Nur ein bisschen Küchendienst

Mittwoch, 2. Dezember 2009 von Martina Rühl

Schwester Sieglinde hat Küchendienst in einem Wohnbereich für demenzkranke Menschen. Nun denken Sie vielleicht: Na und? Ein paar Brote schmieren, Kaffee kochen, Geschirr in die Spülmaschine räumen, was soll’s? Das kann doch jeder! Ist das so? Schauen wir Schwester Sieglinde einmal bei ihrer Arbeit über die Schulter:

Sie befindet sich in der kleinen Wohnbereichsküche, die vom Flur aus durch eine große Schiebetür zu betreten ist, links davon führt eine Tür in den angrenzenden Speise- und Aufenthaltsraum. Dort sitzen einige Bewohner und genießen noch ihren Nachmittagskaffee, als es für Schwester Sieglinde schon Zeit wird, mit den Vorbereitungen für das Abendessen zu beginnen.

Als sie gerade die erste Scheibe Brot belegen will, sieht sie, dass Frau Schwakowiak eine Birne aus dem Obstkorb nimmt, diese hoch hält und sie in die noch halb gefüllte Kaffeetasse plumpsen lässt. Der Kaffee spritzt quer über den Tisch. Für Schwester Sieglinde bedeutet das, die nötigen Reinigungsarbeiten vorzunehmen, ohne auch nur das leiseste Wort eines Vorwurfs an Frau Schwakowiak zu richten. Diese würde sich nämlich sonst beleidigt in sich zurückziehen und für den Rest des Tages die Nahrungsaufnahme verweigern. Frau Schwakowiak bekommt ein Glas erfrischende Apfelschorle.

Etwas verspätet fängt Schwester Sieglinde nun an, die Brote für das Abendessen zu belegen, als Frau Prohoffnik in der Küche erscheint und ungeduldig am Schwesternkittel zu zupfen beginnt. Sie möchte ihrem Bewegungsdrang nachgeben und Schwester Sieglinde soll sie dabei begleiten. Diese muss das Angebot jedoch aus Zeitgründen ablehnen und so verlässt Frau Prohoffnik unverrichteter Dinge die Küche. (Weiterlesen…)

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Und die Moral von der Geschicht…

Montag, 30. November 2009 von Martina Rühl

Während meiner Arbeit in einem Kurzzeit- und Tagespflegeheim erlebte ich die folgende Geschichte:

Ich war mit zwei Kolleginnen im Spätdienst und wir besprachen, dass zwei von uns die Bewohner im Obergeschoß zur Nacht versorgten, während die dritte im Erdgeschoß blieb, die Küche in Ordnung brachte und nebenbei drei Bewohner im Auge behielt.

Eine der drei Bewohner war Frau Fischer, 80 Jahre alt, sehr klein, mit glatt zurückgekämmten weißen Haaren. Sie hatte nur noch sehr wenige Zähne im Mund, so dass beim Sprechen die unteren zwei Eckzähne sichtbar waren und sich die Unterlippe über die Oberlippe schob. Unermüdlich schlurfte sie mit ihrem Rollator (Gehhilfe mit 4 Rädern) hin und her. Im Abstand von wenigen Minuten blieb sie stehen, faltete die Hände vor der Brust wie zum Gebet und rief, den Blick nach oben gewandt: “So helfen Sie mir doch, ich kann nicht mehr, ich bitte Sie, so helfen Sie mir doch!” Anschließend setzte sie ihre Runde fort, blieb nach kurzer Zeit wieder stehen, faltete die Hände usw.

Die zweite Dame, Frau Degener, war 75 Jahre alt, groß, schlank, noch recht sportlich und wollte sich mehrmals am Tag verabschieden, um zu Hause ihre kleinen Kinder zu versorgen. Da die Eingangstür nicht verschlossen war, mußte man sie ständig im Auge behalten und gegebenenfalls mit einem geschickten Ablenkungsmanöver von ihrem Vorhaben abbringen.

Der dritte im Bunde war Herr Biermann, 82 Jahre alt, für einen Mann recht klein und leicht untersetzt. Er verhielt sich tagsüber meistens unauffällig und lief gegen Abend zu seiner persönlichen Hochform auf, in der er dann oft Chaos verbreitete.

An jenem Abend entschied ich mich für die vermeintlich leichtere Variante im Erdgeschoß und machte mich, nicht ganz frei von Schadenfreude, dass meine Kolleginnen oben in die Vollen gingen, ans Werk.

Schon nach wenigen Minuten nahm das Unheil seinen Lauf! (Weiterlesen…)

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