Wir waren dann mal weg

Montag, 31. Oktober 2011 von Heidi

… und sind zurück aus einer Woche Urlaub mit der Betreuungsgruppe in einem guten Hotel. In bester 24-Stunden-Begleitung aufgehoben bei denselben Betreuern, die aus den Tagesgruppen kommen und auf die meisten Gewohnheiten und Bedürfnisse eingestellt sind. Ich war wieder mit dabei, in Vorfreude auf Eigenzeit und Loslassendürfen.

Bei der Abfahrt gab es die einzige dramatische Situation: Als die meisten Beteiligten bereits im Bus saßen, Rollstühle festgezurrt, erwartungsvolle Gesichter, machte sich Unruhe breit. Einzelne Betreuer und die Gruppenleiterin verließen den Bus. Dann wurde der die Reise begleitende Arzt gerufen. Nein, kein Unfall. Aber einem der Teilnehmer war das Gewusel im Tagesraum während der Wartezeit zu viel geworden. Die Nervosität hatte auf ihn übergegriffen. Der Demenzkranke war verunsichert, weil er die Situation nicht einschätzen konnte und nur noch Gefahr sah. Er begann, aggressiv um sich zu schlagen. Zuerst zur Abwehr, dann als Angreifer nach allen, die sich nähern wollten.

Zuletzt kamen alle doch heraus zum Buseingang. Wäre nicht die aufgeregte Ehefrau in seinem Blickfeld gewesen, lamentierend auf ihn einredend, nach ihm greifen wollend, unfähig, sich zurückzuziehen, hätte der Mann sich beruhigen können. So aber ging es nicht.
Jetzt war man bei der Entscheidung angelangt, einem Menschen in seiner Angst mit Besserwisser-Hau-Ruck zu seinem Glück verhelfen zu wollen. Meine Hochachtung gilt unserem Arzt, der dieses für unangemessen hielt im Hinblick auf eine ganze Woche in fremder Umgebung bei Anwesenheit einer extrem verunsicherten Ehefrau. Bemerkenswert war auch die verständnisvolle Art der Betreuer, mit dem Herrn umzugehen und Ruhe auszustrahlen.

Man beschloss, nicht mitzufahren. Ein späteres Nachkommen wurde offen gehalten. Eigentlich war von vornherein abzusehen, dass dieses nicht stattfinden würde. Wer von den Mitreisenden die Situation mitbekommen hat, erging sich leise in Kommentaren wie, die Ehefrau im Blickfeld des Kranken einsteigen lassen, die Abfahrt um eine Stunde verschieben, damit sich die Wogen glätten, einen Krankenwagen rufen, eine Beruhigungsspritze geben, usw. Ich fragte mich, wäre das Ehepaar zuerst eingestiegen anstatt im Haus bis zuletzt zu warten, wäre der Mann dann auch ausgerastet?

Schließlich sind wir dann doch losgefahren. Etwas angespannt noch im Bemühen, die Fahrtzeit den Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Nach der Ankunft im Hotel machten wir den ersten gemeinsamen Spaziergang durch den Park. Alle Aufregung war vergessen.

Die anfängliche Umstellung auf Ort und Zeiten ging reibungslos vonstatten. Innerhalb von zwei Tagen hatten alle sich auf den neuen Tagesrhythmus und die ungewohnte Matratze eingestellt. Das Wetter bescherte fast täglich Sonnenschein, das Hotelbuffet glänzte mit Genüssen, die sich gerne auf die Hüften legen und Mutter’s strahlender Blick und Appetit bestätigten die gute Entscheidung, mitgefahren zu sein.

Es ist eine große Erleichterung, dass es diese begleiteten Reisegruppen zu erschwinglichen Preisen gibt – wir haben uns für das nächste Jahr schon angemeldet.

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Haftungsfragen zum Urlaub mit Demenzkranken

Mittwoch, 21. April 2010 von DAlzG
(Quelle: pixelio.de

(Quelle: pixelio.de)

Die Alzheimer Gesellschaft bietet die Möglichkeit an, gemeinsam einen betreuten Urlaub in einer behindertengerechten Unterkunft zu machen. Pflegende können zusammen mit den erkrankten Angehörigen dort einen Urlaub verbringen und zwischendurch die Betreuung der Erkrankten Pflegeschülern überlassen, die zu diesem Zweck mitreisen und von der Alzheimer Gesellschaft als Praktikanten beschäftigt werden. Die Praktikanten werden von einer mitgereisten Mitarbeiterin des Vereins angeleitet. Die Betreuung beinhaltet sowohl die stundenweise Beaufsichtigung der Erkrankten als auch unterschiedliche Hilfen bei der Grundpflege. Frau Müller, die mit ihrem erkrankten Ehemann angereist ist, freut sich darüber, dass der Ehemann jeweils nachmittags von Pflegeschülern betreut wird und sie für einige Stunden allein in der Stadt bummeln kann. Nach einem solchen Ausflug muss sie erfahren, dass ihr Mann sich auf die Suche nach ihr gemacht hat und den Pflegeschülern weg gelaufen ist. Eine mehrstündige Suche war bislang erfolglos. Frau Müller fragt, wie dies passieren konnte und wer dafür verantwortlich ist, falls ihrem orientierungslosen und gehbehinderten Ehemann etwas zustoßen sollte. (Weiterlesen…)

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Urlaub für Demenzkranke und Angehörige in Thailand

Montag, 19. April 2010 von DAlzG

Baan Kamlangchay bietet begleitete Ferien und längere Aufenthalte für Demenzkranke und ihre Angehörigen in Chiang Mai, Nordthailand, an. Ausgebildete thailändische Betreuerinnen und Betreuer unterstützen die Kranken in ihren Alltagsverrichtungen und motivieren sie zu Aktivitäten in einer reizvollen Umgebung im Norden Thailands. Betreuung und Pflege werden rund um die Uhr gewährleistet. Jeder demenzkranken Person wird während ihrer Aufenthaltszeit ein dreiköpfiges persönliches Betreuungsteam zur Verfügung gestellt.
Attraktive Entlastungsangebote ermöglichen den Angehörigen, sich zu entspannen und sich gleichzeitig in ihrer Betreuungsaufgabe neu zu orientieren.

Im Zentrum der Betreuung von Menschen mit Alzheimer steht der zärtliche Umgang, wobei die verbale Verständigung durch die andere Sprache des Betreuungspersonals in den Hintergrund tritt. Die neue gegenseitige Verständigung wird nach jüngsten Erfahrungen nicht als Erschwernis empfunden, sondern ermöglicht neue Ausdrucks- und Kommunikationsformen. Im weiteren haben wir beobachtet, dass sich die Gäste hier in Nordthailand nicht entwurzelt fühlen. Die liebevolle Atmosphäre gibt ihnen ein neues Zuhause. Die vielen visuellen Reize in der schönen Umgebung ermöglichen sogar, dass alte Erinnerungen wieder neu gelebt werden können.
Martin Woodtli
Der Autor ist Leiter von Baan Kamlangchay. Er arbeitete bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Auftrag von MEDECINS SANS FRONTIERES SWITZERLAND in Nordthailand. Nach dem Freitod seines Vaters vor zwei Jahren, hat er sich dazu entschieden, mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter nach Thailand auszuwandern. Martin Woodtli organisierte eine 24-Stunden Betreuung für seine Mutter im neuen Zuhause in Chiang Mai. Das Experiment mit seiner Mutter überzeugte ihn dermaßen, dass er mit Baan Kamlangchay ein neues Betreuungsangebot für Menschen mit Alzheimer und ihre Angehörigen aufbaute.

Weitere Informationen: www.alzheimerthailand.com

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Finanzierung von betreuten Urlaubsangeboten

Samstag, 17. April 2010 von DAlzG
(Quelle: pixelio.de

(Quelle: pixelio.de

Betreute Urlaubsangbote für Menschen mit Demenz mit oder ohne deren Angehörige lassen sich grundsätzlich gut finanzieren. Zu Beginn der Planung sollte ein Konzept und eine Kalkulation erarbeitet werden, um entsprechend Anerkennung und Finanzierung durch die Pflegekassen schon im Vorfeld zu klären.
Die Kalkulation umfasst je nach Ausgestaltung des Urlaubes folgende Aufwendungen:
-    Unterkunft und Verpflegung der Urlauber
-    Unterkunft und Verpflegung des Pflege- und Betreuungsteams
-    Honorar für das Pflege- und Betreuungsteam (Fachkräfte, Helferinnen, Praktikanten)
-    Hilfsmittel (Zusatzrollstühle, Badhocker etc.), wenn nicht anderweitig beschafft
-    Pflegehilfsmittel, Reiseapotheke etc.
-    Fahrzeuge und Benzin (VW-Bus o.ä.) für Aktivitäten und anderes
-    Material für Freizeitbeschäftigung und Ausflüge (Spiele, Musik, Liederbücher,
Beschäftigungsmaterial etc.)
-    Haftpflicht- und Unfallversicherung (z.B. beim Unionsversicherungsdienst)
-    An- und Abreisekosten der Urlauber (fällt weg bei selbstorganisierter An- u. Abreise)
-    Referentenhonorare für Angehörigenschulung während des Urlaubs
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Im Fokus: Urlaub

Freitag, 16. April 2010 von DAlzG

Die Sommerzeit ist für viele Menschen die Haupturlaubszeit. Einmal aus dem Alltag herauskommen, andere Länder oder Menschen kennenlernen. Abschalten und die Seele baumeln lassen. Einfach neue Energien tanken für die Herausforderungen des Alltags.


Gerade die Menschen, die sich um demenzkranke Angehörige kümmern, stehen unter einer starken Belastung und brauchen unbedingt Erholung für sich selbst. Doch beim Gedanken an Urlaub stellt bei sich den Pflegenden oftmals keine frohe Vorfreude ein, vielmehr rücken die Probleme in den Vordergrund:

  • Wer kümmert sich um die pflegebedürftigen Angehörigen, wenn ich alleine Urlaub mache?
  • Wo kann ich mit meinem kranken Angehörigen zusammen Urlaub machen?
  • Wer kümmert sich um die Angehörigen, wenn ich im Urlaub mal eine Stunde Auszeit brauche?
  • Gibt es die Möglichkeit finanzieller Unterstützung?

Welche Urlaubsmöglichkeiten es gibt, ist den meisten nicht bekannt. Dabei gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Angeboten, die sich darauf spezialisiert haben, pflegenden Angehörigen und ihren demenzkranken Familienmitgliedern Urlaub und Erholung zu ermöglichen. Die uns bekannten Angebote haben wir hier für Sie zusammengestellt: urlaubs-adressen-demenz03101

Eine laufend aktualisierte Liste können Sie bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter info@deutsche-alzheimer.de anfordern.

Wir möchten mit dem Fokusthema Urlaub dazu beitragen, dass Sie sich gegenseitig mit Tipps und Anregungen unterstützen, von Ihren positiven Erfahrungen berichten oder vor vermeidbaren Fehlern warnen.
Wir freuen uns über Ihre Beiträge!

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Betreuter Urlaub für Demenzkranke

Montag, 8. September 2008 von Ellen Nickel

Herr M. aus Oberhausen erkundigt sich bei uns am Alzheimer-Telefon nach betreutem Urlaub. Er kümmert sich um seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau seit fünf Jahren rund um die Uhr und braucht dringend Erholung. Anfangs konnte er noch allein mit seiner Frau verreisen, aber mit dem Fortschreiten der Krankheit traut er sich das nicht mehr zu.

Frau O. aus Rostock hat ihre demenzkranke Mutter vor zwei Jahren bei sich zu Hause aufgenommen. Ihre Mutter ist körperlich noch in sehr guter Verfassung, aber ausgesprochen unruhig. Den ganzen Tag läuft sie in der Wohnung umher, die Tochter hat nicht eine ungestörte freie Minute für sich. Frau O. möchte so gern mal wieder ein paar Tage ausspannen, sie kann aber ihre Mutter nicht allein zu Hause lassen. Eine stundenweise Versorgung durch einen Pflegedienst würde nicht ausreichen und in eine Kurzzeitpflege-Einrichtung möchte sie ihre Mutter nur ungern geben.

So wie in diesen Beispielen geht es vielen Angehörigen. Sie kümmern sich oft schon mehrere Jahre intensiv und häufig ganz alleine um ihre demenzkranken Familienmitglieder. Die ständige Sorge um die Kranken und der meist aufreibende Pflegealltag lässt Angehörigen häufig sehr wenig Raum, an ihre eigene Gesundheit zu denken und nach Erholungsmöglichkeiten zu suchen.
Am Alzheimer-Telefon bekommen (nicht nur) Angehörige Informationen, welche Möglichkeiten der Betreuung und Entlastung sich in der Versorgungslandschaft für demenzkranke Menschen und ihre Familien etabliert haben. Ein solches Angebot ist der so genannte betreute Urlaub. (Weiterlesen…)

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