Tach, Herr Doktor
Frau H. läuft den ganzen Tag im Wohnbereich herum. Eines Nachmittags betrat sie das Zimmer von Herrn V., erkrankt an Alzheimer im Endstadium. Er saß an seinem kleinen Tisch, als sie herein kam, sie setzte sich ihm gegenüber auf einen Stuhl und fing an zu reden:
“Tach Herr Doktor, also das ist so, ich brauche eine Tablette, aber eine leichte, Herr Doktor, verstehen Sie? Starke Tabletten hab ich nämlich schon genug und deshalb dachte ich, Sie verschreiben mir eine leichte, wohlgemerkt nur eine leichte Tablette, nech, Herr Doktor, und ich komme dann morgen früh vorbei und bringe Ihnen das Geld. Was sagen Sie dazu?”
Der “Herr Doktor” saß nur schweigend und etwas müde da und sagte gar nichts dazu. Das störte Frau H. aber keineswegs. Sie verabschiedete sich mit den Worten: “Also abgemacht, Herr Doktor, ich komme dann morgen früh und bringe Ihnen das Geld. Auf Wiedersehen!”
Frau H. stand auf und verließ zufrieden das Zimmer.





