Meine Mutter geht ins Heim
Meine Mutter, jetzt 92 Jahre alt, befindet sich seit März 2008 im AWO Seniorenheim in Köln-Ehrenfeld. Sie lebte lange Jahre allein in Hamburg.
Als es sich herausstellte, dass sie nach einem Sturz nicht mehr allein leben konnte, holte ich sie zu mir nach Köln ins betreute Wohnen. Leider war diese Entscheidung mit hohen finanziellen Kosten verbunden, Leistungen erfolgten nicht. Sie war nach wie vor auf sich allein gestellt. Deshalb zog sie nochmal um in eine eigene Wohnung. Sie war immer ein sehr eigenständiger und eigenwilliger Mensch. Es wäre seinerzeit nicht möglich gewesen, aufgrund des Alters eine andere Lösung zu finden.
Es ging auch fast 2 Jahre gut. Dann stellte ich bei meinen täglichen Besuchen fest, dass sie fast nichts im Kühlschrank hatte, irgendwelche Leute verdächtigte, ihr Essen gestohlen zu haben. Eier fand ich in der Keksdose, Schuhe im Karton der gelieferten Lebkuchen. Der Schlüssel war regelmässig verschwunden. Ständige Anrufe ihrerseits erfolgten, weil sie stets vergass, dass ich gerade bei ihr gewesen war.
Sie rief fremde Leute zu sich in die Wohnung, da ihre Geldkassette nicht auf ging. All dies führte dazu, dass ich sie testen liess und eine Demenz festgestellt wurde.
Aufgrund dessen hatte ich schon im Vorfeld mehrere Seniorenheime angesehen und z.T. schnürte es mir die Luft ab aufgrund der kalten Atmosphäre. Ein Glück war es, dass im AWO Seniorenheim in Köln-Ehrenfeld ein Platz frei wurde. Dieses Heim machte bereits beim eintreten einen offenen lebendigen Eindruck. Sie hatte sich dann auch schnell eingewöhnt, da der Umgang zwischen Pflegepersonal und Bewohnern ein sehr herzlicher ist. Bis heute habe ich diesen Schritt, der doch mit vielen Zweifeln, ob man es richtig macht, begleitet wird, nicht bereut. Sie fühlt sich wohl, hat jetzt auch ein eigenes Zimmer (allein, nicht mehr zusammen mit einer anderen Bewohnerin), hat ihre eigenen Möbel und ich kann beruhigt sein, dass sie regelmäßig isst und trinkt, ihr Gewicht wird ständig kontrolliert, der Arzt ist täglich im Haus.
Ich muss sagen, dass ich meine Entscheidung, sie in ein Seniorenzentrum zu bringen, nicht bereut habe. Wir beide leben sehr entspannt und ich besuche sie gern 2-3mal pro Woche und rede mit ihr über alte Zeiten um sie etwas zum nachdenken anzuregen.
Elke Vafai





