Wie halte ich meinen Mann vom Autofahren ab?

Freitag, 5. September 2008 von Heike Mueller-Schulz

Das Autofahren stellt für viele Menschen ein Symbol ihrer Unabhängigkeit und Mobilität dar. In der älteren Generation tun sich gerade Männer schwer damit, wenn sie es aus gesundheitlichen Gründen aufgeben sollen. Der Umgang mit dem Autofahren ist auch ein häufiges Thema der Angehörigen, die am Alzheimer-Telefon Rat suchen.

Frau S. aus Hamburg wendet sich an das Alzheimer-Telefon. Sie berichtet von ihrem Mann, der von der AlzheimerKrankheit betroffen ist. Ihr Mann, ein leidenschaftlicher Autofahrer, wurde vom behandelnden Arzt aufgefordert, seinen Führerschein abzugeben. Er kann das nicht fassen, scheint die Situation auch nicht zu begreifen und beteuert immer wieder, er sei nach wie vor ein sicherer Autofahrer. Seine Frau berichtet von zahlreichen Begebenheiten im Straßenverkehr, bei denen ihr Mann die Übersicht verloren habe. Er habe Konzentrationsschwierigkeiten, könne die Geschwindigkeiten und Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen, so dass er in Situationen, in denen rasch reagiert werden muss, überfordert wirkt. Die Gefahr, dass er sich und andere gefährdet, ist sehr groß. Frau S. ist es nicht gelungen, „vernünftig” mit ihrem Mann über die Angelegenheit zu reden. Am Alzheimer-Telefon überlegen wir gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt.

Sie könnte ihrem Mann sagen:
• Das Auto sei kaputt, eine Reparatur wäre sehr teuer.
• Der Autoschlüssel sei verloren gegangen.
• Das Auto sei gestohlen worden.
• Er dürfe nicht Auto fahren, da die Medikamente, die er nehmen müsse, die Fahrtauglichkeit einschränken.

Folgende „praktische Maßnahmen” wären dankbar:
• Das Auto wird in einen fahrunfähigen Zustand versetzt, z. B. durch Abklemmen der Batterie.
• Frau S. macht selber den Führerschein.
• Das Ehepaar benutzt öffentliche Verkehrsmittel.
• Wenn Herr S. mit dem Auto fahren möchte, holen ihn seine Kinder ab.

• Kürzere Strecken werden mit dem Fahrrad zurückgelegt, längere mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
• Das Auto wird an die jüngste Tochter für eine begrenzte Zeit ausgeliehen.

Frau S. entscheidet sich für die zuletzt genannte Möglichkeit. Sie wird ihrem Mann erklären, dass die Tochter das Auto ausleihen wird, um schneller zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen und mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Natürlich ist das eine Ausrede und entspricht nicht der Wahrheit, aber es ist eine Möglichkeit, um Schaden zu verhindern.

Heike Müller-Schulz, Berlin

2 Personen gefällt dieser Artikel.

Stichwörter:

2 Kommentare zu “Wie halte ich meinen Mann vom Autofahren ab?”

  1. Erhard T schreibt:

    Danke für dieses Thema.
    Wie sieht es versicherungstechnisch aus, wenn ein Unfall passiert und der Alzheimerpatient ist gefahren?

  2. Alzheimer-Telefon schreibt:

    Aus versicherungstechnischer Sicht sollten Alzheimerkranke besser kein Auto mehr fahren.

    Die Rechtsanwältin Bärbel Schönhof schrieb dazu in einem Artikel:
    “Kfz-Haftpflichtversicherung
    Nach den Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung fallen nicht unter den Versicherungsschutz solche verschuldeten Unfälle, die u. a. durch Geistesstörungen – hier die Alzheimersche Erkrankung – verursacht wurden. Zwar bedeutet dies nicht, dass der geschädigte Dritte leer ausgeht, da ihm gegenüber der Versicherer in jedem Fall zur Leistung verpflichtet ist. Jedoch kann der Versicherer bei einer solchen Leistungspflicht von dem Alzheimerkranken die volle Schadenshöhe ersetzt verlangen. Dies bedeutet, dass der Unfallschaden letztendlich vom Alzheimerkranken zu begleichen ist. Bereits aus diesem Grunde ist davon abzuraten, dass erkrankte Angehörige weiterhin das Kraftfahrzeug nutzen “(mehr: http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=85).

    Allerdings gibt es gerade im frühen Stadium der Krankheit Menschen, die noch sehr sicher fahren können. Im Zweifelsfall kann man einen Fahreignungs-Test beim TÜV machen. Wenn der positiv ausfällt, dürfte auch die Versicherung keinen Grund haben, sich im Schadensfall auszuklinken.

Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben.


Unsere Seite bei Facebook