Erfahrungen einer Tochter einer demenzkranken Mutter

Freitag, 6. Januar 2012 von Redaktion Alzheimerblog

Guten Tag,

mein Name ist Beate Nowak. Wir kommen aus Velbert, das liegt in der Nähe von Wuppertal.
Meine Mutter leidet seit ca. 7 Jahren an einer Form von Demenz, eher wohl der des Alzheimers. Seit  5 Jahren leben wir mit meiner Mutter in einem Haushalt und seit ca. 2 bis 3 Jahren braucht sie eine intensive Betreuung und Pflege.
Ich denke dass die meisten Menschen, die mit verwirrten oder demenzkranken Menschen zu tun haben, den täglichen Kampf mit der Krankheit und dessen Folgen kämpfen und mehr oder weniger auf sich allein gestellt sind.
Ich habe leider die Erfahrung machen müssen, dass wir alles erstreiten und erkämpfen mussten.
Ich musste sogar mit meiner Mutter vor Gericht, weil erstens ihr Erscheinen angeordnet war, und ich auch zeigen wollte dass es um einen sehr kranken Menschen geht und nicht nur um ein Aktenzeichen.
Beide Verhandlungen wurden zur Pharse, ich wurde gemaßregelt wie ein dummes Kind und meine Mutter wurde mitleidvoll belächelt.

Es war grausam. Ich muss sagen, dass mich diese Hilflosigkeit noch mehr beutelt, als die Pflege selbst. (Weiterlesen…)

5 Personen gefällt dieser Artikel.


Beschäftigung für und mit Demenzkranken

Freitag, 6. Januar 2012 von Dagmar

Mutti ging 5 Tage in der Woche in die Tagespflege. Sie ging “arbeiten”. Sie war ihr Leben lang berufstätig und dies war für sie wichtig. Damit war sie beschäftigt. Die Tagespflege war eine sehr gute Einrichtung, die sich sehr gut mit den Betreuten beschäftigten, so dass auch einige Ältere die Tagespflege besuchten, weil sie sonst vereinsamten. Allerdings nur 1x in der Woche, da finanziell ohne Pflegestufe es nicht machbar war. Ein kleines Wohnhaus mit großem Garten war für Mutti eine wichtige Quelle für ihre Ausgeglichenheit.

(Weiterlesen…)

3 Personen gefällt dieser Artikel.


Wir waren dann mal weg

Montag, 31. Oktober 2011 von Heidi

… und sind zurück aus einer Woche Urlaub mit der Betreuungsgruppe in einem guten Hotel. In bester 24-Stunden-Begleitung aufgehoben bei denselben Betreuern, die aus den Tagesgruppen kommen und auf die meisten Gewohnheiten und Bedürfnisse eingestellt sind. Ich war wieder mit dabei, in Vorfreude auf Eigenzeit und Loslassendürfen.

Bei der Abfahrt gab es die einzige dramatische Situation: Als die meisten Beteiligten bereits im Bus saßen, Rollstühle festgezurrt, erwartungsvolle Gesichter, machte sich Unruhe breit. Einzelne Betreuer und die Gruppenleiterin verließen den Bus. Dann wurde der die Reise begleitende Arzt gerufen. Nein, kein Unfall. Aber einem der Teilnehmer war das Gewusel im Tagesraum während der Wartezeit zu viel geworden. Die Nervosität hatte auf ihn übergegriffen. Der Demenzkranke war verunsichert, weil er die Situation nicht einschätzen konnte und nur noch Gefahr sah. Er begann, aggressiv um sich zu schlagen. Zuerst zur Abwehr, dann als Angreifer nach allen, die sich nähern wollten.

Zuletzt kamen alle doch heraus zum Buseingang. Wäre nicht die aufgeregte Ehefrau in seinem Blickfeld gewesen, lamentierend auf ihn einredend, nach ihm greifen wollend, unfähig, sich zurückzuziehen, hätte der Mann sich beruhigen können. So aber ging es nicht.
Jetzt war man bei der Entscheidung angelangt, einem Menschen in seiner Angst mit Besserwisser-Hau-Ruck zu seinem Glück verhelfen zu wollen. Meine Hochachtung gilt unserem Arzt, der dieses für unangemessen hielt im Hinblick auf eine ganze Woche in fremder Umgebung bei Anwesenheit einer extrem verunsicherten Ehefrau. Bemerkenswert war auch die verständnisvolle Art der Betreuer, mit dem Herrn umzugehen und Ruhe auszustrahlen.

Man beschloss, nicht mitzufahren. Ein späteres Nachkommen wurde offen gehalten. Eigentlich war von vornherein abzusehen, dass dieses nicht stattfinden würde. Wer von den Mitreisenden die Situation mitbekommen hat, erging sich leise in Kommentaren wie, die Ehefrau im Blickfeld des Kranken einsteigen lassen, die Abfahrt um eine Stunde verschieben, damit sich die Wogen glätten, einen Krankenwagen rufen, eine Beruhigungsspritze geben, usw. Ich fragte mich, wäre das Ehepaar zuerst eingestiegen anstatt im Haus bis zuletzt zu warten, wäre der Mann dann auch ausgerastet?

Schließlich sind wir dann doch losgefahren. Etwas angespannt noch im Bemühen, die Fahrtzeit den Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Nach der Ankunft im Hotel machten wir den ersten gemeinsamen Spaziergang durch den Park. Alle Aufregung war vergessen.

Die anfängliche Umstellung auf Ort und Zeiten ging reibungslos vonstatten. Innerhalb von zwei Tagen hatten alle sich auf den neuen Tagesrhythmus und die ungewohnte Matratze eingestellt. Das Wetter bescherte fast täglich Sonnenschein, das Hotelbuffet glänzte mit Genüssen, die sich gerne auf die Hüften legen und Mutter’s strahlender Blick und Appetit bestätigten die gute Entscheidung, mitgefahren zu sein.

Es ist eine große Erleichterung, dass es diese begleiteten Reisegruppen zu erschwinglichen Preisen gibt – wir haben uns für das nächste Jahr schon angemeldet.

3 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , , ,


Teil 5: “Alzheimer” bedeutet auch “geplatzte Träume”

Sonntag, 30. Oktober 2011 von Adrienne

Wieder sind einige Wochen vergangen. Mein Vater hat sich inzwischen im neuen Heim sehr gut eingelebt und äußert oft, dass es ihm gut gefällt, viel besser als in der ersten Einrichtung. Das stimmt mich natürlich froh.
Gleichzeitig zu dieser an sich positiven Entwicklung muss ich feststellen, dass der Verfall in großen Schritten voranschreitet. Der Blick wird leerer, das Hineingleiten in die eigene Welt bei meinem Vater immer deutlicher, die Vernachlässigung seiner äußeren Erscheinung ist inzwischen nicht mehr übersehbar.

Vergangene Woche konnte meine Mutter ihn endlich besuchen. Ihr körperlicher Zustand hatte es ein halbes Jahr lang nicht zugelassen. Nun ist sie soweit stabil, dass sie sich auf den Besuch einlassen konnte.
Angst hatte sie vor der Begegnung. Nervös war sie vorher. Selten habe ich meine Mutter so gesehen. (Weiterlesen…)

12 Personen gefällt dieser Artikel.


Teil 4: Eine neue Heimat

Mittwoch, 31. August 2011 von Adrienne

Ich habe mich einige Wochen nicht gemeldet. Ich habe das ganz bewusst nicht getan – ich hätte die Seiten hier mit Klagen über die Pflegeeinrichtung gefüllt, in der wir meinen Vater untergebracht hatten…

Aus der ursprünglich geplanten Kurzzeitpflege ist ein dauerhafter Aufenthalt meines Vaters im Pflegeheim geworden. Meine Mutter hat ihre Operation zwar gut überstanden, aber sie ist körperlich überhaupt nicht mehr in der Lage, sich der Betreuung und Pflege meines Vaters zu widmen, von dem Stress durch die täglichen Auseinandersetzungen mit einem aggressiven Demenzpatienten mal ganz abgesehen.

Die Einrichtung, in der wir meinen Vater zu Beginn untergebracht hatten, hat sich allerdings als “negatives Überraschungsei” entpuppt. Fast täglich gab es Zusammenstöße zwischen meinem Vater und dem Personal, man ging selten mit Geduld mit ihm um, Zuwendung gab es fast gar nicht, und was im Zusammenhang mit Körperhygiene, Wäschewechsel, Medikation usw. so passierte, behalte ich an dieser Stelle lieber für mich. (Weiterlesen…)

5 Personen gefällt dieser Artikel.


Gesehen werden und sehen

Dienstag, 16. August 2011 von Heidi

Ein Spiegel ist eine Glasscheibe, die ihr Gegenüber stumm wiedergibt. Erst der Hineinblickende denkt sich die Geschichte dazu aus, passend zur vorgefassten Meinung. Bereit, Kritik zu üben. Es ist ein Unterschied, ob wir nur das Gesicht erblicken oder den ganzen Oberkörper im Umfeld. Tiere sind da neutral. Einem vorgehaltenen Spiegel messen sie nur Aufmerksamkeit zu, wenn sich darin etwas bewegt.

Wenn nun das, was wir im Abbild zu erblicken hoffen, nicht sofort unserer Erwartung entspricht, sind wir alle, Gesunde wie Kranke, verunsichert, erschrocken, wehren wir enttäuscht oder wütend ab. Wir wollen sogar über das Spiegelbild die Kontrolle behalten! Hätte die Königin im Märchen nicht einfach zufrieden sein können, in ihrem Umfeld die Schönste zu sein? Nein! Das Spiegelbild sollte exakt unserer Überzeugung entsprechen. Tagaus, tagein.

Morgens, nach dem Frisieren und dem Anlegen einer Kette, reiche ich Mutter den Handspiegel. Lobe sie für ihr fabelhaft gutes Aussehen. Sie schaut hinein. Im Gegensatz zu anderen Demenzkranken ist Mutter niemals aggressiv. Der Blick ist manchmal kritisch, als frage sie, wer ist diese Frau hier? Was will sie? Ganz langsam fasst sie sich an die Kette und nickt. (Weiterlesen…)

3 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter:


Der stand-by Modus

Mittwoch, 20. Juli 2011 von Heidi

Ab einem gewissen Stadium sitzen unsere Angehörigen fast nur noch in ihrem Lehnstuhl oder auf dem Sofa und dösen vor sich hin. Wir lassen sie in Ruhe in der Annahme, dass sie ein Nickerchen halten und nicht mitbekommen, was um sie herum geschieht.

Nicht so bei meiner Mutter. Bei ihr gibt es eine weitere Funktion: sie schaltet auf stand-by. Sie kennen doch diese Funktion am Fernseher, wo der rote Knopf nur darauf wartet, aktiviert zu werden. Oder am PC, wo der Bildschirm vorübergehend dunkel wird, bis jemand auf eine beliebige Taste drückt.

Genau so sieht dieser stand-by-Zustand bei meiner Mutter aus: Sie hat den Kopf leicht gesenkt, die Augen geschlossen, den Körper entspannt. Scheint gar nicht zu bemerken, ob die Fliege an ihr vorbeihuscht oder ob ich vor ihr stehe. Doch sobald ich mich neben sie setze und sie anspreche, beginnen die Mundwinkel zu zucken. Wenn ich dann ihre Hand nehme, gehen die Augen zeitlupenlangsam auf. Sie schaut mit leerem Blick in meine Richtung. Nach einem Moment tritt Erkennen auf, es breitet sich ein strahlendes Lächeln aus. Wenn wir jetzt miteinander Gymnastikübungen machen oder singen, ich sie aufnehme, um mit ihr ein wenig im Zimmer herumzugehen, dann ist sie voll dabei. So, als ob man einen Schalter umgelegt hätte. Sofort nach dem Hinsetzen schließt sie erschöpft die Augen und schläft ein. Das ist die echte Nickerchenpause für maximal zehn Minuten. Danach schaltet sie um auf stand-by.  Die Körperhaltung verändert sich nur geringfügig. Kopf weiterhin gesenkt, Augen geschlossen, Körperhaltung jedoch weniger schlaff. So, als ob sie nur darauf wartet, angesprochen zu werden. (Weiterlesen…)

10 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter:


Du und Ich und Er

Freitag, 24. Juni 2011 von Alzheimer-Telefon

Sieghard Liebe hat seine Frau Monika fast 10 Jahre lang während ihrer Alzheimer-Krankheit begleitet. Er hat diese Zeit in Videos und auf Fotos festgehalten.

Das RBB Kulturradio sendet am 26. Juni 2011 von 14:04 – 15:00 Uhr ein Hörspiel, das auf den Aufzeichnungen von Sieghardt Liebe und Tagebucheinträgen von Monika Liebe beruht. Sicherlich ein hörenswerter Beitrag!

www.kulturradio.de/programm/sendungen/110626/hoerspiel_1404.html


Buchneuerscheinung “Alzheimer-Lieben”

Sonntag, 19. Juni 2011 von Antonia Scheib-Berten

Rezension “Bis dass der Tod uns scheidet ? Alzheimer-Lieben”

Shaker Media, Aachen, ISBN: 978-3-86858-607-7

Die Weinheimer Sozialpädagogin Antonia Scheib-Berten verfügt über langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit an Demenz erkrankten Patienten und ihren Angehörigen.

Mit ihrem Erstlingswerk stellt sich die Autorin einem der letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft: Der frühen Erkrankung von Menschen zwischen 50 und 60 Jahren an der Alzheimerschen Krankheit.

Fakt ist, dass in baldiger Zukunft jeder 4. betagte Erwachsene an Demenz erkranken wird. Auch trifft die Erkrankung eine nicht unbeträchtliche Anzahl „jüngerer“ Patienten, die – oft noch voller Pläne und mitten im Berufsleben stehend -, mit dieser Schock Diagnose konfrontiert werden. Oft wird die konkrete Diagnose verspätet gestellt, denn bei „jüngeren“ Menschen geht man i. d. R. von burn out, Wechseljahresbeschwerden oder Depressionen aus.

Eingebettet in die Lebens- und Liebesbeziehungen zweier betroffener Ehepaare schildert die Autorin einfühlsam und zuweilen grausam realistisch den mühevollen und oft an Überforderung grenzenden jahrelangen Alltag mit den Erkrankten. (Weiterlesen…)

6 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: , , , ,


Weißt du noch?

Donnerstag, 16. Juni 2011 von Anke Kopietz

Weißt Du noch?
Erinnerung an meine Mutter

Als du damals mich getragen
und mir dann das Leben schenktest?
Lehrtest erste Schritte wagen?
Sprechen, Denken, Fühlen, Lachen?
Ach, so viele schöne Sachen.

Weist du noch? Du schlugst mich nie.
Das hat mich an dich gebunden.
Unsre Liebe wurde nie,
durch Gewalt, Entzug geschunden.

Zeigtest mir das Leben pur.
Hieltst mich auf der richt`gen Spur.
Meintest oft: „Du liegst daneben!“
Hast mir immer Halt gegeben.
Ja, so ist das Leben, eben.

Hieltest, als mich Lieb` verband,
wenn ich traurig, meine Hand.
Gabst mir wieder Lebensmut.
Das tat gut!
Lebtest mit, mein ganzes Leben,
Sieh! Die Fotos fand ich eben!

Du mit mir, auf Westerland.
Alles haben wir gekannt.
Sonnenschein, auch Wellentanzen,
Fahrradfahren, Schwimmen, Fliegen.
Sag` mir, wo ist das geblieben?

Sieh doch hier, was damals war.
Siehst du dich, mit blondem Haar?
Alles war voll Harmonie!
Ach, ich liebe doch nur dich!
Bitte sag` erkennst du mich?

Doch du fragst: „Wer sind denn Sie?“

6 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter: ,


vor »

Unsere Seite bei Facebook