Volkslieder als Therapie bei Demenzerkrankungen

Dienstag, 27. März 2012 von Redaktion Alzheimerblog

Ich bin ausgebildete klassische Sängerin und Tochter einer seit 2000 an Alzheimer erkrankten Mutter, die seit 3 Jahren nicht mehr spricht. Seit einigen Jahren singe ich Volkslieder mit meiner Mutter, die früher noch mitsingen konnte, heute – nachdem sie verstummt ist – während meines Gesangs plötzlich Vokabeln wie “ja” oder “schön” sagt, deutlich versucht zu brabbeln und emotional stark erregt wird. (Weiterlesen…)

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Alzheimer’s Society UK – Wo Charity sogar rockt!

Freitag, 18. November 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Unsere Nachbarn im Vereinigten Königreich machen ja so einiges anders als wir. Ob Linksverkehr, Tee als Geheimwaffe zur Krisenbewältigung, in Essig ertränkte Pommes Frites oder Lamm mit Minzsauce  – sie sind schon etwas eigen, die Engländer.
So ist es nicht verwunderlich, dass die Uhren bei der Alzheimer’s Society UK nicht nur – aus unserer Sicht – eine Stunde hinterherhinken, sondern auch anders ticken. Statt sich auf den jährlichen Welt-Alzheimer-Tag zu beschränken, begeht man in England, Wales und Nord-Irland  gleich eine ganze Alzheimer’s Awareness Week. Sieben Tage, in denen die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Nöte und Bedürfnisse der an Demenz erkrankten Patienten und ihrer Familien gelenkt werden soll. Die Botschaft: Alzheimer kann jede Familie treffen. Je früher die Symptome erkannt werden, desto besser lässt sich die Krankheit behandeln. Das kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern. (Weiterlesen…)

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Das ist zu traurig – Ich sing lieber was Lustiges

Donnerstag, 16. Juni 2011 von Redaktion Alzheimerblog

Ich möchte Sie auf eine kleine Reihe von fünf 5-minütigen Hörstücken aufmerksam machen, die gesendet werden von Montag 20.6. bis Freitag 24.6.2011, jeweils von 14:10 – 14:15 Uhr, bei Kulturradio RBB

Das ist zu traurig – Ich sing lieber was Lustiges
- Verborgene Talente in Berliner Altenheimen -

Mo       1. Frau Paradies und die Weite Welt

Di         2. Dr. Rothenburg: Von Rixdorf zu Fritze Bollmann

Mi        3. Frau Lischke und der Gletscherchor

Do       4. Frau Mucha’s erste Schallplatte und zwei ergreifende Lieder

Fr         5. Frau Strackes Lebenslust

In den letzten drei Jahren habe ich die Musiktherapeuten Dorothea Muthesius, Christine Lugmayer und Wolfgang Tschegg bei bei ihrer Arbeit in Alten-WG’s, Seniorenresidenzen oder Pflegeheimen begleitet.
Dort bekam ich Texte und Melodien zu hören, deren Schwung oder baladenhafte Eindringlichkeit samt Wortwitz und kesse Doppeldeutigkeiten mich wirklich erstaunt haben.

Oft hört oder liest man im Feuilleton vom “Zauber der Musik”. Dieser Begriff hat für mich nun eine konkrete Bedeutung: Ein Menschen mit Demenz, sonst nicht ansprechbar, wirkt wie aus einem Dornröschenschlaf erweckt, wenn Musik aus seiner Jugend erklingt.

Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich den Gesang festgehalten habe, denn wer weiß, wie lange noch jemand diese Lieder, Volkslieder, Schlager, Operettenzitate, musikalischen Verballhornungen, Couplets kennt und singt!

Kulturradio RBB  92,4 Mhz
Kabelfrequenze   95, 35 MHz

oder bei www.kulturradio.de –  auf Livestream klicken

oder hier: http://www.rbb-online.de/static/rbb/kul/liveplayer/index.html

Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen und Kommentare. Vielleicht meldet sich auch das eine oder andere bisher verborgene Talent bei mir?

Frieder Butzmann,  butzi@friederbutzmann.de 

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Wenn du’s nicht sagen kannst, dann sing’s

Donnerstag, 9. Dezember 2010 von DAlzG

Musik ist Kommunikation

Frau Hansen (Name geändert)  sitzt die meiste Zeit des Tages unbeachtet in einer Ecke des Stationsflures, wo sie mit der Zeit eine Eigenart entwickelte, die seither kennzeichnend für ihr Verhalten ist: Sie klopft sich fortwährend mit beiden Händen auf Oberschenkel, Brust und Stirn. Gleichzeitig hat sie das Sprechen fast gänzlich eingestellt, schimpft nur noch, wenn ihr jemand zu nahe tritt und macht im Übrigen einen unbeteiligten Eindruck.
Um besser zu verstehen wie sie sich befindet, setzte ich mich einige Wochen lang immer mal wieder in einem Abstand neben sie auf die Bank. Ich greife ihr Verhalten auf und steige in den Rhythmus ihrer sich immer wiederholenden Klopfmuster ein: Beine, Brust, Stirn. Als ich merke, dass sie mich interessiert von der Seite ansieht, variiere ich das Muster, indem ich die Hände über Kreuz auf meine Schenkel schlage. Sie ahmt diese Veränderung nach und mit der Zeit wird das Klopfen spielerischer. Als sie irgendwann beginnt zu lächeln und schließlich lachend auf meine anstatt auf ihre Schenkel schlägt, ist der Bann gebrochen. Von nun an finden wir schnell in ein humorvolles und kreatives Klopfspiel, wann immer ich mich neben sie setze.

Wo Sprache ihre Grenzen hat oder nicht mehr vorhanden ist, finden Menschen in der Musik Möglichkeiten des Ausdrucks. Sie singen, pfeifen, summen und lautieren. Sie klatschen in die Hände, schwingen die Arme wie ein Dirigent oder beklopfen wie Frau Hansen ihren Körper. Je stärker ausgeprägt eine Demenz, desto mehr verlegen sich Menschen auf nichtsprachliche Formen der Kommunikation.

Menschen ohne Demenz macht das oft verlegen oder hilflos. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit meiner Frau noch anfangen soll, seitdem sie nicht mehr spricht“, sagt ein Mann, der immer seltener zu Besuch ins Pflegeheim kommt. Eine andere Angehörige indes sagt: „Seitdem mein Mann das Sprechen eingestellt hat, verständigen wir uns in unserem Singsang. Ich spüre dann, wie er sich fühlt, kann ihn erreichen, und er kann sich mir mitteilen. Mit unserem Singsang konnten wir schon manche Situation entschärfen.“ (Weiterlesen…)

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