Nur ein bisschen Küchendienst
Schwester Sieglinde hat Küchendienst in einem Wohnbereich für demenzkranke Menschen. Nun denken Sie vielleicht: Na und? Ein paar Brote schmieren, Kaffee kochen, Geschirr in die Spülmaschine räumen, was soll’s? Das kann doch jeder! Ist das so? Schauen wir Schwester Sieglinde einmal bei ihrer Arbeit über die Schulter:
Sie befindet sich in der kleinen Wohnbereichsküche, die vom Flur aus durch eine große Schiebetür zu betreten ist, links davon führt eine Tür in den angrenzenden Speise- und Aufenthaltsraum. Dort sitzen einige Bewohner und genießen noch ihren Nachmittagskaffee, als es für Schwester Sieglinde schon Zeit wird, mit den Vorbereitungen für das Abendessen zu beginnen.
Als sie gerade die erste Scheibe Brot belegen will, sieht sie, dass Frau Schwakowiak eine Birne aus dem Obstkorb nimmt, diese hoch hält und sie in die noch halb gefüllte Kaffeetasse plumpsen lässt. Der Kaffee spritzt quer über den Tisch. Für Schwester Sieglinde bedeutet das, die nötigen Reinigungsarbeiten vorzunehmen, ohne auch nur das leiseste Wort eines Vorwurfs an Frau Schwakowiak zu richten. Diese würde sich nämlich sonst beleidigt in sich zurückziehen und für den Rest des Tages die Nahrungsaufnahme verweigern. Frau Schwakowiak bekommt ein Glas erfrischende Apfelschorle.
Etwas verspätet fängt Schwester Sieglinde nun an, die Brote für das Abendessen zu belegen, als Frau Prohoffnik in der Küche erscheint und ungeduldig am Schwesternkittel zu zupfen beginnt. Sie möchte ihrem Bewegungsdrang nachgeben und Schwester Sieglinde soll sie dabei begleiten. Diese muss das Angebot jedoch aus Zeitgründen ablehnen und so verlässt Frau Prohoffnik unverrichteter Dinge die Küche. (Weiterlesen )





