„Die Narrenkappe aus Sicht eines Alzheimerkranken“

Samstag, 28. August 2010 von Dagmar Harder

Rheinischer Frohsinn und Alzheimer müssen keine Gegensätze sein. Die Erinnerung an das bunte karnevalistische Treiben, den rheinischen Frohsinn, ist bei einem richtigen (oder auch richtig angelernten) Rheinländer seit frühester Kindheit so tief verankert, dass auch die Alzheimerkrankheit dieses Grundverhalten erst sehr spät in Vergessenheit geraten lässt.

Kaum ertönt die „decke Trumm“ oder ein entsprechend bekanntes Karnevalslied, kommt die Erinnerung hoch und jeder, ob Betroffener oder Angehöriger, macht mit und feiert Karneval so gut er kann.

Der gelungene Versuch der Alzheimer Gesellschaft Kreis Euskirchen e.V., eine karnevalistische Feier in den eigenen Räumen zu veranstalten mündete in dem festen Vorsatz, am nächsten Rosenmontagszug in der Kreisstadt Euskirchen teilzunehmen.

Schon diese Diskussion weckte verschüttete Erinnerungen an frühere karnevalistische Erlebnisse. Mit dem Schlachtruf „Net lang lamentieren, sondern engagieren“ wurde sich – nicht ohne das Versprechen auf eine Wiederholung abzugeben – verabschiedet.

Einer der Betroffenen schaute sich die Bilder von bekannten Persönlichkeiten mit Alzheimererkrankung – die von der karnevalistischen Dekoration nicht ganz verdeckt waren – an und meinte trocken: „Da bin ich ja in guter Gesellschaft, mir geht es gut“.

Alzheimer Gesellschaft Kreis Euskirchen e.V.
F.d.R. Dagmar Harder

2 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , ,


Die Geburt von „Alzi“

Freitag, 27. August 2010 von Dagmar Harder

Immer wenn der Gesprächskreis von an Demenzerkrankten mit ihren Angehörigen sich zu ihrem monatlichen Ausflügen mit anschließendem gemeinsamen Kaffee trinken trifft, ist Fröhlichkeit angesagt.

So auch bei der Geburt von „Alzi“, dem bunten Stoffpapagei, der noch eingebettet in einem Hauch von Papier mit einer dicken Schleife versehen auf seine Ankunft in der Alzheimer Gesellschaft Kreis Euskirchen e.V. wartete. Er wollte einfach nur in die Gemeinschaft aufgenommen werden und war schon sehr nervös.

Aber bevor alles eingeleitet werden konnte, ging wie immer ein Scherz voran. Dieses Mal wurde der Besuch von Frau X bei ihrem Hausarzt und der Verwechslung von Krokodil und Papagei fröhlich zur Kenntnis genommen.

Das war das Stichwort für „Alzi“. Er konnte es nicht mehr aushalten. Flugs wurde seine Hülle, in Form des Einwickelpapiers entfernt und hervor kam ein wunderschöner in allen Farben schillernder Stoffpapagei.

Die Geburt war ohne Komplikationen abgelaufen und die Freude war bei allen groß. Aber, wie bei allen „neuhinzugekommenen“ Teilnehmern hatte er ja noch keinen Namen.

Und wie es sich in einer demokratischen  Gemeinschaft gehört, bekam jeder einen Zettel, um seinen Wunschnamen für „Alzi“ aufzuschreiben. Unter fröhlichem Lachen wurde „Alzi“ mit den meisten Stimmen gewählt. Er darf ab sofort an allen Ausflügen der Gruppe teilnehmen. Die anschließend eingeleitete Taufe mit viel Wasser besiegelte die Namensgebung.

Alzheimer Gesellschaft Kreis Euskirchen e.V.
Vorsitzender: Dr. med. Hartmut Bauer
F.d.R. Dagmar Harder
Augenbroicher Str. 53
53879 Euskirchen

1 Person gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: ,


Urlaub für Demenzkranke und Angehörige in Thailand

Montag, 19. April 2010 von DAlzG

Baan Kamlangchay bietet begleitete Ferien und längere Aufenthalte für Demenzkranke und ihre Angehörigen in Chiang Mai, Nordthailand, an. Ausgebildete thailändische Betreuerinnen und Betreuer unterstützen die Kranken in ihren Alltagsverrichtungen und motivieren sie zu Aktivitäten in einer reizvollen Umgebung im Norden Thailands. Betreuung und Pflege werden rund um die Uhr gewährleistet. Jeder demenzkranken Person wird während ihrer Aufenthaltszeit ein dreiköpfiges persönliches Betreuungsteam zur Verfügung gestellt.
Attraktive Entlastungsangebote ermöglichen den Angehörigen, sich zu entspannen und sich gleichzeitig in ihrer Betreuungsaufgabe neu zu orientieren.

Im Zentrum der Betreuung von Menschen mit Alzheimer steht der zärtliche Umgang, wobei die verbale Verständigung durch die andere Sprache des Betreuungspersonals in den Hintergrund tritt. Die neue gegenseitige Verständigung wird nach jüngsten Erfahrungen nicht als Erschwernis empfunden, sondern ermöglicht neue Ausdrucks- und Kommunikationsformen. Im weiteren haben wir beobachtet, dass sich die Gäste hier in Nordthailand nicht entwurzelt fühlen. Die liebevolle Atmosphäre gibt ihnen ein neues Zuhause. Die vielen visuellen Reize in der schönen Umgebung ermöglichen sogar, dass alte Erinnerungen wieder neu gelebt werden können.
Martin Woodtli
Der Autor ist Leiter von Baan Kamlangchay. Er arbeitete bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Auftrag von MEDECINS SANS FRONTIERES SWITZERLAND in Nordthailand. Nach dem Freitod seines Vaters vor zwei Jahren, hat er sich dazu entschieden, mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter nach Thailand auszuwandern. Martin Woodtli organisierte eine 24-Stunden Betreuung für seine Mutter im neuen Zuhause in Chiang Mai. Das Experiment mit seiner Mutter überzeugte ihn dermaßen, dass er mit Baan Kamlangchay ein neues Betreuungsangebot für Menschen mit Alzheimer und ihre Angehörigen aufbaute.

Weitere Informationen: www.alzheimerthailand.com

1 Person gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , ,


Finanzierung von betreuten Urlaubsangeboten

Samstag, 17. April 2010 von DAlzG
(Quelle: pixelio.de

(Quelle: pixelio.de

Betreute Urlaubsangbote für Menschen mit Demenz mit oder ohne deren Angehörige lassen sich grundsätzlich gut finanzieren. Zu Beginn der Planung sollte ein Konzept und eine Kalkulation erarbeitet werden, um entsprechend Anerkennung und Finanzierung durch die Pflegekassen schon im Vorfeld zu klären.
Die Kalkulation umfasst je nach Ausgestaltung des Urlaubes folgende Aufwendungen:
-    Unterkunft und Verpflegung der Urlauber
-    Unterkunft und Verpflegung des Pflege- und Betreuungsteams
-    Honorar für das Pflege- und Betreuungsteam (Fachkräfte, Helferinnen, Praktikanten)
-    Hilfsmittel (Zusatzrollstühle, Badhocker etc.), wenn nicht anderweitig beschafft
-    Pflegehilfsmittel, Reiseapotheke etc.
-    Fahrzeuge und Benzin (VW-Bus o.ä.) für Aktivitäten und anderes
-    Material für Freizeitbeschäftigung und Ausflüge (Spiele, Musik, Liederbücher,
Beschäftigungsmaterial etc.)
-    Haftpflicht- und Unfallversicherung (z.B. beim Unionsversicherungsdienst)
-    An- und Abreisekosten der Urlauber (fällt weg bei selbstorganisierter An- u. Abreise)
-    Referentenhonorare für Angehörigenschulung während des Urlaubs
(Weiterlesen…)

3 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , ,


Im Fokus: Urlaub

Freitag, 16. April 2010 von DAlzG

Die Sommerzeit ist für viele Menschen die Haupturlaubszeit. Einmal aus dem Alltag herauskommen, andere Länder oder Menschen kennenlernen. Abschalten und die Seele baumeln lassen. Einfach neue Energien tanken für die Herausforderungen des Alltags.


Gerade die Menschen, die sich um demenzkranke Angehörige kümmern, stehen unter einer starken Belastung und brauchen unbedingt Erholung für sich selbst. Doch beim Gedanken an Urlaub stellt bei sich den Pflegenden oftmals keine frohe Vorfreude ein, vielmehr rücken die Probleme in den Vordergrund:

  • Wer kümmert sich um die pflegebedürftigen Angehörigen, wenn ich alleine Urlaub mache?
  • Wo kann ich mit meinem kranken Angehörigen zusammen Urlaub machen?
  • Wer kümmert sich um die Angehörigen, wenn ich im Urlaub mal eine Stunde Auszeit brauche?
  • Gibt es die Möglichkeit finanzieller Unterstützung?

Welche Urlaubsmöglichkeiten es gibt, ist den meisten nicht bekannt. Dabei gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Angeboten, die sich darauf spezialisiert haben, pflegenden Angehörigen und ihren demenzkranken Familienmitgliedern Urlaub und Erholung zu ermöglichen. Die uns bekannten Angebote haben wir hier für Sie zusammengestellt: urlaubs-adressen-demenz03101

Eine laufend aktualisierte Liste können Sie bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter info@deutsche-alzheimer.de anfordern.

Wir möchten mit dem Fokusthema Urlaub dazu beitragen, dass Sie sich gegenseitig mit Tipps und Anregungen unterstützen, von Ihren positiven Erfahrungen berichten oder vor vermeidbaren Fehlern warnen.
Wir freuen uns über Ihre Beiträge!

5 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: ,


Im Fokus: Begutachtungen durch den MDK

Freitag, 17. Juli 2009 von Alzheimer Gesellschaft e.V.

Sie haben mit Ihrer Teilnahme an der letzten Umfrage entschieden: Das neue Fokus-Thema ist die MDK-Begutachtung. Wir freuen uns auf weitere Beträge von Ihnen zu diesem oder auch anderen Themen.
Die Redaktion

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) wird immer dann eingeschaltet, wenn jemand einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellt. Aufgabe des MDK ist die Erstellung eines Gutachtens über den Umfang des Pflegebedarfs, den der Antragsteller hat und eine Empfehlung an die Pflegekasse, welche Pflegestufe dementsprechend gewährt werden sollte.

Als Gutachter werden Ärzte und Pflegefachkräfte eingesetzt, die speziell für ihre Aufgabe geschult sind.
Es gibt umfangreiche Begutachtungsrichtlinien, nach denen die Gutachter den Pflegebedarf ermitteln sollen.
Allerdings sind die Erfahrungen, die Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit den Gutachtern machen, äußerst unterschiedlich. In manchen Fällen läuft alles reibungslos und der Gutachter gibt sogar noch einen guten Tipp für ein Hilfsmittel oder den Hinweis auf eine Selbsthilfegruppe.

Andere Angehörige berichten aber z.B. dass der Gutachter statt der üblichen 60 Minuten die Begutachtung in 20 Minuten durchgezogen und dabei ständig nur in den mitgebrachten Laptop geschaut und kaum ein Wort gesagt hat. – Das Ergebnis ist dann in aller Regel eine Ablehnung des Antrags.

Auch die Prüfung der Beweglichkeit des Pflegebedürftigen gehört zur Begutachtung, um einzuschätzen, ob jemand sich noch die Haare kämmen oder die Hose richtig hochziehen kann. Der Einwurf der pflegenden Angehörigen, dass dies körperlich zwar noch möglich ist, ein Demenzkranker aber vergessen hat, wie man diese Tätigkeiten durchführt, wird leider häufig „überhört“.

Oder die Zeit, die notwendig ist um einen Demenzkranken beim Essen anzuleiten und immer wieder ans Weiteressen zu erinnern, wird nicht berücksichtigt mit der Begründung: „Sie können doch in dieser Zeit selbst auch essen.“

Um diesen Situationen vorzubeugen, sollte man schon einige Wochen, bevor der Gutachter kommt, beginnen, ein ausführliches Pflegetagebuch zu führen. Dort müssen vor allem die Tätigkeiten aufgeführt sein, die im Zusammenhang mit Körperpflege, An- und Ausziehen, Toilettengängen und der Einnahme der Mahlzeiten und Getränke stehen. Haushaltsarbeit, Wäschewaschen und Kochen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Wichtig zu wissen ist, dass nicht nur die Zeiten vom MDK berücksichtigt werden müssen, die notwendig sind, wenn man eine bestimmte Tätigkeiten wie zum Beispiel das Zähne putzen vollständig übernimmt, sondern auch die Zeiten, die für Anleitung und Beaufsichtigung, ja sogar für die Motivation, erforderlich sind. Ausführliche Informationen dazu enthält zum Beispiel der „Leitfaden zur Pflegeversicherung“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die zweite Begutachtung, nachdem wir wegen Ablehnung der Pflegestufe bei meiner Großmutter in den Widerspruch gegangen sind, sehr positiv verlaufen ist. Allerdings hatten wir im Widerspruch auch ausdrücklich um einen gerontopsychiatrisch qualifizierten Gutachter gebeten…

Susanna Saxl
Alzheimer-Telefon

3 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , ,