Samstag, 5. März 2011 von Marita Gerwin
Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich. (Honoré de Balzac)
Wie wichtig sind Erinnerungen für unser Leben? Stimmt es wirklich, dass Erinnerungen unsere Identität bestimmen, insbesondere in fortgeschrittenem Alter? An was erinnere ich mich und wie? Habe ich Einfluss auf meine Erinnerungen, oder konstruiere ich sie vielleicht selbst? Was ist objektiv und was ganz subjektiv? Sollte ich schon während meines Lebens dafür sorgen, dass ich später gute Erinnerungen an mein Leben habe? Was machen Erinnerungen mit mir und meinen Mitmenschen? Und was passiert, wenn ich immer mehr vergesse? Ist das wirklich immer schlimm oder manchmal auch gnädig, befreiend, versöhnend?
Das TEATRON THEATER möchte sich mit diesen Fragen zusammen mit Menschen verschiedener Altersgruppen auseinander setzen, schwerpunktmäßig jedoch mit älteren Menschen. Aber auch jüngere Menschen sind willkommen, die sich mit dem Thema Erinnerung aus der Perspektive des Älterwerdens auseinandersetzen möchten.
In Form eines Theater-Workshops soll die Möglichkeit entstehen, eigene Erfahrungen mit dem Thema zu reflektieren, Fragen zu stellen, neue Blickwinkel zu eröffnen. Sowohl in Gesprächen als auch in aktiven Theaterübungen soll ohne inhaltliche Vorgaben möglichst frei, kreativ und spielerisch mit dem Thema umgegangen werden. Am Ende des dreiteiligen Workshops wird eine Präsentation der Arbeitsergebnisse in der KulturSchmiede Arnsberg stattfinden.
Drei auf einander aufbauende Workshop – Bausteine sollen an folgenden
Terminen in der KulturSchmiede, Apostelstr. 5, 59821 Arnsberg stattfinden:
04. – 08.04.2011 jeweils 16 – 19 Uhr Ort noch unbekannt
02. – 06.05.2011 jeweils 16 – 19 Uhr KulturSchmiede Arnsberg
14. – 19.06.2011 jeweils 16 – 19 Uhr KulturSchmiede Arnsberg
19.06.2011 Präsentation 19 : 00 Uhr KulturSchmiede Arnsberg
20.06.2011 Präsentation 19 : 00 Uhr KulturSchmiede Arnsberg
21.06.2011 Präsentation 19 : 00 Uhr KulturSchmiede Arnsberg
Ein Kooperationsprojekt des TEATRON THEATERs und der Lern-Werkstadt Demenz Arnsberg.
e-mail: info@teatron-theater.de
www.bildungsstadt-arnsberg.de
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Stichwörter: Erinnerungen, Theater
Mittwoch, 16. Februar 2011 von KatrinRohnstock
Aus dem eigenen Leben zu erzählen macht Menschen, die an Demenz erkrankt sind, große Freude (auch wenn sich die Erinnerungen manchmal miteinander verstricken und die Zeitebenen durcheinander geraten). Wenn man den Erkrankten etwas aus seiner Kinder- oder Jugendzeit fragt, so wird er mit Freude antworten, ja, seine Stimmung wird sich schlagartig erhellen; denn die Erinnerungen an die Jugend sind meist mit Freude verbunden.
Ich habe diese Erfahrung nicht nur als Jugendliche mit meiner Großmutter gemacht, sondern kürzlich wieder – bei einem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt, bei dem ich das Zimmer mit einer demenzkranken Frau teilte. Sobald sie schlechte Laune bekam oder ihr irgend etwas nicht passte, fragte ich sie, wie sie ihren Mann kennen gelernt hat – und sofort wurden ihre Geschichtszüge weich und fröhlich und sie erzählte mir diese Geschichte, in der sie ihren Mann mit ihrem Sohn und Berlin mit Dresden verwechselte. Aber das spielte keine Rolle – ich akzeptierte, was sie mir erzählte und korrigierte sie nicht, ich wollte ihr eine gut gelaunte Mitstreiterin sein gegen das Kranksein. (Weiterlesen
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Stichwörter: Erinnerungen
Donnerstag, 4. November 2010 von Marita Gerwin

Ein regnerischer Sonntag. Ich stehe vor meinem Bücherregal im Wohnzimmer. Ein ledergebundenes, kleines Buch fällt mir in den Blick. Herauspurzeln drei längst vergessene Glanzbilder. Gedankenverloren schlage ich es auf und entdecke eine wunderschöne, bunt bemalte Seite in schönster Kinder-Schrift. Schmunzelnd tauche ich ein in eine längst vergangene Welt und lese: “Wenn du einst nach vielen Jahren, dieses Büchlein nimmst zur Hand, denk daran, wie froh wir waren, auf der kleinen Schülerbank!” Deine Freundin Ingrid – 1961!
Daneben gibt mir Annette, meine hochbetagte Nachbarin mit auf den Lebensweg: “Wenn Du einst als Großmama im Lehnstuhl sitzt bei Großpapa, dann nimm Dir dieses Buch zur Hand, und denk: Die hab ich auch gekannt!”
Oh, nein! Wie schön! Mein Poesiealbum ist wieder aufgetaucht. Ich bin wie elektrisiert.
Meine Erinnerungen erwachen. Längst vergessenen Erinnerungen aus meiner Kinderzeit tauchen vor meinem geistigen Auge wieder auf, obwohl Jahrzehnte dazwischen liegen. Meine Grundschulklasse wird lebendig: Gisela, Friedel, Mechthild, Ewald und auch Edeltraud haben mir ihre heiteren, besinnlichen und witzigen Lebensweisheiten mit auf den Weg gegeben.
Wie ein Blitz schießt mir in diesem Moment eine Idee durch den Kopf, die ich gleich in die Tat umsetzte: Spontan klemme ich mir mein Poesiealbum unter den Arm und besuche meine hochbetagte, demenzerkrankte Nachbarin Greta. Sie freut sich jedes Mal, wenn ich komme. Sie redet nicht viel. Doch ihre Mimik und ihre leuchtenden Augen signalisieren mir, dass ich immer willkommen bin.
Ich werde Greta mein Poesiealbum zeigen, ihr die Sprüche und Lebensweisheiten vorlesen. Mal schauen was passiert und wie sie reagiert. Ich habe die Hoffnung, dass mein Poesiealbum für einen Moment, für einen Augenblick ihren Schleier des Vergessens lüftet. Gespannt und voll freudiger Erwartung klingele ich an ihrer Haustür. Ihr Ehemann Otto öffnet. Er ist begeistert, dass ich ein wenig Zeit mitbringe, heute am hochheiligen Sonntag. (Weiterlesen
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Stichwörter: Erinnerungen, Schulzeit