Meine Mutter geht ins Heim

Montag, 7. September 2009 von Elke_Vafai

Meine Mutter, jetzt 92 Jahre alt, befindet sich seit März 2008 im AWO Seniorenheim in Köln-Ehrenfeld. Sie lebte lange Jahre allein in Hamburg.
Als es sich herausstellte, dass sie nach einem Sturz nicht mehr allein leben konnte, holte ich sie zu mir nach Köln ins betreute Wohnen. Leider war diese Entscheidung mit hohen finanziellen Kosten verbunden, Leistungen erfolgten nicht. Sie war nach wie vor auf sich allein gestellt. Deshalb zog sie nochmal um in eine eigene Wohnung. Sie war immer ein sehr eigenständiger und eigenwilliger Mensch. Es wäre seinerzeit nicht möglich gewesen, aufgrund des Alters eine andere Lösung zu finden.
Es ging auch fast 2 Jahre gut. Dann stellte ich bei meinen täglichen Besuchen fest, dass sie fast nichts im Kühlschrank hatte, irgendwelche Leute verdächtigte, ihr Essen gestohlen zu haben. Eier fand ich in der Keksdose, Schuhe im Karton der gelieferten Lebkuchen. Der Schlüssel war regelmässig verschwunden. Ständige Anrufe ihrerseits erfolgten, weil sie stets vergass, dass ich gerade bei ihr gewesen war.
Sie rief fremde Leute zu sich in die Wohnung, da ihre Geldkassette nicht auf ging. All dies führte dazu, dass ich sie testen liess und eine Demenz festgestellt wurde.
Aufgrund dessen hatte ich  schon im Vorfeld mehrere Seniorenheime angesehen und z.T. schnürte es mir die Luft ab aufgrund der kalten Atmosphäre. Ein Glück war es, dass im AWO Seniorenheim in Köln-Ehrenfeld ein Platz frei wurde. Dieses Heim machte bereits beim eintreten einen offenen lebendigen Eindruck. Sie hatte sich dann auch schnell eingewöhnt, da der Umgang zwischen Pflegepersonal und Bewohnern ein sehr herzlicher ist. Bis heute habe ich diesen Schritt, der doch mit vielen Zweifeln, ob man es richtig macht, begleitet wird, nicht bereut. Sie fühlt sich wohl, hat jetzt auch ein eigenes Zimmer (allein, nicht mehr zusammen mit einer anderen Bewohnerin), hat ihre eigenen Möbel und ich kann beruhigt sein, dass sie regelmäßig isst und trinkt, ihr Gewicht wird ständig kontrolliert, der Arzt ist täglich im Haus.
Ich muss sagen, dass ich meine Entscheidung, sie in ein Seniorenzentrum zu bringen, nicht bereut habe. Wir beide leben sehr entspannt und ich besuche sie gern 2-3mal pro Woche und rede mit ihr über alte Zeiten um sie etwas zum nachdenken anzuregen.

Elke Vafai

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ruhe auf rezept

Montag, 9. Februar 2009 von helgajuttapetrauwe

in der letzten ZEIT war ein höchst interessanter artikel zum thema psychopharmaka, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. bei den besuchen bei meiner mutter sitz ich ja immer in “fröhlicher runde” mit vielen anderen alten dememten damen. die eine  wirkt dabei sehr ruhig, die andere “normal”, die dritte und vierte unruhig bis wirklich anstrengend und belastend für die sitznachbarin. ich denke, dass viele davon medikamentös behandelt werden, andere nicht.

meine vision eines tagesraumes mit wirklich gut eingestellten bewohnerinnen ähnelt einem tagesraum im kindergarten: genauso anstrengend aber auch genauso erfreulich – und genauso wie dort ist gut ausgebildetes, mit freude arbeitendes personal nötig.

ich hoffe, dass in unserer gesellschaft diese erkenntnisse über die menschen mit alzheimer und demenz noch viel bekannter werden und weitere positive folgen haben.

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