Kinderbuch “Herbst im Kopf”

Mittwoch, 20. Mai 2009 von Alzheimer-Telefon

Herbst im Kopf - Alzheimer Kinderbuch

„Stell dir vor, Oma Annis ganzes langes Leben wäre ein großer Baum!“ Jedes Erlebnis, jede Erfahrung, alles, was sie getan hat, stellt ein Blatt an diesem Baum dar. Und jetzt ist Herbst in Oma Annis Kopf. „Von ihrem Lebensbaum fallen die Blätter ab. Von Monat zu Monat mehr. Aber sie fallen nicht überall gleichzeitig ab, sondern als Erstes fallen die obersten ab. Und dann erst die, die darunter hängen. Und immer weiter so.“

Solche Erklärungen helfen Paula, die Krankheit Alzheimer, unter der ihre Oma leidet, besser zu verstehen. Und Paula begreift sehr gut, wie ihre Oma sich fühlen muss, wenn sie merkt, dass sie nicht mehr alles versteht, was um sie herum vorgeht. Dann ist sie ganz besonders lieb zu ihr. Außerdem weiß Paula, dass es noch vieles gibt, was mit ihrer Oma besonders schön ist. – Zum Beispiel Bilderbücher ansehen, weil sie nie ungeduldig zur nächsten Seite blättert.

Ein sehr schönes, informatives und einfühlsames Bilderbuch für Kinder ab etwa fünf Jahren.
Dagmar H. Mueller, Verena Ballhaus: Herbst im Kopf. Meine Oma Anni hat Alzheimer, Annette Betz-Verlag 2006, 32 Seiten, 12,95 €

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wer tröstet wen?

Dienstag, 5. Mai 2009 von helgajuttapetrauwe

erst war ich etwas beunruhigt, als ich heute wie gewohnt meine mutter im heim besuchte: sie war so traurig und das ist an sich nicht ihre art – sie ist eher der sonnenschein des tagesraums mit ihrem strahlenden lächeln als antwort auf jede ansprache. aber heute war sie eben traurig. man sah es am mund, an den augen; man spürte es. und als ich sie fragte, warum – ihr alzheimer läßt ja eigentlich keine “vernünftige” antwort mehr zu – lächelte sie traurig und streichelte mir zärtlich die wange. SIE MIR! was für eine fantastische übertragung ihres kummers auf mich. und ICH fühlte mich tatsächlich getröstet…

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Zusammen im Hier und Jetzt

Dienstag, 5. Mai 2009 von Heidi

 

Jeden Morgen beim Waschen bringe ich stimulierende Elemente mit ein, versuche, Mutter einzubeziehen. Dazu gehört auch, ein Lied zu singen, damit die Sache zum angenehmen Erlebnis statt lästiger Pflicht für uns beide wird. Meistens summt sie nur mit oder lächelt still vor sich hin.

Heute war das Lied dran „Wasser ist zum Waschen da, Fallerie und Fallera. Auch zum Zähneputzen kann man es benutzen….“ Also : mit dem Waschlappen Körperteile rubbeln und singen. Dabei war ich innerlich ganz woanders und überlegte gerade mal wieder, wie sehr Mutter im Laufe der Zeit zu meinem Hauptberuf geworden ist. Diese Gedanken übertrugen sich unbewusst auf mein Lied. Statt „Wasser ist …“ erklang „Mütter sind zum Waschen da, Fallerie und Fallera, auch zum Zähneputzen kann man sie benutzen“. Eigentlich gemein, aber das merkt sie ja eh nicht.

Einen Moment später schüttelte sich meine Mutter und lachte so laut und herzlich auf und strahlte, dass ich mich richtig erschrak. Wann hatte ich sie je so amüsiert gesehen? Was war passiert? Wie ein Blitz wurde mir klar, was ich da gesungen habe. Und dass sie sehr wohl erkannt hat, was ich damit gemeint habe. Ebenso, dass sie genau weiß, sie kann sich alleine nicht mehr waschen, ihre Tochter macht das jetzt. Also musste auch ich lachen, wir amüsierten uns beide noch eine Weile köstlich darüber.

Dieses Erlebnis zeigt mir ganz deutlich, dass Demenzkranke definitiv mitbekommen, was um sie herum und mit ihnen geschieht. Sie verstehen (fühlen), durchaus was wir über sie sagen, erkennen die Tragweite unserer Entscheidungen für und über sie, können Rückschlüsse ziehen. Auch wenn sie sich dazu selten äußern. Ab sofort werde ich rücksichtsvoller und liebevoller mit Mutter umgehen!

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