Artikel VNR: Tipps für die Kommunikation

Dienstag, 28. Dezember 2010 von DAlzG

Der VNR (Verlag für die deutsche Wirtschaft) beschäftigt sich auch intensiv mit dem Thema Demenz. Auch zum Thema Kommunikation, das hier in diesem Blog gerade das Fokusthema darstellt, wurde auf der Website ein Artikel veröffentlicht.

Das Ziel bei der Kommunikation mit Alzheimerkranken
Ich habe oft beobachtet, wie eine Person, die an Alzheimer leidet, gleich nach dem Essen schon wieder Hunger hat. Du machst sie darauf aufmerksam, dass sie gerade eben gegessen hat und dass sie keinen Hunger haben kann. Doch das nützt nichts. Im offenen Atelier unserer kunsttherapeutischen Seniorenheime ist dies etwa so vorgekommen: Eine Bewohnerin erzählt mir, dass sie in ihr Zimmer muss, da sie sonst bestohlen wird.”

Weiter geht es auf der Website des VNR.


Demenz und Gefühl

Freitag, 17. Dezember 2010 von wasgibtsdoc

Viele Mediziner neigen dazu die Demenz zu einer Fallpauschale zu degradieren.

Das ist sie nicht. Demenz ist weit mehr. Sie ist eine parallele Lebensform und wird immer mehr zu einer Parallelgesellschaft. Es ist nicht nur ein Patient betroffen. Es geht um MENSCHEN. Um viele Menschen. Nicht nur um den einen, der selbst betroffen ist, sondern um sein gesamtes Umfeld.

“Was der Betroffene an Menschlichkeit verliert, das müssen WIR hinzu gewinnen. Nur so überlebt die Menschenwürde.”

Der demenzkranke Mensch denkt anders. Er ist nicht “verrückt”. Seine Gefühle sind noch hellwach und topfit. Er spürt, wer es gut mit ihm meint. Wir müssen lernen zu spüren, was er/sie meint. Wir müssen seine/ihre Sprache lernen. Damit ermöglichen wir dem betroffenen Menschen die Kommunikation, die Berücksichtigung seiner Wünsche, die Steigerung seiner Lebensqualität, ja sogar sein Weiterleben.

Natürlich ist es schwer. Natürlich gerät man an seine eigenen Grenzen. Und es gibt genügend andere, die mit dem Finger auf uns zeigen und uns sagen, was wir alles falsch machen.

UNSINN !    Lassen Sie sich auf den betroffenen Menschen ein und gehen Sie auch auf ihn ein. ETWAS zu tun und sich RAT holen ist besser als den Kopf in den Sand stecken und NICHTS tun.

Arbeit mit demenzkranken und / oder alten Menschen ist keine “Seniorenbeturnung” oder “Altenbespassung” wie oft respektlos gesagt wird. Es ist eine Aufgabe, die unsere ganze Kraft erfordert.

In meiner langen Zeit, in der ich Menschen mit Demenz und deren Angehörige betreue und auch Helfer ausbilde, sammelte ich Erfahrungen und Erlebnisse. Emotionen, die ich in einem Lied über einen demenzkranken Menschen ausdrücken wollte. Dieses Lied hilft mir zu bestehen und zu verstehen. Vielleicht auch Ihnen.

Zu hören, bzw. zu sehen ist das Lied und das dazu gehörige Video auf meiner Homepage:

www.peter-plettenberg-geriatrie.de oder auf www.youtube.de unter den Schlagwörtern ” Peter Plettenberg Demenz”.

Es ist zu 100% MEIN Eigentum. Von mir komponiert, vertont und gesungen. Es ist GEMA-frei und es existieren keine anderweitigen Rechte.

Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Frohe Weihnachten und viel Kraft Ihnen allen.

Ihr   PP

Ein alter Mann und ich als Spiegel der Generationen

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Nonverbale Kommunikation in der späteren Krankheitsphase

Donnerstag, 16. Dezember 2010 von DAlzG

Menschen mit Demenz verlieren zunehmend die Fähigkeit, verbal, über die Sprache, zu kommunizieren. Wie steht es aber mit der Körpersprache? Verändert sich die nonverbale Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen?
Grundsätzlich ist es so, dass die körpersprachlichen Fähigkeiten bei den allermeisten Formen der Demenz länger erhalten bleiben als die verbalen. Es kommt allerdings zu einem immer größer werdenden Ungleichgewicht zwischen ihrer Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit: Bis weit in die Krankheit hinein können sie einen großen Teil unserer nonverbalen Signale richtig entschlüsseln. Wesentlich schneller verlieren sie jedoch die Fähigkeit, nonverbale Signale so zu produzieren, dass wir sie auch verstehen können.

Was sie wahrnehmen können
Menschen mit Demenz sind zumeist in der Lage, mimische Signale richtig zu deuten: Sie interpretieren ein Lächeln als Anzeichen von Freude und Stirnrunzeln sowie zusammengepresste Lippen als Hinweise für Ärger. Am Klang unserer Stimme, an unserer Körperhaltung sowie an unserer Geschwindigkeit erkennen sie, ob wir entspannt oder gestresst, gut gelaunt oder verärgert sind. Sie erkennen eine angebotene Hand oder ein Winken als Grußgesten. Daran, wie wir sie berühren und wie nahe wir ihnen kommen, lesen sie ab, ob wir sie mögen oder nicht.
Menschen mit Demenz merken es, wenn wir versuchen, etwas vor ihnen zu verbergen. Vor allem aber sind sie durch körpersprachliche Signale anderer Menschen, also beispielsweise durch deren gute Laune, Wut oder Unruhe ansteckbar: In dem Bemühen, zu verstehen, warum ein anderer Mensch ruft oder klopft, imitieren sie dieses Verhalten; und wenn man sie anstrahlt, verfliegen im Nu die Wut oder die Traurigkeit, die sie gerade eben noch empfunden und ausgedrückt haben. (Weiterlesen…)

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Alte Werte = ungeahnte Schätze

Freitag, 10. Dezember 2010 von Heidi

Eine kleine Plastikpuppe mit blondem Wuschelkopf, großen blauen Augen und einem etwas zerdrückten, spitzenumsäumten rosa Seidenkleid – das war mein Weihnachtsgeschenk im letzten Jahr für Mutter. Schön in Geschenkpapier verpackt, mit Schleife, so wie es sich gehört. Das Ergebnis war eine Überraschung für mich selbst: sie war total überwältigt!

Eigentlich war es ein Verlegenheitsgeschenk, denn was schenkt man einer Frau, die nur noch mit dem Gesichtsausdruck kommuniziert? Deren Leben ich komplett bestimme. Den üblichen Wollschal? Likör? Irgendetwas Neues? Mit Betonung auf „Neues“ ? Weiß sie was das Wort „Geschenk“ heißt und welche Erwartungen der Schenkende damit verknüpft?

Da fiel mir die Puppe ein. Mutter hatte sie mir vor Jahren geschenkt – und sie hat ihr selbst wesentlich mehr gefallen als mir.

Wenn ich so an meine Kindheit denke, damals hat sie mit mir zusammen ständig Puppenkleider genäht, gestrickt, bestickt. Wir hatten viel Spaß dabei. Und so kam mir diese Puppe in den Sinn, die ich mich nicht wegzuwerfen getraut habe, die nur ins Sichtfeld kam, wenn Mutter ihren Besuch angekündigt hat. Aber genau dieses Ding wurde zum absoluten Renner am Weihnachtsabend! Genau genommen wurde sie zu MEINEM schönsten Geschenk, als ich Mutter so strahlend und glücklich sah!

Ob sie die rosa Blondheit so schön fand oder einfach eine glückliche Erinnerung ausgelöst wurde, werden wir nie erfahren. Sie hat den ganzen Abend die Puppe in den Händen gehalten, gestreichelt, das Kleid zurechtgezupft, das Haar glatt gestrichen, verträumt gelächelt.

Etwas Schöneres kann man sich nicht vorstellen. Aber nachfühlen: Erinnern Sie sich an dieses AHA-Erlebnis, als Sie beim Entrümpeln auf dem Speicher oder im Keller diese Kiste mit dem alten Krempel entdeckten? Was haben Sie da gefühlt?

Mein Rat: Wir allein wissen, was dem/der Angehörigen wichtig war und gefallen hat. Wir allein haben diesen Schatz gratis in der Hand! Schenken wir dem lieben Angehörigen eine schöne Erinnerung! Frohe Weihnachten!

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Wenn du’s nicht sagen kannst, dann sing’s

Donnerstag, 9. Dezember 2010 von DAlzG

Musik ist Kommunikation

Frau Hansen (Name geändert)  sitzt die meiste Zeit des Tages unbeachtet in einer Ecke des Stationsflures, wo sie mit der Zeit eine Eigenart entwickelte, die seither kennzeichnend für ihr Verhalten ist: Sie klopft sich fortwährend mit beiden Händen auf Oberschenkel, Brust und Stirn. Gleichzeitig hat sie das Sprechen fast gänzlich eingestellt, schimpft nur noch, wenn ihr jemand zu nahe tritt und macht im Übrigen einen unbeteiligten Eindruck.
Um besser zu verstehen wie sie sich befindet, setzte ich mich einige Wochen lang immer mal wieder in einem Abstand neben sie auf die Bank. Ich greife ihr Verhalten auf und steige in den Rhythmus ihrer sich immer wiederholenden Klopfmuster ein: Beine, Brust, Stirn. Als ich merke, dass sie mich interessiert von der Seite ansieht, variiere ich das Muster, indem ich die Hände über Kreuz auf meine Schenkel schlage. Sie ahmt diese Veränderung nach und mit der Zeit wird das Klopfen spielerischer. Als sie irgendwann beginnt zu lächeln und schließlich lachend auf meine anstatt auf ihre Schenkel schlägt, ist der Bann gebrochen. Von nun an finden wir schnell in ein humorvolles und kreatives Klopfspiel, wann immer ich mich neben sie setze.

Wo Sprache ihre Grenzen hat oder nicht mehr vorhanden ist, finden Menschen in der Musik Möglichkeiten des Ausdrucks. Sie singen, pfeifen, summen und lautieren. Sie klatschen in die Hände, schwingen die Arme wie ein Dirigent oder beklopfen wie Frau Hansen ihren Körper. Je stärker ausgeprägt eine Demenz, desto mehr verlegen sich Menschen auf nichtsprachliche Formen der Kommunikation.

Menschen ohne Demenz macht das oft verlegen oder hilflos. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit meiner Frau noch anfangen soll, seitdem sie nicht mehr spricht“, sagt ein Mann, der immer seltener zu Besuch ins Pflegeheim kommt. Eine andere Angehörige indes sagt: „Seitdem mein Mann das Sprechen eingestellt hat, verständigen wir uns in unserem Singsang. Ich spüre dann, wie er sich fühlt, kann ihn erreichen, und er kann sich mir mitteilen. Mit unserem Singsang konnten wir schon manche Situation entschärfen.“ (Weiterlesen…)

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Weihnachten mit einem demenzkranken Angehörigen

Donnerstag, 9. Dezember 2010 von Heike Mueller-Schulz

Weihnachten steht vor der Tür. Ein Fest, das traditionell im Kreis der Familie gefeiert wird und mit dem ältere Menschen viele Erinnerungen verbinden.

„Meine Mutter“, so eine Angehörige am Alzheimer-Telefon „lebt im Heim. Wir überlegen, ob wir das Weihnachtsfest in diesem Jahr gemeinsam mit ihr im Kreis der Familie feiern sollen. Im Heim wurde uns abgeraten. Mutter war nach dem letzten Besuch bei uns sehr unruhig und konnte sich, so die Pflegekräfte, schlecht wieder einleben. Doch ich hatte das Gefühl, dass es ihr gut ging, sie hat viel gelacht, wir haben von damals erzählt und die gemeinsame Zeit genossen. Wie verhalte ich mich jetzt am besten?“

„Das Weihnachtsfest ist das Fest der Familie und das Bedürfnis, seine Lieben um sich zu haben und gemeinsam zu feiern, ist sehr groß. Versuchen Sie trotzdem genau zu überlegen, wie es aussehen wird, wenn Ihre Mutter in diesen Tagen bei Ihnen ist: Mit dem Fest sind einige Vorbereitungen verbunden. Kann Ihre Mutter dabei helfen oder wird sie vielmehr orientierungslos sein, weil Sie sich ihr nicht durchgehend widmen können? Lassen sich die Aufgaben auf mehrere Familienmitglieder verteilen? Was ist, wenn Ihre Mutter unruhig wird und herumwandert oder beginnt, den Weihnachtsbaum abzuschmücken? Wird das die Stimmung zerstören und Unfrieden hervorbringen? Versuchen Sie, diese Dinge möglichst objektiv zu überdenken. Wenn Sie meinen, dass die Chancen für ein harmonisches Fest bei Ihnen zu Hause gut stehen, dann sprechen Sie mit dem Personal im Heim darüber. Bitten Sie um Verständnis, wenn Ihre Mutter in der Zeit danach wieder gesteigert unruhig sein sollte. Wenn Sie aber das Gefühl haben, mit der Situation zu Hause überfordert zu sein, dann überlegen Sie lieber, wie Sie das Fest für Ihre Mutter auch im Heim stimmungsvoll und schön gestalten können.“

Vorschläge zur Gestaltung des gemeinsamen Festes:

Sie als Angehörige machen sich vielleicht Gedanken darüber, wie Sie das Fest gestalten sollen. Sie fragen sich, wie es sein wird, wenn Vater oder Mutter Weihnachten bei Ihnen sind, oder was Sie tun können, damit Ihre Angehörigen diese Zeit auch im Heim festlich verbringen können.

Gerade traditionelle Feste wie das Weihnachtsfest können aufgrund der Bedeutung, der Gewohnheiten und der Rituale, mit denen in der Familie gefeiert wurde, viele Möglichkeiten für eine wohltuende gemeinsame Zeit bieten. (Weiterlesen…)

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Preisgekrönter Artikel im Spiegel: Interview mit an Alzheimer erkrankten Professor

Dienstag, 7. Dezember 2010 von Redaktion Alzheimerblog

Der Deutsche Reporterpreis vergab an die SPIEGEL-Redakteurin Beate Lakotta eine Auszeichnung für das beste Interview. In ihrem Interview spricht sie mit dem Psychologieprofessor Richard Taylor über seine Alzheimerkrankheit.

Die Jury urteilte: Die Krankheit Alzheimer wird hier aus der Perspektive eines Betroffenen beschrieben, man erfährt in dem Interview mehr als in anderen Textformen über die brüchige Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit.

Hier das Interview: Ein Leben wie im Fegefeuer.

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Gruß zum Nikolaus

Montag, 6. Dezember 2010 von DAlzG

Liebe Leser und Leserinnen des Alzheimer Blogs, wir wünschen
Ihnen prall gefüllte Stiefel und schöne Überraschungen und
Geschenke!

Bildquelle: Pixelio

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Guter Kontakt ist möglich

Mittwoch, 1. Dezember 2010 von DAlzG

Kommunikation mit Menschen mit Demenz

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen und Kommunikation ist die Brücke zum anderen Menschen. Wir suchen Kontakt zu Anderen und ermöglichen einander so Beteiligung, Anteilnahme, Austausch, Identifikation, Gemeinschaft und Beziehung. Dazu brauchen wir nicht notwendigerweise Worte. Kontakt können wir auch mit einer einladenden Geste, mit einem Augenaufschlag, einem freundlichen Lächeln und trommelnd herstellen. Und doch ist der Kontakt mit Sprache etwas Besonderes. Wir besprechen unsere Pläne und Träume miteinander, wir teilen unsere Erinnerungen und Erfahrungen, unsere Gefühle und Befürchtungen.
Von klein auf treten wir über die Sprache mit anderen Menschen in Beziehung. Sie bildet eine oft unreflektierte und doch viele Handlungen begleitende Brücke in die Gemeinschaft. Die meisten unserer Enttäuschungen und Konflikte haben ihre Ursache in Missverständnissen, und somit häufig in der sprachlichen Kommunikation.

Noch wissen wir viel zu wenig, wie demente Menschen fühlen, auf welche Weise sie ihre Umwelt wahrnehmen und wie sie das Miteinander mit einem anderen Menschen erleben. Es ist mit Sicherheit falsch anzunehmen, dass ein Mensch mit Demenz grundsätzlich nichts versteht. Mit dem Fortschritt der Erkrankung verändert sich allerdings die Sprachwahrnehmung. Der Wortschatz schwindet und ebenso die Fähigkeit die passenden Begriffe zu finden. Ganz sicher bleibt jedoch das Bedürfnis erhalten, in Beziehung zu treten und Teil der Gemeinschaft zu sein.
In der Begegnung mit einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist, gelingt uns der Kontakt am leichtesten, wenn wir die ersten Momente richtig nutzen. Damit er weiß, dass er gemeint ist, spreche ich ihn oder sie mit dem Namen an. Das tue ich immer, egal wie oft am Tag ich den Kontakt aufnehmen will. Ich schaue die angesprochene Person an und vergewissere mich so, dass sie sich gemeint fühlt. Ich warte auf die Erwiderung meines Blicks. Dann atme ich ein: Auf diese Weise gebe ich ihr genug Zeit, sich einzufinden. Das Atmen vor dem Sprechen macht meine Stimme warm und volltönend. Es stärkt meine Konzentration auf das Gegenüber und bewirkt eine Entschleunigung.  Beides ist im Kontakt zu einem Menschen mit Demenz von unschätzbarem Wert.
Die drei A für den Auftakt sind also: Ansprechen mit dem Namen – Ansehen – Atmen. (Weiterlesen…)

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