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Vernachlässigung Dementer im Krankenhaus

Freitag, 27. März 2009 von DAlzG

Folgenden Bericht erhalten wir per Mail und veröffentlichen ihn hiermit mit der Erlaubnis des Autors:
Ich bin Mitglied der Alzheimer Gesellschaft in Bonn und betreute zuerst mit meiner Mutter meinen Stiefvater, Prof. Dr. Wilhelm Lauer, der kurz nach der Übersiedlung von Bonn nach Wuppertal im Juli 2007 starb; jetzt betreue ich meine Mutter, die in die mittlere Demenzphase übergeht.

Die Vernachlässigung insbesondere Dementer im Krankenhaus ist - wie es der Hausarzt meiner Mutter ausdrückte - eine Katastrophe und eine weitere Versorgung zuhause wurde bis auf weiteres durch das Verhalten von Krankenhaus und Arzt blockiert.
Meine Mutter erkrankte an Trigeminus-Neuralgie und wurde ab Dezember 2008 mit starken Beruhigungsmitteln und Opiaten betäubt, um die Schmerzen zu verringern; trotzdem konnte sie zuletzt kaum mehr essen und ein befreundeter Arzt vermittelte die Trigeminus-Operation im Bethestha - Krankenhaus der Diakonie in Wuppertal.
Prof. Karten ist ein guter Operateur und die Operation gelang mit gutem Erfolg. Im Anschluss daran begann jedoch eine “Nachsorge”, die ihren Namen zu Unrecht führt: (Weiterlesen…)

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Inkontinenz nach Stundenplan

Donnerstag, 19. März 2009 von Heidi

Es ist so, dass meine demenzkranke Mutter mit ihren Körperausscheidungen anders zurechtkommt, als ich. Seit langem hat sie kaum Kontrolle darüber. Die führen wir, die Betreuer. Deshalb trägt sie Tag und Nacht Inkontinenzhöschen, das Bett ist mit undurchlässigen saugfähigen Unterlagen ausgelegt, die Matratze mit einer dünnen Plastikplane aus dem Baumarkt überzogen.

Wie inkontinent sie wirklich mittlerweile ist, kann ich nicht sagen. Wie inkontinent wir, ihre Betreuer, sie gemacht haben, ist nicht abzuschätzen. Wir nehmen ihr die eigene Wahl.

Während wir selber gelernt haben, unseren Drang zu beherrschen, einzuhalten, zu berechnen ungefähr, wielange es dauert, bis wir dafür Zeit und Möglichkeit haben werden, kann Mutter hingegen nicht kalkulieren. Sie muß, wenn sie muß. Sie weiß ja auch nicht, wann die Gelegenheit kommt, zum WC zu gelangen.

Zeit ist für sie jetzt sofort, nicht irgendwann. Selten kann sie allein aufstehen und schon lange nicht mehr sich verbal verständlich machen. Wenn wir sie führen, weiß sie nicht, wohin es geht. Jede Handlung, jeder Gedankengang läuft sehr, sehr langsam ab. Es dauert viel zu lange aufzustehen, die Kleidung abzuschälen. Dann ist es schon zu spät.

Menschen, die wie meine Mutter auf ständige Betreuung angewiesen sind, haben gar keine andere Möglichkeit als in die Hose zu machen. Selbst wenn sie den Drang von Stuhl und Harn unterscheiden kann (?), im Moment der Wahrheit bin ich nicht da oder erkenne die Anzeichen nicht. Ein Grinsen, ein Augenzusammenkneifen – das kann der Hinweis sein – oder eben auch nicht.

Toilettentraining, also WC-Gang zu festen Zeiten bzw. in festen Zeitabständen? Aber: Mutter weiss nicht mehr so genau, was man auf dem WC Sitz tut. Lasse ich sie (mit schlechtem Gewissen) zehn Minuten allein hocken, klappt es in manchen der Sitzungen. Nimmt sie nur Platz und wird abgelenkt, durch meine Anwesenheit, durch Geräusche vor der Tür, geschieht nichts, oder im Augenblick, wenn wir die Hose hochziehen.

Den Vogelkäfig habe ich je nach Bedarf gereinigt. Mit meinen Hunden marschierten wir so lange, bis es geklappt hat. Mutter kann ich aber nicht Gassi führen. Mutter ist ein Mensch. Mutter verdient Würde,und Achtung. Würde hat eben keinen Stundenplan.

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