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Im Fokus: Wenn Demenzkranke sich verirren

Montag, 23. März 2009 von Alzheimer-Telefon

Ein langer Weg

Unruhe und Bewegungsdrang sind ein immer wiederkehrendes Thema, wenn es um die Betreuung Demenzkranker geht. Die Betroffenen laufen oft stundenlang in der Wohnung umher, ziehen sich die Jacke an mit dem Hinweis „Ich muss jetzt nach Hause“ oder verlassen in einem unbeobachteten Moment sogar die Wohnung.

Für die ständige Ruhelosigkeit und das Umherwandern von Demenzkranken kann es viele Ursachen geben. Die Betroffenen fühlen sich unterfordert oder gelangweilt, sie möchten innere Spannungen abbauen. Andere wollen einer ganz bestimmten Aufgabe nachgehen, sich z. B. um ihre Kinder kümmern. Oder sie sind verunsichert, weil das Zuhause nicht mehr erkannt wird, und begeben sich nun auf die Suche nach einem anderen Zuhause, z. B. der elterlichen Wohnung.

Sind Demenzkranke erst einmal unterwegs, vergessen sie meist sehr schnell wieder, wohin sie wollten. Orientierungs- und Gedächtnisstörungen führen dann dazu, dass sie sich verlaufen und den Weg zurück nicht mehr finden. Für die Angehörigen bedeutet das eine ständige Sorge und Belastung.

Die beiden nachfolgenden Blog-Beiträge zum aktuellen Fokus-Thema „Wenn Demenzkranke sich verirren“ zeigen, wie unterschiedlich die Erfahrungen der Angehörigen mit diesem Thema sein können.
„Normalität ist wichtig, überschaubare Wohn- und Lebensbereiche, freier Zugang zur Natur, d. h. ein geschützter Garten, und vor allem Menschen, die Bescheid wissen.“, das wünscht sich die Autorin des ersten Beitrags, Tochter und Schwiegertochter zweier Erkrankter, von den Pflegeheimen. „Besonders schwierig war, dass meine Frau sich manchmal selbständig machte, dabei aber die Situation nicht mehr richtig einschätzen konnte“, berichtet ein Ehemann im zweiten Beitrag. Er hat seine demenzkranke Frau auf dramatische Weise verloren, nachdem sie „in einem kurzen unbewachten Moment“ das Grundstück verlassen und nicht wieder zurückgefunden hatte.

Ute Hauser
Alzheimer-Telefon

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Fokus-Artikel: Ver-irren ist menschlich

Montag, 23. März 2009 von Alzheimer Gesellschaft e.V.

Als ich vor vielen Jahren einen Ski-Urlaub in Schweden machte, wusste ich rein gar nichts über Demenz. Eines Abends - es dämmerte schon, als wir mit unseren Skiern aus dem Wald kamen – kam uns ein rüstiger älterer Herr in Strickjacke, mit Hausschuhen, ohne Mütze, forschen Schrittes auf der Loipe entgegen. Ich war so verdutzt, dass ich - wenn ich allein gewesen wäre - auf der abschüssigen Strecke wahrscheinlich weitergefahren wäre. Aber ein junger Mann aus unserer Gruppe reagierte blitzschnell. Er stoppte, schnallte die Skier ab, sprach mit dem Herrn und konnte ihn irgendwie dazu bewegen, wieder umzukehren und mit ihm zusammen in Richtung Dorf zu gehen - Bei den Temperaturen hätte der Mann die Nacht sicher nicht überlebt.

Einige Jahre später erkrankte meine Mutter an Demenz. Und ich war gezwungen, mich weiter mit diesem Krankheitsbild auseinanderzusetzen. Auch sie hatte einen starken Bewegungsdrang und war oft unruhig und getrieben. Dann war sie am liebsten draußen. Im Garten meiner Schwester gab es ein großes Blumenbeet, und um das Beet herum führte ein kleiner gepflasterter Weg, auf dem sie wohl unzählige Kilometer zurückgelegt hat. Sie konnte sich bei jeder Runde erneut an den Blumen erfreuen. Ihr ganzes Leben war immer irgendwie in festen Bahnen verlaufen, sie fand das so ganz in Ordnung. Wir hatten niemals Sorge, dass sie den kleinen Garten allein verlassen hätte.

Anders war es bei meiner Schwiegermutter. Ihr Leben war dadurch geprägt, dass sie schon immer eigene Wege gehen musste - zuerst als Flüchtling dann als junge Witwe. Diese Gewohnheit behielt sie auch bei, als ihr die räumlich Orientierung und das Bewusstsein für Gefahren verloren gegangen war. Es gehörte bei ihr zu den ersten Symptomen, dass sie den Weg zum Bäcker nicht mehr fand. Da sie allein lebte, sahen wir uns gezwungen, ein Heim für sie zu suchen. Wir hatten aber überhaupt keine Ahnung, worauf man dabei achten musste. (Weiterlesen…)

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Fokus-Artikel: Meine Frau ist immer gerne eigene Wege gegangen

Montag, 23. März 2009 von Alzheimer Gesellschaft e.V.

Es ist für mich nicht leicht, über das Unglück zu sprechen, das meine Frau und mich und die ganze Familie betroffen hat.
Meine Frau war seit mehreren Jahren demenzkrank, war in ärztlicher Behandlung und Beobachtung, Ich habe sie hier in unserem Einfamilienhaus mit Garten betreut.
Eine erfahrene und liebevolle Krankenschwester stand zur Verfügung, von einem ambulanten Pflegedienst wurde die morgendliche Pflege durchgeführt. Man kann vielleicht sagen, zum Leben und zur Pflege waren optimale Bedingungen gegeben.
Die Demenzerkrankung schritt aber immer weiter fort. Auch die Hilfe einer Sprachtherapeutin brachte keinen Erfolg. Schreiben und Sprechen waren immer mehr eingeschränkt.

Besonders schwierig war, dass meine Frau sich manchmal selbständig machte, dabei aber die Situationen nicht mehr richtig einschätzen konnte:
Weihnachten 2007, fuhren wir z.B. zur Kirche, um gemeinsam in die Christmette zu gehen. Ich verschloss das Auto, doch als ich damit fertig war, fand ich meine Frau nicht wieder.
Sie war eigenmächtig ausgestiegen und wartete wohl in der Nähe auf mich - aber da hatte ich mich getäuscht. Sie war in der beginnenden Dunkelheit “verschwunden”.
Ich habe die Christmette dann draußen verbracht, um sie zu suchen. In die Kirche hätte ich  ja nicht gehen können; da hätte meine Suche gestört. – Zum Ende der Mette stellte ich mich an die Tür, um sie vielleicht dort zu finden. - Leider wieder vergeblich.
Als die Kirche dann leer war, ging ich hinein, und da saß sie ganz vorn, mutterseelenallein, unmittelbar vor der Kanzel. Sie war nicht erregt, fand das auch nicht merkwürdig. - Aber für mich war das schon ein Suchen und Warten gewesen, das mich nervlich enorm belastete. (Weiterlesen…)

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