehmen, begründet mit „in deinem Alter&#8230;“. Wenn ich mich also mit 14 bereits erwachsen fühle und meinen eigenen Weg gehen will, weshalb verwehrt man mir dieses Bedürfnis, wenn ich „alt und erwachsen genug“ bin und selbständig in meiner Wohnung bleiben möchte?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Auch unsere demenzkranken Angehörigen denken, fühlen, handeln, „benehmen“ sich „ihrem Alter entsprechend“. Nämlich genau dem „Alter“, in dem sie sich im jeweiligen Augenblick befinden. Nicht nach der biologischen Ziffer im Personalausweis, sondern der ihres biographischen Lebensweges. Weil die Kommunikation eingeschränkt ist, interpretieren, raten, definieren und bestimmen wir sehr oft gezielt daneben.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Ich als pflegende Angehörige muss nicht unbedingt wissen, wie alt meine Mutter sich im Moment fühlt. Wenn ich ihr Respekt, Geduld, Liebe entgegenbringe und lächle, dann fühlt ein Teil in ihr sich als gleichwertiger Mensch. Und wenn sie sich Sekunden vorher vehement gegen meinen Waschlappen gewehrt hat, aber jetzt mit kritischem Gesichtsausdruck meinen Kragen zurecht rückt – dann spüre ich stolz: die Mutter in ihr sorgt dafür, dass das Gegenüber ordentlich gekleidet ist.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;"> </span></p>
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		<title>Entmündigt – Entwillt?</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 09:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Augenblick sind Themen wie Patientenverfügung und Lebender Wille, Palliativversorgung, wieder ein Thema in der Öffentlichkeit. Menschenrechte und Würde sollen definiert werden bei medizinischen Behandlungen.Wie sieht es aber im Alltag aus, bei der Hygiene, beim nächtlichen Umlagern, usw. &#8211; wieweit wird da der persönliche Wille erkannt bzw. respektiert? Seit zwei Wochen stelle ich fest, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="small;"><span style="Times New Roman;">Im Augenblick sind Themen wie Patientenverfügung und Lebender Wille, Palliativversorgung, wieder ein Thema in der Öffentlichkeit. Menschenrechte und Würde sollen definiert werden bei medizinischen Behandlungen.Wie sieht es aber im Alltag aus, bei der Hygiene, beim nächtlichen Umlagern, usw. &#8211; wieweit wird da der persönliche Wille erkannt bzw. respektiert? <span style="yes;"> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Seit zwei Wochen stelle ich fest, dass meine Mutter sich im Bett nachts nicht mehr umdreht. Sie liegt stundenlang in derselben Position, manchmal verschwitzt und öfter auf den dicken Falten ihres Nachthemds. Morgens finde ich rote Striemen bzw. Stellen, die erst beim Waschen röten. Oder einen roten Kreis wo beide Knie aufeinander lagen..</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Also habe ich, um einem Wundliegen zuvorzukommen begonnen, sie nachts 2-3 Mal umzudrehen, obgleich sie schläft und dabei wach wird. Auf die Seite für drei Stunden, dann auf den Rücken. Auch mal frisch gemacht, zur Toilette gebracht, einen Schluck gierig akzeptierten Tee gegeben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Heute Nacht jedoch fand meine Mutter das Umdrehen überhaupt nicht gut. Sie hat sich erstaunlich kräftig gewehrt um wieder in die ursprüngliche Liegeposition zurückzukommen. Trotzdem brachte sie wieder in die neue Lage, stabilisiert vom Kissen. Drei solcher Touren haben wir auf diese Weise hinter uns gebracht, Mutter ist danach wieder eingeschlafen und ich habe mir überlegt, wie es weitergehen soll.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Mutter ist bereits durch die Inkontinenz, durch Kleide- und Gehhilfe, durchs Essenreichen, Tagesaktivitäten, usw. darauf reduziert, das zu tun, was andere ihr anschaffen. Soll sie jetzt auch in ihrem eigenen Bett nicht mehr bestimmen dürfen, wenn sie doch gerade so warm und bequem da liegt und schläft? Dürfen wir, um sie und uns selbst zu schützen, Hand anlegen, obwohl sie das nicht möchte? Wenn der Patient nicht mehr sprechen kann, aber abwehrt – wieweit darf er noch mitbestimmen? Demenzpatienten können vielleicht nicht sprechen, aber sie fühlen sehr wohl, wenn sie „überstimmt“ werden. Ist das Lebensqualität?</span></p>
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