Montag, 3. Januar 2011 von Martina Rühl
Ich arbeite seit fünf Jahren in einem Wohnbereich für demenzkranke Menschen und bin immer noch davon fasziniert, was für Wörter ihnen einfallen und wie geschickt sie gewisse Dinge umschreiben können.
Wir müssen nur lernen, zwischen den Zeilen zu lesen!
Frau Schäfer saß im Rollstuhl und konnte wegen massiver Gleichgewichtsstörungen nur in Begleitung laufen. Da sie selbst nicht mehr in der Lage war, die Gefahr eines Sturzes einzuschätzen, wurde sie zu ihrem eigenen Schutz mit einem Bauchgurt im Rollstuhl fixiert.
Das empfand sie verständlicherweise oft als störend.
Eines Nachmittags hatte sie schon eine Weile vergeblich versucht, den Gurt zu öffnen und suchte nun Hilfe bei ihren Mitbewohnern.
Sie rief im Kommandoton: „Wer macht denn hier die Kohlen los? Wer leitet denn hier die Kompanie? Durchschneiden! Sofort! Haben Sie schon die Bremse los?“
Wenn man weiß, was Frau Schäfer beabsichtigte, klangen ihre Befehle durchaus logisch, oder?
Frau Pretorius fuhr, als sie nicht mehr selbständig laufen konnte, unermüdlich mit dem Rollstuhl über die Flure des Wohnbereichs. Als sie mich aus einem Zimmer kommen sah, winkte sie mich zu sich heran.
Sie fragte: „Wissen Sie eigentlich, wie ich mich morgens fühle?“ (Weiterlesen
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Stichwörter: fokus, Kommunikation
Mittwoch, 24. November 2010 von Martina Rühl
In der Kommunikation mit Demenzkranken sind neben dem Einfühlungsvermögen Humor und ein ehrliches Lächeln dankbare Begleiter.
Frau Wieland lag im Bett, ich faltete die Hände, um mit ihr zu beten. Sie machte es ebenso und begann: „Vater im Himmel, gereinigt werde dein Haus! Amen!“
Stolz lächelnd fragte sie mich, ob es so richtig sei. Ich konnte nicht anders, als sie in den Arm zu nehmen und ihr zu versichern, dass dieses Gebet einfach wunderbar war.
Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz kommt es häufig vor, dass die Betroffenen unermüdlich vor sich hin reden. Manche wiederholen sich ständig, bei anderen kann man nur einzelne Wörter verstehen. Der Tonfall kann von gleichmäßig ruhig über bestimmt bis hin zu wütend und laut variieren. Manchmal hört es sich an, als würde jemand telefonieren, einen Vortrag halten oder ein Gedicht aufsagen. Auch tauchen oft einzelne Begriffe aus dem Berufsleben auf. Ist die Biografie des Betroffenen bekannt, kann man oft über diese berufliche Schiene an ihn heran kommen. (Weiterlesen
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Stichwörter: fokus, Kommunikation
Dienstag, 7. September 2010 von DAlzG
Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz verlieren die Betroffene nicht nur ihre Sprachfähigkeit und Mobilität, sondern zunehmend auch ihre Fähigkeit zu lachen und sich über etwas freuen zu können. Zunächst waren wir bei unserer Begleitforschung in „Pflegeoasen“ für schwer demenziell Erkrankte überrascht, auch hier Momente der Heiterkeit und der Situationskomik anzutreffen. Offenbar wirken diese besonderen Milieus entspannend, anregend und Kontakt fördernd. In der stimulierenden Umgebung entstehen Situationen, in denen gelacht werden kann, und wenn erst einmal einer lacht, wirkt dies oft ansteckend auf alle anderen. Immer wieder gibt es Momente im Alltag, in denen die Erkrankten sich derart freuen, dass sie unbeschwert in Lachen verfallen.
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Stichwörter: fokus, Humor, Lachen
Donnerstag, 11. Dezember 2008 von Susanna S.
Am 1. Advent ist meine Großmutter gestorben. Wir haben an diesem Tag ihren 97. Geburtstag mit ihr gefeiert. Vor mehr als 11 Jahren ist bei ihr eine Demenz – “Alzheimer mit untypischen Verlauf” – diagnostiziert worden und seit 5 1/2 Jahren hat sie in einem Heim gelebt.
Lange Zeit ging es meiner Großmutter im Heim relativ gut. Sie fühlte sich wohl und gut versorgt und die Demenz schritt so langsam voran, dass wir manchmal an der Dignose zweifelten. Erst in den letzten Monaten baute sie auch körperlich sehr ab und verbrachte die letzte Woche vor ihrem Geburtstag im Krankenhaus. Wir haben sie als ganze Familie dort besucht. Wie eine Antwort auf ihre ständig wiederkehrende Frage “Wen hab ich denn noch? Wer gehört denn noch zu mir?” haben sich an diesem Tag alle, die noch zu ihr gehörten, bei ihr versammelt. An ihrem letzten Tag war sie schon nicht mehr ganz in unserer Welt. Sie öffnete die Augen nicht mehr und konnte auch nicht mehr mit Worten auf unsere Zuwendung reagieren. Trotzdem merkten wir immer wieder, dass sie uns, die Gebete, die wir sprachen, und die Lieder, die wir sangen, wahrnahm. Der Anblick meiner Großmutter, die so dünn und schwach geworden war, rührte mich zu Tränen. Die heftige Reaktion meines 18jährigen Sohnes hat mich dennoch überrascht. Er brach in Tränen aus und war untröstlich. (Weiterlesen
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Stichwörter: fokus, Kinder, Krankenhaus, Tod
Mittwoch, 10. Dezember 2008 von DAlzG
Bei unserer Arbeit haben wir festgestellt, dass es bestimmte Themen gibt, die zwar eigentlich wichtig sind, aber im Alltag untergehen, weil man einfach nicht daran denkt.
So wie im Beitrag von Susanna S., die erst beim Tod ihrer Großmutter festgestellt hat, dass ihr Sohn mit der Krankheit seiner Uroma große Probleme hatte.
Wir werden hier zukünftig alle 2-3 Monate ein Fokusthema veröffentlichen, um genau diese besonderen Aspekte im Blog verstärkt zu diskutieren. Beiträge zu anderen Themenbereichen sind natürlich auch immer gewünscht.
Wir hoffen damit beitragen zu können, bislang zu wenig beachtete Schwerpunkte den Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten näher bringen zu können. Wir freuen uns über zahlreiche Beiträge und Kommentare!
Meine Oma hat Alzheimer
Ich wohne in Berlin und meine Großeltern in Süddeutschland. Wenn wir sie besucht haben, hat meine Oma mich immer wieder mitgenommen, und wir sind Schuhe kaufen gegangen. Im Winter waren es Winterstiefel, im Sommer Sandalen. Später hat sie meiner Mutter Geld gegeben, damit ich mit ihr Schuhe kaufen gehen kann. Heute hat sie es ganz vergessen und meist weiß sie auch nicht mehr, wer ich bin. Ich glaube schon, dass mich meine Oma mag. Sie war ganz lieb zu mir und hat sich gefreut, wenn ich kam. Wir haben auch viel miteinander gespielt. „Mensch ärgere dich nicht“ mochte sie besonders gern. Doch dann hat es mir keinen Spaß mehr gemacht, weil sie ihre eigenen Regeln erfunden hat. Sie setzte ihre Kegel auf das Feld und wanderte schnurstracks rückwärts ins Ziel. Das hat mich dann geärgert, und wir haben nicht weiter gespielt. Was meine Oma nicht mochte war, wenn mein Cousin kam und wir das Sofa als Turngerät nutzten. Das Laute war ihr häufig zu viel und sie schimpfte mit uns.
Meine Mutter hat Oma oft gebadet oder ihr beim Waschen geholfen. Manchmal hat sie mich gebeten, bei ihr zu bleiben, weil sie noch etwas holen musste. Oma wollte dann oft hinterher. Manchmal hörte sie nicht auf mich. Dann habe ich sie an der Hand genommen, und ihr gesagt, sie soll doch bei mir bleiben. Das hat geholfen. (Weiterlesen
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Stichwörter: demenz, fokus, Kinder