Professor Dr. Hirsch ist Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie an den LVR-Kliniken in Bonn. Er ist ausgebildeter Mediziner und Psychologe und bereits seit 1980 im Bereich der Altersforschung tätig.
Seit wann beschäftigen Sie sich speziell mit dem Thema Humor?
Ich habe schon als Kind bemerkt, mit Recht haben komme ich nicht weiter, auch wenn ich wirklich im Recht bin. Aber wenn ich mit meinem Verhalten gespielt habe und mich mal bewusst kleiner gemacht und damit den anderen überhöht habe, fällt es leichter, unangenehme Situationen nicht mit Macht, sondern mit Humor aufzulösen.
Haben ältere Menschen weniger zu lachen?
Angeblich lachen Kinder 400 mal am Tag, Erwachsene nur 20-30 mal, aber dafür gibt es keine Forschungsergebnisse. Nachgewiesen ist allerdings, dass die Heiterkeit und Gelassenheit im Alter zunimmt. Ich selbst lerne im Kontakt mit älteren Menschen, wie man in kritischen Situationen seinen Humor einsetzen kann.
Ist Humor wirklich angemessen bei so einer ernsthaften Krankheit wie Alzheimer?
Nichts ist so schlimm, wenn man es nicht so schlimm nimmt, wie es ist.
Jede Krankheit ist schlimm, aber man muss auch schauen, welche Ressourcen man hat, und dazu gehört eindeutig Humor. Um das Schlimme muss man nicht sich kümmern, das ist einfach da, aber man sollte lernen, sich auch mit den „anderen“ Seiten zu beschäftigen. Eine davon ist der Humor. Denn dadurch gewinnt man wieder Lebenskraft, die im Alltag weiterhilft.
Die Autoren Baer und Schotte leiten als Therapeuten ein Institut für Gerontopsychatrie. In ihrem Buch schildern sie ihre Erfahrungen aus ihrer Arbeit und zeigen Wege auf, wie Angehörige oder Pflegende neue Zugänge finden können zu demenzkranken Menschen. Sie schildern sehr anschaulich, dass Menschen, die an Vergesslichkeit leiden, zwar vieles verstandesmäßig vergessen, aber dass in ihnen immer noch Emotionen und Gefühle vorhanden sind, die angesprochen werden können.
Jeder, der sich mit einem demenzkranken Menschen beschäftigt, kennt die scheinbar unbegründeten und oft unerklärlichen Gefühlsausbrüche oder Reaktionen, die plötzlich zu Tage treten können. Hilflosigkeit oder der Versuch, diese Handlungen zu unterbinden, sind meist die gängigen Umgangsmethoden. Doch wer sich die Zeit nimmt, herauszufinden, welche alten Erlebnisse diese Emotionen hervorgerufen haben, kann einen ganz neuen Zugang zu diesen Menschen finden. Dies geschieht durch das Annehmen und Begleiten der Handlungen, anstatt sie zu beschwichtigen oder zu bekämpfen. Die vielen anschaulichen Fallbeispiele erläutern sehr gut, wie ein bisher vielleicht zuwenig beachteter Zugang zu demenzkranken Menschen möglich ist: nämlich über das Herz.
Einen kleinen Textauszug zu diesem Buch finden Sie auf der Website der Autoren.
Das KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe) hat sein umfangreiches Informationsangebot zum Thema Demenz erweitert und die DVD-Box „Demenz-Filmratgeber für Angehörige” in sein Onlineshopangebot aufgenommen. Die DVD-Box beinhaltet den Spielfilm „Eines Tages…”, zwei weitere DVDs mit 12 Themenfilmen (360 Min.) sowie eine CD-ROM mit Materialien. Initiiert und gefördert wurde das Filmprojekt vom Landschaftsverband Rheinland, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und den nordrhein-westfälischen Pflegekassen mit fachlicher Unterstützung u.a. des Kuratoriums Deutsche Altershilfe.
Der Spielfilm „Eines Tages…” mit Horst Janson, Annekathrin Bürger, Heinrich Schafmeister u.v.a. beschreibt in drei miteinander verwobenen Episoden die Entwicklung einer Demenzerkrankung in ihren unterschiedlichen Phasen.
Ziel des Medienangebotes ist es, Angehörigen von Demenzkranken aber auch ehrenamtlich und professionell Betreuenden konkrete Hilfestellung zu bieten. In den 12 Themenfilmen geben Ärzte, Pflegekräfte, Experten und Angehörige ihre Erfahrungen mit dem Thema in zahlreichen Interviews weiter. Dazwischen zeigen Spielfilmszenen typisches Verhalten, bringen Konflikte auf den Punkt und weisen Lösungswege. Die Mischung aus Fiktion und realen Erlebnisberichten ermöglicht vielschichtige Einblicke in den Alltag mit Demenz und gibt wertvolle Hinweise für die häusliche Betreuung. Medizinische und rechtliche Informationen ergänzen die Themenpalette. Die CD-ROM mit Materialien gibt Textinformationen zu den Themenfilmen, enthält Dokumente, Checklisten, wichtige Adressen und Links.
Helga Rohra, 56 J., hat vor 2 Jahren eine Demenz-Diagnose erhalten. Im März 2010 wurde sie als erste Demenz-Erkrankte in den Vorstand der Alzheimer Gesellschaft München gewählt und hat knapp zwei Wochen später als Delegierte am Internationalen Alzheimer-Kongress in Thessaloniki (Griechenland) teilgenommen.
Seit sie mit ihrer Diagnose an die Öffentlichkeit gegangen ist, wird Frau Rohra immer öfter darum gebeten, über ihre Erfahrungen in den Medien zu berichten.
Am 21. Mai 2010 war sie zu Gast bei Markus Lanz. Die Sendung ist zu sehen in der ZDF-Mediathek unter:
Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz – davon ist immer öfter auch in den Zeitungen die Rede. Sie werden vor allem als bessere Alternative zum Heim dargestellt. Wie sich aber das Leben in einer Demenz-WG von dem im Heim unterscheidet und vor allem, was dies auch für die betreuenden Angehörigen bedeutet, ist den meisten nicht so klar.
Die Alzheimer Gesellschaft Brandenburg hat nun in einer Broschüre fundierte Informationen zu diesem Thema, Tipps zur Selbstorganisation einer WG sowie rechtliche, organisatorische und finanzielle Hinweise zusammengstellt, die zur Auswahl und Neugründung einer Demenz-WG sehr hilfreich sind. Die Broschüre ist außerdem gut verständlich geschrieben und liebevoll illustriert – aus meiner Sicht für alle Interessierten absolut empfehlenswert!
Die Broschüre kann für 6 € bestellt werden, steht aber auch als pdf zum Download zu Verfügung unter
Das Thema Alzheimer ist in der Wissensendung “Quarks & Co” bereits mehrfach aufgegriffen worden.
Diesmal wird Christian Zimmermann im Studio sein, ein Münchner Unternehmer, bei dem 2007 die Krankheit Alzheimer diagostiziert wurde. Christian Zimmermann hat sich entschlossen, mit seiner Erkrankung offen und offensiv umzugehen. Bereits im Oktober 2008 hat er auf dem Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Erfurt darüber gesprochen.
Als zweiter Gast ist der Alzheimer-Forscher Prof. Hans Förstl im Studio, der über die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten und vor allem über Möglichkeiten der individuellen Prävention berichtet.
“Wohin mit Vater?” beruht auf dem gleichnamigen Sachbuch eines Journalisten, der anonym bleiben will und muss. Denn das Leben mit einer illegalen Hilfskraft aus einem osteuropäischen Land gehört zwar längst zum deutschen Alltag (nach Schätzungen arbeiten derzeit etwa 100.000 Helferinnen aus Ost- und Mitteleuropa in Deutschland), doch bisher gibt es kaum Möglichkeiten diese Arbeitsform auf bezahlbare Weise zu legalisieren und den Frauen einen legalen Aufenthalt zu ermöglichen.
Das ZDF strahlt diesen Film in der Reihe “Fernsehfilm der Woche” am 29.3.2010 um 20:15 Uhr aus.
In der Sendereihe “Menschen unter uns” wird diesmal der Münchner Unternehmer Christian Zimmermann vorgestellt, der mit 57 Jahren an Alzheimer erkrankt ist. Er hat für sich einen Weg gefunden, mit der Krankheit zu leben, und will auch anderen Mut machen, die Krankheit anzunehmen und ihr Leben damit zu gestalten.
Ich bin gespannt, was er zu sagen hat, und würde mich auch über eine Diskussion zu der Sendung freuen!
Susanna Saxl
Alice ist eine Frau in den besten Jahren und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ihre Kinder habe die Schule hinter sich, sie selbst ist eine anerkannte Professorin für kognitive Psychologie an der renommierten Harvard-Universität. Doch plötzlich beginnt sie Dinge zu verlegen, Termine zu vergessen, verirrt sich beim Joggen in der Nähe ihres Hauses. Nach Monaten der Arztbesuche und Diagnostik erfährt sie schließlich, dass sie an einer frühen Form der Alzheimer-Krankheit leidet. Lisa Genova beschreibt in ihrem Roman Alice’ Weg von den Anfängen der Krankheit über die Schwierigkeit für sie und für ihre Familie, die Diagnose zu akzeptieren, den schrittweisen Rückzug aus dem Arbeitsleben bis in eine Zeit, in der die Namen und die Beziehungen zu den Menschen um sie herum immer undeutlicher werden. Die Autorin zeigt aber nicht nur den Verlust, den die Krankheit mit sich bringt, sondern auch die nach wie vor vorhandenen Kompetenzen, den Willen trotz Alzheimer so lange wie möglich selbstständig und von anderen unabhängig zu bleiben und auch für sich selbst zu sprechen.
Lisa Genova hat für diesen Roman sorgfältig recherchiert, mit Ärzten und Wissenschaftlern aber auch mit vielen Betroffenen selbst gesprochen. Es ist ihr gelungen, ein sehr bewegendes, glaubwürdiges und trotz der traurigen Thematik auch hoffnungsvolles Buch zu schreiben.
Mittwoch, 30. Dezember 2009 von helgajuttapetrauwe
ein etwas ungewöhnliches buch zum thema demenz, wobei “demenz” nicht das hauptthema ist, aber im roman eine wichtige rolle spielt und für mich wieder einmal deutlich macht, dass diese krankheit noch viel stärker ins bewußtsein der menschen im alltag allgemein vorrücken muss, um die betroffenen und deren angehörige besser zu verstehen. ebenso wird deutlich, dass kulturelle und gesellschaftliche hintergünde zwar keine rolle spielen im “demokratischen” zuschlagen von alzheimer/demenz aber wohl im umgang damit…
es geht in diesem roman um sowohl den persönlichen als auch den kulturellen gedächtnisverlust einer kanadierin, deren ursprung in der karibik liegt. ihr sohn, erst vor den verhältnissen geflüchtet, kehrt zurück und versucht, das mosaik ihrer schwindenden erinnerungen zusammenzusetzen.
david chariandry: der karibische dämon, verlag suhrkamp 16,80 €
p.s.: das wort “schnurrbrauen”, im buch ein zarter roter faden, ist für mich so typisch für das sprachverhalten dementer und berührt mich