„Er hat immer seinen eigenen Kopf“
Ein Anruf von Frau M. beim Alzheimer-Telefon: „Mein Mann ist 56 Jahre alt und leidet an Frontotemporaler Demenz. Ich habe mich ja schon darauf eingestellt, dass unserer Leben nach einem festen Rhythmus ablaufen muss, aber manchmal treibt er mich mit seiner Sturheit doch in die Verzweiflung. Gestern sind wir mit der Tram zu einem Termin beim Neurologen gefahren. An der entsprechenden Haltestelle weigerte er sich dann plötzlich einfach auszusteigen. Ich habe alles versucht, ihn zu überreden, am Arm zu ziehen und bin schließlich sogar laut geworden. Die Mitfahrenden haben schon ganz komisch geguckt, aber es hat alles nichts geholfen. Schließlich war die Station vorbei und da stand er endlich auf und stieg am nächsten Halt mit mir aus. Wir sind dann die Station zurückgelaufen und zum Glück ist unsere Verspätung in der Arztpraxis gar nicht aufgefallen. Aber ich war völlig fertig mit den Nerven. Ich traue mich gar nicht, noch einmal mit ihm die Tram zu benutzen, was mache ich, wenn so etwas noch mal passiert?“
Ich antwortete ihr: „Liebe Frau M., dass das für Sie ein schlimmes Erlebnis war, kann ich gut nachvollziehen. Trotzdem denke ich, dass Sie solche Fahrten mit der Tram weiterhin unternehmen können, wenn Sie innerlich auf eventuelle Zwischenfälle eingestellt sind. Andere Angehörige erzählen, dass es bei ihnen unkomplizierter wird, wenn sie die Dinge manchmal einfach laufen lassen. Oft sind es äußere Anforderungen, die uns unter Druck setzen, wie in Ihrem Fall der anstehende Arzttermin. Hier kann es natürlich helfen, sich frühzeitig auf den Weg zu machen, damit man auch bei Verzögerungen nicht unter Zeitdruck gerät. Es hilft aber auch, sich zu sagen: ‚Mein Mann ist krank. Wenn wir es nicht rechtzeitig schaffen, dann ist das eben so und niemand darf mir daraus einen Vorwurf machen.’ Wenn Ihr Mann wieder einmal nicht aus der Bahn steigen will, rufen Sie einfach in der Praxis an und teilen Sie Ihre Verspätung mit. Dann kann vielleicht schon der nächste Patient vorgezogen werden und Sie können sich so viel Zeit lassen, wie Ihr Mann eben benötigt.“ (Weiterlesen )






