Samstag, 10. September 2011 von Susanna S.
Katja Thimm ist Journalistin, aufgewachsen in Bonn, als es noch Hauptstadt der Bundesrepublik war. Ihren Vater, Beamter im Bundesgesundheitsministerium, hat sie als einen Mann kennengelernt, der ihr oft unverständlich war: Karg und großzügig, strikt und liebevoll, stur und zuverlässig und manchmal anstrengend. Über sein Leben weiß sie wenig, bis sich im Alter die Zeichen der Demenz häufen und Katja Thimm sich mit ihm auf Spurensuche nach Masuren in die Heimat seiner Kindheit begibt. Dort und in langen Gesprächen, die sich über viele Monate hinziehen, erfährt sie von seiner Flucht als 13-Jähriger zusammen mit der kleinen Schwester, sieben Wochen im Flüchtlingstreck ohne Eltern, bis nach Brandenburg. Sie hört zu, als er über das Wegräumen der Trümmer und Leichen nach Kriegsende unter Aufsicht der russischen Besatzer erzählt und über die Jahre in Gefängnissen der DDR. So kann sie auch die Ängste verstehen, die ihren Vater heimsuchen, als er immer mehr in die Demenz abgleitet und die Ängste der Jugend und Kindheit erneut durchlebt. (Weiterlesen
)
2 Personen gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Biografie, Kriegskinder
Freitag, 4. September 2009 von Susanna S.
Ganz individuell und aufwendig gestaltete Bild-Karten habe ich unter www.erinnerungsspiel.de gefunden.
Es sind Karten, die man z.B. zum Memory spielen oder einfach für die Aktivierung und Beschäftigung mit bestimmten Themen oder auch für die Biografie-Arbeit verwenden kann.
Es gibt verschiedenste Motive zum Auswählen, man kann aber auch eigene Motive – z.B. alte Fotos – einschicken und daraus Karten gestalten lassen.
Die Karten werden laminiert und auf Holz aufgezogen und sind dadurch einerseits gegen Vernicken geschützt, andererseits lassen sie sich besser anfassen als Pappkarten. Holzstärke und Kartenformat kann man selber auswählen.
Die Karten sind nicht ganz billig, weil sie pro Stück abgerechnet werden. Aber sie sind vermutlich auch bei intensivem Gebrauch recht lange haltbar. Die Idee stammt von einem Praktiker aus der Pflege. Ich finde sie überzeugend.
1 Person gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Biografie, erinnerung, Memory, Spiel
Freitag, 27. Februar 2009 von Alzheimer-Telefon

Wer wird eigentlich wissen, dass ich Leber nicht mag, dass mir Topfblumen viel lieber sind als ein Blumenstrauß und dass ich den Rauch von Zigarren übelerregend finde, wenn ich das selber nicht mehr mitteilen kann? Zum Beispiel nach einem Unfall oder Schlaganfall oder auch durch eine schleichende Demenz. All diese kleinen Dinge, die man weder in einer Patientenverfügung noch in einer Vorsorgevollmacht detailliert aufführt, die aber für das Wohlbefinden doch so wichtig sind, wissen bestenfalls Menschen, die mir sehr nahe stehen.
Eine - wie ich finde – sehr schöne Idee, wie man gerade solche wesentlichen Kleinigkeiten, die in ihrer Gesamtheit letztendlich eine Persönlichkeit ausmachen, festhalten kann, hat Sigrid Hofmaier entwickelt. Sie hat einen “Ich-Pass” zusammengestellt, eine kleine Broschüre, in die man seine Lieblingsmenschen, -lektüre, -düfte, -landschaften eintragen kann, aber auch alles, was man nicht ausstehen kann und was einen nervt. Das Ganze ist mit Bildern illustriert, die wunderbar an Urlaub erinnern…
Vorgestellt wird der Ich-Pass unter www.ich-pass.de.
2 Personen gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Biografie, persönlich
Samstag, 16. August 2008 von Alzheimer-Telefon
Zur Bedeutung der Biografie im Umgang mit Demenzkranken
Frau A. bittet beim Alzheimer-Telefon um Rat:
„Schon seit einigen Jahren pflege ich meine Schwiegermutter. Sie leidet an Alzheimer-Demenz, ist 86 Jahre alt und lebt bei uns im Haus. Mein Mann hilft, wo er kann, aber die Hauptlast der Pflege liegt bei mir. Bisher ging eigentlich auch alles ganz gut.
Seit einigen Wochen taucht nun aber immer wieder dasselbe Problem auf: Meine Schwiegermutter schläft morgens, ganz entgegen ihrer bisherigen Gewohnheiten, nur noch bis um 4 Uhr, steht dann in der Schlafzimmertür und weckt meinen Mann und mich, meist mit den Worten: „Hast’ die Pferde schon gefüttert?” oder „Jetzt geht’s aber in die Kirch’!” Wenn ich sie zurück ins Bett bringen möchte – mein Mann muss meist früh raus – fängt sie an zu zittern, wird teilweise regelrecht wütend und aggressiv. An Schlaf ist dann für die ganze Familie nicht mehr zu denken, sogar unsere Kinder werden wach und sind unausgeschlafen und meine Geduld ist am Ende angelangt. Was kann ich nur tun?” (Weiterlesen
)
2 Personen gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Biografie, Vergangenheit