Kernfragen am Anfang
Bis zum Ausbruch der Krankheit meiner Mutter vor dreieinhalb Jahren hatte ich noch nie einen demenzkranken Menschen gesehen. Kleine Kinder, Erwachsene, Ausländer, erkenne ich sofort wenn sie mir begegnen. Weil ich eben von Klein auf den Umgang mit ihnen gewöhnt bin, weiß ich automatisch, wie ich mit ihnen umgehe. Warum meine Mutter aber auf einmal so verdreht sprach und immer öfter widersinnig handelte, dafür kannte ich kein Beispiel. Es machte mich ungeduldig und hilflos.
Ein Freund riet mir, einen Kursus für pflegende Angehörige zu belegen. Bettlägerig war Mutter aber nicht. Weshalb also einen Kurs? Vielleicht doch lieber ein Anleitungsbuch? Ein Blick ins Internet machte mich schlauer. Unter dem Stichwort Alzheimer eröffnet sich eine Welt von Grundwissen, Tipps sowie einige kostenfreie Schulungsangebote. Mein erster Crashkurs war bei der Alzheimergesellschaft. Und es ging überhaupt nicht um Bettlägerigkeit oder Füttern. Nein. Die ersten Fragen, mit denen ich mich beschäftigen sollte lauteten
- Was will ich für meinen Angehörigen?
- Was will ich für mich selbst?
- Wo muss ich mir Hilfe hereinholen?
Diese drei Fragen sind auch heute noch der Schlüssel für wichtige grundlegende Entscheidungen. Sie lassen mich handlungsfähig bleiben, wenn die Situation ausweglos erscheint oder wenn ich in meinem normalen Alltag zwischen der Betreuung meiner Mutter und meinem eigenen Privatleben abwägen muss. Und sie bringen mich zum Nachdenken, wenn ich wieder einmal ungeduldig bin, weil Mutter einfach nicht begreift, was ich gerade von ihr erwarte.

Gefällt mir!


