Das Demenz-Buch – Ein „Wegbegleiter”

Samstag, 16. August 2008 von DAlzG

Im ersten Kapitel spricht Carol Bowlby Sifton die Pflegenden an: Nehmen Sie sich wichtig, sorgen Sie für sich, denn „Wer pflegt, muss sich pflegen”. Dann zitiert sie Menschen mit Demenz. In bewegenden Worten sprechen diese von ihrem Gefühl der Schutzlosigkeit, wenn sie sich z.B. in Zeit und Raum verlassen fühlen. Demenz verändert einen vertrauten Menschen, Gewohntes geht verloren. Wissen darüber, was eine Demenz ist, kann Pflegende davor schützen, Erwartungen an die Kranken zu stellen, die sie nicht erfüllen können. Dies beugt Enttäuschungen vor und erleichtert das Miteinander. Ziel ist es, die Beziehung, die sich durch die Demenz verändert, trotzdem lebendig zu halten und Lebensqualität für alle Beteiligten aufrecht zu erhalten.

Sehr praxisnah spricht Sifton in den nachfolgenden Kapiteln mögliche Wege an: Eine unterstützende Umgebung schaffen, den gewohnten Lebensstil beibehalten und den Alltag meistern. Doch es gibt auch schwere Tage und Verhalten, das herausfordert.
Etwa wenn Herr Krüger bei der Intimpflege aggressiv wird und um sich schlägt. Ganz konkret zeigt die Autorin, dass schwierige Verhaltensweisen immer auch Versuche sind zu kommunizieren. Wenn es gelingt herauszufinden, was dieser Person fehlt, welches Bedürfnis unbefriedigt bleibt, liegt die Lösung oft nahe und ist manchmal verblüffend einfach.
Man lernt in diesem Buch viele Menschen mit Demenz und deren Familien kennen. Indem man sie begleitet, sich ihrer Welt öffnet und viele Einsichten erhält, kann es gelingen, den eigenen persönlichen Weg leichter zu finden.
Detlef Rüsing ist sehr zu danken, dass er dieses Buch aus dem Amerikanischen in ein gut lesbares Deutsch übersetzt hat.

Helga Schneider-Schelte, Berlin

Carol Bowlby Sifton: Das Demenz-Buch – Ein „Wegbegleiter” für Angehörige, Pflegende und Aktivierungstherapeuten. Deutschsprachige Ausgabe herausgegeben von Detlef Rüsing.

Huber-Verlag, 2008, 540 Seiten, 29,95 €

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