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	<title>Alzheimer BLOG &#187; Alltagsstress</title>
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	<description>Eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft</description>
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		<title>„Er hat immer seinen eigenen Kopf“</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 11:13:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alzheimer-Telefon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte von Fachleuten]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsstress]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Anruf von Frau M. beim Alzheimer-Telefon: „Mein Mann ist 56 Jahre alt und leidet an Frontotemporaler Demenz. Ich habe mich ja schon darauf eingestellt, dass unserer Leben nach einem festen Rhythmus ablaufen muss, aber manchmal treibt er mich mit seiner Sturheit doch in die Verzweiflung. Gestern sind wir mit der Tram zu einem Termin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2011/04/alzheimertelefon.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-2075" style="margin-left: 10px; margin-right: 10px;" title="alzheimertelefon" src="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2011/04/alzheimertelefon.gif" alt="" width="189" height="97" /></a>Ein Anruf von Frau M. beim Alzheimer-Telefon: „Mein Mann ist 56 Jahre alt und leidet an Frontotemporaler Demenz. Ich habe mich ja schon darauf eingestellt, dass unserer Leben nach einem festen Rhythmus ablaufen muss, aber manchmal treibt er mich mit seiner Sturheit doch in die Verzweiflung. Gestern sind wir mit der Tram zu einem Termin beim Neurologen gefahren. An der entsprechenden Haltestelle weigerte er sich dann plötzlich einfach auszusteigen. Ich habe alles versucht, ihn zu überreden, am Arm zu ziehen und bin schließlich sogar laut geworden. Die Mitfahrenden haben schon ganz komisch geguckt, aber es hat alles nichts geholfen. Schließlich war die Station vorbei und da stand er endlich auf und stieg am nächsten Halt mit mir aus. Wir sind dann die Station zurückgelaufen und zum Glück ist unsere Verspätung in der Arztpraxis gar nicht aufgefallen. Aber ich war völlig fertig mit den Nerven. Ich traue mich gar nicht, noch einmal mit ihm die Tram zu benutzen, was mache ich, wenn so etwas noch mal passiert?“</p>
<p>Ich antwortete ihr: „Liebe Frau M., dass das für Sie ein schlimmes Erlebnis war, kann ich gut nachvollziehen. Trotzdem denke ich, dass Sie solche Fahrten mit der Tram weiterhin unternehmen können, wenn Sie innerlich auf eventuelle Zwischenfälle eingestellt sind. Andere Angehörige erzählen, dass es bei ihnen unkomplizierter wird, wenn sie die Dinge manchmal einfach laufen lassen. Oft sind es äußere Anforderungen, die uns unter Druck setzen, wie in Ihrem Fall der anstehende Arzttermin. Hier kann es natürlich helfen, sich frühzeitig auf den Weg zu machen, damit man auch bei Verzögerungen nicht unter Zeitdruck gerät. Es hilft aber auch, sich zu sagen: ‚Mein Mann ist krank. Wenn wir es nicht rechtzeitig schaffen, dann ist das eben so und niemand darf mir daraus einen Vorwurf machen.’ Wenn Ihr Mann wieder einmal nicht aus der Bahn steigen will, rufen Sie einfach in der Praxis an und teilen Sie Ihre Verspätung mit. Dann kann vielleicht schon der nächste Patient vorgezogen werden und Sie können sich so viel Zeit lassen, wie Ihr Mann eben benötigt.“<span id="more-2027"></span></p>
<p>Stress entsteht in ganz unterschiedlichen Situationen. Oft fühlt sich jemand in der gleichen Situation völlig unter Druck, während der andere noch ganz entspannt ist. Das hängt oft damit zusammen, welche Werte wir schon als Kind gelernt haben. Wenn mir beispielsweise Unpünktlichkeit schon als Kind als Charakterschwäche vorgeworfen wurde, bemühe ich mich vielleicht auch als Erwachsene noch immer um Pünktlichkeit und gerate in Stress, wenn ich einmal nicht pünktlich sein kann. Helfen kann es in der akuten Situation, wenn man kurz innehält, tief durchatmet und versucht hinzuschauen, was genau gerade den Stress verursacht. Ist es der Ärger, dass mein Mann wieder einmal gegen mich arbeitet? Dann kann ich mir seine Krankheit ins Bewusstsein rufen. Ist es die (vermeintliche) Erwartung anderer, z.B. auf Pünktlichkeit, die ich enttäusche? Dann kann ich mir bewusst machen, dass mein Anspruch, dass man auch mal auf mich wartet, mindestens so groß ist, wie der Anspruch der anderen auf meine Pünktlichkeit. Oder steht die Peinlichkeit über das auffällige Verhalten meines Mannes im Vordergrund? Dann kann eine kurze Erklärung in die Runde ‚Bitte haben Sie Verständnis, mein Mann ist krank’, helfen.</p>
<p>Angehörige von Demenzkranken sind häufig im „Dauerstress“ und es fällt schwer, alleine Wege zu finden, diesen Stress zumindest punktuell zu reduzieren. Deshalb kann es hilfreich sein, sich in Angehörigengruppen über die Erfahrungen auszutauschen, oder sich in Einzelberatungen oder mit therapeutischer Hilfe Unterstützung zu suchen.</p>
<p>Wichtig ist es aber auch, sich im Alltag kleine Inseln der Erholung zu schaffen. Denn „wer nicht für sich selber sorgt, wird mit seiner Sorge für die anderen keinen Segen bringen“ (Anselm Grün).</p>
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		<title>„Musst Du noch in die Stadt?“</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 11:05:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina Rühl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte von Fachleuten]]></category>
		<category><![CDATA[Im Fokus]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsstress]]></category>
		<category><![CDATA[Stressbewältigung]]></category>

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		<description><![CDATA[Erfahrungen mit Stress im Heimalltag Stress ist erfahrungsgemäß im Umgang mit demenzkranken Menschen ein Faktor, der nicht wünschenswert, aber leider nicht komplett auszuschalten ist. Schließlich sind wir alle nur Menschen. Im Wohnbereich für Demenzkranke geraten wir Pflegekräfte z.B. bei personeller Unterbesetzung in Stress. Wenn mir die Zeit davon rennt, dann versuche ich natürlich, mich zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erfahrungen mit Stress im Heimalltag</strong></p>
<p>Stress ist erfahrungsgemäß im Umgang mit demenzkranken Menschen ein Faktor, der nicht wünschenswert, aber leider nicht komplett auszuschalten ist. Schließlich sind wir alle nur Menschen.</p>
<p>Im Wohnbereich für Demenzkranke geraten wir Pflegekräfte z.B. bei personeller Unterbesetzung in Stress. Wenn mir die Zeit davon rennt, dann versuche ich natürlich, mich zu beeilen. Demenzkranke lassen sich aber nicht gerne hetzen und reagieren darauf auf unterschiedliche Weise. Eine Bewohnerin fragte mich, als ich es tatsächlich eiliger hatte als sonst:“ Mein Gott, was ist denn nur mit dir los? Musst du noch in die Stadt?“</p>
<div id="attachment_2144" class="wp-caption alignleft" style="width: 162px"><a href="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2011/04/Stadtstress.jpg"><img class="size-full wp-image-2144" title="Shopping mall" src="http://www.alzheimerblog.de/wp-content/uploads/2011/04/Stadtstress.jpg" alt="" width="152" height="101" /></a><p class="wp-caption-text">© *Sindy* - Fotolia.com</p></div>
<p>Andere, die ihr Unbehagen nicht mehr verbal ausdrücken können, werden unruhig oder reagieren abwehrend. Was aus Zeitmangel schneller erledigt werden soll, dauert somit wesentlich länger und führt nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Mein eigener Stress überträgt sich schnell auf die Demenzkranken, die für Stimmungen ihrer Mitmenschen sehr empfänglich sind. Ich versuche deshalb, wenn ich in ein Bewohnerzimmer gehe, Ruhe auszustrahlen und mich nur auf den Menschen darin und seine individuellen Bedürfnisse zu konzentrieren. Schaffe ich das mal nicht, bitte ich eine Kollegin, einen besonders empfindlichen Bewohner zu versorgen.<span id="more-2020"></span></p>
<p>Für einen Demenzkranken kann außerdem eine Stresssituation entstehen, wenn er überfordert oder mit zu vielen Reizen überflutet wird. Dazu gehören neben lauten Geräuschen im Umfeld auch die Beschallung aus Radio und Fernsehen. Er ist bei diesen Hintergrundgeräuschen nicht in der Lage, sich auf das zu konzentrieren, was gerade von ihm gefordert wird (z.B. essen, Gesicht waschen, Zähne putzen).</p>
<p>Was demenzkranke Menschen noch in Stress geraten lässt, sind Abweichungen von der festen Tagesstruktur und von festen Ritualen. Alles, was nicht so läuft wie sonst, beunruhigt sie.</p>
<p>Wir beobachten immer wieder, dass Veranstaltungen innerhalb des Hauses, wie z.B. Singen, Gymnastik oder eine Weihnachtsfeier, zu denen der Wohnbereich für eine gewisse Zeit verlassen und der gewohnte Tagesablauf unterbrochen wird, zu vermehrter Verwirrtheit führen. Danach wollen jedes Mal einige Bewohner zum Bahnhof oder nach Hause, wissen aber nicht, wie sie dort hin gelangen oder haben kein Geld, um die Fahrt zu bezahlen. Dann sind wir Pflegekräfte gefordert, um beruhigend und ablenkend dem Stress der Betroffenen entgegen zu wirken.</p>
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		<title>Mit den Kräften haushalten</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Feb 2011 16:36:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsstress]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinbarkeit Beruf und Pflege]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Jahren sagt man mir, einer der wichtigsten Grundsätze in der Betreuung demenzkranker Angehöriger sei das Haushalten mit den eigenen Kräften. Ich danke Dagmar für ihren Kommentar zu einem meiner letzten Beiträge, dass sie daran erinnert hat. Es stimmt. Sehr oft stelle ich in letzter Zeit fest, wie meine vermeintlich unendlichen Kräfte langsam aber sicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren sagt man mir, einer der wichtigsten Grundsätze in der Betreuung demenzkranker Angehöriger sei das Haushalten mit den eigenen Kräften. Ich danke Dagmar für ihren Kommentar zu einem meiner letzten Beiträge, dass sie daran erinnert hat. Es stimmt. Sehr oft stelle ich in letzter Zeit fest, wie meine vermeintlich unendlichen Kräfte langsam aber sicher schwinden. Anzeichen dafür sind immer öfter auftretende Mutlosigkeit  gegen Windmühlen anzukämpfen, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und die Frage nach dem Sinn. Es fällt mir täglich schwerer, den Interessenskonflikt zwischen Beruf und Pflege zu überbrücken.</p>
<p>Während Mutter nach dem Frühstück ein kleines Nickerchen einlegt, wäre es mir wichtig vor Arbeitsantritt einige Haushaltsaufgaben zu erledigen. Waschmaschine, Vorkochen, Putzen, usw., vom Papierkram ganz zu schweigen. Dazu muss man fit sein. Bis vor einigen Wochen ging das auch. Aber auf einmal kann ich mich nicht ad hoc aufraffen, eine Sache zügig abzuarbeiten. Ich benötige eine ungewohnt lange Anlaufzeit. Ganz besonders für die Bewältigung von Papierkram fehlt die Konzentration. Sogar einfach nur den Staubsauger holen um loszulegen, ist schon zu viel. Nach dem Abendessen, wenn Mutter versorgt ist und zum Abschluss für das Trinken einer halben Tasse Wasser eine geschlagene Stunde benötigt, weil der Schluckreflex nicht mehr so richtig wirkt, schaffe ich es gerade noch so, sie zu Bett zu bringen und falle dann selbst erschöpft zwischen die Laken. Alle Vorhaben, was ich an diesem Tag erledigen wollte, werden klein durch den übermäßigen Wunsch nach nur noch Hinlegen und Augen schließen. In zwei Stunden muss ich Mutter Umlagern, um einen Dekubitus zu vermeiden.</p>
<p>Natürlich könnten wir die eine oder andere Hilfe von auswärts hereinholen, aber bitteschön, das kostet zusätzliches Geld, das bereits für die Finanzierung von Betreuungsgruppen und Fahrten dorthin gebraucht wird.</p>
<p>Wenn ich mich dann endlich zusammenreisse und die Aufgabe erledigt ist, fühle ich mich stolz  erleichtert und eigentlich war es doch gar nicht so schlimm, warum habe ich das nicht schon längst erledigt. Jeden Tag ein bisschen, oder wenigstens am Wochenende, dann würde nichts liegen bleiben. Dann kommt das Wochenende und die Sonne scheint. Da werde ich diese schöne Gelegenheit bestimmt nicht mit profanem Abarbeiten einer Checkliste vertun, sondern lieber meine Mutter draußen im Rollstuhl spazieren fahren. Solange keine wichtigen Termine verschwitzt werden oder besonderer Besuch ins Haus kommt, wo mir eine unaufgeräumte Wohnung peinlich wäre, ist Alles eigentlich immer öfter egal. Durch diesen gemeinsamen Spaziergang draußen in der Sonne tanken wir beide, Mutter und ich, unsere Batterien auf, schöpfe ich mehr neue Kraft als in einer Stunde Schlaf.  Das bisschen Aufräumen und den Papierkram kann ich doch auch nach der Rückkehr erledigen. Oder?</p>
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		<title>Zehn Minuten</title>
		<link>http://www.alzheimerblog.de/2008/10/31/zehn-minuten/</link>
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		<pubDate>Fri, 31 Oct 2008 09:12:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erfahrungen von Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsstress]]></category>
		<category><![CDATA[Geborgenheit vermitteln]]></category>
		<category><![CDATA[Zuneigung zeigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern Abend in der U-Bahn tönte eine Kinderstimme hinter mir: Pappa, wie lange dauern zehn Minuten?“ – Ich lächelte in mich hinein, wusste die Antwort: „solange, sie eben dauern. Wenn du auf etwas wartest, dauern sie ganz lang. Wenn etwas Aufregendes passiert, sind sie in Ruckzuck vorbei.“ Der Vater antwortete völlig anders „600 Sekunden“. – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Gestern Abend in der U-Bahn tönte eine Kinderstimme hinter mir: Pappa, wie lange dauern zehn Minuten?“ – Ich lächelte in mich hinein, wusste die Antwort: „solange, sie eben dauern. Wenn du auf etwas wartest, dauern sie ganz lang. Wenn etwas Aufregendes passiert, sind sie in Ruckzuck vorbei.“ <span style="yes;"> </span>Der Vater antwortete völlig anders „600 Sekunden“. – Verblüffend!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Diese Frage ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wielange dauern zehn Minuten? Wieviel Zeit verbringe ich mit meiner demenzkranken Mutter wirklich? Bisher dachte ich, zwei lange Stunden jeden Morgen und abends zwei bis drei Stunden, das reicht doch. Jeden Tag. Vom Aufstehen bis zu dem Moment, wenn sie am Frühstückstisch sitzt und ich zur Arbeit muss. Wenn ich aus dem Haus gehe weiß ich, Mutter ist gut versorgt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Wirklich? Wie lange sind wir in diesen zwei Stunden morgens WIRKLICH miteinander zusammen? Die Zeit geht drauf mit solch wichtigen Aktivitäten wie Toilettengang, Zähneputzen, Kämmen, Ankleideversuchen. Dazwischen schnell das Bett machen. Damit es ordentlich aussieht. Dazwischen aufpassen, dass Mutter sich nicht wieder das Nachthemd über das Kleid zieht. Dazwischen schnell die Blumen im Nachbarraum gießen. Viele Dazwischens. Wenn Mutter endlich am Frühstückstisch sitzt, bin ich geschafft. Dann ist es höchste Zeit, zur Arbeit zu gehen und ich habe selber noch keinen Schluck Kaffee gehabt, den Anweisungszettel für Mutters Mittags-Besucherdienst noch nicht geschrieben. Wieder ein Tag, an dem ich zu spät ins Büro kommen werde. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Wieviele Minuten sind wir in diesen zwei Stunden wirklich zusammen gewesen? Vielleicht zehn. Nämlich dann, wenn ich mich neben sie auf die Bettkante setze, den Arm um sie lege und Guten Morgen wünsche. Frage, ob sie sich wohl fühlt. Ihr von meinem Traum erzähle und sie mir aufmerksam zuhört. Dann – und nur in diesem Moment sind wir wirklich zusammen. Danach beginnt der Alltag. Während Mutter mühsam meinen Anleitungen zu Morgenhygiene und Ankleiden nachhinkt, tickt für mich die Uhr, bin ich innerlich gar nicht mehr da. Der Zeitdruck stresst uns beide bis zum Anschlag. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Zwei lange Stunden jeden Morgen bei Mutter sind keine zwei vollen Stunden. Sind keine hundertzwanzig Minuten sondern maximal zehn Minuten. Wielange dauern echte zehn Minuten? Reichen sie aus, damit Mutter sich einen ganzen Tag lang geborgen fühlt?</span></p>
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