Dienstag, 27. März 2012 von Redaktion Alzheimerblog
Ich bin ausgebildete klassische Sängerin und Tochter einer seit 2000 an Alzheimer erkrankten Mutter, die seit 3 Jahren nicht mehr spricht. Seit einigen Jahren singe ich Volkslieder mit meiner Mutter, die früher noch mitsingen konnte, heute – nachdem sie verstummt ist – während meines Gesangs plötzlich Vokabeln wie “ja” oder “schön” sagt, deutlich versucht zu brabbeln und emotional stark erregt wird. (Weiterlesen
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Stichwörter: Musik, Singen
Donnerstag, 9. Dezember 2010 von DAlzG
Musik ist Kommunikation
Frau Ha
nsen (Name geändert) sitzt die meiste Zeit des Tages unbeachtet in einer Ecke des Stationsflures, wo sie mit der Zeit eine Eigenart entwickelte, die seither kennzeichnend für ihr Verhalten ist: Sie klopft sich fortwährend mit beiden Händen auf Oberschenkel, Brust und Stirn. Gleichzeitig hat sie das Sprechen fast gänzlich eingestellt, schimpft nur noch, wenn ihr jemand zu nahe tritt und macht im Übrigen einen unbeteiligten Eindruck.
Um besser zu verstehen wie sie sich befindet, setzte ich mich einige Wochen lang immer mal wieder in einem Abstand neben sie auf die Bank. Ich greife ihr Verhalten auf und steige in den Rhythmus ihrer sich immer wiederholenden Klopfmuster ein: Beine, Brust, Stirn. Als ich merke, dass sie mich interessiert von der Seite ansieht, variiere ich das Muster, indem ich die Hände über Kreuz auf meine Schenkel schlage. Sie ahmt diese Veränderung nach und mit der Zeit wird das Klopfen spielerischer. Als sie irgendwann beginnt zu lächeln und schließlich lachend auf meine anstatt auf ihre Schenkel schlägt, ist der Bann gebrochen. Von nun an finden wir schnell in ein humorvolles und kreatives Klopfspiel, wann immer ich mich neben sie setze.
Wo Sprache ihre Grenzen hat oder nicht mehr vorhanden ist, finden Menschen in der Musik Möglichkeiten des Ausdrucks. Sie singen, pfeifen, summen und lautieren. Sie klatschen in die Hände, schwingen die Arme wie ein Dirigent oder beklopfen wie Frau Hansen ihren Körper. Je stärker ausgeprägt eine Demenz, desto mehr verlegen sich Menschen auf nichtsprachliche Formen der Kommunikation.
Menschen ohne Demenz macht das oft verlegen oder hilflos. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit meiner Frau noch anfangen soll, seitdem sie nicht mehr spricht“, sagt ein Mann, der immer seltener zu Besuch ins Pflegeheim kommt. Eine andere Angehörige indes sagt: „Seitdem mein Mann das Sprechen eingestellt hat, verständigen wir uns in unserem Singsang. Ich spüre dann, wie er sich fühlt, kann ihn erreichen, und er kann sich mir mitteilen. Mit unserem Singsang konnten wir schon manche Situation entschärfen.“ (Weiterlesen
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