„Wie ich mich einmal in alles verliebte“

Dienstag, 8. März 2011 von Alzheimer-Telefon

Cover Block "Wie ich mich..."Der Roman „Wie ich mich einmal in alles verliebte“ von Stefan Merrill Block beginnt mit der Geschichte von Abel. Abel liebt die Frau seines Bruders: “Ich liebte sogar Dinge an ihr, die normalerweise nicht als liebenswert gelten. Zum Beispiel ihre Zehen. Nicht nur die Füße, nein, auch die Zehen. Krumm und schief von Geburt an, aber für mich so schön wie die Zacken eines Diadems.”

Dann gibt es Seth, der gleich mehrere Probleme hat. Er ist ein „Freak“, hat Akne, normale Mädchen ignorieren ihn und seine Mutter leidet an einer vererbbaren Alzheimer Frühform. Durch die Erkrankung der Mutter interessiert sich Seth neben den biologischen Grundlagen der Alzheimer Frühform vor allen Dingen für die Verbreitung der Krankheit. Er beschließt später ein Heilmittel gegen die Krankheit zu finden, aber zuerst macht er sich auf Suche nach der Herkunftsfamilie seiner Mutter.

Stefan Merrill Block verarbeitet in seinem Buch sehr viel.
Nicht nur, dass zwei Geschichten von ganz unterschiedlichen Personen (Abel und Seth) erzählt werden, in seinem Buch laufen weitere Handlungsebenen parallel. Unter anderem werden berührende Familiengeschichten von Personen, die an der Alzheimer-Krankheit leiden, angerissen, wie zum Beispiel die Geschichte der Llywelyn-Schwestern. Dazu ein Textbeispiel: „Barbara, die Jüngste und etwa so alt wie meine Mutter, war noch voll da. Patricia, die mittlere Schwester, geriet immer wieder aus nichtigem Grund in Rage. Und Judith, die Älteste, schlürfte Saft aus einer Trinkflasche und starrte unentwegt auf die Teletubbies, die gurrend über den Wandfernseher hampelten.“ (Weiterlesen…)

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Dämmerlicht

Mittwoch, 19. November 2008 von Wilfried Georgi

Hallo Wilfried,

wie telefonisch versprochen, schicke ich Dir im Anhang einige von mir geschriebene Zeilen zum Thema Demenz. Entstanden sind sie, während ich meinen Vater beobachtet habe, wenn er geistesabwesend vor sich hinsinnt. Dabei mache ich mir oft Gedanken, was so in seinem Kopf vor sich geht.
Manchmal stelle ich mir das so wie unten geschildert vor.

Viele Grüße auch von meinem Mann,
die Neumänner

Dämmerlicht

Ich sitze im Dämmerlicht. Die Beine hochgelegt, den Rücken bequem –warm –gemütlich in die Kissen gelehnt. Langsam wird es um mich herum dunkel.
Jemand kommt – fasst sanft meine Hand: „Gut so? Alles klar?“ „Alles klar?“ – Ich nicke. Danach eine andere Hand, klein, klebrig. Als ich später an meinen Fingern lecke, schmecken sie nach Schokolade. „Alles klar, Opa?“ Alles klar? – Nichts ist klar! Wer war das eben? Was tue ich hier? Wo bin ich?

Ich! – Wer bin ich; und wozu bin ich noch da, wenn ich das alles nicht mehr weiß? Alles klar. Ich bin ich! Wo, warum, wann – egal. Jetzt ist alles gut! Ich bin ich; hier und heute.

Wer bin ich, wo bin ich, welcher Tag ist heute? Früher war alles gut; alles klar. Ich war jung, verheiratet, hatte Kinder, Freunde, Kollegen; war angesehen, geschätzt, wurde überall gebraucht, zu Hause und im Betrieb. Selbst die Jungen kamen und fragten um Rat … .
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