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	<title>Alzheimer BLOG &#187; Alltags-Routinen</title>
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	<description>Eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft</description>
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		<title>Karneval im Kopf</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 15:38:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltags-Routinen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausnahmesituationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die fünfte Jahreszeit gibt uns Freiräume von denen wir den Rest des Jahres über nur träumen können. Im närrischen Kostüm halten wir Anderen den Spiegel vor und alle lachen darüber. Herzhaft, keiner ist beleidigt, egal wie er angegriffen wird. Denn im Fasching heben sich Gesetze auf, öffnen ein Fenster um legal stundenweise in eine andere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die fünfte Jahreszeit gibt uns Freiräume von denen wir den Rest des Jahres über nur träumen können. Im närrischen Kostüm halten wir Anderen den Spiegel vor und alle lachen darüber. Herzhaft, keiner ist beleidigt, egal wie er angegriffen wird. Denn im Fasching heben sich Gesetze auf, öffnen ein Fenster um legal stundenweise in eine andere Persönlichkeit zu schlüpfen. Je verrückter und ausgelassener, verfremdeter, umso mehr Beifall erhalten wir.</p>
<p>Ein Demenzkranker ist 364 Tage lang authentisch und verhält sich, seinen augenblicklichen Gefühlen entsprechend, für den pflegenden Angehörigen nicht immer wünschenswert. Rennt Mutter im Winter im Nachthemd durch den Garten, ist Vater im vollen Kriegselement, plappert Opa Unsinn oder schimpft Oma uns alle Diebe, gibt es keinen Beifall. Würde ich im normalen Arbeitstag im Nachthemd ins Büro gehen, wäre mein Chef kaum damit einverstanden.</p>
<p>Das andere Ich herauslassen ist im Karneval schon fast Pflicht, im Alltag für den Demenzkranken out. Dabei drängt ihn die Krankheit unablässig in seine eigenen verschiedenen Persönlichkeiten. In das was er gerade ist. Erinnerungen machen ihn von einem Augenblick zum anderen, vom Erwachsenen zum Kind, zum Soldaten oder zur fürsorglichen Mutter und zur pflichtbewussten Ehefrau eines längst verstorbenen Gatten. Wir Angehörigen sprechen ihn dann aus einem Zeitfenster an, das gerade nicht seine eigene Wirklichkeit ist.<span id="more-1939"></span></p>
<p>Passend zur Narrenkappe nehmen wir das Spiegelbild. Abhängig vom Krankheitsstadium kann es sehr wohl wichtig für den Kranken sein, ob man den schicken Kostümrock für die Betreuungsgruppe anhat, das Hemd, weil man zur Arbeit muss, oder einen saloppen, betreuungsbequemen Trainingsanzug. Solange der Angehörige sich noch selbst im Spiegel erkennt, soll er Freude an seinem Anblick haben und nicht, wie Mutter das öfter tut, die Stirne zweifelnd runzeln, wenn ich ihr etwas für sie Ungewöhnliches angezogen habe. Ich schaue doch selbst auch kritisch auf mein Spiegelbild und ziehe mich notfalls um.</p>
<p>Werden die ewig dauergewellten Haare aus praktischen Gründen zum modischen Kurzhaar getrimmt, könnte das schon zu einem Nichterkennen verleiten, weil man in sich drin ein anderes Selbstbild gewöhnt ist. Ein Demenzkranker kann sich durch Nachdenken oder unnachvollziehbare Erklärungen nicht korrigieren. Die vernünftigste Erklärung zur Trainingshose ist nutzlos, wenn es nicht der richtige Zeitpunkt ist. Dabei gibt es so viele komische Situationen über die wir zusammen mit anderen Familien-mitgliedern und dem Kranken selbst lachen könnten, statt ein Drama daraus zu machen.</p>
<p>Am Samstag ist Karnevalsitzung in der Betreuungsgruppe. Mutter und ich werden zwei identische Dirndl tragen (über dem Pullover und der Hose). Dann sehe ich in ihren Augen, zusammen mit den richtigen Schunkelliedern, sie weiß, dass es sich um Fasching handelt und sie wegen ihres guten Aussehens bewundert wird. Gell, du hast mich gelle gern … gell, du lässt mich (auch im Alltag) net im Stich? Helau!</p>
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		<title>Zusammen im Hier und Jetzt</title>
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		<pubDate>Tue, 05 May 2009 10:24:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Erlebnisse von Betroffenen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltags-Routinen]]></category>

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		<description><![CDATA[  Jeden Morgen beim Waschen bringe ich stimulierende Elemente mit ein, versuche, Mutter einzubeziehen. Dazu gehört auch, ein Lied zu singen, damit die Sache zum angenehmen Erlebnis statt lästiger Pflicht für uns beide wird. Meistens summt sie nur mit oder lächelt still vor sich hin. Heute war das Lied dran „Wasser ist zum Waschen da, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Jeden Morgen beim Waschen bringe ich stimulierende Elemente mit ein, versuche, Mutter einzubeziehen. Dazu gehört auch, ein Lied zu singen, damit die Sache zum angenehmen Erlebnis statt lästiger Pflicht für uns beide wird. Meistens summt sie nur mit oder lächelt still vor sich hin. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Heute war das Lied dran „Wasser ist zum Waschen da, Fallerie und Fallera. Auch zum Zähneputzen kann man es benutzen&#8230;.“ Also : mit dem Waschlappen Körperteile rubbeln und singen. Dabei war ich innerlich ganz woanders und überlegte gerade mal wieder, wie sehr Mutter im Laufe der Zeit zu meinem Hauptberuf geworden ist. Diese Gedanken übertrugen sich unbewusst auf mein Lied. Statt „Wasser ist &#8230;“ erklang „Mütter sind zum Waschen da, Fallerie und Fallera, auch zum Zähneputzen kann man sie benutzen“. Eigentlich gemein, aber das merkt sie ja eh nicht.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Einen Moment später schüttelte sich meine Mutter und lachte so laut und herzlich auf und strahlte, dass ich mich richtig erschrak. Wann hatte ich sie je so amüsiert gesehen? Was war passiert? Wie ein Blitz wurde mir klar, was ich da gesungen habe. Und dass sie sehr wohl erkannt hat, was ich damit gemeint habe. Ebenso, dass sie genau weiß, sie kann sich alleine nicht mehr waschen, ihre Tochter macht das jetzt. Also musste auch ich lachen, wir amüsierten uns beide noch eine Weile köstlich darüber.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Dieses Erlebnis zeigt mir ganz deutlich, dass Demenzkranke definitiv mitbekommen, was um sie herum und mit ihnen geschieht. Sie verstehen (fühlen), durchaus was wir über sie sagen, erkennen die Tragweite unserer Entscheidungen für und über sie, können Rückschlüsse ziehen. Auch wenn sie sich dazu selten äußern. Ab sofort werde ich rücksichtsvoller und liebevoller mit Mutter umgehen!</span></p>
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