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Zufall oder Wunder

Donnerstag, 11. März 2010 von Martina Rühl

Ein Sonntag im Oktober, Ende der Sommerzeit. Ich hatte Frühdienst und sollte um halb sechs meinen Dienst beginnen. Meine Kolleginnen hatten in der Nacht daran gedacht, die Uhr eine Stunde zurück zu stellen, ich nicht. Ahnungslos machte ich mich also gegen fünf Uhr auf den Weg, hörte dabei Musik im Autoradio und hatte schon über die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als der Radiosprecher sagte: Es ist 4 Uhr und 10 Minuten.

So fängt es wahrscheinlich an, mit der Demenz, dachte ich. Jetzt geht es bei dir auch los und das mit 46 Jahren.

Umkehren lohnte sich nicht, also beschloss ich, schon einmal Kaffee zu kochen und ein paar Vorbereitungen zu treffen. Insgeheim ärgerte es mich aber doch, eine Stunde kostbaren Schlaf einfach verschenkt zu haben.

Ich machte mich gerade in der Stationsküche zu schaffen (um 4Uhr 20), als ich eine bekannte schrille Stimme nacheinander sämtliche Namen meiner Kolleginnen rufen hörte. Aha, Frau M. war auch schon wach. Ich ging zu ihr und fragte nach dem Grund für ihr lautes Rufen. Erleichtert kreischte sie los:”Ein Wunder, ein Wunder ist geschehen, dass du mich hier gefunden hast! Mein ganzes Bett ist nass und ich muss hier drin liegen! Wie hast du mich denn bloß gefunden?”

“Ich habe das Rufen gehört und bin dann hier ins Zimmer gekommen.”

Ich beruhigte sie erst einmal, half ihr aus dem Bett, wusch sie und zog sie an. Um fünf Uhr saß Frau M. glücklich am Tisch und bekam von mir Frühstück. Ich setzte mich mit einer Tasse Kaffee zu ihr und erzählte, dass ich nur so früh hier war, weil ich vergessen hatte, in der Nacht die Uhr umzustellen. Sie schaute mich einen Moment nachdenklich an und kreischte dann wieder los: ”Ach herrje, das hat der Herrgott gemacht, der hat dich hier hin geschickt, um mich zu retten! Ist das nicht wirklich ein Wunder?”

Nun, so konnte man es auch sehen. Gibt es einen schöneren Grund, eine Stunde zu früh aufzustehen?

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Geduld und Güte

Donnerstag, 11. März 2010 von Martina Rühl

Frau M. mußte morgens laut ärztlicher Anordnung zwei Tabletten einnehmen. Die kleine, runde nahm sie nach dem Frühstück, die längliche teilte sie in zwei Teile, packte sie wieder in das Medikamententöpfchen, schob dieses möglichst weit in Richtung Tischmitte oder sie versteckte die Tablette unter dem Tischset.

Als ich an einem Vormittag den Tisch abgeräumt hatte und in der Küche die Butterdose öffnete, hatte sie die zwei Tablettenteile in den etwas vertieften Rand der Butterdose gelegt und feinsäuberlich den Deckel darüber gestülpt.

Ich ging zu ihr, gab ihr die Tablette und sagte: “Hier ist deine Morgentablette, jetzt ist es schon bald MIttag und du hast sie immer noch nicht eingenommen.”

Sofort begann sie zu schimpfen: “Das ist doch wohl egal, wann ich die nehme, die habe ich schon immer am späten Vormittag genommen und daran wird sich wohl auch nichts ändern lassen. Die kann ich später immer noch nehmen und außerdem, was regst du dich eigentlich so auf?”

Ich antwortete, während ich die Tische abwischte: “Der Doktor hat sie dir für morgens verschrieben und nicht für mittags oder abends, er wird sich schon was dabei gedacht haben!”

Frau M. schrie mit immer schriller werdender Stimme:”Ich nehme die Tablette, wann ich will und wenn du nicht gleich aufhörst damit, dann rufe ich noch lauter!”

“Wen willst du denn rufen?”

“Den lieben Herrgott werde ich rufen!”

“Au Backe, was sagst du ihm denn, was er mit mir machen soll?”

“Ich kann ihm ja wohl schlecht vorschreiben, was er mit dir machen soll. Das wird er schon alleine wissen!”

Ich sagte nichts mehr und wischte weiter die Tische ab. Nach einer Schweigeminute schaute Frau M. mich an und sagte ganz ruhig: “Bloß gut, dass ich die Geduld und Güte meiner Mutter geerbt habe!”

Da konnte ich ihr nur lachend zustimmen. Bloß gut!

Am nächsten Morgen saß ich mit am Tisch und versuchte vergeblich, einer Bewohnerin das Essen anzureichen, die Mund und Augen zukniff und sich in ihre Welt zurückgezogen hatte. Frau M. beobachtete das Ganze und sagte total genervt: “Mein Gott, warum macht die denn nicht den Mund auf? Das ist ja fürchterlich. Was soll denn das Theater?”

Ich antwortete:” Aber Hilde, ich denke, du hast die Geduld und Güte deiner Mutter geerbt?”

“Ja sicher hab ich das, aber so was hätte meine Mutter nicht geduldet, da hätte selbst sie kurzen Prozess gemacht!”

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abgründe

Montag, 21. Dezember 2009 von helgajuttapetrauwe

die gedanken sind frei…kennt jeder, weiß jeder, was gemeint ist.

aber manchmal fürchte ich mich vor meinen eigenen gedanken…und jetzt, im nachhinein, wird mir noch immer siedendheiß, wenn ich an zwei, drei nachmittage denke, die ich bei meiner mutter verbrachte. ganz seltene, zum glück - die meisten, und das waren viele! waren sehr schön, oft genug habe ich davon berichtet.

wochentage, ausgefüllt mit arbeit, haushalt, dem üblichen halt und dann ab donnerstag ab ins altersheim. manchmal nur ganz kurz, meistens ein bis zwei stunden, zum teil in ruhe, zum teil in innerer hektik. je länger der aufenthalt im heim währte, desto ruhiger konnte ich es anlassen, konnte ich mich im lauf der jahre in den rythmus einfügen.

zurück zu den abgründen: da sass ich dann am bett meiner mutter, sie schlief, ruhig, gleichmäßig. und ich schaute sie an und spürte den gedanken: was wäre, wenn ich jetzt das kopfkissen nehme und ihr auf den kopf lege…wie gesagt - siedendheiß wird mir im nachhinein, vor scham, vor verwunderung über mich selber, vor unverständnis meinen gedanken gegenüber.

natürlich waren diese gedanken weit weg von einer realen umsetzung aber dass sie da waren…erschreckt.

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Alte Werte = ungeahnte Schätze

Dienstag, 8. Dezember 2009 von Heidi

Eine kleine Plastikpuppe mit blondem Wuschelkopf, großen blauen Augen und einem etwas zerdrückten, spitzenumsäumten rosa Seidenkleid – das war mein Weihnachtsgeschenk im letzten Jahr für Mutter. Schön in Geschenkpapier verpackt, mit Schleife, so wie es sich gehört. Das Ergebnis war eine Überraschung für mich selbst: sie war total überwältigt!

Eigentlich war es ein Verlegenheitsgeschenk, denn was schenkt man einer Frau, die nur noch mit dem Gesichtsausdruck kommuniziert? Deren Leben ich komplett bestimme. Den üblichen Wollschal? Likör? Irgendetwas Neues? Mit Betonung auf „Neues“ ? Weiß sie was das Wort „Geschenk“ heißt und welche Erwartungen der Schenkende damit verknüpft?

Da fiel mir die Puppe ein. Mutter hatte sie mir vor Jahren geschenkt – und sie hat ihr selbst wesentlich mehr gefallen als mir.

Wenn ich so an meine Kindheit denke, damals hat sie mit mir zusammen ständig Puppenkleider genäht, gestrickt, bestickt. Wir hatten viel Spaß dabei. Und so kam mir diese Puppe in den Sinn, die ich mich nicht wegzuwerfen getraut habe, die nur ins Sichtfeld kam, wenn Mutter ihren Besuch angekündigt hat. Aber genau dieses Ding wurde zum absoluten Renner am Weihnachtsabend! Genau genommen wurde sie zu MEINEM schönsten Geschenk, als ich Mutter so strahlend und glücklich sah!

Ob sie die rosa Blondheit so schön fand oder einfach eine glückliche Erinnerung ausgelöst wurde, werden wir nie erfahren. Sie hat den ganzen Abend die Puppe in den Händen gehalten, gestreichelt, das Kleid zurechtgezupft, das Haar glatt gestrichen, verträumt gelächelt.

Etwas Schöneres kann man sich nicht vorstellen. Aber nachfühlen: Erinnern Sie sich an dieses AHA-Erlebnis, als Sie beim Entrümpeln auf dem Speicher oder im Keller diese Kiste mit dem alten Krempel entdeckten? Was haben Sie da gefühlt?

Mein Rat: Wir allein wissen, was dem/der Angehörigen wichtig war und gefallen hat. Wir allein haben diesen Schatz gratis in der Hand! Schenken wir dem lieben Angehörigen eine schöne Erinnerung! Frohe Weihnachten!

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Mit Volldampf durch den „Waldfrieden“

Samstag, 5. Dezember 2009 von Alzheimer-Telefon

Die Advents- und Weihnachtszeit ist für uns Erzgebirgler eine ganz besondere Jahreszeit.
Es ist eine Zeit in der Familie, in Ruhe und Geborgenheit. Eine Zeit, in der ganz intensiv alle Sinne den Alltag bestimmen und begleiten. Gerüche wie Zimt oder Bratapfel, Weihrauch, Leim oder Lötzinn, die Melodie der Bergmannskapelle, der Turmbläser vom Kirchturm, die Glöckchen der Pyramide oder das Fahrgeräusch der Modellbahn auf dem Eisenbahnbrett.
Kerzen erhellen den Raum, es wird gebastelt, repariert und gebacken.

Diese wohligen Gefühle, oftmals bis in die Kindheit und das junge Erwachsenenalter zurückliegend, sollen in unseren Betreuungsalltag in der Begegnungsstätte „Waldfrieden“ in Thum einfließen und diese oder jene Träumerei wieder lebendig werden lassen. Denn wer erinnert sich nicht gern an seine Kindheit oder auch an das junge Erwachsenenalter, die so genannte Prägezeit.

Was für Mädchen und Mütter Puppenhaus oder Kaufmannsladen waren, ist für Jungen und Väter das geliebte Eisenbahnbrett. Da wurde geklebt und gelötet und jeder Vater war stolz, wenn alles funktioniert. Vom letzten Lohn wurde heimlich noch eine Lok gekauft. So mancher Vater hat für diese Leidenschaft das Rauchen aufgegeben, denn die Familienkasse ließ nicht beides zu. Erlebnisse, Erfahrungen, welche man „nie“ vergisst.

Diese ganzen wohligen Erinnerungen wollen wir in unserer Tagesbetreuung in den Monaten November/Dezember 2009 und Januar 2010 reaktivieren und anbieten. Speziell für unsere männlichen Gäste soll ein Eisenbahnbrett mit Landschaft aufgebaut werden. Gern auch noch mit unterschiedlichsten Utensilien rund um das Thema „Eisenbahn“ (Uniform, Pfeife, Öllampe…, Video).

Wenn dann noch die Schüler des Humanistischen Greifensteingymnasiums Thum oder der Freien Schule „Erzgebirgsblick“ Gelenau  zu Besuch kommen, hoffen wir auf angeregte Gespräche zwischen Jung und Alt am Eisenbahnbrett, am Tannenbaum.
Wir freuen uns auf diese schöne Zeit mit unseren Gästen der Tagesbetreuung des Deutschen Roten Kreuzes in Thum/ Erzgebirge. Wer Lust und Interesse hat, ist gern eingeladen, uns zu besuchen.

Silke Weigel
Leiterin Ambulante Soziale Dienste
DRK KV Annaberg-Buchholz e.V., Herolder Straße 8a, 09419 Thum

 

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Erinnerungspflege

Freitag, 6. Februar 2009 von DAlzG

Vor einigen Tagen bekamen wir per Mail eine Linkempfehlung zu einem Blog zum Thema Erinnerungspflege, die wir hier gerne weitergeben möchten.
Der Blog enthält 33 Anregungen, wie man die geistigen Aktivitäten demenzkrankern Menschen anregen kann. Dieses Blog wurde von einem Sozialpädagogen aufgebaut, der in einer Einrichtung in NRW arbeitet, die auf Bewohner mit Demenzerkrankung spezialisiert ist.

Er selbst beschreibt seine Erfahrungen: “Das Erinnern an “alte Zeiten” ist dabei eine Stärke gerade der altgewordenen Menschen, die uns sonst eher durch ihre “Defizite” auffallen. Insgesamt war ich selbst erstaunt, welche positiven Erfahrungen ich machen konnte.”
In dem Blog gibt es viele unterschiedliche Anregungen, mit denen man an alte Erinnerungen der Dementen anknüpfen kann. Sei es alte Filme oder Fotos anzuschauen, oder Schlager und Lieder aus alten Zeiten anzuhören und gemeinsam zu singen.
Auch Hinweise zu weiterführenden Büchern, die bei der Erinnungspflege weiterhelfen können, werden dort genannt.
Erinnerungspflege kann nicht als Heilmittel eingesetzt werden, hat aber einen nachweisbaren Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden der Kranken, wie der Autor in seinem Blog selbst beschreibt.
Schade ist nur, dass das Blog nicht weiter gepflegt wird, aber vielleicht fallen Ihnen selbst auch noch andere Möglichkeiten ein?
Zum Blog geht es hier: http://erinnerungspflege.wordpress.com/

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Beispiel für ein selbsterstelltes Heimübungsblatt

Samstag, 1. November 2008 von Nicole Ki-Kre

Leider gibt es wenig Material als Übungsbeispiele für Demenzkranke oder Angehörige, entweder sind diese ziemlich teuer, oder einfach zu schwer für viele Patienten.

Eine mögliche Vorlage für Ihr Übungsblatt könnte so aussehen:

Nenne mir mindestens 3/5/10 (Anzahl je nach Betroffenheitsgrad variieren) Frauennamen mit “S”, wie Susanne.

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Nenne mir mindestens 3/5/10 Haushaltsgegenstände.

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Zähle bitte von 91 immer 7 ab, bis du bei 0 angekommen bis.

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Nenne mir mindestens 3/5/10 Männernamen mit “H”, wie Heinrich.

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Was hast du heute morgen gefrühstückt? (Wahlweise: Zu Mittag gegessen)

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Wann ist/war Euer Hochzeitstag?

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Wie alt bist Du?

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Nenne mir bitte mindestens 3/5/10 Kleidungsstücke.

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Wie ist das Datum von heute?

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Dies sind natürlich nur eine Beispiele, diese können belibig variiert werden. Mehr Informationen stelle ich Ihnen auch gerne zur Verfügung, sie können mich dazu gerne über die Praxis kontaktieren.

Regelmäßiges Training ist sehr wichtig, das Gehirn funktioniert da ähnlich, wie ein Muskel, tut man nichts baut es sich viel schneller ab!

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Kochen und Alltagstätigkeiten nach Bildern

Dienstag, 30. September 2008 von Nicole Ki-Kre

Oft ist es so, das Reihenfolgen vertauscht werden oder Betroffene nicht mehr erinnern können, wie zum Beispiel Kaffee mit der Maschine zubereitet wird oder ähnliches. Die Verzweiflung ist verständlicherweise gross und es macht häufig Angst, solche Alltagskompetenzen zu verlieren.

Hier ein kleiner Tipp, der sich im Praxisalltag schon oft bewehrt hat:

Ich mache es oft mit den Patienten so, das ich sie zunächst aufschreiben lasse, wie eine bestimmte Tätigkeit, zum Beispiel eben Kaffee kochen, aussieht. Bestehen Lücken oder Verwechsler helfe ich gerne, aber nicht belehrend weiter.

Haben wir die Reihenfolge festgelegt, führen wir die Tätigkeit Schritt für Schritt aus, dies machen wir möglichst entweder im häuslichen Umfeld oder aber mit den häuslichen Gerätschaften (wir wollen ja Alltagsdinge beüben).

Es werden nun nach Absprache die einzelnen Tätigkeitsschritte fotografiert und mit dem aufgeschriebenen Text versehen. Diese Karten klebe ich auf recht festen Karton, je nach Thema einer Farbe zugeordnet.

So entstehen Bildkarten, die nummeriert werden und mit dem Text (der ggf. von mir  gut lesbarer Größe abgetippt wird) versehen werden.

Ich habe Patienten, die haben mehrere beschriftete Bildkartenboxen zu den verschiedensten Themen und kommen so mit weniger Hilfe zurrecht und werden wieder etwas sicherer.

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Ergotherapie und Tiergestützte Therapie als Hilfe für Demenzkranke

Montag, 29. September 2008 von Nicole Ki-Kre

Seit nunmehr 15 Jahren arbeite ich als Ergotherapeutin, seit 10 Jahren in eigener Praxis und seit dieser Zeit auch mit Hunden und Pferden als Co- Therapeuten.

Ich betreue viele Patienten die an unterschiedlichen Demenzformen erkrankt sind und versuche ihnen ein Stück Selbständigkeit und Lebensfreude zu erhalten oder wieder langsam aufzubauen. Wichtig ist mir in meiner Arbeit eine möglichst anheimelnde Atmosphäre zu schaffen, die Angst und Unsicherheit nimmt und den Patienten vermittelt “Hier bin ich gut aufgehoben und sicher.”

Ich arbeite mit den Patienten sowohl in der Praxis als auch bei Hausbesuchen/Heimbesuchen oder aber in Alltagssituationen ausserhalb der Praxis. Hier gehe ich mit den Betroffenen einkaufen, zum Beispiel nachdem wir ein Rezept geplant haben und dieses nun verwirklichen wollen. Wir gehen schwimmen, mit den Hunden spazieren, verabreden uns mit den Angehörigen am Stall, wo wir mit dem Pferden arbeiten, Waldspaziergänge planen oder Ãhnliches. Natürlich finden auch computergestützte Medien, Arbeitsblätter und therapeutische Spielmaterialien ihren Einsatz.

Bei der Arbeit mit meinen Tieren ist mir aufgefallen, das die meisten Patienten deutlich wacher und agiler werden, sich häufig besser konzentrieren und auch das Erinnerungsvermögen heller wird. Ganz davon abgesehen ist der Umgang mit Tieren auch für die Seele immer sehr wohltuend und die Tiere können der Seele viel Angst und Kummer abnehmen- was uns als Menschen nur teilweise gelingt. Mein Hund ist bei den Einheiten bis auf wenige Ausnahmen (Allergien, extreme Angst) immer dabei.

Ich versuche immer die Angehörigen mit einzubeziehen, auch dort Unsicherheiten abzubauen, Hilfestellungen zu leisten und Alltagshilfen zusammenzustellen. Ich biete den Angehörigen Informations- und Entspannungskurse an und arbeite gerade an einer gemeinsamen Wirbelsäulengymnastikgruppe.

Enorm wichtig finde ich die Einbindung Demenzkranker in den Alltag, Isolation führt zu einer schnelleren Isolation in sich selbst!

Zur Zeit entwickle ich Heimübungsprogramme, die ich meinen Patienten sozusagen als Hausaufgabe an die Hand gebe, denn ein oder zweimal in der Woche eine dreiviertel Stunde oder neunzig Minuten sind natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Für mich ist es wichtig immer als Ansprechpartner für meine Patienten, aber auch für “meine” Angehörigen da zu sein, denn manchmal brennt es eben nicht gerade in der vorgeplanten Therapiezeit.

Diese Seite finde ich sehr wichtig und ich möchte nun gerne, immer wenn es meine Zeit erlaubt alltagstaugliche Tipps einfließen lassen, Heimübungsprogramme anbieten (können auch umfassender über meine Praxis angefordert werden) und für fachliche Fragen zur Verfügung stehen.

Ihre

Nicole Kirschner- Kresse

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Betreuter Urlaub für Demenzkranke

Montag, 8. September 2008 von Ellen Nickel

Herr M. aus Oberhausen erkundigt sich bei uns am Alzheimer-Telefon nach betreutem Urlaub. Er kümmert sich um seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau seit fünf Jahren rund um die Uhr und braucht dringend Erholung. Anfangs konnte er noch allein mit seiner Frau verreisen, aber mit dem Fortschreiten der Krankheit traut er sich das nicht mehr zu.

Frau O. aus Rostock hat ihre demenzkranke Mutter vor zwei Jahren bei sich zu Hause aufgenommen. Ihre Mutter ist körperlich noch in sehr guter Verfassung, aber ausgesprochen unruhig. Den ganzen Tag läuft sie in der Wohnung umher, die Tochter hat nicht eine ungestörte freie Minute für sich. Frau O. möchte so gern mal wieder ein paar Tage ausspannen, sie kann aber ihre Mutter nicht allein zu Hause lassen. Eine stundenweise Versorgung durch einen Pflegedienst würde nicht ausreichen und in eine Kurzzeitpflege-Einrichtung möchte sie ihre Mutter nur ungern geben.

So wie in diesen Beispielen geht es vielen Angehörigen. Sie kümmern sich oft schon mehrere Jahre intensiv und häufig ganz alleine um ihre demenzkranken Familienmitglieder. Die ständige Sorge um die Kranken und der meist aufreibende Pflegealltag lässt Angehörigen häufig sehr wenig Raum, an ihre eigene Gesundheit zu denken und nach Erholungsmöglichkeiten zu suchen.
Am Alzheimer-Telefon bekommen (nicht nur) Angehörige Informationen, welche Möglichkeiten der Betreuung und Entlastung sich in der Versorgungslandschaft für demenzkranke Menschen und ihre Familien etabliert haben. Ein solches Angebot ist der so genannte betreute Urlaub. (Weiterlesen…)

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